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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 08.10.2014

Kampagne #HeforShe - Emma Watson im Kampf fĂŒr Geschlechtergleicheit
Chaleena Bienecke

Die kleine Zauberin aus der Harry Potter-Filmreihe ist nun groß geworden. Oft spielte die Britin starke und unabhĂ€ngige Rollen. Nun fungiert sie auch im realen Leben als Vorbild fĂŒr junge Frauen.



Im April 2014 wurde die Schauspielerin aufgrund ihres Engagements fĂŒr MĂ€dchen in Bangladesh und Sambia zur UN-Sonderbotschafterin fĂŒr Frauen ernannt. Sie engagiert sich seitdem verstĂ€rkt fĂŒr Gleichberechtigung in aller Welt. Die frischgebackene Absolventin in Englischer Literatur und Liebling der Medien ist fĂŒr diese Aufgabe prĂ€destiniert. Gerade Sympathie ist eine gute Voraussetzung, um sich in der Welt Gehör zu verschaffen. Und genau das hat Watson vor – als Gesicht der Kampagne "#HeforShe" appelliert sie an die MĂ€nner dieser Welt, sie in ihrem Einsatz gegen Geschlechterdiskriminierung zu unterstĂŒtzen. Und dieser Apell erreichte auch uns in Deutschland. Am 7. Oktober rief die Organisation UN Women Internationales Komitee Deutschland e.V. MĂ€nner dazu auf, sich der Kampagne anzuschließen und so auch dem Kampf gegen Diskriminierung. Prominente UnterstĂŒtzer der Kampagne sind unter anderem GeneralsekretĂ€r Ban Ki Moon und Will Smith sowie von deutscher Seite Schauspieler Dirk Moritz und Moderator Jaafar Abdul Karim.

Ihre Rede, die die Schauspielerin am 20. September vor den Vereinten Nationen in New York hielt, ging um die ganze Welt und wurde allein auf Youtube bereits knapp sechs Millionen mal aufgerufen. Die Aufnahme zeigt eine sichtlich nervöse Emma Watson, die im strenggeschnittenen Dior-Kleid vor den UN-Abgeordneten ĂŒber die Gleichstellung der Geschlechter spricht. Zu Anfang begrĂŒndet sie ihre Einsatzbereitschaft mit persönlichen Erfahrungen als Frau und liefert zugleich Beispiele fĂŒr die immer noch wĂ€hrende Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.

"Als ich 8 war, nannten mich die Leute herrisch, weil ich genauso wie die Jungs ĂŒber unser TheaterstĂŒck mitbestimmen wollte. Als ich 14 war, begannen die Medien, mich zu sexualisieren. Als ich 15 war, stiegen meine Freundinnen aus ihren Sportteams aus, weil sie nicht zu muskulös werden wollten. Als ich 18 war, konnten meine mĂ€nnlichen Freunde nicht mehr ĂŒber ihre GefĂŒhle sprechen. Ich entschied, dass ich eine Feministin bin."

Die Feministin

Im Anschluss beleuchtet Emma Watson den Begriff "Feministin" und wie hĂ€ufig dieser heutzutage negativ bewertet oder mit MĂ€nnerhass verbunden wird. Das Bild, das dieser Begriff in den Köpfen hervorruft, sei das einer aggressiven, unattraktiven Frau, die alle MĂ€nner verachtet und verabscheut. Mit diesem Vorurteil mĂŒsse aufgerĂ€umt werden, denn Feminismus beschreibe lediglich die Überzeugung von "politischer, ökonomischer und sozialer Gleichheit der Geschlechter" zu teilen. Zudem betont sie, dass es eben nicht das Wort sei, das zĂ€hlen sollte, sondern der Gedanke, der dahinter stecke. Emma Watson hat mit dieser Rede augenscheinlich einen wunden Punkt getroffen, wie in den Kommentaren im Internet zu lesen ist. In sozialen Netzwerken lĂ€stern frauenfeindliche Kritiker ĂŒber ihren Auftritt und eine Marketing-Firma leistet sich den geschmacklosen PR-Gag, auf der Homepage von Watson damit zu drohen, Nacktbilder von ihr zu veröffentlichen, sollte sie nicht den Mund halten. Es ist offenbar tatsĂ€chlich so, dass Feminismus "Out" ist. Die Vorstellung der mĂ€nnerhassenden Feministin hat sich eingebrannt, und trĂ€gt dazu bei, dass MĂ€nner sich im Feminismus nicht toleriert fĂŒhlen und Frauen sich oft davon distanzieren. Die Reaktionen zeigen deutlich, wie sehr der Feminismus Frauen wie Emma Watson braucht.

#HeforShe

Emma Watson spricht in ihrer Rede jedoch nicht nur von den Ungerechtigkeiten gegenĂŒber Frauen, sondern auch von dem Recht der MĂ€nner auf Gleichberechtigung und Toleranz. Dies unterstĂŒtzt die AuthentizitĂ€t der Kampagne "HEFORSHE", die sich immerhin vorrangig an MĂ€nner richtet und die soziale Ungleichheit beenden will. Ihre Hoffnung, sagt Emma Watson, sei es, den MĂ€nnern, genauso wie den Frauen die Last zu nehmen, stĂ€ndig Rollenklischees erfĂŒllen zu mĂŒssen. Sie meint, MĂ€nner leiden an den ĂŒberholten Bildern von mĂ€nnlich und weiblich genauso wie Frauen, wenn nicht sogar noch mehr:

"Ich habe junge MĂ€nner gesehen, die an psychischen Krankheiten leiden, die sich keine Hilfe suchen konnten aus Angst, sie wĂ€ren dadurch weniger Mann. TatsĂ€chlich ist Suizid in Großbritannien die hĂ€ufigste Todesursache von MĂ€nnern zwischen 20 und 49 und ĂŒbertreffen damit VerkehrsunfĂ€lle, Krebs und Herzinfarkte. Ich habe MĂ€nner erlebt, die durch eine verzerrte Vorstellung davon, was mĂ€nnlichen Erfolg ausmacht, zerbrechlich und unsicher waren. Auch MĂ€nner genießen nicht die Vorteile der Gleichberechtigung."

Sie plĂ€diert dafĂŒr anzuerkennen, dass auch MĂ€nner sensibel und hilflos sein dĂŒrfen, ohne Angst haben zu mĂŒssen, nur als "halber Mann" zu gelten. Genauso, wie Frauen sich trauen sollten, stark und unabhĂ€ngig zu sein, ohne zu befĂŒrchten, nicht mehr als "ganze Frau" gesehen zu werden. Eine freiere Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ohne diese Mauern wĂŒrde allen dazu verhelfen, im Kern vollstĂ€ndiger zu sein und dem eigenen "Selbst" nĂ€her zu kommen.

Gleichheit aller Geschlechter

Emma Watson bringt mit ihrer Rede einen zunehmend öfter geĂ€ußerten Wunsch nach einem Leben ohne aufgezwungene Rollenklischees zum Ausdruck. Viele Menschen unterstĂŒtzen die Idee von einem universellen Geschlecht fĂŒr alle, um die vielfĂ€ltigen Formen von Geschlechter-Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Als junge Frau aus der Generation "Y" oder sogenannte Millennials habe ich – die Verfasserin - in den letzten Jahren immer öfter Menschen getroffen, die aus ihrer Rolle "weiblich"/"mĂ€nnlich" vollstĂ€ndig ausgebrochen sind und sich jenseits der gesellschaftlichen Erwartungen neu erfunden haben. Diese Menschen sind mutig genug, sich selbst zu verwirklichen und nehmen dafĂŒr viele Schwierigkeiten in Kauf. Dass sie sich nicht vorrangig ĂŒber Mann oder Frau definieren, macht sie zu wirklich interessanten, starken Persönlichkeiten. Die meisten kĂ€mpfen dabei immer wieder damit, nicht akzeptiert zu werden oder besser gesagt, nicht in Ruhe gelassen zu werden. Schon ein Abend in einem Restaurant ist nicht wie sonst, wenn mir am Tisch gegenĂŒber meine Bekannte sitzt, eine Frau, die einmal ein Mann war. Die Menschen gucken, der Kellner ist noch viel netter als zu den anderen GĂ€sten, wahrscheinlich um auf gar keinen Fall den Eindruck zu erwecken, dass es ihn peinlich berĂŒhrt oder Ă€hnliches. Wir wissen, dass ein paar Leute im Raum ihrer Begleitung schon zugeflĂŒstert haben, er oder sie solle doch mal hinter sich den lustigen Paradiesvogel angucken. Damit meine Bekannte die sein kann, die sie ist und sein will, mĂŒssen solche Schwierigkeiten gemeistert werden. Sie und viele andere Menschen, mit einem freigewĂ€hlten Geschlecht brauchen Toleranz und Akzeptanz auch seitens ihrer Familie, ArbeitskollegInnen und der Öffentlichkeit um sich nur als Mensch definieren zu können und nicht als AusstellungsstĂŒck.

Zeit und Erfolge

Die Stereotypen haben sich so eingebrannt in unsere Köpfe, dass alles, was von dem bekannten Bild abweicht, sofort mit krankhafter Neugierde oder im schlechten Fall mit Argwohn betrachtet wird. Diese festgefahrenen Vorstellungen sind schwer zu ĂŒberwinden, doch glaube ich, dass wir auf einem guten Weg sind. Im Laufe eines Jahrhunderts hat sich das Rollenbild der Frau verĂ€ndert. Frauen dĂŒrfen seit 1919 in Deutschland wĂ€hlen, nachdem vor rund 200 Jahren eine der ersten KĂ€mpferinnen der Frauenbewegung, Olympe de Gouges, fĂŒr ihre Veröffentlichungen der "Rechte der Frau" noch öffentlich hingerichtet wurde. So dramatisch sich die Zwischenzeit gestaltet haben mag, so ist doch festzustellen, dass die Frauen in so kurzer Zeit recht weit gekommen sind. Das bedeutet nicht, dass wir uns zurĂŒcklehnen sollten. Frauen wie Emma Watson und neue Ideen zur Geschlechtergerechtigkeit werden gebraucht. Denn die Idee der Gleichberechtigung der Frau ist geschichtlich betrachtet noch in den Kinderschuhen. Im Kontext des Feminismus und der Frauenbewegung ist zur Frage der Gleichstellung der Geschlechter der Gedanke einer grundsĂ€tzlichen Toleranz gegenĂŒber allen Geschlechtern und GeschlechtsidentitĂ€ten hinzugekommen. Dies ist ein noch sehr kontrovers diskutiertes Thema. Doch es bietet die Chance, den Feminismus zu erweitern und sich als Frau der Generation Y zu ihm zu bekennen. Unsere VorgĂ€ngerinnen haben schon einige Probleme aus dem Weg gerĂ€umt, gleichwohl scheint weltweite Gleichberechtigung noch eine Utopie. Die gute Nachricht ist: Der Weg ist das Ziel und wir haben schon einige Meilen zurĂŒckgelegt.

LINKS

Das Video zur Rede:
www.youtube.de

Die #HeforShe-Kampagne:
www.heforshe.org

UN Women ruft zur Teilnahme auf:
www.unwomen.de

Quellen

Emma Watson: Gender equality is your issue too (ein Beitrag auf der Seite von UN Women):
www.unwomen.org

UN Women ruft zur Teilnahme auf:
www.unwomen.org

Emma Watsons UN-Rede. Feminismus darf ruhig auch mal nett sein (Ein Beitrag in der FAZ vom 23.09.2014):

www.faz.net

Emma Watson: Game changing speech on Feminism

www.vanityfair.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Die Schauspielerin und UN Women Sonderbotschafterin Nicole Kidman nimmt Auszeichnung fĂŒr ihr Engagement fĂŒr Frauenrechte entgegen


Trans*_Homo. Differenzen, Allianzen, WidersprĂŒche. Herausgegeben von Justin Time und Jannik Franzen

Women + Work Beitrag vom 08.10.2014 AVIVA-Redaktion 





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