Managerinnen-Barometer 2015: Spitzengremien gro√üer Unternehmen in Deutschland bleiben M√§nnerdom√§nen - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 22.01.2015

Managerinnen-Barometer 2015: Spitzengremien großer Unternehmen in Deutschland bleiben Männerdomänen
AVIVA-Redaktion

Frauenanteile in Vorst√§nden und Aufsichtsr√§ten verharren auf niedrigem Niveau. Nur wenige Unternehmen erf√ľllen die geplante gesetzliche Frauenquote. DIW Berlin schl√§gt weitere Ma√ünahmen vor



Frauen in Spitzenpositionen waren auch im vergangenen Jahr die Ausnahme: Ihr Anteil lag Ende des Jahres 2014 in den Vorst√§nden der ‚Äď gemessen am Umsatz ‚Äď 200 gr√∂√üten Unternehmen bei gut f√ľnf Prozent ‚Äď ein Prozentpunkt mehr als im vorangegangenen Jahr. Das entspricht 47 von insgesamt 877 Vorstandssitzen.
Betrachtet frau/man nur die 100 gr√∂√üten Unternehmen, ist der Frauenanteil in der Chefetage sogar von knapp f√ľnf auf gut vier Prozent gesunken. Das geht aus dem neuesten Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts f√ľr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. "In den Vorst√§nden hat sich praktisch nichts getan. Sie bleiben m√§nnliche Monokulturen, trotz der Selbstverpflichtung zu mehr Frauen in F√ľhrungspositionen, die die Spitzenverb√§nde der deutschen Wirtschaft im Jahr 2001 eingegangen sind. Das ist keine positive Bilanz", sagt Elke Holst, Forschungsdirektorin f√ľr Gender Studies am DIW Berlin, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Anja Kirsch von der Freien Universit√§t Berlin die Frauenanteile in insgesamt √ľber 500 Unternehmen, Banken und Versicherungen untersucht hat.
Etwas besser vertreten sind Frauen in Aufsichtsr√§ten: Sowohl in den Top-200- als auch in den Top-100-Unternehmen ist der Frauenanteil im Jahr 2014 um rund drei Prozentpunkte auf jeweils etwa 18 Prozent gestiegen. H√∂her lag er mit knapp 25 Prozent in den 30 im Deutschen Aktienindex (DAX) vertretenen Unternehmen. Hier wirkte sich offenbar die Diskussion um die Frauenquote auf die Entwicklung der Frauenanteile aus. "Dennoch bleibt jede Menge zu tun, bis Frauen und M√§nner in Spitzengremien auch nur ann√§hernd in √§hnlichem Ausma√ü vertreten sein werden", so Holst. "Die geplante gesetzliche Frauenquote allein kann die Welt nicht √§ndern." Neben einer systematischen Verbesserung der innerbetrieblichen Aufstiegsm√∂glichkeiten f√ľr Frauen bis in h√∂chste F√ľhrungsebenen m√ľssten Einstellungen, Bef√∂rderungen und Gehaltsstrukturen transparenter sowie Karrieremodelle, Arbeitszeiten und Anwesenheitspflichten flexibler gehandhabt werden.

Unternehmen mit Bundesbeteiligung holen auf

Bei den b√∂rsennotierten Unternehmen ergibt sich ein gemischtes Bild: Einerseits k√∂nnen die DAX-30-Unternehmen mit gut sieben Prozent ‚Äď ein Plus von gut einem Prozentpunkt gegen√ľber 2013 ‚Äď den h√∂chsten Frauenanteil in Vorst√§nden aller Unternehmensgruppen verzeichnen, andererseits bildet der Index der mittelgro√üen B√∂rsenunternehmen (MDAX) mit nicht einmal drei Prozent das Schlusslicht. Dort wie auch bei den SDAX- und TecDAX-Unternehmen waren die Frauenanteile sogar r√ľckl√§ufig. In den Aufsichtsr√§ten waren zwar mehr Frauen vertreten als in Vorst√§nden, dennoch hatten sie lediglich zwischen knapp 14 Prozent (SDAX) und knapp 25 Prozent (DAX-30) der Aufsichtsratssitze inne. "Obwohl in den Aufsichtsr√§ten √ľber die Jahre hinweg ein leichter Aufw√§rtstrend erkennbar ist, bleibt ein ausgewogenes Verh√§ltnis von Frauen und M√§nnern in weiter Ferne", konstatieren Holst und Kirsch. Hinzu kommt, dass die in Aufsichtsr√§ten vertretenen Frauen mehrheitlich von der Arbeitnehmerseite entsandt werden. Die Kapitalseite holt allerdings Schritt f√ľr Schritt auf.

Einen Sprung gemacht haben die insgesamt 60 Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist, die aufgrund ihrer meist geringeren Gr√∂√üe jedoch nur eingeschr√§nkt mit den anderen Unternehmensgruppen vergleichbar sind: In den Vorst√§nden ist der Frauenanteil um gut zwei Prozentpunkte auf knapp 15 Prozent gestiegen, in den Aufsichtsr√§ten sogar um f√ľnfeinhalb Prozentpunkte auf knapp 24 Prozent ‚Äď das entspricht 142 Aufsichtsr√§tinnen am Ende des Jahres 2014, 42 mehr als im vorangegangenen Jahr. In den Beteiligungsunternehmen des Bundes war zudem der Frauenanteil unter den Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden im Vergleich zu den anderen untersuchten Unternehmensgruppen am gr√∂√üten: F√ľnf Vorstandsvorsitzende (knapp zehn Prozent) und neun Aufsichtsratsvorsitzende (gut 18 Prozent) waren Frauen. Bei den Top-200- und den b√∂rsennotierten Unternehmen schwankten die Anteile an den Vorsitzen im Jahr 2014 zwischen null und gut zwei Prozent in den Vorst√§nden beziehungsweise gut drei und knapp sieben Prozent in den Aufsichtsr√§ten. Allerdings sind die Aufsichtsratsvorsitze in √∂ffentlichen Unternehmen oftmals an eine F√ľhrungsposition in der √∂ffentlichen Verwaltung oder an politische Mandate gekoppelt ‚Äď und damit an den Frauenanteil in diesen Positionen. "Unter dem Strich hat sich bei den Unternehmen mit Bundesbeteiligung etwas im positiven Sinne getan, von einer Vorbildrolle sind sie aber nach wie vor weit entfernt", so Holst.

Finanzsektor: √Ėffentliche Geldinstitute schlie√üen zu Privatbanken auf

Auch im Finanzsektor bleiben die Frauenanteile in Spitzengremien gering, obwohl Frauen die Mehrheit der Besch√§ftigten stellen. In den Vorst√§nden der 100 gr√∂√üten Banken und Sparkassen lag der Frauenanteil Ende 2014 bei durchschnittlich knapp sieben Prozent und in den Vorst√§nden der 60 gr√∂√üten Versicherungen bei 8,5 Prozent ‚Äď in beiden F√§llen fast unver√§ndert im Vergleich zum Jahr 2013. Selbst in den Aufsichtsr√§ten, wo die Frauenanteile wie auch bei allen anderen Unternehmensgruppen h√∂her liegen als in den Vorst√§nden, ging es kaum voran: Mit 18 Prozent (Banken) und gut 17 Prozent (Versicherungen) waren Frauen nur geringf√ľgig h√§ufiger in den Kontrollgremien vertreten als im vorangegangenen Jahr. Die √∂ffentlich-rechtlichen Geldh√§user, also vor allem Sparkassen und Landesbanken, gingen nur bedingt mit gutem Beispiel voran: Zwar konnten sie den Frauenanteil in ihren Vorst√§nden um etwa zwei Prozentpunkte auf knapp sieben Prozent erh√∂hen, haben aber damit gerade erst aufgeschlossen zu den privaten Banken. Fast gleichauf liegen die beiden Gruppen mit knapp 19 Prozent (√∂ffentlich-rechtliche Banken) und gut 18 Prozent (private Banken) auch bei den Aufsichtsr√§ten.

Frauenquote allein reicht nicht aus

Mit dem vom Bundeskabinett im vergangenen Dezember verabschiedeten Gesetz f√ľr die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und M√§nnern an F√ľhrungspositionen in der Privatwirtschaft und im √∂ffentlichen Dienst ‚Äď die sogenannte Frauenquote, die ab Januar 2016 gelten soll und unter anderem einen Mindestanteil von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsr√§ten vorsieht ‚Äď d√ľrfte sich die Entwicklung der Frauenanteile zumindest in den Aufsichtsr√§ten jener Unternehmen, die unter die neue Regelung fallen, beschleunigen. Bereits die Diskussion um eine Quotenregelung blieb zwar nicht ohne Auswirkung auf die Entwicklung des Frauenanteils in den Kontrollgremien gro√üer Unternehmen. Dennoch konnte die Schere zwischen den Frauen- und M√§nneranteilen bisher in keiner der untersuchten Unternehmensgruppen auch nur ann√§hernd geschlossen werden. Am besten auf das Gesetz vorbereitet scheinen die im Fokus der √Ėffentlichkeit stehenden DAX-30-Unternehmen mit einem Frauenanteil von knapp 25 Prozent in Aufsichtsr√§ten. Wie die Berechnungen des DIW Berlin zeigen, hatten in der Gruppe der Top-200-Unternehmen (ohne Finanzsektor) Ende des Jahres 2014 insgesamt 20 Unternehmen mindestens 30 Prozent Frauen in ihren Aufsichtsr√§ten, in der Gruppe der gr√∂√üten Banken und Versicherungen waren es 19. Die meisten Unternehmen ‚Äď insgesamt wird die Frauenquote nach derzeitigem Stand 108 Unternehmen betreffen ‚Äď stehen also weiterhin vor gro√üen Herausforderungen.
Die gesetzliche Frauenquote allein wird nach Ansicht von Holst und Kirsch ohnehin nicht ausreichen, um langfristig ein ausgewogenes Verh√§ltnis von Frauen und M√§nnern in den Chefetagen herzustellen. "Die Frauenquote ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur einer von vielen, die n√∂tig sind", so die beiden Autorinnen. Zus√§tzlich m√ľssten sich unter anderem die Unternehmenskultur noch viel st√§rker f√ľr Frauen in F√ľhrungspositionen √∂ffnen und verbindliche Zielgr√∂√üen auch f√ľr Vorst√§nde festgelegt werden, in denen s√§mtliche Unternehmensgruppen einen noch gr√∂√üeren Aufholbedarf haben als in den Aufsichtsr√§ten. Wichtig seien zudem flexiblere Karriere- und Arbeitszeitmodelle sowie verbesserte M√∂glichkeiten der Kinderbetreuung, um Beruf, Familie und in vielen F√§llen auch die Pflege Angeh√∂riger besser vereinbaren zu k√∂nnen.

STICHWORT: DIW Managerinnen-Barometer

Das DIW Managerinnen-Barometer beobachtet die Trends bei der Besetzung von Spitzenpositionen in großen deutschen Unternehmen durch Männer und Frauen. Seit 2006 wird dazu einmal jährlich die Zahl der Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten der 200 größten deutschen Unternehmen ausgewertet. Später kamen die DAX-30-, M-DAX-, S-DAX- und TecDAX-Unternehmen sowie die Beteiligungsunternehmen des Bundes hinzu. Zusätzlich wird die Entwicklung im Finanzsektor erfasst, also bei den 100 größten Banken und Sparkassen sowie 60 Versicherungen.

Mehr Infos unter:

www.diw.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Managerinnen-Barometer 2014: Frauenanteile in Spitzenpositionen großer Unternehmen steigen nur moderat


Quelle: Pressemitteilung des DIW Berlin vom 21.01.2015

Women + Work Beitrag vom 22.01.2015 AVIVA-Redaktion 





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