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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.12.2016

Nadia Murad und Lamiya Aji Bashar am 13. Dezember 2016 mit dem Sacharow-Preis 2016 vom Europäischen Parlament ausgezeichnet
AVIVA-Redaktion

Die jesidischen Menschenrechtsaktivistinnen wollen den Opfern der sexuellen Versklavung durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (Daesh) eine Stimme geben und fordern eine internationale Strafverfolgung der Täter. Beide Frauen...



... waren selbst in Gefangenschaft des "Islamischen Staates" und rufen zur Unterst√ľtzung f√ľr die Beendung der Greueltaten an Frauen und Kindern durch den IS auf.

Lamiya Aji Bashar: "Daesh-Kämpfer haben mich viermal weiterverkauft"

In ihrer emotionalen Ansprache vor den EU-Abgeordneten erzählte Lamiya Aji Bashar von dem schrecklichen Martyrium, das sie in den Fängen der Terrormiliz "Islamischer Staat" erleiden musste: "Daesh-Kämpfer haben mich viermal weiterverkauft". Sie berichtete, wie sie auf ihrer Flucht schwer verletzt worden ist und zwei Personen ums Leben kamen: Gemeinsam mit einer ihrer Freundinnen und einem neunjährigen Mädchen, das ebenfalls von ihren Peinigern vergewaltigt worden war, sei ihr die Flucht gelungen.
"Wir konnten entkommen, doch bevor wir in Sicherheit gelangten, ist meine Freundin Kathrin versehentlich auf eine Landmine getreten. Diese explodierte und das letzte Geräusch, das ich hörte, waren ihre Todesschreie. Es war das Schrecklichste, das ich jemals in meinem Leben gehört habe."
Und weiter:
"Ich glaube, dass ich nun den Opfern eine Stimme geben kann. Diese Auszeichnung gibt mir gro√üe Kraft und deshalb habe ich mich daf√ľr entschieden, f√ľr diejenigen zu sprechen, die selbst keine Stimme haben", unterstrich Lamiya Aji Bashar. Sie hob hervor, dass immer noch √ľber 3500 Kinder und Frauen von Daesh als Sklavinnen und Sklaven gefangen gehalten w√ľrden und erg√§nzte: "Jeden Tag erleiden sie tausend Qualen."

Nadia Murad schilderte den EU-Abgeordneten die Geschehnisse des Tages, an dem sie als Sexsklavin gefangen genommen und die meisten ihrer Familienangeh√∂rigen umgebracht wurden. "Die militanten K√§mpfer von Daesh kamen am 3. August 2014, um die jesidische Pr√§senz auszul√∂schen und stellten uns vor die Wahl, zu sterben oder zum Islam zu konvertieren. Zweifellos hat Daesh V√∂lkermord begangen." Dieser Genozid umfasse jedoch nicht nur das Morden, sondern auch die systematische Versklavung von Frauen und Kindern, so Murad. Nadia Murad forderte eine internationale Strafverfolgung der T√§ter. Sie f√ľgte hinzu: "Meine Gemeinschaft hat sich unter der Last des V√∂lkermordes aufgel√∂st.

Die 500 000 Jesiden im Irak sind die letzten Mitglieder der Gemeinschaft im Nahen Osten"
, berichtete Murad weiter. Nadia Murad und Lamiya Aji Bashar pl√§dierten f√ľr die Einrichtung von Sicherheitszonen im Land, f√ľr die Jesiden und andere Minderheiten. Als Alternative k√∂nnte auch Europa Jesiden aufnehmen und innerhalb Europas umsiedeln, schlug Murad vor. "Wir betrachten Europa als ein Symbol f√ľr Menschlichkeit und heute wird Europa diesem Ruf gerecht. Europa muss der Welt weiterhin als Vorbild dienen, als gutes Beispiel f√ľr das friedliche Zusammenleben der V√∂lker und Kulturen."

Ihr Einsatz gegen den IS

EU-Parlamentspr√§sident Martin Schulz lobte das Engagement der beiden Frauen: "Sie haben unbeschreibliche Greueltaten erlitten, die Gefangenschaft √ľberlebt und flohen ins Exil. Sie haben Furcht und Leiden √ľberwunden und endlich Zuflucht und Schutz in Europa gefunden. Nadia Murad und Lamiya Aji Bashar k√§mpfen heute engagiert f√ľr diejenigen, die zur√ľckgeblieben sind, sie k√§mpfen gegen Straffreiheit und f√ľr die Gerechtigkeit."

Pr√§sident Schulz betonte zudem, der Internationale Strafgerichtshof m√ľsse die durch den sogenannten "Islamischen Staat" begangenen Verbrechen untersuchen und erinnerte an die Pflicht Europas, verfolgten Menschen Schutz zu bieten. "Wir, die demokratischen Gemeinschaften in den wohlhabenderen Gegenden der Welt, bieten ihnen oftmals keinen Schutz. Das sollte uns besch√§men und ist unertr√§glich", sagte Schulz unter gro√üem Applaus.

Martin Schulz begr√ľ√üte auch die Sacharow-Preis Finalisten Can D√ľndar und Mustafa Dschemilew, die der Preisverleihung beiwohnten. Au√üerdem forderte er die saudischen Beh√∂rden erneut dazu auf, den Preistr√§ger des Vorjahres, Raif Badawi, unverz√ľglich freizulassen.

Auf die Ansprachen von Nadia Murad und Lamiya Aji Bashar folgten Standing Ovations. Parlamentspr√§sident Martin Schulz stellte zudem Lamiyas j√ľngeren Bruder vor, der der Preisverleihung beiwohnte. Lamiya hatte ihren Bruder, nachdem er 18 Monate in einem Fl√ľchtlingslager verbracht hatte, endlich wieder in die Arme schlie√üen k√∂nnen.

Die Geschichte der Preisträgerinnen

Nadia Murad Basee Taha und Lamiya Aji Bashar stammen aus dem Dorf Kotscho im irakischen Bezirk Sindschar. Am 3. August 2014 hatte die Terrormiliz IS alle männlichen Bewohner des Dorfes massakriert. Anschließend wurden die Frauen und Kinder des Ortes versklavt. Sämtliche jungen Frauen, darunter auch Aji Bashar, Murad und deren Schwestern, wurden verschleppt, wiederholt verkauft und als Sexsklavinnen ausgebeutet und missbraucht.

Nadia Murad gelang im November 2014 die Flucht. Lamiya Aji Bashar konnte im April 2016 entkommen.

Bitte um Unterst√ľtzung



Die 23-j√§hrige Nadia Murad und die 18-j√§hrige Lamiya Aji Bashar leben nun beide in Deutschland. Sie sind heute das Sprachrohr der Frauen, die Opfer des systematischen Einsatzes von sexueller Gewalt durch den IS geworden sind. Sie setzen sich f√ľr die Rechte der Gemeinschaft der Jesiden im Irak ein, einer religi√∂sen Minderheit, die ins Visier der militanten K√§mpfer des IS geraten sind, welche danach trachten, alle Jesiden zu t√∂ten und somit V√∂lkermord an ihnen zu begehen.

Auf ihrer Webseite ruft Nadia Murad mit ihrer Initiative, mit der sie Frauen und Kinder unterst√ľtzt, die Opfer von V√∂lkermord, sexueller Gewalt oder Menschenhandel geworden sind unter "Nadia¬īs Initiative" zur Unterst√ľtzung durch Spenden oder Mitarbeit auf.
Mehr Infos unter: www.nadiamurad.org und auf www.yazda.org.

Mehr zum Sacharow-Preis

Das Europ√§ische Parlament vergibt seit 1988 den "Sacharow-Preis f√ľr geistige Freiheit". Mit dem Preis werden jedes Jahr Menschen oder Organisationen ausgezeichnet, die sich f√ľr Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen. Der Menschenrechtspreis ist mit einem Preisgeld von 50 000 Euro dotiert.

Im Jahr 2015 ist der in Saudi-Arabien inhaftierte Blogger Raif Badawi mit dem Preis ausgezeichnet worden.
Er war 2012 wegen angeblicher "Beleidigung des Islam" auf seiner Webseite, die die gesellschaftliche, politische und religiöse Debatte förderte, zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Weitere Informationen zum Sacharow-Preis finden Sie unter: www.europarl.europa.eu

Veranstaltungshinweis: Freitag 16. Dezember 15:00 - 16:30 Uhr
Sacharow-Preisträgerinnen zu Besuch in Berlin. Im Gespräch mit Elmar Brok

Veranstaltungsort: Europäisches Haus
Unter den Linden 78
10117 Berlin
Die Veranstaltung ist ausgebucht. Sie k√∂nnen die Debatte √ľber Facebook Live verfolgen unter: www.facebook.com/EP.Informationsbuero.fuer.Deutschland/




Quelle: Pressedienst des Europäischen Parlaments
Copyright Fotos: © European Union 2016 - Source : EP


Women + Work Beitrag vom 14.12.2016 AVIVA-Redaktion 





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