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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 06.12.2009

Au revoir, Amélie
Sylvia Rochow

Die ehemalige Weltranglisten-Erste, AmĂ©lie Mauresmo aus Frankreich, verkĂŒndete auf einer Pressekonferenz in Paris ihren RĂŒcktritt vom Profi-Tennis. Hommage an eine außergewöhnliche Sportlerin.



Richtig ĂŒberraschend war es nicht, was am 3. Dezember 2009 im Rahmen einer eigens einberufenen Pressekonferenz in Paris geschah: AmĂ©lie Mauresmo verkĂŒndete nach mehr als 15 Jahren auf der Tennis-Tour unter TrĂ€nen ihren RĂŒcktritt vom Profisport. Die Entscheidung habe sie nach sorgfĂ€ltiger Überlegung getroffen, betonte die 30jĂ€hrige, die sich nun in der "Sport for Life"-Stiftung engagieren möchte.

Die vergangenen Monate waren fĂŒr die am 5. Juli 1979 in Saint-Germain-en-Laye geborene Französin nicht einfach: Verletzungen warfen sie ein ums andere Mal zurĂŒck, die nötige Matchpraxis fehlte bei jedem neuen Anlauf und es fiel der RechtshĂ€nderin immer schwerer, den fĂŒr ihr variables Serve-and-Volley-Spiel so wichtigen Rhythmus zu finden. Kein ĂŒberraschender Abschied also, aber ein schmerzlicher, der in der noch einige Zeit nachwirken wird.

Vor mehr als elf Jahren, bei den German Open 1998 in Berlin, war mir AmĂ©lie Mauresmo zum ersten Mal aufgefallen. Als Qualifikantin hatte sie sich bei dem Turnier zunĂ€chst ins Hauptfeld, und anschließend sogar bis ins Finale gekĂ€mpft, wo sie jedoch der routinierten Spanierin Conchita Martinez unterlag.

Im Januar 1999 sorgte sie dann bei den Australian Open endgĂŒltig fĂŒr Aufsehen in der Tennis- und Lesbenwelt. Es war nicht nur ihr erneut ĂŒberraschender Finaleinzug bei diesem Grand Slam-Turnier, der die Französin schlagartig ins Rampenlicht rĂŒckte, sondern vielmehr die erfrischende Offenheit, mit der die seinerzeit 19jĂ€hrige die ihr zujubelnde Frau in der PlayerÂŽs Box im Interview als ihre LebensgefĂ€hrtin vorstellte. Mauresmos damalige Finalgegnerin, Martina Hingis aus der Schweiz, Ă€ußerte sich daraufhin abfĂ€llig ĂŒber ihre Kollegin, etwa: "Sie lebt mit einer Frau zusammen, also ist sie ein halber Mann." In Frankreich jedoch umjubelte die Grande Nation ihren neuen Tennisstar fortan, und auch ich verfolgte ihre Karriere nun noch intensiver.

Noch im gleichen Jahr errang die RechtshĂ€nderin in Bratislava (Slowakei) ihren ersten Turniersieg auf der WTA-Tour und spielte sich in der Weltrangliste immer weiter nach vorne. Ihren bis dahin grĂ¶ĂŸten Erfolg sollte sie dann 2001 ausgerechnet hier, in Berlin feiern, den Triumph bei den German Open. Mit 6:4, 2:6, 6:3 gewann sie das hart umkĂ€mpfte Endspiel gegen Jennifer Capriati (USA), ich saß auf der TribĂŒne und fieberte mit.

Drei Jahre spĂ€ter begann die Turnierwoche am Hundekehlesee beim LTTC "Rot-Weiß" fĂŒr mich mit einem ungeahnten Höhepunkt: Mittlerweile als Freie Autorin beschĂ€ftigt, sollte ich AmĂ©lie Mauresmo fĂŒr AVIVA-Berlin interviewen. Ich merkte schnell, dass fĂŒr die in mir aufkommende NervositĂ€t ĂŒberhaupt kein Grund bestand. So wohltuend zurĂŒckhaltend und höflich, wie mir die Französin aus der Ferne erschien, erlebte ich sie auch in unserem GesprĂ€ch. Überlegte Antworten auf Fragen, die sie vermutlich schon tausend Mal zuvor gehört hatte und eine ausgestrahlte Gelassenheit machten mir meine Aufgabe leichter als zuvor gedacht. Auch das Turnier lief 2004 gut – Mauresmo gewann ihren zweiten Titel im Grunewald.

2003 hatte sie ihr Land mit zwei Einzelsiegen beim 4:1 gegen die USA zum FedCup-Titel gefĂŒhrt, bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen sicherte sich AmĂ©lie Mauresmo im Einzel die Silbermedaille. Am 13. September 2004 erklomm sie als erste Französin ĂŒberhaupt den Tennis-Thron und wurde Weltranglisten-Erste – und damit zugleich die erste offen lesbische Profisportlerin, die eine Weltrangliste anfĂŒhrte. Martina Navratilova etwa stand bei ihrem Outing 1981 bereits an der Spitze der Rangliste. Wenngleich Mauresmo nie die öffentlichen KĂ€mpfe einer Navratilova austrug, wurde auch sie fĂŒr viele lesbische MĂ€dchen und Frauen zu einem Vorbild, das ihnen durchs vorgelebte Selbstbewusstsein Mut und Kraft fĂŒr den eigenen Weg gab.

2005 triumphierte AmĂ©lie Mauresmo bei den Year End Championships in Los Angeles, der inoffiziellen Tennis-WM, nach einem packenden Finale gegen ihre Landsfrau Mary Pierce. Eine fĂŒr mich unvergessliche, nervenaufreibende Nacht vor dem Fernseher – ebenso wie kurze Zeit spĂ€ter, als bei den Australian Open 2006 der erste Grand Slam-Titel fĂŒr Mauresmo folgte. Im gleichen Jahr triumphierte sie beim Rasenturnier von Wimbledon, auf dem Untergrund, der ihrem Spiel vielleicht am besten lag.

Die "andere" AmĂ©lie Mauresmo ließ sich regelmĂ€ĂŸig insbesondere bei ihrem Heim-Grand Slam in Roland Garros beobachten. Jahr um Jahr versagten der Französin unter dem Erwartungsdruck ihrer Landsleute die Nerven. Sie kam dort nie ĂŒber das Viertelfinale hinaus, und im Angesicht der Verzweiflung, die sich ein ums andere Mal in ihrem Gesicht breit machte, wollte man am liebsten vom heimischen Sofa aus helfend eingreifen. Nicht von ganz ungefĂ€hr hing der Französin bis zu ihren Grand Slam-Titeln lange der Ruf nach, in den entscheidenden Momenten allzu hĂ€ufig an sich selbst zu scheitern. Hinzu kamen immer wieder Verletzungen und Blessuren, die sie im Verlauf von Turnieren handicapten oder das Antreten unmöglich machten.

Im Nachhinein wurde das Ende ihrer Karriere eigentlich schon im MĂ€rz 2007 eingelĂ€utet, als sich Mauresmo einer Blinddarm-Operation unterziehen musste und nach wenigen Wochen auf den Tennisplatz zurĂŒckkehrte. Zu frĂŒh, wie sich herausstellen sollte, denn nach wenigen Matches musste die Französin einsehen, dass ihr Körper eine lĂ€ngere Ruhepause benötigte. Die RĂŒckkehr in die absolute Weltspitze gelang der ehemaligen Weltranglisten-Ersten schließlich nicht mehr.

Eine verletzungsfreie AmĂ©lie Mauresmo in guter Form und mit Spielpraxis war von fast keiner Gegnerin aufzuhalten. Am Ende ihrer Karriere stehen so insgesamt 25 Turniersiege im Einzel und drei im Doppel. Ohne die mentalen und körperlichen Probleme hĂ€tten es fraglos noch einige mehr sein können. Ihren letzten Einzel-Titel gewann die Französin im Februar 2009 ausgerechnet bei den Open Gaz de France, dem Hallenturnier in Paris. Im Doppel siegte die RechtshĂ€nderin außerdem zwei Monate spĂ€ter an der Seite von Svetlana Kuznetsova (Russland) in Miami.

Ihr letztes Profimatch bestritt AmĂ©lie Mauresmo im September 2009 bei den US Open, als sie in der zweiten Runde glatt 4:6, 0:6 gegen die Kanadierin Aleksandra Wozniak verlor. Ein schmerzliches Karriereende fĂŒr eine große Persönlichkeit auf und neben dem Tennisplatz, der man einen glĂŒcklicheren Abschied gewĂŒnscht hĂ€tte. Au revoir, AmĂ©lie, et merci!

Weitere Infos unter: www.amelie-mauresmo.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit Amélie Mauresmo


Stimmen zu Kim Clijsters RĂŒcktritt vom Profitennis

Women + Work Beitrag vom 06.12.2009 Sylvia Rochow 





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