Zum Tod von Louise Bourgeois - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Women + Work
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Gr√ľnderinnenzentrale Die Pariserin ‚Äď Auftrag Baskenland Finanzkontor_Banner
AVIVA-Berlin > Women + Work AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Infos
   WorldWideWomen
   Wettbewerbe
   Lokale Geschichte_n
   Schalom Aleikum
   Veranstaltungen in Berlin
   Public Affairs
   Kultur
   J√ľdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 03.06.2010

Zum Tod von Louise Bourgeois
Marie Heidingsfelder

"I have endeavored during my whole lifetime as a sculptor to turn woman from an object into an active subject". Am 31. Mai 2010 starb die franz√∂sische K√ľnstlerin und Bildhauerin in New York



Louise Bourgeois
"Eine sehr alte jugendliche Dame, die frei, immer zu Sp√§√üen aufgelegt und nicht sehr artig war, hat uns verlassen", schrieb der franz√∂sische Kulturminister Fr√©d√©ric Mitterrand zum Tod der K√ľnstlerin. Der Herzinfarkt riss die "Spinnenfrau" trotz ihrer 98 Jahre mitten aus dem Leben. Einem Leben, dass sie seit dem Mathematik und Beaux-Arts-Studium in Paris der Kunst verschrieben hatte: Sechs Tage pro Woche verbrachte sie trotz oft schlafloser N√§chte in ihrem Atelier und war noch Ende April 2010 in Berlin, um ihre Ausstellung Double Sexuszu begleiten.
Au√üerhalb der Kunstwelt ist sie vor allem durch ihre "Spiders"-Skulpturen bekannt, die in den 1980er Jahren entstanden: Riesige, bedrohlich wirkende Spinnen aus Stahl, die ihren Weg aus dem Atelier in Museen und auf √∂ffentliche Pl√§tze der ganzen Welt antraten. Die gr√∂√üte hei√üt "Maman", aber was auf den ersten Blick an eine traumatische Mutter-Tochter-Beziehung denken l√§sst, ist in der Formsprache Bourgois¬ī eine ganz andere Metapher: Die Spinne verk√∂rperte f√ľr sie die Lebenseinstellung, ihrer Mutter, die Weberin war: "I do, I undo, I redo - Dieses Motto, die F√§higkeit, die eigene Umwelt immer wieder zu gestalten, zu zerst√∂ren und zu reproduzieren, hat Louise Bourgeois √ľbernommen. Die Mutter war f√ľr sie Freundin, Vertraute und Verb√ľndete gegen den Vater, der eine Tochter nicht ernst nahm.

Neben der Auseinandersetzung mit der Kindheit und dem Prozess von Werden und Vergehen geht es Bourgeois immer wieder um Ambivalenzen, Verwandtschaften und Spannungen zwischen weiblich und m√§nnlich. Ihre Skulpturen sind eindeutig, in ihrer Ausrichtung aber oft zweideutig sexuell konnotiert: Sie spielte mit Geschlechtsmerkmalen, √ľberdimensionierte, zerlegte, kombinierte und exponierte sie. Gepr√§gt durch die zweite Welle der Frauenbewegung kritisierte sie in ihren Werken die unaggressive Weiblichkeit von Frauen, blieb aber Einzelg√§ngerin. "Mein Feminismus kommt in meinem intensiven Interesse an dem, was Frauen tun, zum Ausdruck. Aber mir hilft es nicht, mich mit Leuten zu Verb√ľnden, es hilft mir wirklich nicht. Was ihr half, war das Schaffen. Gegen √Ąngste, Traumata und Erinnerungen war ihr die Arbeit zwar kein Heilmittel, aber eine Form der kontrollierten Auseinandersetzung - und Beruhigungsmittel in schlaflosen N√§chten. Louise Bourgeois arbeitete mit unterschiedlichsten Materialien: Ihre Skulpturen sind aus Stoff, Marmor, Stahl, Holz, Bronze, Wachs oder auch Latex und bis zu 10 Meter hoch. In ihren Ausstellungen pr√§sentierte sie √ľbergro√üe Phalli, deformierte K√∂rper, amputierte Glieder und kannibalistische Festmahle - immer mit einem verschmitzten L√§cheln, das ihre fast 100 Lebensjahre L√ľgen strafte.

Trotz ihrer unglaublichen Schaffenskraft und der einzigartigen Formsprache blieb Louise Bourgeois lange im Schatten ihres Mannes, dem amerikanischen Kunsthistoriker Robert Goldwater, mit dem sie 1938 nach New York ging. Erst mit 68 Jahren erhielt sie ihren ersten Auftrag f√ľr eine Skulptur im √∂ffentlichen Raum, drei Jahre sp√§ter,1982, widmete ihr das Museum of Modern Art in New York eine Retrospektive, mit der sie nach Jahren der Heimlichkeit und Anonymit√§t weltber√ľhmt wurde. Mit ihr starb eine der bedeutendsten K√ľnstlerinnen der Gegenwart.
Louise Bourgeois hat 1987 selbst die schönsten Worten zu ihrem Leben geschrieben: "Man ist allein geboren. Man stirbt allein. Der Sinn des Zeitraums dazwischen ist Vertrauen und Liebe."


Louise Bourgeois, Fragile Goddess, 2002, Stoff, 31,7 x 12,7 x 15,2 cm, Privatsammlung, Courtesy Barbara Gross Galerie, M√ľnchen,Foto: Christopher Burke
© VG-Bildkunst, Bonn 2010



Die aktuelle Ausstellung "Double Sexus: Louise Bourgeoise und Hans Bellmer" in Berlin
Die sexuell aufgeladenen Werke von Hans Bellmer (1902 - 1975) und Louise Bourgeois (1911-2010) weisen bemerkenswerte Parallelen auf, obwohl sich die K√ľnstlerin und der K√ľnstler nie begegneten: Verformte K√∂rper, fehlende oder verdoppelte Gliedma√üen, m√§nnliche und weibliche Geschlechtsformen aus ihrem K√∂rperzusammenhang gel√∂st und miteinander verschmolzen.
Die Ausstellung "Bellmer-Bourgeois. Double Sexus" setzt erstmals √ľber 70 skulpturale, zeichnerische und fotographische Arbeiten des K√ľnstlers und der K√ľnstlerin in Dialog zueinander. In f√ľnf Sektionen wird der weibliche K√ľnstlerblick auf den menschlichen K√∂rper dem m√§nnlichen gegen√ľbergestellt. Im Fokus stehen traditionellen Geschlechterrollen, Sexualit√§t und der surrealistische Umgang mit ihr.
Die Ausstellung war bis zum 15. August 2010 im Museum Bergguen in Berlin-Charlottenburg zu sehen.

Der Katalog
Anl√§sslich den Ausstellungen in Berlin und Den Haag erschien im Distanz-Verlag ein Bildband zu den pr√§sentierten Werken von Louise Bourgeois und Hans Bellmer. Schon auf den ersten Blick ist der Katalog ... sch√∂n. Sowohl √§u√üerlich, als auch innerlich. Er ist schwer, in helles Leinen gebunden, mit metallic-rosafarbener Schrift und einem ebenso farbigen Leseb√§ndchen. Wie bereits die Ausstellung ist er in sich sehr sorgf√§ltig gestaltet und konstruiert: Die Bilder der Skulpturen sind gro√üformatig abgedruckt und weder am Papier, noch am Fotografen wurde gespart. Dazu bietet der Katalog ein Vorwort, einen Epilog, die Biografien der K√ľnstlerIn und eine Auflistung der Werke. Die f√ľnf Sektionen der Ausstellung: "Puppe und Prothese", Verdopplungen und Verbindungen", "Forme - Informe", "Diana von Ephesus" und "Geschichte des Auges" werden in Begleit-Texten aufgegriffen. Sie beschreiben und erkl√§ren nicht nur einzelne Werke, sondern beleuchten auch den theoretischen Kontext und den Hintergrund von Louise Bourgeois und Hans Bellmer. Was neben diesem hohen Standard aber besonders positiv auff√§llt, sind die Prosatexte von Elfriede Jelinek und Henry Miller, die sich mit ihrer bewusst provozierenden Schilderung von Sexualit√§t einem als verlogen und falsch empfundenen b√ľrgerlichen Wertesystem entgegensetzen. Der Dialog zwischen Bourgeois und Bellmer wird auf diese Weise mit literarischen Einfl√ľssen gekreuzt und √∂ffnet neue Bedeutungshorizonte und Denkperspektiven.
Der Katalog "Double Sexus" ist mehr als ein blo√ües "Begleitheft" zur Ausstellung, sondern weist √ľber deren Rahmen hinaus. Die gro√üen Themen Sexualit√§t, Geschlechterrollen, Hybridit√§t und Macht werden erkl√§rt, ge√∂ffnet und weiter gedacht - und: Er ist sch√∂n.


Double Sexus. Hans Bellmer, Louise Bourgeois
Herausgegeben von Silke Krohn und Udo Kittelmann
Sprache: Deutsch und Englisch
Distanz Verlag, erschienen im April 2010
Leinengebunden mit Lesebändchen, 160 Seiten
ISBN-13: 978-3899554038
39,90 Euro

Weitere Informationen zum Katalog finden Sie unter www.distanz.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin: So viel Energie. K√ľnstlerinnen in der dritten Lebensphase von Hanna Gagel

Ein Portrait von Louise Bourgeoise finden Sie unter:
www.emma.de

Women + Work Beitrag vom 03.06.2010 Marie Heidingsfelder 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken