Alice Salomon - ein Leben fĂŒr die Bildung und die Frauen - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Die Pariserin – Auftrag Baskenland Finanzkontor_Banner Weiberwirtschaft
AVIVA-Berlin > Women + Work AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Infos
   WorldWideWomen
   Wettbewerbe
   Lokale Geschichte_n
   Schalom Aleikum
   Veranstaltungen in Berlin
   Public Affairs
   Kultur
   JĂŒdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 26.09.2008

Alice Salomon - ein Leben fĂŒr die Bildung und die Frauen
Karolin Korthase

Die von Alice Salomon gegrĂŒndete Hochschule fĂŒr Soziale Arbeit und PĂ€dagogik wird in diesem Jahr 100. Ein schöner Anlass, um zurĂŒckzublicken auf das Leben und Wirken dieser außergewöhnlichen Frau.



Wie die meisten Frauen ihrer Generation besuchte die JĂŒdin Alice Salomon die Schule nur bis zur neunten Klasse. Dank ihres großen KĂ€mpfergeists, ihrer Klugheit und ihrer Weitsicht, zĂ€hlt sie heute dennoch zu den bedeutendsten Frauenrechtlerinnen und Sozialreformerinnen des letzten Jahrhunderts. Sie erkĂ€mpfte sich ein Studium, eine Promotion, grĂŒndete Lehrinstitutionen und Vereine und machte immer wieder auf soziale Ungleichheiten und MissstĂ€nde aufmerksam. Grund genug an ihre außergewöhnliche Lebensgeschichte zu erinnern.

Am 19. April 1872 in Berlin geboren, wuchs sie in einer wohlhabenden Familie auf und da es sich fĂŒr eine Tochter aus höherem Hause nicht geziemte zu arbeiten oder zu studieren, verbrachte sie die Zeit von ihrem 15. bis zum 20. Lebensjahr zu Hause. SpĂ€ter wird sie sagen, das sei die unglĂŒcklichste Zeit ihres Lebens gewesen, bis sie im Jahre 1893 an der GrĂŒndungsversammlung der Berliner "MĂ€dchen- und Frauengruppe fĂŒr soziale Hilfsarbeit" im Roten Rathaus teilnahm. Ihr Interesse an Sozialarbeit war geweckt und sie begann einmal pro Woche und gegen den Willen ihrer Familie, in einem MĂ€dchenhort zu arbeiten. Auch pflegte sie intensiven Kontakt zu Jeanette Schwerin, Vorsitzende der MĂ€dchen – und Frauengruppe, von der sie dazu bestĂ€rkt wurde sich zu engagieren und weiterzubilden. Mit 29 Jahren wurde sie jĂŒngstes Mitglied im Vorstand des "Bundes Deutscher Frauenvereine" (BDF) . SpĂ€ter bekleidete sie das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden bis 1920, brachte es allerdings aufgrund ihrer jĂŒdischen Herkunft und trotz ihrer Konvertierung zum protestantischen Glauben im Jahre 1914 nie zur Vorsitzenden.

Im Jahre 1902 nahm sie ein Studium an der Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t in Berlin auf. Trotz fehlendem Abitur erhielt sie die Studien – und Promotionszulassung, weil sie die Publikation mehrerer wissenschaftlicher Artikel vorweisen konnte. Vier Jahre spĂ€ter promovierte sie als eine der wenigen Frauen im Fach Nationalökonomie, ĂŒber "Die Ursachen der ungleichen Entlohnung von MĂ€nner – und Frauenarbeit".

© Alice Salomon Archiv.
Studierende in den 1920er Jahren

Der Doktortitel ermöglichte es ihr Lehrerin zu werden – ein Wunsch, den sie schon seit frĂŒhester Kindheit hegte, der aber bei ihrer Familie stets auf Missbilligung stieß. Die Förderung sozialer Frauenarbeit und die Eliminierung sozialer Ungleichheiten lag ihr besonders nahe und so grĂŒndete sie 1908 in Berlin-Schöneberg die erste soziale Frauenschule in Berlin, deren Leiterin sie dann auch wurde. Oberstes Ziel war es, junge MĂ€dchen fĂŒr speziell soziale HilfstĂ€tigkeiten und Berufe professionell auszubilden. Dieses Konzept war Ă€ußerst erfolgreich und trug die Schule durch historische StĂŒrme wie den Nationalsozialismus und sicherte ihr Fortbestehen bis heute. Inzwischen trĂ€gt die pĂ€dagogische Institution den Namen "Alice Salomon Hochschule Berlin - Fachhochschule fĂŒr Soziale Arbeit, Gesundheit, Bildung und Erziehung" und hat ihren Sitz in Berlin-Hellersdorf am Alice-Salomon-Platz.

Ihr nĂ€chstes und bis dato grĂ¶ĂŸtes Projekt umfasste die GrĂŒndung der "Deutschen Akademie fĂŒr soziale und pĂ€dagogische Frauenarbeit" in Berlin im Jahre 1925, wo LehrkrĂ€fte und Dozentinnen ausgebildet werden sollten. Mit der GrĂŒndung dieser Akademie reagierte Salomon auf den von ihr schon lange beobachteten Missstand, dass zu wenig Frauen fĂŒhrende und leitende Positionen bekleideten. Das besondere an der Akademie war zudem, dass eine Abteilung fĂŒr empirische Sozialforschung eingerichtet wurde, die Alice Salomon fĂŒr sehr wichtig erachtete.

Neben ihrem Engagement fĂŒr die soziale Frauenschule und die Frauenakademie, ĂŒbernahm sie 1929 den Vorsitz des von ihr mitgegrĂŒndeten "Internationalen Komitees Sozialer Schulen" und organisierte außerdem in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden internationale Sozialarbeitskongresse. Ab 1909 engagierte sich auch in der internationalen Frauenbewegung im International Council of Women, ab 1920 als VizeprĂ€sidentin. Sie war inzwischen zu eine der fĂŒhrenden und einflussreichsten Sozialpolitikerinnen und Frauenrechtlerinnen in Deutschland aufgestiegen.

© Alice Salomon Archiv.
Alice Salomon ca. 1908

Nach der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten sah sie ihr Werk und Wirken in Gefahr und veranlasste 1933 die Auflösung der Frauenakademie, um der drohenden Hausdurchsuchung und RĂ€umung durch die Gestapo zu entgehen. Die soziale Frauenschule wurde hingegen von den Nazis ĂŒbernommen und von "Alice-Salomon-Schule", wie sie zu Ehren ihrer GrĂŒnderin erst seit 1932 hieß, in "Frauenfachschule fĂŒr Volkspflege" umbenannt. Obwohl ihr Freundinnen dringend anrieten, auszuwandern, verließ Alice Salomon Deutschland zunĂ€chst nicht, sondern verhalf Kolleginnen zur Flucht. Erst nach einem Verhör durch die Gestapo im Jahre 1937, beschloss sie in die USA zu emigrieren, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieb.

Obwohl sie in den USA eine hohe Reputation besaß, erhielt sie keine Arbeitsangebote, sondern musste im Gegenteil mit ihren Forschungsarbeiten hausieren gehen. Im Jahre 1939 wurden ihr die Doktortitel und die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft aberkannt. Zwar wurde sie fĂŒnf Jahre spĂ€ter auf dem Papier zur Amerikanerin, aber sie hatte ihre Heimat verloren und konnte auch in den USA keine Neue finden. Bis zu ihrem Tod am 30. August 1948 in New York City arbeitete sie in zunehmender Einsamkeit und Isolation an ihren Memoiren, die erst 1983 unter dem Titel "Charakter ist Schicksal" veröffentlicht wurden.

Veranstaltungshinweis:
Die soziale Frauenschule hat den Tod ihrer GrĂŒnderin lange ĂŒberdauert und feierte am 23. und 24. Oktober 2008 ein Jahrhundert erfolgreicher Bildungsarbeit. Die "Alice Salomon Hochschule Berlin - Fachhochschule fĂŒr Soziale Arbeit, Gesundheit, Bildung und Erziehung", wie die Schule heute heißt, lud im Rahmen der Festlichkeiten auch zu der Verleihung des "Alice Salomon Award" an Barbara Lochbihler, GeneralsekretĂ€rin von "Amnesty International Berlin", ein. Prof. Gesine Schwan war als Festrednerin anwesend.

Alice Salomon Hochschule Berlin - Fachhochschule fĂŒr Soziale Arbeit, Gesundheit, Bildung und Erziehung:
Die Alice-Salomon-Hochschule in Berlin Hellerdorf ist eine traditionsreiche Hochschule, die Bachelor- und MasterstudiengÀnge mit dem Schwerpunkt auf Soziale Arbeit, den Gesundheitsbereich und Bildung im Kindesalter anbietet.

Weitere Informationen zu Alice Salomon und zur Alice-Salomon-Fachhochschule: www.ash-berlin.eu

Women + Work Beitrag vom 26.09.2008 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken