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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 22.02.2004

WorldWomenWork 2004 - Eva Kreienkamp
AVIVA-Redaktion

Interview mit Eva Kreienkamp, GeschĂ€ftsfĂŒhrende Gesellschafterin der Firma FrischCo. (Unternehmensberatung, Sales, Marketing, Controlling)



AVIVA-Berlin: Haben Sie 2003 an der WWW teilgenommen?
Eva Kreienkamp: Nein, ich war letztes Jahr nicht hier. Ich habe letztes Jahr von dieser Veranstaltung das erste Mal gehört und es gibt eine Art Parallelveranstaltung von der Deutschen Bank: "Women European Business", bei der war ich. Dieses Jahr habe ich mich dafĂŒr entschieden, hierhin zu kommen.

AVIVA-Berlin: Die Themen im VerhĂ€ltnis zur WWW 2003 haben sich spezifiziert. Weg von "Working Mum" hin zu "Frauen an die Macht" ... Das Motto der WorldWomenWork 2004 lautet "Nutzung geschlechterspezifischer Potenziale fĂŒr die Herausforderung der Zukunft. Wie können Ihrer Meinung nach diese Potentiale optimal genutzt werden?
Eva Kreienkamp: Ich bin der festen Überzeugung, dass jede Form von Lebensentwurf fĂŒr den wirtschaftlichen, den politischen und auch den wissenschaftlichen Prozess in diesem Land und wahrscheinlich auch auf der ganzen Welt von ĂŒberaus großer Bedeutung ist. Wir leben ja in einer Welt, wo wir, zumindest in Deutschland, in starken Stereotypen denken und immer dann, wenn es zu neuen Herausforderungen kommt, oder unbekannte Wege beschreiten, große Hemmnisse haben. Um diese zu durchbrechen, sind geschlechterspezifische Potentiale ausgesprochen wirkungsvoll, weil die Andersartigkeit von MĂ€nnern und Frauen immer bedingt, dass es auch Auseinandersetzungen braucht. Und die kann nur förderlich sein fĂŒr die soeben genannten Bereiche Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Deshalb ist es eigentlich keine Frage, sondern nur eine konsequente Umsetzung dessen, was wir eigentlich wissen.

AVIVA-Berlin: Warum sind Sie hier? Welche Erwartungen haben Sie?
Eva Kreienkamp: Neugierde ist eine Triebfeder, hier zu sein. Ich beschÀftige mich schon seit vielen Jahren mit dem Thema "Gender", mit dem Thema "Diversity", auch mit dem Thema "Frauen, Geld und Macht" und auch mit der Abwesenheit desselben. Und ich bin immer wieder daran interessiert, Frauen kennen zu lernen, die einen Àhnlichen Denk- und Handlungsprozess hinter sich haben wie ich. Genau das stelle ich einfach auch bei dieser Konferenz fest.

AVIVA-Berlin: Welche Topics und Workshops interessieren Sie hier am stÀrksten?
Eva Kreienkamp: Ich liebe Diskussionen, bei denen Frauen aus unterschiedlichen LĂ€ndern zusammen kommen und erzĂ€hlen, wie es woanders ist, um Anregungen zu erhalten, weil ich auch da der festen Überzeugung bin, dass im eigenen Saft zu schmoren, einen nur begrenzt weiterbringt. Deswegen hat mir die Podiumsdiskussion "Frauen zwischen den Kulturen" sehr gut gefallen. Und heute werde ich auch an den Workshops teilnehmen, bei denen Frauen einander unterstĂŒtzen, also z. B. den Mentoringworkshop.

AVIVA-Berlin: Was tun Sie in Ihrem Unternehmen/Ressort fĂŒr den Bereich Frauenförderung?
Eva Kreienkamp: Wir sind zwei Frauen als geschĂ€ftsfĂŒhrende Gesellschafterinnen. Folglich haben wir unseren Beitrag in unserem Unternehmen zur Frauenförderung gemacht. In meinen vorangegangenen Positionen, die ich in großen internationalen Gesellschaften innehatte, habe ich immer darauf geachtet, dass ich in meinen Teams einen ausgewogenen Mix hatte zwischen MĂ€nnern und Frauen, zwischen alt und jung, zwischen InlĂ€ndern und AuslĂ€ndern, weil mir das einfach mehr Spaß macht. Die Konsequenz daraus kann auch sein, dass ich die Frauen gefördert habe. Das ist aber eine implizite Konsequenz. Ich habe ihnen aber auch ab und zu auf den FĂŒĂŸen herumgetrampelt und gesagt, sie sollen deutlich Ă€ußern: "Ich will diese nĂ€chste Position!"

AVIVA-Berlin: Wie oder Wo sehen Sie die Zukunft von WorldWomenWork?
Eva Kreienkamp: Das kann ich natĂŒrlich noch nicht abschĂ€tzen. Auch wir Frauen in Europa stellen zunehmend fest, dass es sinnvoll sein kann, sich auch miteinander zu beschĂ€ftigen und voneinander zu lernen, sich zu fördern, aber auch herauszufordern. Dabei sollten wir nicht die Vorstellung haben, "nur" Lesben oder "nur" Emanzen zu sein, sondern sehen, dass es ein Selbstzweck sein kann, der fĂŒr alle Beteiligten positive Auswirkungen haben kann.
Diese Erkenntnis kann natĂŒrlich auch der WorldWomenWork helfen, eine lang anhaltende Zukunft zu haben. Wichtig ist aber, dass die Themen nach Neuigkeitswert gewĂ€hlt werden.
Und da mĂŒssen sich die Veranstalter wahrscheinlich noch mal ein bisschen mehr anstrengen.

AVIVA-Berlin: Was wĂŒrden Sie sich fĂŒr die WorldWomenWork 2005 wĂŒnschen, was möchten Sie diskutiert wissen?
Eva Kreienkamp: Viel stĂ€rker den ĂŒbergeordneten Aspekt von Macht und auch ihren Auswirkungen.
So wurde hier auch angesprochen, dass Frauen abgewertet werden, wenn sie bestimmte Berufe ergreifen. Wie kann das verhindert werden? Welchen Beitrag leisten die Frauen wirklich selbst? Wir mĂŒssen uns selbst stĂ€rker reflektieren, wenn es z. B. darum geht, die Regierung zu kritisieren, denn wir haben sie selbst gewĂ€hlt und sind somit auch mitverantwortlich, dass die Situation so schlecht ist, wie sie ist.
Nicht immer sagen, die anderen waren es. Und diesen Ansatz und zwar nicht im Sinne von SelbsthÀme und Selbstkasteiung, sondern sagen: Ja, ich habe das erkannt und jetzt mache ich das einfach anders und ab jetzt nehme ich mir das, was mir zusteht - nÀmlich die zweite HÀlfte der Welt.

AVIVA-Berlin: Was nehmen Sie mit? Ihr Fazit?
Eva Kreienkamp: Ich hoffe viele Visitenkarten (lacht). Ich bin Vorstand in einem Verband fĂŒr lesbische Fach- und FĂŒhrungskrĂ€fte, die Wirtschaftsweiber, und hoffe natĂŒrlich auch immer, noch die eine oder andere zu rekrutieren. Zumindest möchte ich auf uns aufmerksam machen und auch deutlich machen können, dass Lesben eine bedeutende Position haben können - in Bezug auf die Weiterentwicklung von Frauen im Allgemeinen - unabhĂ€ngig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht, ob sie Kinder haben oder nicht. Deutlich machen will ich auch darauf, dass die Auseinandersetzung als Lesben mit den gesamten wirtschaftlichen Themen auch fĂŒr die Frauen an fĂŒr sich förderlich ist.
Wenn ich das hier lassen und eine positive Resonanz mitnehmen kann, dann bin ich schon sehr zufrieden.

Women + Work Beitrag vom 22.02.2004 AVIVA-Redaktion 





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