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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.03.2005

Podium I - Zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unvernunft weiblicher Ausgrenzung
AVIVA-Redaktion

Eine Diskussion ├╝ber postfaschistische Rollenbilder und ihre Konsequenzen f├╝r Wirtschaft und Gesellschaft.



Nachdem auf dem Podium ausschlie├člich Gewinnerinnen der Globalisierung Platz genommen hatten, galt es im Gespr├Ąch herauszufinden, welche Barrieren Normal-Frauen auf dem Weg nach oben zu ├╝berwinden haben.

Verzicht auf Privatleben - keine Garantie f├╝r den Aufstieg
Gisela Erler, Gr├╝nderin der pme Familienservice GmbH, des nach eigener Aussage Europ├Ąischen Marktf├╝hrers in Work-Life-Balance stellte klar, dass es keinen finanziellen Anreiz f├╝r Frauen g├Ąbe, Karriere zu machen, da weibliche F├╝hrungskr├Ąfte viel zu wenig verdienten, um die Abstriche, die sie daf├╝r an ihr Privatleben zu machen h├Ątten, zu rechfertigen. Zum anderen bek├Ąmen Frauen aufgrund falscher Vorannahmen (z.B. "M├╝tter sind nicht mobil") zu wenig herausfordernde Aufgaben gestellt. Ein Blick auf die Profile der erfolgreichsten Frauen weltweit zeige aber, dass viele von ihnen Kinder, zumindest aber fast immer Lebenspartner haben, was deutlich macht, dass der Verzicht auf Privatleben nicht als Aufstiegsweg funktioniert.Christine Lagarde, Partnerin der international agierenden Anwaltsfirma Baker McKenzie und selbst Mutter von zwei S├Âhnen, lenkte in diesem Zusammenhang den Blick auf unser Nachbarland Frankreich, das durch seine gesetzliche Quotenregelung Frauen in Regierung und Aufsichtsr├Ąten integriert hat. Als Konsequenz seien die Geburtenraten in Frankreich sogar noch gestiegen.

Die Vision von der Rabenmutter
Gisela Erler sieht das Urproblem der Erwerbslosigkeit von M├╝ttern in der "Rabenmuttervision" postfaschistischer L├Ąnder: Deutschland, ├ľsterreich, Spanien, Italien und Japan pflegten immer noch ein lang tradiertes Mutterbild, von der Frau, die sich ganz und gar der Familie zu opfern h├Ątte. In diesen L├Ąndern gehe aber Erwerbslosigkeit und Kinderlosigkeit Hand in Hand. Im "modernen" Europa hingegen wie den skandinavischen L├Ąndern, aber auch in Frankreich sei es selbstverst├Ąndlich Beruf und Familie zu kombinieren. Konsequenterweise m├╝sse es einen mentalen Wandel, einen Wandel auch in den K├Âpfen der Frauen geben, die sich diesem Klischee allzu freiwillig unterwerfen.

Das Klischee von der Stutenbissigkeit
Auf die Frage von Moderatorin Petra Lidschreiber, ob sich Frauen - wenn sie es denn mal in die Top-Positionen geschafft h├Ątten - nicht gegenseitig das Leben schwer machten, und doch viel lieber mit M├Ąnnern arbeiten w├╝rden, anstatt aufstrebende Frauen zu unterst├╝tzen, musste Klaudia Martini, Staatsministerin a.D. und ehemaliges Vorstandsmitglied der Adam Opel AG klar widersprechen: Ihre Erfahrung sei, dass Frauen in Top-Positionen viel f├╝r andere Frauen tun und eher von den M├Ąnnern aus der zweiten und dritten Reihe untergraben w├╝rden. Unterst├╝tzende Worte kamen von Irene Natividad, Pr├Ąsidentin der internationalen Frauenkonferenz Global Summit of Women. Sie lenkte den Blick auf ihr Heimatland USA und wies darauf hin, dass jedes Gesetz, das jemals zugunsten der Frauen gemacht wurde, von Frauen verabschiedet wurde.

Von der Unvernunft weiblicher Ausgrenzung
Mit Blick auf das Thema des Panels r├Ąumte Gisela Erler mit einem weiteren Klischee auf, n├Ąmlich dem des Kuchens, der in Zeiten des Arbeitsplatzmangels unter immer mehr Personen aufgeteilt werden m├╝sse: Alle L├Ąnder, die nicht nur Frauen, sondern auch ├Ąltere Menschen und Immigranten integrieren, haben wachsende, keine schrumpfenden Arbeitsm├Ąrkte! In Deutschland hingegen, wo sich das Bild vom aufzuteilenden Kuchen hartn├Ąckig h├Ąlt, wird die Arbeit auf nur wenige Arbeitnehmer verteilt, die mit 50-60 h pro Woche belastet werden, werden arbeitswillige Menschen fr├╝hpensioniert und Frauen bei der Stellenvergabe diskriminiert. Irene Natividad f├╝gte hinzu, dass unser jahrelanges Argument der Ungerechtigkeit von Frauendiskriminierung nicht gezogen h├Ątte, vielmehr m├╝sse man nun mit der Unvernunft und der Unwirtschaftlichkeit weiblicher Ausgrenzung argumentieren, schlie├člich werden 80% der Kaufentscheidungen (in den USA) von Frauen getroffen, sie stellen 60% der Internet-User dar. Wir sollten uns also unserer buying power bewu├čt sein und sie zu nutzen wissen.

Der Blick ├╝ber den Tellerrand
Als ein Instrument von weiblicher Integration in die Arbeitsm├Ąrkte stellten die Panelteilnehmerinnen die gesetzliche Quotierung positiv heraus. In Norwegen, wo die Geschlechtergleichberechtigung zwar in der Politik besteht, in der Wirtschaft aber noch nicht erreicht ist, wurde nach jahrelangen frustlosen Debatten, einfach ein Gesetz verabschiedet, das eine Frauenquotierung in den Aufsichtsr├Ąten der Unternehmen vorsieht, demnach werden Konzerne gezwungen, nach sp├Ątestens zwei Jahren einen 40prozentigen Frauenanteil in den Aufsichtsr├Ąten vorzuweisen. Ein Ansatz, der auch unserem Land gut zu Gesichte stehen d├╝rfte.

Women + Work Beitrag vom 03.03.2005 AVIVA-Redaktion 





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