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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.03.2005

World Women Work 2005 - Susanne L├╝dersen
AVIVA-Redaktion

Interview mit Susanne L├╝dersen, Rechtsanw├Ąltin, Referentin im Vorstandsb├╝ro von Vattenfall Europe.



AVIVA-Berlin: Das Motto der WWW 2005: "Wandel als Chance". Zwischen Work-Life-Balance und Netzwerk-├ľkonomie: Herausforderungen und Perspektiven in einem zunehmend globalisierten Lebensumfeld. Wo sehen Sie pers├Ânlich diese Herausforderungen und Perspektiven?

Susanne L├╝dersen: Pers├Ânlich bin ich auf der Suche nach Perspektiven. Ich habe einen interessanten Job und ein nettes Kollegenteam. Aber wenn ich mir vor dem Hintergrund, dass ich ein kleines Kind habe, die Position meines Chefs anschaue, stelle ich fest: Das ist es nicht wirklich, was ich mir vorstelle. Das heisst im Prinzip suche ich nach Perspektiven und Ideen.

AVIVA-Berlin: Und wo sehen Sie die Risiken?

Susanne L├╝dersen: Ich begreife Globalisierung eher als Chance.

AVIVA-Berlin: Wie bewerten Sie die Podiumsfrage 2 - Gleichstellung auch ohne Quote und Gesetz?

Susanne L├╝dersen: Schwankend. Fr├╝her habe ich immer gesagt, ich will keine Quotenfrau sein. Ich bin gut und ich will aufgrund meiner Leistungen weiterkommen. Aber wenn ich mich heute so umschaue, auch in unserem Unternehmen, wo es bei 20.000 Mitarbeitern konzernweit in Deutschland, eine Prokuristin, also eine Frau in der zweiten F├╝hrungsebene gibt - und das auch noch bei einem kleineren Tochterunternehmen - stelle ich fest: Das ist zu wenig. Ich f├╝rchte, da werden wir die Quote brauchen.

AVIVA-Berlin: Was tun Sie in Ihrem Unternehmen oder was tut Ihr Unternehmen f├╝r den Bereich Frauenf├Ârderung?

Susanne L├╝dersen: Das ist sehr abh├Ąngig vom jeweiligen Vorgesetzten. Bei meinem derzeitigen Vorgesetzten kann ich mich wirklich nicht beklagen. Wir handhaben die Arbeitszeit wunderbar flexibel und ich kann den Kleinen mit in die Firma bringen, wenn es sein muss. Bei einem fr├╝heren Vorgesetzter dagegen, als ich gerade aus der Elternzeit zur├╝ckkehrte, war das anders. Zu Abteilungsbesprechungen oder ├Ąhnlichem wurde ich nie eingeladen, ich blieb einfach aussen vor. Als ich mich mit dem Wunsch nach Teilzeit an ihn wandte, sagte er: "Sie wissen ja, als Teilzeitkraft k├Ânnen Sie wirklich nur den Schrott ├╝bernehmen". Es ist also im Prinzip eine Frage des individuellen Vorgesetzten. Grunds├Ątzlich ├Ąussert das Unternehmen jedenfalls, dass es Frauen f├Ârdern m├Âchte.

AVIVA-Berlin: W├╝rde ein Gesetz Ihnen f├╝r die Frauenf├Ârderung in Ihrem Unternehmen noch weiterhelfen oder w├Ąre das eher hinderlich?

Susanne L├╝dersen: Es w├╝rde zumindest wahrscheinlich den Wandel etwas mehr in Schwung bringen. Ich habe aus verschiedenen technischen Unternehmensbereichen geh├Ârt, dass sich die Herren dort nicht vorstellen k├Ânnen, eine weibliche Chefin zu haben. Das ist nat├╝rlich ein Problem, dem das Gesetz entgegenwirken w├╝rde. Aber man muss sich anschauen, wie das Gesetz konkret gestrickt ist. Denn mehr B├╝rokratie k├Ânnen wir auch nicht gebrauchen. Das w├Ąre der verkehrte Schritt. Die richtige Balance zu finden, ist schwer.

AVIVA-Berlin: Mit welchen Erwartungen sind sie hergekommen? Sind die erf├╝llt worden?

Susanne L├╝dersen: Konkrete Erwartungen hatte ich keine. Einige der Rednerinnen kannte ich vom Namen her. Das fand ich sehr spannend, besonders der Vortrag von Prof. Gertrud H├Âhler hat mich interessiert. Meine Erwartungen an die Referentinnen wurden voll erf├╝llt und ich habe noch wesentlich mehr interessante Rednerinnen entdeckt als ich vorher erwartete.

AVIVA-Berlin: Wie beurteilen Sei den Trend bez├╝glich der Debatte um Work-Life-Balance, die in Deutschland zunehmend auf die Work-Familiy-Debatte reduziert wurde?

Susanne L├╝dersen: In unserem Unternehmen haben wir die Work-Life-Balance als Unternehmensphilosophie. Aber f├╝r mich pers├Ânlich steht schon die Work-Family-Debatte im Vordergrund. Ich habe ein kleines Kind und mit dem m├Âchte ich auch Zeit verbringen, deshalb tangiert mich das nat├╝rlich sehr.

AVIVA-Berlin: Was w├╝rden Sie sich f├╝r die WWW 2006 w├╝nschen, was m├Âchten Sie diskutiert wissen?

Susanne L├╝dersen: Ich w├╝nsche mir etwas Konkretes zum Anfassen, womit man hinterher weiterarbeiten kann. Damit innerhalb diesen einen Jahres etwas passiert. "Mutig sein" und all das ist ja sehr allgemein gehalten. Konkrete Handlungsempfehlungen dazu, wo wir konkret weiterarbeiten sollen, kamen bisher zu wenig.

AVIVA-Berlin: Was nehmen Sie mit? Ihr Fazit?

Susanne L├╝dersen: Ich nehme mit, dass man die Debatte weiter vorw├Ąrtstreiben muss, dass man an sich selbst arbeiten muss, dass aber durchaus die Chancen da sind. Ich will mich sowieso engagieren. Da werde ich vor allem in der Familie k├Ąmpfen m├╝ssen, denn wenn man da nicht den entsprechenden R├╝ckhalt hat, ist es schwierig.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f├╝r┬┤s Interview

Women + Work Beitrag vom 03.03.2005 AVIVA-Redaktion 





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