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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.03.2005

World Women Work 2005 - Dr. Ingrid Voigt
AVIVA-Redaktion

Interview mit Dr. Ingrid Voigt, stellvertretende Gesch√§ftsf√ľhrerin der Bundesgesch√§ftsstelle "Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V."



AVIVA-Berlin: Fangen wir vielleicht an mit der Frage nach der Quote, die Sie vor Ihrem biographischen Hintergrund vielleicht anders sehen, als viele der hier Anwesenden.

Dr. Ingrid Voigt: Da ich im Osten Deutschlands aufgewachsen bin, habe ich ein bi√üchen Probleme mit den Quotenfrauen und zwar auch mit der Begr√ľndung, die heute wieder genannt wurde. Man mu√ü einfach gut sein und nicht durch eine bestimmte Quote zu einer F√ľhrungsposition kommen.
Sicherlich ist es mitunter unterst√ľtzend und an vielen Stellen auch hilfreich, aber ich schlie√üe mich dann doch der Diskussionsteilnehmerin an, die sagte, man m√ľsse es vorleben. Und ich glaube, dass das positive Beispiele, auch von den Frauen, die heute auf dem Podium sitzen, unglaublich wichtig ist und unwahrscheinlich Mut macht.

AVIVA-Berlin: Aber wurde die Berufstätigkeit von Frauen, auch in sogenannten Männerberufen, zu DDR-Zeiten nicht ganz anders gefördert?

Dr. Ingrid Voigt: Ja, nat√ľrlich, das ist so in der Denke der F√ľhrungsstrukturen gewesen. Und es ist uns nat√ľrlich in der Schule ja auch so mit auf den Weg gegeben worden. Es gab zudem direkte Angebote an die M√§dchen, auch technische Berufe zu erlernen.
Ich bin diesen Weg gegangen, und die technische Universität in Ilmenau hätte es am liebsten gesehen, unsere ganze Klasse mit etwa 50 % weiblichen Azubis mit technischer Berufsausbildung und Abitur sofort in die Universität aufzunehmen.
Das wäre deren Wunsch gewesen, doch wir haben uns dann, unseren individuellen Neigungen und Vorstellungen folgend, woanders ausbilden lassen, haben woanders studiert.
Aber richtig ist, es war politisch schon so gewollt. Es gab nat√ľrlich auch viele andere zus√§tzliche familienunterst√ľtzende Ma√ünahmen, die heutzutage gar nicht mehr erw√§hnt werden. Es gab Kredite f√ľr junge Eheleute, sehr viele Verg√ľnstigungen f√ľr Frauen mit Kindern, das belief sich nicht nur auf den Kindergartenplatz.
Es war sicherlich der Geist der Zeit, der dazu gef√ľhrt hat, da√ü damals in der DDR viele Frauen auch sehr jung Kinder bekommen haben, auch w√§hrend des Studiums. Und dort waren ja die Ausbildungszeiten auch wesentlich k√ľrzer, als sie heute in Deutschland sind.

AVIVA-Berlin: Es sind nach der Wende offenbar viele Strukturen zerstört worden, die heute gut gebraucht werden könnten.

Dr. Ingrid Voigt: Ich weine dem nicht nach, aber es eben unkritisch zerst√∂rt worden. Man h√§tte manches nach gr√ľndlicher √úberlegung und mit kritischem Blick integrieren k√∂nnen.

AVIVA-Berlin: Das Motto der WWW 2005: ist "Wandel als Chance" - zwischen Work-Life-Balance und Netzwerk-√Ėkonomie: Herausforderungen und Perspektiven in einem zunehmend globalisierten Lebensumfeld. Wo sehen Sie pers√∂nlich diese Herausforderungen und Perspektiven?

Dr. Ingrid Voigt: Ja, die Perspektiven sind heute aufgezeigt worden.
Work-Life-Balance ist eine ganz wesentliche Voraussetzung daf√ľr, da√ü wir in Deutschland in den Unternehmen wettbewerbsf√§hig bleiben, da√ü Familie und Beruf, pers√∂nliche Lebensplanung mit den Interessen der Unternehmen vereinbart werden. Insofern ist es √ľberf√§llig, dieses Thema nun auch tats√§chlich praxisgerecht umzusetzen.

AVIVA-Berlin: Welche Risiken sehen Sie in diesem Zusammenhang?

Dr. Ingrid Voigt: Risiken sehe ich nicht.

AVIVA-Berlin: Wie beurteilen Sie den Trend bez√ľglich der Debatte um "Work-Life-Balance", die in Deutschland zunehmend auf die "Work-Family-Debatte" reduziert wurde?

Dr. Ingrid Voigt: Das wird sicherlich heute haupts√§chlich fokussiert, aber es kommen ja noch sehr viele andere Aspekte mit hinzu: wir werden alle l√§nger arbeiten m√ľssen und da meint "Work-Life-Balance" ja nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern kann durchaus auch mal andere Phasen integrieren, wie z.B. die Pflege der √§lteren Generation.

AVIVA-Berlin: Was wird in Ihrem Unternehmen, in Ihrem Ressort konkret f√ľr die Gleichstellung getan?

Dr. Ingrid Voigt: Sehr viel. Etwa 50 % unserer Mitarbeiter sind weiblichen Geschlechts und viele davon sind auch in h√∂herqualifizierten Aufgaben t√§tig, wenn auch dort die Frauenquote nicht 50 % betr√§gt, aber so sehr viele F√ľhrungspositionen sind dort nicht zu besetzen. Aber insgesamt sind wir, glaube ich, mit √ľber 50 % Frauen f√ľr die Zukunft gut ausger√ľstet.
Wir haben eine besondere Arbeitszeitregelung, die den Belangen der Frauen oder der Männer mit familiären Verpflichtungen Rechnung trägt, wir haben zudem die Möglichkeit, daß Telearbeitsplätze zuhause benutzt werden können. Das ist ein Beitrag, den wir selber leisten. Wir sagen nicht nur, wie es Unternehmen allgemein besser machen können, sondern wir versuchen diese good-practice-Beispiele auch im eigenen Unternehmen anzuwenden.

AVIVA-Berlin: Wie werden diese Angebote angenommen?

Dr. Ingrid Voigt: Das wird sehr gut angenommen. Flexible Arbeitszeit allemal, Telearbeitspl√§tze haben wir gerade eingef√ľhrt. Setzt nat√ľrlich voraus, da√ü jeder die technischen M√∂glichkeiten zuhause selber schafft, das basiert auf Vertrauen und funktioniert gut.

AVIVA-Berlin: Wie sehen Sie die Zukunft von world woman work?

Dr. Ingrid Voigt: Ich bin das erste Mal dabei und kann diese Frage noch nicht abschließend beantworten.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank, Frau Dr. Voigt.

Women + Work Beitrag vom 03.03.2005 AVIVA-Redaktion 





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