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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.11.2005

Luzia Braun, Kulturjournalistin
Rukshana Adrus-Wenner

Im Gespr├Ąch mit der TV-Redakteurin der Sendung "aspekte" ├╝ber Kultur und Karriere im Fernsehen, Feiern in Frankfurt, Frauen mit Stil und Freizeit mit Freundinnen



Die Journalistin, Filmemacherin, TV-Redakteurin moderiert seit 1993 das Kulturmagazin "aspekte" auf ZDF. Die 51-j├Ąhrige S├╝ddeutsche lebt gerne in Berlin und fliegt regelm├Ą├čig in die Mode-Metropole Mailand.

AVIVA-Berlin: Frau Braun, Sie waren auf der diesj├Ąhrigen Buchmesse. Von welchen B├╝chern haben Sie sich auf dem Blauen Sofa inspirieren lassen?
Luzia Braun: Sehr gut gefallen hat mir "Menschenflug" von Hans-Ulrich Treichel, die Geschichte einer Vertriebenfamilie mit autobiografischem Hintergrund. Ein 40 J├Ąhriger findet im Nachlass seiner Mutter eine Akte und erf├Ąhrt, dass er einen verlorenen Bruder hat...spannend erz├Ąhlt mit einem ganz neuen Blick auf die deutsche Vergangenheit.
Immer wieder ein H├Âhepunkt ist Mario Adorf. Dieses Jahr hat er ein schmales B├Ąndchen mitgebracht ├╝ber seine Mutter. Der Titel heisst "Mit einer Nadel blo├č", eine Zeile aus Shakespeares "Hamlet". Auf Nachfrage hin hat Mario Adorf minutenlang zun├Ąchst auf Englisch und dann auf Deutsch auswendig aus diesem Monolog rezitiert. Das war gro├čartig. Die Leute waren richtig ergriffen, es gab standing ovations, f├╝r mich der ber├╝hrendste Moment auf dem "Blauen Sofa"

AVIVA-Berlin: Das ZDF-Kulturmagazin "aspekte" hat in Frankfurt auch das 40. Jubil├Ąum gefeiert. Diese Kontinuit├Ąt zeugt von Beharrlichkeit.
Luzia Braun: Und wie! Aspekte ist das erste Kulturmagazin des Fernsehens ├╝berhaupt. Die ersten drei Ausgaben 1965 hie├čen noch "Kulturbericht", ab 1. 1. 1966 hie├č es dann "aspekte". 40 Jahre sind wirklich lang f├╝r ein Kulturmagazin, wir sind fast so alt wie das ZDF, das 1963 zum ersten Mal auf Sendung ging. Dass es uns immer noch gibt ist schon ein Grund zu feiern...
Inzwischen hat "aspekte" einen sehr weiten Kulturbegriff. Wir wollen nicht nur f├╝r Insider Programm machen, sondern die Br├╝cke schlagen zu Leuten, die sich nicht t├Ąglich mit Kultur besch├Ąftigen. Wir wollen ein Millionenpublikum, ohne uns dem Massengeschmack anzubiedern.
Durch Wolfgang Herles, seit sechs Jahren "aspekte"- Leiter und Moderator, hat eindeutig eine Politisierung stattgefunden und eine noch gr├Â├čere ├ľffnung des Kulturbegriffs in Richtung Abenteuer, Wissenschaft, Arch├Ąologie, Politik, Wirtschaft - uns interessieren die Schnittstellen mit anderen Bereichen.

AVIVA-Berlin: Vor f├╝nf Jahren ist die Redaktion von Mainz nach Berlin umgezogen. Die Sendung wird seit kurzem mit dem futuristischen Hintergrund des Pei-Bau des Deutschen Historischen Museum ausgestrahlt.
Luzia Braun: Ja weil dieser Bau eine moderne, urbane Ästhetik hat , minimalistisch und elegant wirkt und weil er Stil hat ohne Pathos.
Wir gehen aber auch gerne raus, sind viel unterwegs und berichten ├╝ber die gro├čen Filmfestivals und Kunstausstellungen. Oder ├╝ber Sportkultur haben wir von den olympischen Spielen aus Sydney und Athen berichtet. Immer wieder machen wir bei gegebenem Anlass auch Schwerpunkt-Sendungen.

AVIVA-Berlin: Sie sind seit ├╝ber 20 Jahren f├╝r unterschiedliche Medien und Formate t├Ątig. Seit 12 Jahren sind Sie Redakteurin und Moderatorin von "aspekte". Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Luzia Braun: Eigentlich bin ich ein Dino. In dieser schnelllebigen Zeit ist es selten, dass eine Sendung ├╝ber 10 Jahre dasselbe Gesicht hat. Aber genau deswegen bin ich sehr verwachsen mit diesem Magazin. Aspekte ist wie eine gute alte Freundin, die mir sehr am Herzen liegt und die mich immer wieder ├╝berrascht. Au├čerdem arbeite ich auch als Autorin von Beitr├Ągen und da wird man immer wieder vor neue Aufgaben gestellt. Die Form, die ├ästhetik, Dreh und Schnitt alles hat sich in den letzten Jahren ver├Ąndert.
Was die Moderation betrifft, habe ich lange gebraucht, bis ich mich auf dem Schirm "erkannt" habe, so fremd war mir die virtuelle Braun. Anfangs habe ich einfach nicht begriffen, wie dich Fernsehen ver├Ąndert, was Maske hei├čt, was Licht anrichten kann, wie gro├č Bewegungen vor der Kamera werden. Da ich beim Reden viel herumfuchtle, musste ich mich extrem zur├╝cknehmen und das wirkte angestrengt. Aber inzwischen kann ich mich anschauen, ohne hysterische Anf├Ąlle zu bekommen.

AVIVA-Berlin: Sie haben einmal in einem Interview gesagt: "Ich hatte nie Lust auf Macht - auf Einfluss schon eher...". - "aspekte" hatte bislang keine Leiterin.
Luzia Braun: Es muss der Wille zur Karriere da sein und es m├╝ssen ├Ąu├čere Bedingungen dazu kommen. Mit beidem haperte es in meinem Fall.
Mein Lebenszweck war nie, nach oben zu kommen, sondern gut zu leben.
Der Preis f├╝r Leitungsfunktionen ist hoch. M├Ąnner zahlen ihn lieber als Frauen, weil Frauen oft andere Kriterien haben f├╝r Lebensqualit├Ąt, beispielsweise sich ungemein qu├Ąlen in stundenlangen Sitzungen mit wichtigtuerischen M├Ąnnern.
Au├čerdem hat mich Macht nie fasziniert, eher gelangweilt.
Ich glaube, es ist das Problem vieler Frauen, auf der einen Seite zu beklagen, gar nicht in den Machtbereichen vorzukommen, auf der anderen Seite keine Lust zu haben, oder auch Angst davor, verantwortungsvolle Stellen zu ├╝bernehmen.

AVIVA-Berlin: Wie empfinden Sie das Frauenbild im Fernsehen?
Luzia Braun: Ziemlich eint├Ânig. Wir sehen uns alle ├Ąhnlich. Das nervt, ist aber schwer zu durchbrechen. Ich mag keine neutralisierten Frauen in grauen Anz├╝gen. Ich bin gerne Frau und zeige das, was oft falsch verstanden wird, als w├╝rden sich Stil, Eleganz, Weiblichkeit und Kompetenz nicht vertragen. Ich finde das ├äu├čere wichtig, ├Ąrgere mich aber, wenn ich nur ├╝ber die Optik beurteilt werde. Was man bei einem Mann nie tun w├╝rde, bei ihm z├Ąhlen die Inhalte, die Genauigkeit der Sprache, der Moderationsstil, Klarheit im Urteil etc.....
K├╝rzlich beschrieb mich eine Kritikerin als "sch├Ânes, zerbrechliches Kunstwerk", in dieser Beschreibung habe ich mich so ├╝berhaupt nicht wiedergefunden. Da wird Sch├Ânheit zum Kampfbegriff, der disqualifiziert, nach dem Motto: M├Ąnner sind gut, Frauen sehen gut aus...

AVIVA-Berlin: Sie waren auch als Dozentin f├╝r Kulturjournalismus in Weimar und in Berlin t├Ątig...
Luzia Braun: In Mailand habe ich f├╝nf Jahre Deutsche Sprache und Literatur an der Uni unterrichtet, in Weimar und Berlin dann Kulturjournalismus. Ich unterrichte ausgesprochen gerne, weil mich interessiert, wie Studentinnen und Studenten "ticken", was die gut oder schlecht finden, womit sie sich besch├Ąftigen.
Bemerkenswert fand ich, dass Leute das Seminar "Kultur im Fernsehen" belegen und gar keinen Fernseher haben, dieses Medium gar nicht zu ihrem Alltag geh├Ârt und sie es auch nicht beobachten, was die jungen Leute aber nicht mal als Widerspruch empfinden.
Meistens kennen meine Studenten "aspekte" nicht, weil sie Freitagabends auf der Piste sind. Studenten sind nicht unser Publikum. Das war bei mir fr├╝her anders, da war "aspekte" mein "Fenster zur Welt", weil ich auf dem Land gro├č geworden bin.

AVIVA-BERLIN: Hat Kultur im Fernsehen eine Chance, auch in der Zukunft?
Luzia Braun: Diese Diskussion ├╝ber die Notwendigkeit der Kultur im Fernsehen ist m├╝├čig. Was soll ich dazu sagen? Ich kann gebetsm├╝hlenhaft wiederholen: Klar geh├Ârt ein Kulturmagazin im ├Âffentlich-rechtlichen Fernsehen ins Hauptprogramm, und zwar in die Prime Time - also vor 23 Uhr. Klar muss es neben dem Auslandsjournal, dem Wirtschafts- - und Politikmagazin auch ein Kulturmagazin geben. Klar ist Kultur wichtig. Aber f├╝r wen? F├╝r die Zuschauer? F├╝r die Macher?
F├╝r die Quote jedenfalls nicht. Und die z├Ąhlt nun mal.
F├╝r mich gibt es dar├╝ber gar keine Diskussion, aber mich fragt auch keiner, deshalb sind diese good-will Erkl├Ąrungen von Leuten wie mir, die gar nicht z├Ąhlen in der Entscheidung, nur bedingt relevant.
In Zukunft wird die Kultur wahrscheinlich sowieso nur noch in Spartenkan├Ąle zu sehen sein - das ist wahrscheinlich der Trend in den n├Ąchsten Jahren

AVIVA-Berlin: Kultur ist f├╝r viele Menschen Unterhaltung, Entspannung... - Wie verbringen Menschen, die im Kulturbetrieb t├Ątig sind, ihre Freizeit?
Luzia Braun: Auch mit Kultur, aber nicht nur. Das Sch├Âne an unserem Beruf ist ja, dass private Interessen mit den beruflichen zusammenfallen.
Nat├╝rlich gehe ich in meiner Freizeit gerne ins Kino, ins Theater, in Ausstellungen, lese B├╝cher. Aber vor allem treffe ich mich gerne mit meinen Freundinnen und Freunden, gehe oft in Kneipen, tanze gern.
Und ich bin gerne drau├čen, in der Natur. Ich liebe das Meer ├╝ber alles und fahre hin, wann immer ich kann. Und ich wandere sehr gerne, Wandern hab ich den letzten Jahren entdeckt, das ist beruhigend, hat so etwas Meditatives.

AVIVA-Berlin: Welche Pl├Ąne und W├╝nsche haben Sie?
Luzia Braun: Ich bin offen f├╝r alles. Ich kann mir vorstellen, wieder l├Ąngere Filme zu machen oder ein Drehbuch zu schreiben, oder etwas v├Âllig anderes zu machen. Ich lasse es auf mich zukommen. Vielleicht schreibe ich irgendwann ein Buch... nein nein, keine Angst, es gibt sowieso viel zu viele B├╝cher, die die Welt nicht braucht!
"aspekte" wird immer freitags um 22:15 auf ZDF gesendet

Am Freitag, 4.11.2005 um 0.55 Uhr wird die Sondersendung "aspekte" - die ersten 40 Jahre. Lange Nacht der Erinnerungen - ausgestrahlt.
Mehr Infos im Netz: www.aspekte.de

Women + Work Beitrag vom 01.11.2005 AVIVA-Redaktion 





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