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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.11.2005

Alice Str├Âver, Politikerin
Rukshana Adrus-Wenner

AVIVA-Berlin traf die Vielbesch├Ąftigte zwischen zwei Sitzungen f├╝r ein Interview. Sie erz├Ąhlte ├╝ber ihren Kulturtalk, Fu├čball, Bibliotheken, Zeitmangel und Kultur als hartes Brot



Die Kommunikationswissenschaftlerin, kultur- und medienpolitische Sprecherin der B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen und Salondame sitzt seit 10 Jahren im Berliner Abgeordnetenhaus. Vor 30 Jahren kam sie aus Niedersachsen zum Studium nach Berlin. Zwischenstationen als Journalistin bei der "taz", politisch aktiv bei der Alternativen Liste und in der Europafraktion, Gesch├Ąftsf├╝hrerin der BBK, Lehrbeauftragte an der FU. Die 50 j├Ąhrige ist verheiratet und hat eine Tochter.

Thema des 50. Kultursalons ist "Kunst und Kritik - Die kulturpolitische Verantwortung der Kritiker". Alice Str├Âver empf├Ąngt ihre G├Ąste am 17.11.2005 um 19:00 Uhr im Roten Salon der Volksb├╝hne, Rosa-Luxemburg-Platz.

AVIVA-Berlin: Frau Str├Âver, Sie feiern mehrere Jubil├Ąen in diesem Jahr.
Alice Str├Âver: Es ist wirklich so. Jetzt ist es fast vorbei, aber es war sehr spannend und aufregend.

AVIVA-Berlin: Welche kulturellen Ereignisse in letzter Zeit haben Sie besonders beeindruckt?
Alice Str├Âver: Die Ausstellung "Rundlederwelten" im Martin-Gropius-Bau fand ich sehr interessant, eine sehr spannende Frage, wie man im Vorfeld der Fu├čball-WM Sport und Kunst zusammen diskutiert. Was Theater und Oper angeht, fand ich die Faust-Inszenierungen von Michael Thalheimer im Deutschen Theater anregend. Die Tanzveranstaltungen im Bereich der Freien Tanzszene, sei es im HAU, Sophiensaele und an anderen Orten besuche ich auch des ├Âfteren.

AVIVA-Berlin: Im November 2005 findet der 50. Kultursalon in der Volksb├╝hne statt.
Alice Str├Âver: Es fing mit einer Idee an, die ich gar nicht als Abgeordnete hatte, sondern als Mitarbeiterin der Fraktion bei meinem Vorg├Ąnger Albert Eckert. Unter seiner ├ägide fanden die ersten acht Gespr├Ąche statt. Seit zehn Jahren verantworte ich die Veranstaltungen. Unser Anliegen war, einen Ort zu finden, an dem die Fraktion B├╝ndnis 90 / Die Gr├╝nen mit Experten kulturpolitischen Themen fernab vom Parlamentsalltag diskutieren kann.

AVIVA-Berlin: Ist dieses Podium eine Abwechslung zum politischen Alltag?
Alice Str├Âver: Ja, unbedingt. Es geht selten um Geld, manchmal um Strukturfragen. Im Zentrum steht die F├Ârderung der Kunst, des kreativen Schaffens in Berlin. Wichtig sind auch die Fragen der Vernetzung und wie man quer ├╝ber alle Themen Aufmerksamkeit ├╝ber das kulturelle Geschehen in dieser Stadt herstellen kann.

AVIVA-Berlin: K├Ânnen Sie einige Highlights nennen?
Alice Str├Âver: Wir haben eine gro├če Bandbreite. Die Vielfalt der Themen reichte von Frauensache Kunst ├╝ber das Holocaust-Mahnmal zu Musikschulen, Literaturbetrieb, Kunstmarkt, Clubszene und vieles mehr. Da ich ebenfalls die medienpolitische Sprecherin meiner Fraktion bin, spielen Rundfunk-Fragen auch eine Rolle.

AVIVA-Berlin: Welche Resonanz erreichen Sie dadurch?
Alice Str├Âver: Das Publikum ist ganz vielf├Ąltig. Wir haben Stammg├Ąste, die kommen immer. Die sind einfach interessiert an den Themen, die ich anbiete. Dann haben wir aber auch das Fachpublikum, das an einem speziellen Thema interessiert ist. Und dann gibt es aber durchaus auch Leute, die sehr spontan kommen, die unsere Anzeige gelesen haben und sich unmittelbar zu einem Thema austauschen m├Âchten. Manchmal wundert man sich, welche Themen Aufmerksamkeit beim Publikum hervorrufen. Auch die K├╝nstler selber kommen in gro├čer Zahl.

AVIVA-Berlin: Liegt dieses Interesse auch an dem besonderen Ort?
Alice Str├Âver: Ja, der Rote Salon der Volksb├╝hne hat nicht die typische Politdiskussions-Atmosph├Ąre, sondern ist ein Ort, der selber f├╝r kulturelles Geschehen steht, f├╝r Clubn├Ąchte und andere Events. Deshalb finde ich es lustig, dass auch Leute kommen, die ├╝ber die Volksb├╝hne informiert sind und normalerweise nicht ins Abgeordnetenhaus kommen w├╝rden. Ich finde es gut, dass man in eine Kultureinrichtung geht und die Volksb├╝hne ist ein gro├čartiger Ort daf├╝r. Was dort diskutiert wird, kommt ├╝ber kurz oder lang wieder zur├╝ck in den politischen Raum. Wenn ich ├╝ber Frauenf├Ârderung spreche, dann wei├č ich auch, dass es in die n├Ąchste Haushaltberatung und in einen Antrag m├╝nden kann.

AVIVA-Berlin: Was k├Ânnen Sie ├╝ber die Lage der K├╝nstlerinnen und Frauen im Kulturbereich sagen?
Alice Str├Âver: Im Bereich der bildenden Kunst ist die Lage der K├╝nstlerinnen und K├╝nstler ziemlich schlecht. Vor allem lassen sich K├╝nstlerinnen schlechter vermarkten. Das h├Ąngt sicher mit dem Kunstbetrieb zusammen. Obwohl die Absolventinnenzahl ziemlich hoch ist, sind sie in den Galerien nicht so pr├Ąsent und erst recht nicht in den Museen. Dort haben die M├Ąnner noch das sagen und Frauen keine M├Âglichkeit, in der zeitgen├Âssischen Kunst sichtbar zu werden. Die Ursachen sind vielf├Ąltig. In der Phase, in der Frauen sich massiv auf dem Markt bewegen m├╝ssten, gibt es oft die biographische Situation, die es erschwert - trotz der F├Ârderprogramme.

AVIVA-Berlin: Sie sind nicht nur die kulturpolitische Sprecherin der Gr├╝nen, sondern waren auch Staatssekret├Ąrin f├╝r Kultur im Senat. H├Ątten Sie nicht Lust gehabt, auf der politischen Karriereleiter in den Bundestag zu wechseln?
Alice Str├Âver: Das h├Ątte mich wohl gereizt, aber wir haben als kleiner Landesverband der Gr├╝nen bei unserer Landesliste f├╝r den Bundestag nur drei, maximal vier Pl├Ątze und die waren von anderen Kandidaten besetzt. Ich sehe die Gefahr, dass die Kulturpolitik nicht personifiziert und identifizierbar ist und das finde ich sehr schade. Die beiden Mitglieder, die im Kulturausschuss und in der Enquetekommission waren - Antje Vollmer und Ursula Sowa - sind nicht mehr im Bundestag. Dadurch ist eine gro├če L├╝cke entstanden. Es h├Ątte mich interessiert, aber es gab keine M├Âglichkeit, sich entsprechend zu positionieren.
Man kann auch in der Opposition in der ├ľffentlichkeit wahrnehmbar sein. Es ist ein hartes Brot, die Bedeutung der Kultur zu betonen. Trotzdem ist durch mein Agieren in den letzten zehn Jahren einiges in Bewegung gekommen. Auf der Bundesebene m├╝ssen wir erst wieder ein Profil ├╝ber eine Person entwickeln.

AVIVA-Berlin: Was sagen Sie zu den Diskussionen um die Kulturstaatsministerin oder Staatsminister in der neuen Bundesregierung?
Alice Str├Âver: Die rot-gr├╝ne Regierung hatte einen Quantensprung gemacht und die Bedeutung und die Verpflichtung, sich f├╝r Kunst und Kultur auf Bundesebene einzusetzen, sehr weiter entwickelt. Alle drei Personen haben dieses Amt bislang gut ausgef├╝llt.
Die Diskussionen ├╝ber den Stellenwert der Kulturstaatsministerin in der Grossen Koalition finde ich wirklich verheerend. Auch in Hinblick auf europ├Ąische Beratungen f├╝r Kultur, braucht es unbedingt jemanden, der dies au├čenpolitisch wahrnimmt und auch medienpolitisch ein Anzahl von Aufgaben kommuniziert.

AVIVA-Berlin: Was ├Ąndert sich dadurch f├╝r die Berliner Kultur?
Alice Str├Âver: Es sind zwei Faktoren: Erstens hat das Land Berlin bei der Kultur gek├╝rzt. Der Bund hat viel abgefedert durch Entlastung, durch die ├ťbernahme z.B. der Akademie der K├╝nste, Gropiusbau, Berliner Festspiele. Das andere ist, dass man so eine Art Haltung zu Berlin entwickeln muss. Die Hauptstadtkulturf├Ârderung ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern eine Akzeptanzfrage. Es ist wichtig, dass man dort eine Person hat, mit der man kulturellen Auftrag an Berlin als Hauptstadt verbindet.

AVIVA-Berlin: Tut Berlin Ihrer Meinung nach genug f├╝r Kulturf├Ârderung an der Basis?
Alice Str├Âver: Es gehen immer mehr Mittel in die gro├čen Tanker. Nur dreieinhalb Prozent des gesamten Kulturetats gehen in die freie Szene. Berlin tut meiner Ansicht nach zu wenig. Viele Einrichtungen sind unterfinanziert. Es gibt kein richtiges Strukturkonzept, was man eigentlich f├Ârdern will. Berlin ist ein Anziehungsort f├╝r viele K├╝nstler, ohne Geld, aber mit guten Ideen und kreativen Projekten. Hier muss man die F├Ârdermittel konzentrieren. Die Karawane zieht sehr schnell weiter, trotz guter Rahmenbedingungen, g├╝nstigen Mieten, bezahlbaren Probe- und Auff├╝hrungsr├Ąumen.

AVIVA-Berlin: Welche Vorhaben im kulturellen Bereich liegen Ihnen am Herzen?
Alice Str├Âver: Mir liegt etwas am Herzen, was Sie vielleicht ├╝berraschen wird, n├Ąmlich die Neustrukturierung der Berliner Bibliotheken. Die Bibliotheken haben kleine Etats. Leider entwickeln sie sich zu Antiquariaten mit alten Best├Ąnden und viel zu wenig Mitteln f├╝r aktuelle K├Ąufe, sowohl f├╝r Literatur als auch f├╝r andere Medien. Ohne Lesen kann man nichts oder wenig mit Kultur anfangen. Die Bibliotheken sind aber die Basis f├╝r Kulturentwicklung per se und Orte der Begegnungen.

Ein anderer Punkt ist die F├Ârderung der Theater. Ich glaube, wir k├Ânnen hier gar keine institutionelle Dauerf├Ârderung machen, sondern m├╝ssen auch bei den gro├čen H├Ąusern projektbezoge Mittel bereitstellen. Es kann nicht sein, dass die Gro├čen alles kriegen und die Kleinen leer ausgehen. Hier w├╝rde ich eine Bewusstseins├Ąnderung herbeif├╝hren und sagen, alles wird nur befristet gef├Ârdert. Jeder muss sich bew├Ąhren. Alles wird nach Qualit├Ątskriterien ├╝berpr├╝ft.

AVIVA-Berlin: Haben Sie sich selbst zum Jubil├Ąum etwas geschenkt oder sich etwas Spezielles f├╝r Ihrer G├Ąste einfallen lassen?
Alice Str├Âver: Zum 50. habe ich mir etwas besonders ausgedacht. Ich habe den Spie├č umgedreht und die Kulturkritiker, die manchmal den K├╝nstlern und den Politikern das Leben schwer machen, aufs Podium eingeladen. Ich m├Âchte einmal mit ihnen ├╝ber ihre Verantwortlichkeiten und Motivation f├╝r ihr Handeln sprechen. Da bin ich sehr neugierig. Nicht alle waren begeistert, dort aufzutreten. Ich bin gespannt, wie die Reaktion der G├Ąste sein wird.

AVIVA-Berlin: Was empfehlen Sie zus├Ątzlich aus dem kulturellen Bereich?
Alice Str├Âver: Ich empfehle eine sch├Âne Ausstellung ├╝ber Marianne Brandt im Bauhaus-Archiv. Sie war urspr├╝nglich eine Metallformerin, das ganz ungew├Âhnlich war zu dieser Zeit. Zu sehen sind erstmals v├Âllig unbekannte, wunderbare Fotocollagen aus den 20er Jahre, in denen sich die K├╝nstlerin mit der Rolle der Frau auseinander setzt.

AVIVA-Berlin: Bei Ihrem politischen Pensum - wie viel Zeit bleibt da f├╝r das Privatleben?
Alice Str├Âver: Gute Frage. Ich habe vielleicht das Gl├╝ck, manchmal abends jemanden zu kulturellen Veranstaltungen mitnehmen zu k├Ânnen - das ist dann mein Privatleben. Jetzt in Phasen der Haushaltsberatungen ist es ziemlich hektisch. Man muss sich die Zeit nehmen, auch wenn es schwierig ist.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f├╝r┬┤s Interview

Mehr zu Alice Str├Âver auf ihrer Internetseite: www.alice-stroever.de

Women + Work Beitrag vom 10.11.2005 AVIVA-Redaktion 





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