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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 06.03.2006

Jenny Elvers-Elbertzhagen im Interview
Tatjana Zilg

Durch den spektakul├Ąren Auftritt in Detlev Bucks "M├Ąnnerpension" wurde sie ├╝ber Nacht ber├╝hmt. Jahre mit Glamour-Schlagzeilen und kleineren Rollen folgten. Erfolgreiches Kinocomeback mit "Knallhart"



Detlev Buck ├╝berrascht nach f├╝nfj├Ąhriger Regieabstinenz durch die Wahl eines ernsten Problemthemas f├╝r seinen neuen Film: Mit einigen humorvollen Augenzwinkern, in denen die Handschrift des Allround-K├Ânners der Deutschen Kom├Âdie sehr deutlich ist, aber mit einem viel sch├Ąrferen Fokus auf soziale Brennpunktthemen.
Auch von Jenny Elvers-Ebertzhagen w├Ąre es nicht unbedingt zu erwarten gewesen, ausgerechnet mit dieser Rolle auf die Kinoleinwand zur├╝ckzukehren. Sie spielt die junge Mutter des f├╝nfzehnj├Ąhrigen Michael Polischka. Der Lebenspartner wirft sie ├╝ber Nacht aus der Zehlendorfer Villa. Der gemeinsame Umzug nach Neuk├Âlln konfrontiert ihren Sohn mit v├Âllig anderen Lebensverh├Ąltnissen. Er wird von Mitsch├╝lern auf brutale Weise erpresst und rutscht selbst in die Kriminalit├Ąt ab.

AVIVA-Berlin: "Knallhart" kam bei Publikum und KritikerInnen der 56. Berlinale sehr gut an. Ist diese Anerkennung auch eine Art Genugtuung gegen├╝ber den Medien?
Jenny Elvers-Elbertzhagen: Ich habe lange Zeit gar keine gro├čen Kinorollen angeboten bekommen. In den ganzen Jahren habe ich vor allem Theater gespielt. Fernsehrollen habe ich sehr viele angeboten bekommen, aber nur solche, wo es wichtig war, gut auszusehen, h├╝bsch zu sein, in Richtung "Blondchen". Das war teils ja auch ganz spannend, aber nun bin ich 33 Jahre alt, ich habe eine Familie, einen Sohn. Wenn ich jetzt arbeite und mir Zeit daf├╝r nehme, dann m├Âchte ich auch etwas "Sch├Ânes" spielen. Ich habe das Drehbuch bekommen und es ber├╝hrte mich sofort sehr. Nat├╝rlich sah ich auch eine gro├če Chance f├╝r mich darin. Aber eine Genugtuung ist es nicht. Ich werde das oft gefragt, aber das ist es nicht. Ich wollte eine gute Arbeit, eine gute Leistung zeigen und wenn das jetzt so gut angenommen wird, macht mich das gl├╝cklich.

AVIVA-Berlin: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet? Kannten Sie Neuk├Âlln schon zuvor?
Jenny Elvers-Elbertzhagen: Wir haben Recherchen gemacht, ich habe mich zum Beispiel ├Âfter mit den Jungs von der Gang und ihren Freunden getroffen. Sie erz├Ąhlten teils sehr heftige Geschichten. Neuk├Âlln ist ein ganz spannender Stadtteil. Wir zeigen zwar nur einen Ausschnitt, es ist dort sicherlich nicht ├╝berall so. Uns ging es sehr darum, zu zeigen, was unter den Jugendlichen passiert. Welche Gewalt dort herrscht, woher das kommt. Ich habe eine Zeitlang in Berlin gewohnt, in Charlottenburg, aber das ist schon noch eine andere Welt. In dem Zusammenprall der Kulturen liegt eine Menge Spannung. In den Klassenr├Ąumen der Schulen konzentriert sich diese Anspannung dann noch mal ganz besonders.

AVIVA-Berlin: Wie w├╝rden Sie Ihren eigenen Sohn vor Gewalt durch Mitsch├╝ler besch├╝tzen?
Jenny Elvers-Elbertzhagen: Ich glaube nicht, dass man ein Kind deswegen zu sehr kontrollieren sollte, eine absolute Kontrolle kann es da auch gar nicht geben. Nat├╝rlich versuche ich mein Kind bestm├Âglich zu besch├╝tzen, aber es soll ja lernen, auf eigenen F├╝ssen zu stehen. Ich glaube auch nicht, dass solche Problematiken nur davon beeinflusst werden, ob man in einer guten Gegend aufw├Ąchst. Ich w├╝rde meinen Sohn nicht in eine Privatschule schicken. Ich werde versuchen, mein Bestm├Âgliches zu tun, ihn vor Gewalt und ├ťbergriffen zu bewahren, aber das kann man vielleicht nicht immer.

AVIVA-Berlin: Wie w├╝rden Sie die Mutterfigur im Film beschreiben?
Jenny Elvers-Elbertzhagen: Miriam hat ihre eigenen Probleme. Ihr Sohn merkt das und versucht deshalb nicht, sich mit seinen Schwierigkeiten an die Mutter zu wenden. Sie liebt ihren Sohn, aber sie hat sich sehr fr├╝h f├╝r ein Kind entschieden. Sie wurde mit 15 Jahren schwanger. Da war ihre eigene Kindheit abrupt vorbei. Sie ist den Problemen eher hilflos gegen├╝ber. Ihr Versuch, einfach schnell wieder einen Mann kennenzulernen, der ihnen aus der Situation heraushilft, ist nat├╝rlich der falsche Weg.

AVIVA-Berlin: Ich fand, die Rolle der Miriam bekam in der Gesamthandlung etwas wenig Raum. Ich h├Ątte im Film gerne noch mehr ├╝ber sie erfahren. ├ťber ihren Hintergrund wird wenig erz├Ąhlt, warum sie ausgerechnet nach Neuk├Âlln zieht, wie ihr eigener famili├Ąrer Hintergrund ist.
Jenny Elvers-Elbertzhagen: Der Film soll die Geschichte des Jungen erz├Ąhlen. Die Mutter ist dazu eine Art roter Faden. Im Roman wird das ausf├╝hrlicher und l├Ąnger erz├Ąhlt, aber ich finde es gut, dass es im Film auf den Jungen zentriert bleibt. Miriam ist ganz wichtig, parallel wird auch viel ├╝ber sie erz├Ąhlt, aber der Schwerpunkt ist die Thematisierung von Jugendgewalt.

AVIVA-Berlin: Es wurde sehr intensiv gecastet f├╝r "Knallhart". Mussten Sie sich auch in einem Casting behaupten oder stand von vorneherein fest, dass Sie die Miriam spielen werden?
Jenny Elvers-Elbertzhagen: Ja, es wurde ├╝ber ein Jahr gecastet. Ich fand viele der Laienschauspieler sehr gut besetzt und authentisch. Das pr├Ągt den Film auch sehr. Ich wurde von einer Frau vorgeschlagen, die mich im Fernsehen gesehen hatte. Detlev Buck und ich fanden es eher hinderlich, dass wir uns schon kannten. Nat├╝rlich hatten wir uns ├╝ber die Jahre hin und wieder getroffen. F├╝r Hauptrollen wird man aber immer gecastet. Man muss ja erst schauen, wie das Zusammenspiel ist. Ich habe dann auch f├╝nfzehn bis zwanzig Jungs mitgecastet, darunter David Kross. Wir haben ihn an zwei Tagen angeschaut, aber hatten bald das Gef├╝hl, dass er der Richtige ist f├╝r die Rolle des Sohnes.
Ich musste selbst ganz klassisch vorsprechen, vorspielen, das ├ťbliche.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f├╝r das Interview!

Lesen Sie auch die Filmrezension zu "Knallhart".

Women + Work Beitrag vom 06.03.2006 AVIVA-Redaktion 





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