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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 04.06.2006

Michaela Wiebusch im Interview
Tatjana Zilg

Das Theater im Palais zeigt an zwei Wochenenden ihre theatralische Musikreise "Marilyn und Ich". Mit AVIVA-Berlin sprach sie ├╝ber die Inszenierung und die zwei Gesichter des Hollywood-Stars



Michaela Wiebusch ist geb├╝rtige Rheinl├Ąnderin und lebt seit 1999 in Berlin. Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie an der staatlich anerkannten Berufsfachschule f├╝r Schauspiel, Bewegung und Tanz in K├Âln. Seitdem wirkte sie in zahlreichen Film - und TV - Produktionen mit (u.a. als Kommissarin Gabi Schmitz in " SKK├Âlsch"). Sie hatte Gastengagements an mehreren B├╝hnen und spielte klassische und moderne Rollen von der Alkmene im "Amphitryon" von Kleist, ├╝ber die Rosetta in B├╝chners "Leonce und Lena" bis hin zur Rosy aus den "Sugar Dollies" von Klaus Chatten.
Mit ihren theatralischen Musikreisen ├╝ber Alexandra, Zarah Leander und demn├Ąchst auch Marilyn Monroe gastierte Michaela Wiebusch in den letzten Jahren bereits an renommierten B├╝hnen wie u.a. dem Thalia - Theater Hamburg, Stadttheater Heilbronn, Stadttheater Freiburg, Schweriner Filmfest, Landestheater T├╝bingen, Volkb├╝hne Berlin (Gr├╝ner Salon), Theater im Palais, Fifty-fifty in Erlangen und dem Filmmuseum Potsdam.

AVIVA-Berlin: Wie ist die Idee zu "Marilyn und Ich" entstanden? Haben Sie und die Regisseurin Anahita Mahintorabi das Theaterst├╝ck gemeinsam entwickelt?
Michaela Wiebusch: Ich habe Theater gespielt und in der Zeit dazwischen ist immer die Frage da, wie geht es jetzt weiter. Eines Abends war die Idee dann ganz pl├Âtzlich da: Ich mache einen Abend ├╝ber Marilyn Monroe.
Einige Freundinnen, auch Anahita, sagten zuvor schon zu mir, wenn sie mich im Theater sahen: "Wei├čt Du, an wen Du mich erinnerst? Du hast mich an Marilyn Monroe erinnert." Ich sprach mit Anahita ├╝ber meine Idee und fragte sie, ob sie Lust zu einer Zusammenarbeit hat.
Zeitgleich erschien dieser Artikel im Tagesspiegel. Es ist ja ├Âfter so: wenn man sich intensiv mit etwas besch├Ąftigt, dann kommen auf einmal ganz viele Zeichen. Es gab da diese Tonbandaufnahmen von den Gespr├Ąchen mit dem Psychiater, die ver├Âffentlicht wurden. Wir dachten sofort: "Ja, das ist es, wir machen ein Tonband als Ausgangspunkt." Da ich mit Anahita bereits ein St├╝ck ├╝ber Zarah Leander inszeniert habe, war das ein guter Startpunkt.

AVIVA-Berlin: Diese Tonbandaufnahmen wurden direkt in die Inszenierung eingebunden?
Michaela Wiebusch: Wir haben nichts aus den Tonbandaufnahmen, aus diesen Ver├Âffentlichungen genommen, sondern ein ganz neues St├╝ck geschrieben. Wir haben einen neuen Text f├╝r das Tonband geschrieben, das in "Marilyn und Ich" eingesetzt wird. Wir haben sehr viel recherchiert, viel gelesen, Filme gesehen, mit Leuten gesprochen. Im Juli letzten Jahres hatte ich die Idee und ab Oktober fing ich mit der Recherche an, w├Ąhrend der ich immer wieder neue Sachen entdeckte. Es war eine schwierige Arbeit, herauszufinden, welche Quellen seri├Âs sind. Es gibt so viele Menschen, die aus dem Tod von Marilyn ein Gesch├Ąft machen wollen: Jemand, der meinte, mit ihr verheiratet gewesen zu sein und ├Ąhnliches. Die seri├Âseste Biographie ist von Spoto, den ich auch in einer Dokumentation gesehen habe.
Dann haben wir uns gefragt, was k├Ânnen wir wie verbinden, welches Gef├╝hl entsteht dabei. Aus den Assoziationen entwickelte sich dann das St├╝ck. Es war kein vorgeplantes "Wie gehen wir jetzt vor", sondern ein nat├╝rliches Wachsen, es entstand aus dem Tun heraus.

AVIVA-Berlin: Wie w├╝rden Sie das St├╝ck jemanden beschreiben, der es noch nicht gesehen hat?
Michaela Wiebusch: Es ist genauso geworden, wie ich es mir vorgestellt habe. Die musikalische Begleitung hat Klaus Janek ├╝bernommen. Wir kennen uns schon lange und es war eine klare, sehr gute Zusammenarbeit. Er begleitet das gesamte St├╝ck mit einer Art Filmmusik und unterst├╝tzt mich bei den einzelnen Liedern.
Der Abend ist wie ein Entbl├Ąttern. Es geht ├╝ber verschiedene Stationen, am Anfang trage ich dieses enge Kleid und bin mit Per├╝cke zu sehen. Und dann beginnt es ab dem Moment, wenn die Per├╝cke abgenommen wird: Es wird immer purer, immer purer. Irgendwann sitz ich im Babydoll da und schaue in den Spiegel, ein wichtiger H├Âhepunkt. Da ist sie so pur und so entbl├Ąttert, mehr w├╝rde nicht gehen. Die Musik begleitet das entsprechend. Diese Verzweiflung, diese Not wird da sehr sp├╝rbar.

AVIVA-Berlin: Worin sehen Sie die Ursachen f├╝r die Verzweiflung Marilyn Monroes und darin, dass sich ihre Karriere so entwickelt hat?
Michaela Wiebusch: Ich denke, sie hatte eine Borderline - Symptomatik, man wusste zu der Zeit noch nicht so viel dar├╝ber. Sich selber Schmerzen zuf├╝gen und Grenzen austesten. Sie konnte ihren K├Ârper nicht sp├╝ren, h├Ątte alles getan, um sich selber zu sp├╝ren. Sie hat sich nur durch den Spiegel wahrgenommen. Der Spiegel und die K├Ârpersymptome, das sind zwei Ebenen, die sehr wichtig sind. Sie hat sich selbst gesucht. Die tragische Kindheit, diese Einsamkeit, die ewige Suche nach einem "Daddy", die lebenslange Sehnsucht nach Geliebt-Werden. Die Mutter, die sie nicht liebte, die sie nie geh├Ârt hat. Sie blieb da wie ein Kind. In dem St├╝ck sehen wir Norma Jean und Marilyn Monroe, zwei sehr unterschiedliche Anteile einer Person. Marilyn sucht ihren Daddy und sie wei├č, sie bekommt ihn nur, wenn sie weiterhin die s├╝├če Marilyn ist und Norma Jean sagt, ich bin aber anders und will auch so geliebt und gesehen werden. Ich bin traurig, ich bin nicht immer so strahlend, ich zweifele. Ich kann auch klug sein, obwohl die meisten M├Ąnner, das nicht wahrhaben wollen. Diese beiden Anteile fangen an, sich gegenseitig zu bek├Ąmpfen. Darin spiegelt sich viel Verloren-Sein und innere Einsamkeit.

AVIVA-Berlin: Was, glauben Sie, fasziniert das Publikum an Marilyn Monroe?
Michaela Wiebusch: Ich denke, M├Ąnner und Frauen verbinden sehr Unterschiedliches mit Marilyn Monroe. F├╝r die M├Ąnner ist sie ein Sexsymbol w├Ąhrend die Frauen ihre Not, ihre Fragilit├Ąt, ihre Einsamkeit ber├╝hrt. Mich pers├Ânlich hat an ihr besonders der Mut angesprochen, sie war eine sehr mutige Frau. Marilyn hat den Mut gehabt, ihre Verletzbarkeit zu zeigen, ohne sich durch Zynismus zu sch├╝tzen. Ich glaube, dass diese Seite eher die Frauen fasziniert.

AVIVA-Berlin: Erfordert es denn heute noch so viel Mut f├╝r Frauen, sich zu zeigen? Es hat sich seit den 50er Jahren ja einiges ge├Ąndert an den gesellschaftlichen Rollenbildern, u. a. durch den Feminismus?
Michaela Wiebusch: Ja, ich glaube, es erfordert Mut. Gerade heute m├╝ssen alle doch total tough sein. Es werden sehr viele Anforderungen gestellt. Du musst vieles gleichzeitig sein: Stark, charmant, emotional, klar, sexy. Das musste Marilyn auch und sie konnte diesen Druck nicht mehr ertragen. Sie hat immer mehr Angst bekommen.
Durch den Feminismus haben Frauen ein gr├Â├čeres Netzwerk bekommen, sie wissen, dass sie Hilfe und Verst├Ąndnis bei andren Frauen finden k├Ânnen, aber die Differenzen zwischen M├Ąnnern und Frauen sind weiterhin doch sehr gro├č.

AVIVA-Berlin: Was sch├Ątzen Sie besonders an der Zusammenarbeit mit Anahita Mahintorabi?
Michaela Wiebusch: Mit der Regisseurin habe ich zuvor ein St├╝ck ├╝ber Zarah Leander gemacht und eines ├╝ber Alexandra. Wir arbeiten schon ├╝ber Jahre ├Âfter zusammen und das ist nat├╝rlich optimal. Man kennt sich sehr genau, wei├č, was der andere kann. So war es auch mit dem Bassisten Klaus Janek. Er hatte die Idee, mich nur mit dem Kontrabass zu begleiten. Wir nahmen probeweise eine CD auf, und ich war total begeistert, wie gut es funktioniert, wenn auch die Musik entbl├Ąttert ist - pur und reduziert.

AVIVA-Berlin: Wird das St├╝ck auch in anderen St├Ądten gezeigt werden?
Michaela Wiebusch: Ja, da sind wir gerade dabei. Vor der Premiere ist das immer etwas schwierig, weil es noch kein Material f├╝r das Marketing gibt, aber der Manager stellt zur Zeit eine Tournee zusammen.


"Marilyn und Ich" ist zu sehen am
14. und 15.07.2006
im Theater im Palais
Am Festungsgraben 1
10117 Berlin
www.theater-im-palais.de

Women + Work Beitrag vom 04.06.2006 AVIVA-Redaktion 





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