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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 31.12.2002

Maybrit Illner
Kerstin Rippel

Weiblich, jung und aus dem Osten - Maybrit Illner darauf zu reduzieren, gelingt niemandem mehr, der die Frontfrau der ZDF-Talk-Show "Berlin-Mitte" pers├Ânlich kennen gelernt hat...



[Foto Maybrit Illner - Copyright: ZDF]

Maybrit Illner

im Interview mit AVIVA-BERLIN

Weiblich, jung und aus dem Osten - Maybrit Illner darauf zu reduzieren, gelingt niemandem mehr, der die Frontfrau der ZDF-Talk-Show "Berlin-Mitte" pers├Ânlich kennen gelernt hat. Sch├Ân, klug und aus Berlin f├Ąnden wir passender. Einmal mehr stellt sie in unserem Interview ihre sympathisch schlagfertige Art unter Beweis.


  • AVIVA-BERLIN: Wollten Sie schon immer Journalistin werden? War das eine Art Kindheitstraum?
  • Maybrit Illner: Ja. Ich hatte postpubert├Ąr aus mir heute unerkl├Ąrlichen Gr├╝nden den Wunsch, Sportreporterin zu werden. Deshalb bewarb ich mich 1983 noch als Abiturientin beim Fernsehen der DDR in Berlin-Adlershof f├╝r ein Volontariat in der Sportredaktion. Ulkigerweise klappte das. Meine Eltern hatten ganz andere Vorstellungen von meiner beruflichen Zukunft. Die wollten gerne, dass ich Anw├Ąltin werde oder ├Ąrztin. So habe ich es immerhin bis zur Patientin gebracht.

  • AVIVA-BERLIN: War es einfach, in der DDR Journalismus zu studieren und sp├Ąter zu praktizieren? Dingen auf den Grund zu gehen, Tatsachen zu erforschen und publik zu machen, war doch nur begrenzt m├Âglich.
  • Maybrit Illner: Mein Traum war halt, Sportreporterin zu werden. Deshalb machte ich dieses Volontariat und studierte dann von 1984-88 in Leipzig an der Karl-Marx-Universit├Ąt Journalistik, um anschlie├čend wieder in die Sportredaktion zur├╝ckzukehren. Das war eine Nische, in der ich mich nicht gro├č verbiegen musste und handwerklich sehr schnell sehr viel lernen konnte.
    Investigativen politischen Journalismus hat es ja in der DDR nicht gegeben. Diese Funktion hat die Literatur ├╝bernehmen m├╝ssen.

  • AVIVA-BERLIN: Sie sagten gerade, dass Sie schon immer Sportreporterin werden wollten. Dennoch: War die Spezialisierung auf das Genre der Sportberichterstattung, f├╝r Sie als politisch denkenden Menschen, ein Ausweichen ins ungef├Ąhrlichere Terrain? Geschah das bewusst oder unbewusst?
  • Maybrit Illner: Ich hab das nicht bewusst gemacht. Ich hab ja nicht von einer Nische getr├Ąumt, sondern von einem Beruf. Jetzt im Nachhinein hat sich die Wahl dann trotzdem als ganz gut herausgestellt.

  • AVIVA-BERLIN: Wie war das nach der "Wende"? Gab es da Zeiten der Unsicherheit f├╝r Sie? Was f├╝hlten Sie - bezogen auf Ihr berufliches Weiterkommen -, als Sie vom Fall der Mauer erfuhren? Wie haben Sie ├╝berhaupt davon erfahren?
  • Maybrit Illner: Mit der Wende kam auch meine berufliche Wende. Pl├Âtzlich interessierten mich keine Bestenlisten mehr, sondern dieser jungfr├Ąuliche politische Journalismus der Nachwende-DDR. Im DFF (Deutscher Fernsehfunk = das Nachwende-DDR-Fernsehen) konnte man dann so ziemlich alles machen. Es gab ein Machtvakuum, keinen zensierten Parteijournalismus mehr, keine Angst, dass sich irgend jemand d├╝piert f├╝hlen k├Ânnte und gleich zum Intendanten rennen w├╝rde. Das war eine sehr dichte, wundervolle Zeit in dem "Land der runden Tische". Und dank der Erfahrungen aus der Sportredaktion war ich in Sachen Bericht und Moderation kein Frischling mehr. Ich hatte "bahnbrechende" kleine Filme gedreht, zum Beispiel ├╝ber die Turnolympiade von Cottbus oder die DDR-Meisterschaften im Orientierungslaufen. Daneben hatte ich viel "Stubendienst" gemacht - sprich Moderationen und Gespr├Ąche im Studio, durfte sozusagen das Rahmenprogramm f├╝r die packenden Live-Reportagen meiner m├Ąnnlichen Kollegen gestalten. Das war keine schlechte Schule.
    Vom Fall der Mauer habe ich aus dem Fernsehen durch die sattsam bekannte Pressekonferenz mit G├╝nther Schabowski erfahren.

  • AVIVA-BERLIN: Wissen Sie, dass Sie eine Vorbild-Funktion f├╝r einige junge Frauen und M├Ądchen im Land haben? Wie finden Sie das und wie gehen Sie damit um?
  • Maybrit Illner: Dar├╝ber denkt man nicht viel nach. Wenn ich junge Kolleginnen ermutigen kann, sich etwas zuzutrauen, dann freut mich das logischerweise.

  • AVIVA-BERLIN: K├Ânnen Sie uns Ihr Erfolgsrezept verraten? Ich meine, au├čer der harten Arbeit?
  • Maybrit Illner: Ich versuche nach drei Prinzipien zu arbeiten:
    R├╝cksichtnahme gegen├╝ber niemandem,
    b) mehr Fragen haben als Vorurteile,
    c) stetes Misstrauen gegen├╝ber der ersten Idee.
    Das ist pures Handwerk. Und dann muss man noch wissen, ob man in erster Linie Karriere machen m├Âchte, oder ob man Erfolg als Abfallprodukt von Arbeit begreift, f├╝r die man wirklich brennt.

  • AVIVA-BERLIN: Was antworten Sie jemandem, der Sie als "Quotenfrau" bezeichnet?
  • Maybrit Illner: Nichts.

  • AVIVA-BERLIN: Welche wesentlichen Faktoren tragen Ihrer Meinung nach grundlegend zum Erfolg von "Berlin-Mitte" bei?
  • Maybrit Illner: Das kann ich ganz schwer sagen. Es gibt ein politisch interessiertes Publikum und es gibt eine 45-min├╝tige Sendung, die kontrovers und unterhaltsam d a s politische Thema der Woche diskutiert. Vielleicht reicht das schon.

  • AVIVA-BERLIN: Sie geh├Âren mit Ihrer Sendung "Berlin-Mitte" schon zum Establishment unter den Talk-Shows. Im Vorfeld gaben Sie in einem Interview an, auch weniger popul├Ąre Themen in den Mittelpunkt der Sendung stellen zu wollen, die nicht unbedingt auf den Geschmack der Massen abzielen. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass diese vision├Ąre Vorstellung dem Pragmatismus der Zuschauerquote weichen musste.
    F├╝hlen Sie sich Zw├Ąngen ausgesetzt, denen Sie nach der Wende entflohen zu sein glaubten? K├Ânnen Sie sich noch ausreichend mit der Themenwahl Ihrer Sendung identifizieren?
  • Maybrit Illner: Um Himmels Willen. Mein Leidensdruck liegt bei plus minus null. Nat├╝rlich identifiziere ich mich mit den Themen der Sendung, sonst k├Ânnte ich sie nicht mit den G├Ąsten bereden. Die schreibt uns auch keiner vor, die suchen wir uns selbst aus. Und da wir eine halbwegs aktuelle Sendung sein wollen, k├Ânnen wir unseren Diskussionsstoff nicht frei erfinden, sondern wollen ja gerade ganz bewusst die Dinge gr├╝ndlicher unter die Lupe nehmen, die in den Nachrichtensendungen der Woche nur angerissen wurden. Also, ich muss Sie entt├Ąuschen, mich interessiert das wirklich.

  • AVIVA-BERLIN: Was gef├Ąllt Ihnen an A-Berlin?
  • Maybrit Illner: AVIVA-BERLIN ist eine sch├Âne Idee, die schnellste Frauenzeitschrift der Welt.

  • AVIVA-BERLIN: Und schlie├člich - ja wir sind ein Frauen-Magazin: Haben Sie eine(n) Lieblingsdesigner(in) in der Stadt?
  • Maybrit Illner: Leider nein.

  • AVIVA-BERLIN: Wo haben Sie Ihre besten Ideen?
  • Maybrit Illner: Nicht lachen...beim Essen.

  • AVIVA-BERLIN: Haben Sie zur Zeit ein Lieblingsbuch, das Sie unseren LeserInnen weiter empfehlen k├Ânnen?
  • Maybrit Illner: "Kunst"...von Sir E. H. Gombrich. H├Ątte nie gedacht, dass ich je von einer Monografie so begeistert sein w├╝rde.

Women + Work Beitrag vom 31.12.2002 AVIVA-Redaktion 





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