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AVIVA-BERLIN.de im November 2019 - Beitrag vom 18.12.2006


Frauen in der Automobilbranche
Nicola Schuldt-Baumgart

Frauen fahren Autos, Frauen kaufen Autos, doch auf der anderen Seite des Marktes, dort wo Autos gebaut, verkauft und repariert werden, gibt es nur wenige Frauen.



Dabei wäre die Geschichte des Automobils ohne die couragierten Taten von Frauen heute eine andere.

Die Automobilbranche - (K)ein Ort für Frauen?
Noch nie gab es so viele Autos, und noch nie waren so viele Frauen "automobil" wie heute. Rund 46 Millionen PKWs fuhren 2005 auf deutschen Straßen. Fast jeder dritte gehört einer Frau. In den nächsten zwei Jahrzehnten Jahren wird diese Quote auf 50 Prozent anwachsen. "Frauen sind selbstbewusste Autofahrerinnen geworden", sagt Prof. Doris Kortus-Schultes, Leiterin des Kompetenzzentrums Frau und Auto an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Tatsächlich, etwas hat sich geändert, wenn Frauenmagazine neben Beauty, Lifestyle und Fashion auch über Autos schreiben, und die Emiglia Romana für so manche Autofahrerin nicht mehr ein Synonym ist für Italiensehnsucht, sondern ein Ort automobiler Träume, von Lamborghini bis Ferrari. Für diese Frauen ist nebensächlich, wo im Auto der Schminkspiegel sitzt. Sie schätzen PS und schönes Design.

"In den letzten Jahren hat bei den Autokäuferinnen eine Polarisierung statt gefunden", erklärt Kortus-Schultes. Zwar tendieren noch immer viele Frauen zu den niedrigeren PS-Klassen. Sie nutzen das Auto als Transportmittel auf kurzen Strecken und interessieren sich vor allem für die Größe des Kofferraums oder die Verstellbarkeit der Sitze. Während elektronische Features, die bei Männern kindliche Begeisterungsstürme hervorrufen, ihnen höchstens ein Achselzucken wert sind. "Es gibt aber zunehmend Autofahrerinnen, die große und schnelle Fahrzeuge bevorzugen, wie den Z3 Roadster von BMW", so die Wissenschaftlerin. Es sind gut verdienende, hoch qualifizierte Frauen zwischen 30 und 40, die diese Autos kaufen. Für sie sind Autos nicht länger "mobile Basislager", sondern geliebte Accessoires, wie die Portraits von Frauen und ihren Autos in Sharon Adlers Buch "Damenwahl" zeigen. Aber - und das ist der große Unterschied zu Männern, "Frauen pflegen selten narzisstisch geprägte Beziehungen zu ihrem Auto", betont Kortus-Schultes. Autoindustrie und Handel reagieren allerdings nur langsam auf diese Veränderungen. "Vielleicht auch deshalb, weil das Auto in Deutschland seit Generationen ein Männerprodukt ist."

Bereits 1904 warben die Bielefelder Dürkopp-Werke in der "Münchner Illustrierten Wochenschrift Jugend" mit einer nackten Frau für ihre Automobile. Das hat sich inzwischen geändert. Nur wenige Anzeigen und Werbefilme setzen noch offensiv auf das Argument "Sex sells". Aber die Frau als selbstbewusste Kundin sucht man in der Automobilwerbung oft vergeblich. Kein Wunder also, dass Kundinnen beim Autokauf, in der Werkstatt oder beim Tanken, häufig dem Klischee begegnen, von Frauen und Autos als zwei unvereinbaren Welten. "Während Käufer und Händler das Verkaufsgespräch wie ein Ping-Pong-Spiel führen und sich Fragen und Antworten zu technischen Details, Innenraumausstattung und Fahreigenschaften gekonnt zuspielen, argumentiert die Autokäuferin aus ihrer Lebenssituation heraus", sagt Kortus-Schultes. Die Kundin erklärt, wozu sie das Auto braucht und erwartet entsprechende Empfehlungen vom Verkäufer. Das geht meistens schief, denn hier wie auf der Straße gilt noch allzu oft das "männliche Prinzip", schreiben die Verfasser der aktuellen Mobilitätsstudie von Aral.

Die Designerin Sybs Bauer erklärt, warum das so ist: "Über die Automarke findet gerade bei Männern eine starke Identifikation statt, sie ist Imageträger für die eigene Persönlichkeit und Symbol für Freiheit und Abenteuer." Bauer spielte ursprünglich mit dem Gedanken, Autodesignerin zu werden. "Dass daraus nicht wurde, lag sicherlich auch daran, dass Designerinnen in der Autoindustrie damals wie heute noch immer gegen Windmühlen kämpfen und irgendwann entnervt aufgeben." Bestenfalls im Interior Design findet man sie, zuständig für Armaturen und Stoffe. Das Außendesign aber, wo es um das Image der Marke geht, sei noch immer eine Männerdomäne, so Sybs Bauer. Dabei wäre die Geschichte des Automobils ohne das couragierte Handeln von Frauen sicherlich anders verlaufen.

Als Bertha Benz in den Morgenstunden des 5. August 1888 mit ihren beiden Söhnen klammheimlich den patentierten Motorwagen ihres Mannes aus der Werkstatt holte, startete sie zu einer Premiere: Sie absolvierte die erste Fernfahrt der gerade zwei Jahre alten Automobilgeschichte und verhalf so der bis dahin zögerlich verlaufenden Entwicklung des Autos zum entscheidenden Durchbruch.

Fast vierzig Jahre später, das Auto wird mittlerweile am Fließband produziert, bricht die 26-jährige Clärenore Stinnes im Mai 1927 zusammen mit dem Kameramann Carl-Axel Södermann zu einer Aufsehen erregenden Reise auf. Binnen zwei Jahren fahren sie mit einem Standard 6 der Firma Adler um die Welt. Stinnes Mission: Sie will "den Namen Stinnes um die Welt tragen, und Deutschlands Industriemacht mit den Mitteln des Automobilsports präsentieren". In den USA, damals Auto-Nation Nr. 1, gerät ihre Fahrt schließlich zum Siegeszug: Henry Ford empfängt sie, genauso wie Präsident Herbert C. Hoover.

Auch heute ist man beim Thema "Frauen und Auto" in anderen Staaten einen Schritt weiter. Skandinavische Autobauer etwa, verfahren nach der Devise: "Je besser unsere Mitarbeiterstruktur die Vielfalt unserer Kunden wieder spiegelt, desto besser sind wir." Kein Wunder also, dass Volvo vor zwei Jahren ein Auto von einem rein weiblichen Entwicklungsteam konzipieren ließ und mit dem Prototyp von "YCC" (Your Concept Car) die Öffentlichkeit überraschte. Aber wartet der Markt tatsächlich auf ein "Frauenauto"? Die Münchner Autobauer sind da ganz anderer Meinung, wie der BMW-Vorstand Michael Ganal in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärte: "Nichts ist schlimmer als ein Frauenauto."

Inzwischen sucht die Autoindustrie händeringend nach Ingenieurinnen und Designerinnen. Aber der Nachwuchs fehlt. "Wir würden gerne mehr Designerinnen ausbilden", sagt Lutz Fügener. Er lehrt Automobil-Design an der FH Pforzheim. "Aber bei Frauen ist die Hemmschwelle, sich mit dem Thema Auto zu beschäftigen, noch immer hoch." Männer, so die Erfahrung des Automobilexperten, sind entscheidend durch die frühkindliche Matchbox-Phase geprägt: "Jungen setzen sich seit dem Sandkasten mit dem Thema auseinander. Viele Studenten haben daher, wenn sie bei uns beginnen, Autos im sprichwörtlichen Sinne‚begriffen." Das sei bei der Arbeit am Entwurf zunächst von Vorteil, so der Designexperte.

Im Autohandel werden Frauen als Unternehmerinnen und Arbeitgeberinnen mittlerweile ernst genommen, wie der Women´s Award, eine etablierte Auszeichnungen der Automobilbranche, zeigt. Mit dem Preis zeichnen das Branchenjournal "kfz-betrieb" und der Mineralölkonzern Shell Unternehmerinnen im Automobilhandel aus. In diesem Jahr erhielt Stephanie von Ahsen, Geschäftsführerin der Bremer Autohaus-Brandt-Gruppe die Auszeichnung. Sie überzeugte "vor allem dadurch, dass sie der Mitarbeitermotivation sowie der Aus- und Weiterbildung in ihrem Unternehmen einen besonders hohen Stellenwert einräumt", heißt es in der Laudatio. Mit dem Junior Award wurde Christine Niemann als beste Nachwuchskraft im Automobilhandel ausgezeichnet. Die 34-Jährige war innerhalb von nur vier Jahren von der Sachbearbeiterin im Marketing zur Geschäftsleiterin eines Autohauses der Hamburger Raffay-Gruppe aufgestiegen!

Dieser Text erschien in leicht abgewandelter Form in der Existenzielle in der Ausgabe 4/06. Die Autorin Nicola Schuldt-Baumgart ist Wirtschaftsjournalistin in Marburg



Women + Work Beitrag vom 18.12.2006 AVIVA-Redaktion 





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