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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.06.2013

Lea Isabel Ramirez. Eine Spurensuche zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Lea Isabel Ramirez

Taube Warech Burg, geboren 1897, ausgewiesen 1939, ermordet 1940 in Krakau. Sie wohnte zuletzt in der Sebastian Str. 79, in Berlin-Kreuzberg. Ihre Tagebuchrecherche führt die in Bogotá, ...



... Kolumbien, geborene j├╝dische Teilnehmerin durch die ganze Stadt.


29. Januar 2013
Ich erfahre auf der AVIVA-Homepage von dem Dialogprojekt und sende eine E-Mail an der AVIVA-Redaktion, weil ich erfahren m├Âchte, ob und wie ich teilnehmen kann.

8. Februar 2013
Erstes Treffen in der Redaktion von AVIVA

Gespr├Ąch mit Sharon Adler und Britta Meyer in Kreuzberg. Trotz schlechtem Wetter habe ich mich gefreut.
Ich m├Âchte ├╝ber die Urgro├čmutter v├Ąterlicher Seite meiner Tochter schreiben.
Ihr Name war Taube Warech Burg, geboren wurde sie im Jahr 1897, ausgewiesen 1939, ermordet 1940 im Ghetto Krakau. Sie wohnte zuletzt in der Sebastian Str. 79 in Berlin-Kreuzberg.
Ich werde ab jetzt meine Recherche dokumentieren und die AVIVA-Frauen m├Âchten mehr ├╝ber mich und meinen beruflichen Werdegang erfahren.

Ich plane nun, zun├Ąchst im Archiv der Synagoge am Fr├Ąnkelufer zu suchen.
Eine andere M├Âglichkeit w├Ąre der j├╝dische Friedhof Wei├čensee.

11. Februar 2013
Ich habe vergeblich versucht, die aktuelle Telefonnummer der Fr├Ąnkelufer Synagoge zu finden.
Bei der alten Telefonnummer bekomme ich die Antwort, dieser Anschluss existiere nicht mehr.
Ich habe eine Mail mit meinem Anliegen und die Bitte um eine Antwort gesendet.

16. Februar 2013
Nun habe ich schon mehr ├╝ber Taube herausgefunden:

Der Ursprung des Adolf Burg, Eltern Isaak Ben Burg und Taube Warech Burg, war Zaklikow in Polen. Die Familie kam in die Tschechoslowakei der ehemaligen ├Âsterreichisch-ungarischen Monarchie. Sie lie├čen sich in Rumburk, Nordb├Âhmen nieder, wo Isaak in der Schneiderei arbeitete. Am 28. April wurde 1917 Adolf Burg in Rumburk geboren. Vor 1938 gab es eine j├╝dische Gemeinde mit einer kleinen Synagoge in einem Gebetsraum. Um 1920 lebten achtzehn Juden in Rumburk, aber viel mehr lebten in der geschlossenen Umgebung der Stadt Varnsdorf. In Varnsdorf, auf dem j├╝dischen Friedhof, wurden die Mehrheit des verstorbenen j├╝dischen Volkes begraben. In den sp├Ąten 1920er Jahren lie├č die Familie sich in Berlin-Mitte nieder.

In dieser Zeit wurde Otto Fraenkel Rabbi in der Rumburk Gemeinde. Zwei der Mitglieder in der Vorkriegszeit-Gemeinde waren damals der Anwalt Max Meisl und seine Frau, die Englischlehrerin Mathilde. Max kam 1943 in dem Lager Theresienstadt um, Mathilde 1943 in Auschwitz. Ein weiteres Mitglied der kleinen j├╝dischen Gemeinde war der Arzt Vilelm Orlik, der in Theresienstadt ermordet wurde.

1930 feierte Adolf Burg seine Bar Mitzwah in der Gro├čen Orthodoxen Synagoge Kreuzberg, Kottbusser Ufer, heute Fr├Ąnkelufer. Nach der Macht├╝bernahme durch die Nazis versuchte die Familie, in das amerikanische Dominion der Philippinen mit dem letzten Ziel New York auszuwandern, aber am Ende war es nicht m├Âglich, da die Familie sehr arm war und es eine starke Einschr├Ąnkung der Einwanderung in die USA gab. Im Oktober 1938 wurde sein Vater f├╝r immer aus Berlin nach Polen deportiert.

Adolf Burg floh 1939 durch Polen und die Ukraine und wurde in einem rum├Ąnischen Dorf versteckt. Aber er wurde verraten, weil er ein Jude war. Von der SS wurde er in einem Konzentrationslager in der N├Ąhe Czernowitz interniert. Er war dem Tod extrem nahe. Aber in einer Nacht ergriff er eine M├Âglichkeit zur Flucht, durch das ├ťberqueren eines Flusses in die sowjetische Zone. Auf diese Art hat er ├╝berlebt. Er schloss sich der tschechoslowakischen unabh├Ąngigen Brigade in Osteuropa, die gegen die Nazi-Besatzung k├Ąmpften, an. Sp├Ąter k├Ąmpfte er in der Csl. Samostatne brig├ídy v SSSR von General Ludv├şk Svoboda und Oberstleutnant Karel Klap├ílek.



23. Februar 2013
Purim-H├╝ttenweg. Habe ich mich als Blondine verkleidet.

24. Februar 2013
Purim. Oranienburger Str. Lesung Megillat Esther in vier Sprachen: Deutsch, Ivrit, Russisch, Englisch. Wieder ich als Blondine, Roil Ima-Rab als Kardinal, eine schwangere Frau als Spiegelei. Sehr sch├Ân!

25.Februar 2013
Es f├Ąllt mir schwer, auf die Geschichte von Taube zuzugehen, denn ich bin ein froher, lebensbejahender Mensch. Ich liebe tanzen, essen, trinken, feiern, leben. Ich erinnerte mich wie ich gelitten habe, als ich versuchte, Adolf Abraham (der Gro├čvater meiner Tochter v├Ąterlicherseits) ├╝ber seine Verwandte auszufragen. Er blieb wie immer stumm und die Tr├Ąnen kamen zu ihm.
Jetzt, wo ich versuche, ├╝ber Taube und ihre T├Âchter zu schreiben, kann ich wieder den Schmerz nachempfinden, den er als einzelner Holocaust├╝berlebender seiner Familie gef├╝hlt hat.
Ich habe vergeblich versucht, mit Mario (dem Vater meiner Tochter) und Nino (seinem Zwillingsbruder) Kontakt aufzunehmen. Ich wei├č, dass dieses Schweigen eine der Folgen ist, die die Shoah auf die n├Ąchste Generation ├╝bertragen hat. Ich versuche, f├╝r meine Tochter und meine Enkelin etwas ├╝ber das Leben und das Schicksal ihrer Vorfahren, besonders was die Urgro├čmutter Taube betrifft, herauszufinden.
Ich finde es belastend, nach den fr├╝heren Namen der Stra├čen zu schauen, aber wenn das notwendig ist, um ├╝ber die Menschen, die dort gelebt haben, zu recherchieren, werde ich es tun.

Am 25. M├Ąrz 2013 Pessach im Hotel Abion.
Der gefillte Fisch - fantastisch. Die Haggada Lesung sch├Ân und verk├╝rzt.

In diesen Tagen war ich vor dem Haus Sebastian-Str. 79 in Kreuzberg, wo Taube Burg vor 1939 gewohnt hat. Es wurde wahrscheinlich das ganze Haus zerst├Ârt. Jetzt ist dort nur ein h├Ąsslicher Neubau. Die Stolpersteine liegen vor diesem Haus.



Ich habe wieder vergeblich versucht, mit den Enkelkindern von Taube, Nino und Mario Burg, Kontakt aufzunehmen. Ich wollte nach Fotos von ihnen nachfragen. So muss ich jetzt im Archiv der J├╝dischen Gemeinde in der Fasanenstra├če nachforschen.

Am 8. Mai 2013 war ich im Kino Arsenal. J├╝disches Filmfestival Berlin & Potsdam
Ich habe "PORTRAIT OF DAVID" und "REGINA - WORK IN PROGRESS" gesehen. Beides gute Filme, um die Vergangenheit zu bearbeiten. Die Regisseure sind aber junge Frauen. Ich denke inzwischen, dass man sich auch mehr auf die neuere Generationen konzentrieren muss, um st├Ąndig eine neue Gegenwart und einen neuen Zukunftsblick zu schaffen.

21. Mai 2013
Telefonat mit Sharon Adler, wir arbeiten weiter an dem Projekt und ├╝berlegen, wie wir noch mehr Informationen bekommen k├Ânnen. Au├čerdem machen wir einen Fototermin aus...

24. Mai 2013
Ich erkundige mich im Archiv der J├╝dischen Gemeinde in der Fasanenstra├če. Dort werde ich auf das Archiv des Centrum Judaicum hingewiesen. Auf der Homepage des CJ erfahre ich, dass f├╝r die Recherche ein Antrag notwendig ist.

26. Mai 2013
Fotos im Studio... wir arbeiten am Text und haben trotz des typisch schlechtem Wetters in Berlin viel Spa├č. Sharon ruft f├╝r mich im Archiv Centrum Judaicum an und macht einen Termin f├╝r meine weitere Recherche aus... Ich bin gespannt, ob wir so noch mehr Mosaiksteine zu den ├╝brigen hinzuf├╝gen k├Ânnen...
Alles, was ich in Erfahrung bringen kann, wird in diesem Beitrag nach und nach erg├Ąnzt... es bleibt spannend...

27. Mai 2013
Sharon Adler teilt mir mit, dass die Recherche im Archiv des CJ einige Zeit dauern wird, au├čerdem es ist nicht sicher, ob sie erfolgreich sein wird.


Lea Isabel Ramirez

Ich wurde in Bogot├í, Kolumbien geboren. Meine Kindheit verbrachte ich in Bogot├í und Cali. Ich bin die ├Ąlteste von acht Geschwistern. Meine Mutter war spanischer Abstammung, mein Vater hat indianische Vorfahren. Meine Mutter ist vor 20 Jahren gestorben. Zuhause wurden wir nicht religi├Âs erzogen, aber wir wurden in einer innigen Beziehung zu G┬┤tt und zu einer j├╝dischen Lebensweise gro├č.
Als Jugendliche wollte ich mich religi├Âs nicht bet├Ątigen. Als ich 1980 nach Deutschland kam, habe ich sporadisch die G┬┤ttesdienste in den Synagogen Pestalozzistra├če und in der Joachimstaler Stra├če besucht. Vor zehn Jahren habe ich angefangen, regelm├Ą├čig die G┬┤ttesdienste in der Synagoge Sukkat Schalom zu besuchen. Ich war vor der Bet Din und wurde am 4.3.2008 offiziell in das Judentum in Berlin aufgenommen. Ich gehe weiter regelm├Ą├čig zur Synagoge Sukkat Schalom, wo progressives Judentum gelebt wird.
Ich m├Âchte aktiv am j├╝dischen Leben in Berlin teilnehmen und freue mich, dass ich ├╝ber das Leben einer j├╝dischen Frau recherchieren darf.
Beruflich habe ich zuerst Chemie studiert und mich naturwissenschaftlich bet├Ątigt, dann habe ich einige Zeit im medizinischen Bereich gearbeitet. Danach war ich im SAP Bereich besch├Ąftigt. Zuletzt habe ich einen Master of Sciences in Human factors an der TU Berlin abgeschlossen und widme mich jetzt der Forschung der psychologischen Wirkungen des modernen Lebens und der zugeh├Ârigen Technologien.



Quellen:

Adolf Burg. Early Life Geocities.ws

The Jewish Soldier┬┤s Red Star sovietjewishsoldiers.org

"30. Januar 1933 darf sich nicht wiederholen!" ND-Archiv, 31.01.1963

PRVÔÇôVorsitzender ruft zum Kampf gegen Naziverseuchung "Sebastianstrasse (Berlin) de", Wikipedia.org

┬ę Foto der Stolpersteine: Sarah Ramirez Burg
┬ę Foto von Lea Isabel Ramirez: Sharon Adler


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Women + Work > Lokale Geschichte_n Beitrag vom 01.06.2013 AVIVA-Redaktion 





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