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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2021 - Beitrag vom 01.08.2008


Michèle Pierre-Louis zur neuen Premierministerin Haitis gewählt
Andrea Petzenhammer

Die für ihr soziales Engagement bekannte Michèle Pierre-Louis wurde vom haitischen Senat als Regierungschefin bestätigt. Das könnte die Chance sein, das politische Vakuum in Haiti endlich zu beenden




Geliebt vom Volk und gefürchtet bei den Drogenbaronen: Michèle Pierre-Louis hat sich durch ihr jahrelanges Engagement für Bildung und durch ihren Kampf gegen Diskriminierung und Korruption einen Namen gemacht. Nachdem die beiden zuvor vom Staatschef René Preval nominierten Kandidaten Ericq Pierre and Bob Manue sowohl vom Abgeordnetenhaus als auch vom Senat blockiert wurden, konnte Preval mit seiner langjährigen Vertrauten endlich einen Erfolg verbuchen. Michèle Pierre-Louis wurde am 31. Juli 2008 zur neuen Premierministerin Haitis gewählt.

Unruhen nach gestiegenen Lebensmittelpreisen

Der politische Machtkampf spiegelt die gesellschaftliche Situation wider. Als ärmstes Land Südamerikas erlebte Haiti in den letzten Jahren eine schwere politische und humanitäre Krise. Eine Explosion der Lebensmittelpreise löste Unruhen mit Schießereien und Toten aus. Die handlungsunfähige Regierung unterstützte den Drogenhandel und der nach den Unruhen vom Senat gestürzte Premiereminister René Preval konnte die Staatsgeschäfte seit dem 12. April 2008 nur noch geschäftsführend wahrnehmen.

Michèle Pierre-Louis - Wirtschafts- und Sozialexpertin mit politischer Erfahrung

© FOKAL


Die 61-jährige Pierre-Louis hat sich bereits in den 1990ern politisch engagiert. Unter dem inzwischen im Exil lebenden ehemaligen Staatspräsidenten Jean-Bertrand Aristide war sie als Wirtschaftsexpertin im Ministerrang für die Koordination zwischen Staatschef und MinisterInnen verantwortlich. In der Bevölkerung ist sie vor allem für ihr ausdauerndes Engagement im kulturellen und erzieherischen Bereich bekannt. Mit ihrer von einer Stiftung finanzierten Organisation "FOKAL" (Foundation for Knowledge and Liberty) erreichte sie für viele HaitianerInnen Lese- und Schreibekompetenz, förderte den Ausbau von Bibliotheken und setzte sich für Umweltschutz und gesellschaftliche Fragen wie Gleichstellung ein. Zudem gilt sie als nicht korrupt - was sie für ihre GegnerInnen aus dem Menschen- und Drogenhandel zur Gefahr werden lässt.

Anfeindungen wegen möglicher Homosexualität

Bereits kurz nach ihrer Nominierung sah sich die alleinerziehende Mutter einer Schmutzkampagne ausgesetzt. Über Beiträge im Internet wurde ihr Homosexualität vorgeworfen, was in dem wertekonservativen Haiti ein ernsthaftes Problem darstellt. Pierre Louis wies dies als "Verleumdung und Lügen" zurück.

Noch muss sich die designierte Premierministerin mit ihrem zukünftigen Kabinett und Regierungsprogramm zwei weiteren Abstimmungen stellen. Bei einem Erfolg könnte sie nach Claudette Werleigh (1995-96) das zweite weibliche Staatsoberhaupt werden und vielleicht das politische Vakuum in Haiti beenden.

Weitere Informationen:
www.fokal-usa.org
www.spiegel.de
www.fr-online.de
Michele Pierre-Louis gewann den Traiblazer Award 2007: www.heritagekonpa.com
Artikel zur Arbeit von "FOKAL": www.heritagekonpa.com
Die tageszeitung vom 2./3. August 2008

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Cristina Kirchner ist Argentiniens erste Präsidentin. (2007)


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Beitrag vom 01.08.2008

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