Wie w├╝rde ich ohne B├╝cher nur leben und arbeiten k├Ânnen.Herausgegeben von Ines Sonder, Karin B├╝rger, Ursula Wallmeier - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA-Berlin > Buecher AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 06.12.2008

Wie w├╝rde ich ohne B├╝cher nur leben und arbeiten k├Ânnen. Herausgegeben von Ines Sonder, Karin B├╝rger, Ursula Wallmeier
Kristina Tencic

Diese Frage stellte sich f├╝r j├╝dische Intellektuelle im 20. Jahrhundert, die ihre gesamte und geliebte Bibliothek auf der Flucht aus Nazi-Deutschland zur├╝cklassen mussten. Die HerausgeberInnen...



... begeben sich in diesem Sammelband auf eine Spurensuche nach den literarischen Wurzeln in die Privatbibliotheken gro├čer j├╝discher Gelehrter.
Auf der diesj├Ąhrigen Frankfurter Buchmesse gab es einen kleinen Aufschrei aufgrund des E-Books. Es hie├č, dass diese elektronischen B├╝cher das gedruckte Werk ├╝ber kurz oder lang verdr├Ąngen werden. Vergessen wird bei der Panikmache, welche Informationen das Blattwerk ├╝ber ihre LeserInnen impliziert und welch hohen Wert eine Buchkollektion f├╝r ihre/n BesitzerIn hat. Was au├čer dem geschriebenen Wort noch aus B├╝chern spricht, haben die Herausgeberinnen Ines Sonder, Karin B├╝rger, Ursula Wallmeier in einem Sammelband beschrieben. ├ťber zwanzig AutorenInnen ver├Âffentlichen darin unter dem Titel "Wie w├╝rde ich ohne B├╝cher leben und arbeiten k├Ânnen?" Beitr├Ąge ├╝ber die Privatbibliotheken j├╝discher Intellektueller des 20.Jahrhunderts.

"Eine Bibliothek kann prinzipiell weder als Beleg f├╝r Gelesenes noch f├╝r Nicht-Gelesenes dienen. Sie kann lediglich Indizien f├╝r die Lekt├╝rearbeit eines Menschen liefern, die wiederum R├╝ckschl├╝sse auf thematische oder stilistische Anregungen und Traditionen erm├Âglichen und dadurch zu neuen Ans├Ątzen bei der Interpretation des Werks f├╝hren k├Ânnen."

Dieses Zitat gibt im Kern die Arbeit der AutorInnen wieder, die sich akribisch der Suche nach Notizen, Marginalien, eingelegten Lesezeichen, Unterstreichungen oder ├Ąhnlichem gemacht haben, um das Gesamtwerk und die Arbeitsweise der einzelnen Pers├Ânlichkeiten n├Ąher zu beleuchten. Der Provenienzforschung dienten die im Moses Mendelssohn Zentrum f├╝r europ├Ąisch-j├╝dische Studien gelagerten privaten Bibliotheken j├╝discher Intellektueller.
In dem Sammelband finden sich Texte zu den Bibliotheken von:
Hannah Arendt, Alex Bein, Walter Benjamin, Israil Bercovici, Walter Boehlich, Hilde Domin, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Ludwig Geiger, Magnus Hirschfeld, Arthur Koestler, J├╝rgen Kuczynski, Erich Mendelsohn, Gershom Scholem, Anna Seghers, Ernst Simon, Karl Wolfskehl und Stefan Zweig.

Es geht in den Beitr├Ągen jedoch nicht nur um die bibliophilen Neigungen und Arbeitsweisen der hier genannten j├╝dischen Intelektuellen. Dar├╝berhinaus werden in Ans├Ątzen deren Biographien, die Geschichte des Exils und das Schicksal der B├╝cherkollektionen widergegeben. Wie viel diese Sammlungen ihren BesitzerInnen bedeuteten, wird aus den unter schwersten Bedingungen versuchten Nachsendungen und Lagerungen der B├╝cher ersichtlich. Hilde Domin etwa verschickte ihre B├╝cher zun├Ąchst nach England, bevor ein kleiner Teil ihr sogar bis in die Dominkanische Republik folgte.
Es ist die literarische Leidenschaft die aus solchen Geschichten spricht, aber es ist auch ein kleines Ank├Ąmpfen, besser ein Anschreiben gegen die Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts, die sich in den Vitae der Arbeitsbibliotheken spiegelt. Mehr noch, die j├╝dischen Intellektuellen ebneten mit ihren belletristischen und wissenschaftlichen Werken auch einen Weg zur├╝ck in die Sch├Ângeistigkeit, die sich in den B├╝chern, dem "Medium der Erinnerung" , ausdr├╝ckt.

Durch die Provenienzforschung der AutorInnen werden einerseits die Emotionen und Erinnerungen der Sammlungen evident, andererseits werden auch (neue) Charakterz├╝ge durch die Art und Weise der Notizen offenbart. B├╝cher werden so zum f├╝r sich selbst sprechenden Bindeglied zwischen geschriebenem Wort und der (verborgenen) Identit├Ąt des Nutzers und seiner Pr├Ągung. Diese Pr├Ągung ist oft bereits durch die elterliche Bibliothek festgelegt, wie es z.B. bei Alex Bein und Walter Boehlich veranschaulicht wird.

Ein Manko ist die K├╝rze der einzelnen Texte, die oft ein hohes Ma├č an Vorkenntnissen erfordern und auch den Untersuchungsgegenstand schm├Ąlern. So geschehen etwa bei Hannah Arendt, wo sehr wenig Wert auf ihre Lekt├╝re belletristischer Werke gelegt wurde, wobei dies ein wichtiger Teil ihres Lebens war, wie Arendts Denktageb├╝cher belegen. Bemerkenswert wiederum ist die detaillierte Auflistung des Verbleibs der Original-Bibliotheken und die anschauliche Darstellung des Literaturkanons.

AVIVA-Tipp: "Wie w├╝rde ich ohne B├╝cher leben und arbeiten k├Ânnen?" erz├Ąhlt von der gro├čen Leidenschaft f├╝r die Literatur und reflektiert die gedankliche Entstehung der hochrangigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Mit der Beleuchtung der bibliophilen Schwerpunkte und damit der Sinn- und Identit├Ątsstifter, erreicht die Nachvollziehbarkeit der j├╝disch-intellektuellen Werke neue Tiefen.

Zu den Herausgeberinnen: Alle drei sind Mitarbeiterinnen des Moses Mendelssohn Zentrums f├╝r europ├Ąisch-j├╝dische Studien an der Universit├Ąt Potsdam. Dr. Ines Sonder ist Kunsthistorikerin, Karin B├╝rger und Ursula Wallmeier sind Diplombibliothekarinnen. Weitere Infos unter: www.mmz-potsdam.de
Zu den AutorInnen: In diesem Sammelband sind Texte von Margrid Biecken, Christian Buckhard, Miriam Ducke, Axel Fair-Schulz, Ernst Fischer, Elvira Gr├Âzinger, Ita Heinze-Greenberg, Klaus Herrmann und vielen weiteren enthalten.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
"Eine Debatte ohne Ende - Raubkunst und Restitution im deutschsprachigen Raum", herausgegeben von Julius H. Shoeps und Anna-Dorothea Ludewig.

"Wie w├╝rde ich ohne B├╝cher leben und arbeiten k├Ânnen?"
Privatbibliotheken j├╝discher Intellektueller im 20. Jahrhundert
Ines Sonder, Karin B├╝rger, Ursula Wallmeier (Hg.)

Verlag f├╝r Berlin-Brandenburg, erschienen Oktober 2008
Gebunden, 432 Seiten
ISBN: 978-3-86650-069-3
29,95 Euro

Buecher Beitrag vom 06.12.2008 Kristina Tencic 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken