Anna Havemann - Gertrude Sandmann. K├╝nstlerin und Frauenrechtlerin - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Buecher Biographien
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA-Berlin > Buecher > Biographien AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.02.2011

Anna Havemann - Gertrude Sandmann. K├╝nstlerin und Frauenrechtlerin
Anna Hohle

Havemann ist nicht nur Kuratorin der aktuellen Gertrude Sandmann-Ausstellung und verwaltet deren Nachlass. In der Reihe "J├╝dische Miniaturen" ver├Âffentlichte sie nun zus├Ątzlich eine Kurzbiographie..



... zu der faszinierenden Malerin, die viel zu lange aus dem ├Âffentlichen Ged├Ąchtnis verschwunden war.

Im Februar 2011 widmete das HAUS am KLEISTPARK Gertrude Sandmann eine ausf├╝hrliche Retrospektive. Beim Betrachten ihrer zeitlos sch├Ânen Arbeiten und beim Studium der biographischen Daten fragten sich die BesucherInnen unwillk├╝rlich, wie es m├Âglich ist, dass das Wissen um die Berliner K├╝nstlerin f├╝r eine so lange Zeit in Vergessenheit geriet?

Anna Havemann entdeckte die Arbeiten Sandmanns 2009 in einer Potsdamer Ausstellung. In der Folge begann sie, sich intensiv mit deren Werk und Biografie auseinander zu setzen. In der Reihe J├╝dische Miniaturen des Verlags Hentrich&Hentrich erschien nun auf 88 Seiten ein knapper und informativer Einblick in Sandmanns au├čergew├Âhnliches Leben.

Der Band baut auf drei Attributen der Person Sandmanns auf, die ihre Vita einschneidend beeinflussten: Sandmann war eine weibliche K├╝nstlerin Anfang des 20. Jahrhunderts, sie war J├╝din und sie war bekennende Homosexuelle. Diese Umst├Ąnde wirkten sich nachhaltig auf ihre bewegtes Leben und ihr Werk aus.

Die K├╝nstlerin

1893 geboren, lebte Sandmann in einer Zeit, in der die Anerkennung professionellen weiblichen Kunstschaffens noch nicht selbstverst├Ąndlich war. Nur z├Âgerlich wurden Frauen an Kunsthochschulen zugelassen, waren dort h├Ąufig Restriktionen ausgesetzt. Gertrude Sandmann war ein Hochschulstudium der Kunst noch nicht m├Âglich. Stattdessen lernte sie an der Zeichen- und Malschule des Vereins der Berliner K├╝nstlerinnen, die auch "Paula Modersohn-Becker" und K├Ąthe Kollwitz besucht hatten.

Sandmann war Teil jener K├╝nstlerInnengeneration, die der Kunsthistoriker Rainer Zimmermann die "verschollene Generation" nannte. Durch den ersten Weltkrieg in ihrem Schaffen unterbrochen, erfuhr deren gegenst├Ąndliche Kunst in den Nachkriegsjahren kaum W├╝rdigung, galt als zu wenig innovativ.
Sandmanns Bilder entziehen sich dabei jeder Klassifizierung. Sie betont die nat├╝rliche Beschaffenheit der Gegenst├Ąnde, ihre Wirklichkeit, und ist doch keine Naturalistin. N├╝chtern und realit├Ątsnah stellen ihre Werke eine Abgrenzung vom Pathos der gegenstandslosen Str├Âmungen moderner Kunst dar, doch fehlt ihnen die K├╝hle der Neuen Sachlichkeit.
Sandmanns Arbeiten beschreiben den Versuch, das Wesentliche an den gezeichneten Gegenst├Ąnden zu erfassen: "Das Wesentliche, [...] nicht das Zuf├Ąllige, [ÔÇŽ] ├╝ber allen Nuancen den gro├čen Zusammenhang sehen. Vereinfachung ohne Leere, [...] zugleich klarer, eindeutiger, ├╝berzeugender ÔÇô erkannt". Oft zeichnete sie Alltagsgegenst├Ąnde wie Eierschalen oder ein paar Schuhe und stellte sie, so Havemann, "mit einer einmaligen W├╝rde und Sch├Ânheit dar".

Die J├╝din

Mit der Macht├╝bernahme der Nationalsozialistin wurde Sandmann 1934 aus dem Reichverband bildender K├╝nstler ausgeschlossen, durfte in der Folge keine Zeichenmaterialien mehr erwerben. 1935 erhielt sie als J├╝din Berufsverbot. Dennoch zeichnete sie weiter, allein zwischen 1935 und 1942 ├╝ber drei├čig Bilder. "So unsinnig kommt es einem vor, jetzt Papier mit Farbe zu bedecken. Und es wichtig zu finden, [...] und doch kann ich es nicht lassen. Eingesperrt in eine kleine Kammer w├╝rde ich an den W├Ąnden kritzeln", lautet ein fast prophetisch zu nennender Tagebucheintrag von 1932.

Sandmann empfand eine tiefe Verbundenheit zu Berlin und zur deutschen Kultur. Auch wollte sie ihre kranke Mutter nicht allein zur├╝cklassen und entschied sich so gegen eine Immigration. Sie litt unter der Lebensmittelknappheit und den immer neuen Restriktionen. Als ihre Verwandten deportiert wurden, blieb Sandmann im November 1942 nur der Weg in den Untergrund. Die befreundete Familie Grossmann, Susy Hermans und ihre Lebensgef├Ąhrtin Hedwig Koslowski versteckten sie bis zum Kriegsende in verschiedenen Wohnungen in Berlin.

Trotz widrigster Umst├Ąnde gelang es Sandmann, bis zuletzt eine optimistische Gem├╝tshaltung zu bewahren. Mit jeder weiteren Entbehrung reduzierte sie ihre Anspr├╝che, freute sich noch in der Not ├╝ber die wenigen Eindr├╝cke aus der Natur, die ihr geblieben waren.
Nach dem Krieg erlitt sie einen gesundheitlichen Zusammenbruch, in dessen Folge sie erwerbsunf├Ąhig wurde. Mit einer geringen Entsch├Ądigungs- und PrV-Rente (politisch und religi├Âs Verfolgte) lebte Sandmann in der Folge ein bescheidenes Leben. Sobald es ihr Gesundheitszustand zulie├č, begann sie wieder zu zeichnen.

Die Homosexuelle und Frauenrechtlerin

Bereits 1926 war Sandmann Gr├╝ndungsmitglied des K├╝nstlerinnenvereins GEDOK. Obwohl sie in den drei├čiger Jahren als J├╝din ausgeschlossen wurde, trat sie dem Verein nach seiner Neugr├╝ndung 1960 wieder bei.
Nachhaltig engagierte sich Sandmann bis ins hohe Alter f├╝r K├╝nstlerinnen und in der Lesben- und Frauenrechtsbewegung. Sie war Gr├╝ndungsmitglied der Gruppe L74, der ersten Vereinigung ├Ąlterer lesbischer Frauen, und lieferte Illustrationen und Wortbeitr├Ąge f├╝r die lesbische Frauenpresse. Bis zu ihrem Tod 1981 lebte sie mit ihrer Partnerin Tamara Streck in einer gemeinsamen Wohnung in Berlin-Sch├Âneberg.

AVIVA-Tipp: Die Wiederentdeckung Sandmanns durch Anna Havemann kann als wahrer Gl├╝cksfall gelten. Es bleibt zu hoffen, dass die K├╝nstlerin durch Folgeausstellungen und weitere Publikationen die verdiente ├ľffentlichkeit erf├Ąhrt, die sie lange entbehren musste. Havemanns komprimierte Biografie liefert einen gelungenen Auftakt. Die vielen verwendeten Ausz├╝ge aus Sandmanns Tageb├╝chern, in welchen die K├╝nstlerin sich zur Kunsttheorie und zum Zeitgeschehen ├Ąu├čert, lassen erahnen, welch geistreiche und feinsinnige Pers├Ânlichkeit es hier zu entdecken gilt.
Der Band enth├Ąlt dar├╝ber hinaus Fotos und Abbildungen ausgew├Ąhlter Werke aus Sandmanns Oeuvre.

Zur Autorin: Anna Havemann studierte Kunstgeschichte in New York und wurde 2009 an der Universit├Ąt Potsdam promoviert. Sie lehrte in Hongkong und New York. Seit 2001 ist sie als Dozentin und Kuratorin in Berlin/Potsdam t├Ątig. Zurzeit erarbeitet sie das Werkverzeichnis von Gertrude Sandmann und kuratiert die Ausstellung "Vom Sehen und Leben ÔÇô Gertrude Sandmann. Retrospektive einer K├╝nstlerin und Zeitzeugin". Sie hat mehrfach ├╝ber den emanzipatorischen Kampf von K├╝nstlerinnen publiziert. (Quelle: Verlagsinformation)

Anna Havemann
Gertrude Sandmann. K├╝nstlerin und Frauenrechtlerin

Hentrich&Hentrich, in der Reihe "J├╝dische Miniaturen", erschienen Februar 2011
Broschiert, 88 Seiten
ISBN 978-3-942271-18-9
9,90 Euro
www.hentrichhentrich.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Retrospektive zu Gertrude Sandmann vom 11. Februar bis 3. April 2011 im HAUS am KLEISTPARK", der ausf├╝hrliche Beitrag zur Gertrude Sandmann-Ausstellung auf AVIVA-Berlin

Buecher > Biographien Beitrag vom 10.02.2011 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken