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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.04.2014

Gabrielle - (K)eine ganz normale Liebe. Ein Film von Louise Archambault. Kinostart: 24. April 2014. Verlosung
Julia Lorenz

Gabrielle und Martin, beide jung, musikverr√ľckt und lebensfroh, verlieben sich. Klingt nach dem Beginn einer konventionellen Romanze. ... AVIVA verlost 5x2 Freikarten



... Ist es aber nicht, denn beiden fehlt ein St√ľck Chromosom zur "Normalit√§t". Aber darf wirklich nur lieben, wer der Norm entspricht?


"Geschlecht: behindert. Besonderes Merkmal: Frau" lautet der provokante Titel eines 1985 erschienenen Sammelbandes. Die Herausgeberinnen wiesen damit auf einen unbequemen Missstand hin: Menschen mit Behinderung werden vorrangig als "behindert", nicht als "Menschen" gelesen. Erst recht nicht als sexuell aktive Menschen. W√§hrend die Debatte um geschlechtsneutrale Unisex-Toiletten heteronormative "Sittenw√§chterInnen" regelm√§√üig zu Moralverfalls-Tiraden inspiriert, wird Menschen mit Behinderung die Entscheidung √ľber die eigene Kategorisierung abgenommen: Die Symbole auf barrierefreien Toiletten sind meist weder eindeutig als Mann noch als Frau zu identifizieren. Ist das nun die ersehnte √úberwindung der Geschlechterkategorien? Nicht wirklich. Was aus Sicht der queer theory nach einem Durchbruch klingt, ist in diesem Fall lediglich Ausdruck der allgemeinen Annahme, Menschen mit Behinderung h√§tten keine sexuelle Identit√§t.

Unerh√∂rte Bed√ľrfnisse

Dass jedoch auch all jene, die nicht dem Standard des nach konventionellen Ma√üst√§ben "gesunden", Menschen ohne Behinderung entsprechen, das Bed√ľrfnis nach k√∂rperlicher und romantischer Liebe versp√ľren, scheint nach wie vor ein Tabuthema zu sein, im wahrsten Sinne des Wortes unerh√∂rt. Dennoch - oder gerade deswegen - haben sich FilmemacherInnen dem Thema in den letzten Jahren angenommen. So erz√§hlt √Ālvaro Pastors und Antonio Naharros Film "Yo, tambi√©n - Me too" aus dem Jahr 2009 die Geschichte eines jungen Mannes mit Trisomie 21, der sich in seine nichtbehinderte Arbeitskollegin verliebt - und wirft dabei die Frage auf, ob eine derartige Liebe ohne Machtaus√ľbung √ľberhaupt m√∂glich sein kann. Schauspielerin Lola Due√Īas, die weibliche Hauptdarstellerin des Films, bezweifelte dies im AVIVA-Interview: "Ich denke, dass im wahren Leben eine echte Liebesbeziehung zwischen einem Downjungen und einem Nicht-Downm√§dchen unm√∂glich w√§re, weil es sich um eine Beziehung handeln w√ľrde, die durch Missbrauch gepr√§gt ist", so Due√Īas. Ob mensch dieser Einsch√§tzung folgen muss, l√§sst "Yo, tambi√©n" jedoch offen.

Louise Archambaults "Gabrielle" befindet sich in einer anderen Ausgangsposition: Die junge Frau (Gabrielle Marion-Rivard) hat das Williams-Beuren-Syndrom, eine genetisch bedingte Besonderheit, die verhindert, dass Gabrielle ihr Leben selbst√§ndig bestreiten kann. Deshalb lebt sie gemeinsam mit anderen Menschen mit Behinderung in einer Einrichtung des betreuten Wohnens. Gabrielle hat eine au√üerordentliche musikalische Begabung, ist der heimliche Star in ihrem Therapiegruppen-Chor "Les Muses" und widerlegt mit ihrer offenen, herzlichen Art das Klischee des bedauernswerten "Pflegefalls". Martin (Alexandre Landry), ebenfalls begeisterter Chors√§nger, ebenfalls mit dem Williams-Beuren-Syndrom geboren, ist in Gabrielle verliebt - und sie in ihn. Doch das soziale Umfeld des jungen Paars in spe reagiert befremdet bis ablehnend auf ihre zaghaften Ann√§herungsversuche, allen voran Martins Mutter (Marie Gignac). Allein Gabrielles Schwester Sophie (M√©lissa D√©sormeaux-Poulin) kann nicht verstehen, warum zwei Erwachsenen, die sich zueinander hingezogen f√ľhlen, kein Verh√§ltnis zugestanden wird.

Wo endet Verantwortung, wo beginnt Machtaus√ľbung?

Der moralische Konflikt, den Gabrielles und Martins Mitmenschen austragen, offenbart sich im Filmverlauf als weitaus komplexer als auf den ersten Blick angenommen: Schlie√ülich geht mit dem Beginn einer Liebesbeziehung mehr Privat- bzw. Intimsph√§re einher. Wo sollte die Verantwortlichkeit von Familie und Aufsichtspersonen f√ľr die Handlungen geistig behinderter Menschen enden, wo deren Autonomie beginnen - und umgekehrt? Muss Gabrielles Wunsch nach mehr Selbstbestimmung nachgegangen werden - oder kann sie die Herausforderungen, die damit einhergehen, schlichtweg nicht richtig einsch√§tzen? Nicht allein verklemmtes Schubladendenken, sondern auch das Bewusstsein √ľber die besonderen Bed√ľrfnisse zweier Menschen, die in vielen Bereichen schutzbed√ľrftiger als andere sind, beeinflusst die allgemeine Ablehnung der Romanze.

Regisseurin Archambault stilisiert ihre ProtagonistInnen nicht zu tragischen AntiheldInnen, die ohne Einwirkung ihrer Umwelt problemlos ein gl√ľckliches Leben f√ľhren k√∂nnten, nimmt sie vielmehr ernst und gibt ihre romantischen Ambitionen nie der L√§cherlichkeit preis. Gleichzeitig kritisiert sie die Macht, die √ľber die Sexualit√§t Menschen mit Behinderung ausge√ľbt wird. So will Martins Mutter in Sorge um eine potentielle Schwangerschaft unverbl√ľmt von Sophie wissen, ob Gabrielle eigentlich "operiert" sei - schlie√ülich sei das ganz normal. Als Sophie daraufhin w√ľtend fragt, ob Martin denn eine Vasektomie erhalten habe, verl√§sst seine Mutter gekr√§nkt das Gespr√§ch. Der Gedanke, dass eine solche "Operation" gegen den Willen der Betroffenen eine Menschenrechtsverletzung ist, scheint in vielen K√∂pfen noch nicht angekommen zu sein. Bis zur Verabschiedung des Betreuungsgesetzes im Jahr 1992 war die Zwangssterilisation geistig behinderter M√§dchen und Frauen auch in Deutschland zul√§ssig.

Schauspielerische Grenzgänge

Hauptdarstellerin Gabrielle Marion-Rivard wurde tats√§chlich mit dem Williams-Beuren-Syndrom geboren. Warum ihr mit Alexandre Landry ein nichtbehinderter Partner zur Seite gestellt wurde, begr√ľndet Louise Archambault mit der Schwierigkeit, geistig behinderten ProtagonistInnen glaubhafte Liebesszenen abzuverlangen. "Da sie gar nicht anders k√∂nnen, als stets wahrhaftig zu sein, fiel es ihnen √§u√üerst schwer, in Gef√ľhlsangelegenheiten etwas vorzut√§uschen", erkl√§rt die Regisseurin. Ein professioneller Schauspieler als Kontrapart musste also her. Ansonsten setzt Archimbault auf das K√∂nnen von LaiendarstellerInnen: Die Mitglieder des Chors "Les Muses", der auch au√üerhalb des Films existiert, sowie Marion-Rivard geben in "Gabrielle" ihr Leinwanddebut.

Nach eigenen Angaben wollte Louise Archambault einen "intimen und sinnlichen" Film drehen, ohne - besonders in den erotischen Sequenzen - den Respekt f√ľr die Bed√ľrfnisse und Grenzen ihrer Protagonistin zu verlieren. Der Spagat ist ihr gelungen: "Gabrielle - (K)eine ganz normale Liebe" ber√ľhrt, in manchen Momenten auch unangenehm, weil der/die ZuschauerIn gezwungen ist, sich mit den eigenen Vorbehalten und Erwartungshaltungen auseinanderzusetzen. Einem Paar wie Martin und Gabrielle beim Kampf um ihr Beisammensein folgen zu d√ľrfen, ist so ungew√∂hnlich wie bewegend - und macht die √ľblichen filmischen Tr√§nendr√ľcker-Kunstgriffe √ľberfl√ľssig: Hochemotionale Gesangsszenen und die obligatorisch bildgewaltige Abschlusssequenz h√§tte der Film wirklich nicht n√∂tig gehabt.

AVIVA-Tipp: Deutsche Verleihe scheinen sich schwer damit zu tun, Filme √ľber das sensible Thema Behinderung und Sexualit√§t wertungsfrei zu vermarkten: Nachdem bereits "Me too" mit dem mehr als fragw√ľrdigen Untertitel "Wer will schon normal sein? " in die Kinos kam, wird nun auch angek√ľndigt, Gabrielles Romanze sei "(K)eine normale Liebe". Hat auch niemand behauptet. Erst recht nicht Regisseurin Louise Archambault, die ihre ProtagonistInnen mit viel Liebe und Achtung portraitiert - und dabei die Frage offenl√§sst, wer hier vermessene Anspr√ľche stellt: Zwei geistig behinderte Menschen, die autonom leben und vor allem lieben wollen, oder ihr Umfeld, das vor lauter Sorge in restriktives Verhalten verf√§llt und glaubt, ihnen das verbieten zu k√∂nnen.

Zur Regisseurin: Louise Archambault drehte nach ihrem Abschluss an der Concordia University in Montr√©al mehrere Kurzfilme, die sie auf internationalen Festivals pr√§sentierte. Ihr Debutfilm "Familia" feierte auf dem Filmfest in Locarno Premiere und wurde auf diversen Festivals - u.a. in G√∂teborg, Hong Kong und Sao Paulo - gezeigt und gewann 2005 den Citytv Award f√ľr das beste kanadische Spielfilmdebut.

Gabrielle - (K)eine ganz normale Liebe
Kanada 2013
Filmlänge: 104 Minuten
Regie: Louise Archambault
DarstellerInnen: Gabrielle Marion-Rivard, Alexandre Landry, Mélissa Désormeaux-Poulin, Vincent-Guillaume Otis, Benoit Gouin, Marie Gignac u.a.
Drehbuch: Louise Archambault, Valérie Beaugrand-Champagne
Produktion: Luc Déry, Kim McCraw
Kamera: Mathieu Laverdière
Szenenbild: Emmanuel Frechette
Verleih: Alamode Film

Kinostart: 24. April 2014

Der Film im Netz: www.Gabrielle-DerFilm.de

Weitere Infos zum Williams-Beuren-Syndrom unter www.w-b-s.de


AVIVA-Berlin verlost 5x2 Freikarten. Bitte senden Sie uns den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu Me too - Wer will schon normal sein? mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 03.05.2014 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Me too - Wer will schon normal sein? - ein Film von √Ālvaro Pastor und Antonio Naharro

Interview mit Lola Due√Īas zum Film "Me too"

Ihr Name ist Sabine - ein Film von Sandrine Bonnaire

Weiterschauen im Netz:

"The last taboo - in bed, everyone¬īs able" ist eine gro√üartige Dokumentation, die behinderte Menschen zum Thema Sexualit√§t zu Wort kommen l√§sst.



Gewinnspiele Beitrag vom 26.04.2014 Julia Lorenz 





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