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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 11.12.2008

Die Odyssee der Kinder - Auf der Flucht aus dem Dritten Reich ins Gelobte Land - Jutta Vogel
Alexandra Kasjan

Diese Geschichte dokumentiert das Schicksal der "Teheran-Kinder", die im Herbst 1938 vor den Nationalsozialisten fliehen mussten...AVIVA-Berlin verlost 3 B├╝cher



... Die jahrelange Irrfahrt ├╝ber 20.000.Kilometer und zwei Kontinente hinweg endete schlie├člich in Pal├Ąstina, ihrer neuen Heimat.

Die "Teheran-Kinder"

Die f├╝nf ZeitzeugInnen Josef Rosenbaum, Lydia Granoth (geborene Mamer), Rachel Gera (geborene Steinberg), Uri Gefen (geborener Felix Frenkel) und Avraham Nencel verbindet ein gemeinsames Schicksal. Sie mussten als Kinder eine schreckliche Odyssee durchmachen. Ende Oktober 1938 wurden im Rahmen der "Polen-Aktion" etwa 17.000 j├╝disch-polnische Staatsb├╝rgerInnen aus dem nationalsozialistischen Deutschen Reich ausgewiesen. Dies betraf auch v├Âllig unvorbereitet die Familien der f├╝nf "Teheran-Kinder". Letztere brechen nach langer Zeit ihr Schweigen und erz├Ąhlen von ihren unausl├Âschlichen Erlebnissen.

"Polen-Aktion"

Nachdem die polnische Regierung zum 1. November 1938 allen polnischen B├╝rgerInnen im Ausland, die ihre Staatsangeh├Ârigkeit nicht best├Ątigten, die Staatsb├╝rgerschaft entziehen wollte, lie├č Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, alle polnischen Juden im deutschen Reich verhaften und ausweisen. An der deutsch-polnischen Grenze wurden die j├╝dischen Fl├╝chtlinge zun├Ąchst in Baracken untergebracht, wo es aufgrund unhygienischer Bedingungen zu Krankheiten und Todesf├Ąllen kam. Die polnische Regierung weigerte sich, eine so gro├če Masse j├╝discher Fl├╝chtlinge aufzunehmen und hoffte bis zuletzt, dass die Deutschen ihre Entscheidung widerriefen. Es kam jedoch nicht dazu.

"Deutsch-sowjetischer Nichtangriffs-Vertrag"

Am 23. August 1938 unterschrieben die beiden Au├čenminister Joachim von Ribbentrop und Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow in Moskau den "Hitler-Stalin-Pakt". Diesem Nichtangriffs-Vertrag folgte am 28. September 1938 der "Grenz- und Freundschaftsvertrag", der die Interessensph├Ąren der beiden M├Ąchte in Polen festlegte. Am 1. September 1939 folgte der ├ťberfall auf Polen. Die j├╝dischen Fl├╝chtlinge, die es bis nach Ost-Polen geschafft haben, waren auch hier nicht mehr sicher, da die Sowjets in dieses Gebiet einmarschierten. Als Verb├╝ndete mit den Deutschen lie├čen sie viele tausend Fl├╝chtlinge zum Arbeitsansatz nach Sibirien deportieren. Selbst Kinder wurden nicht verschont und mussten dort bei m├Ârderischer K├Ąlte ausharren. Die Nahrungsrationen, die verteilt wurden, reichten bei Weitem nicht aus. Angetrieben vom Hunger suchten sie in dem riesigen Waldgebiet mit dem Risiko, nicht mehr zur├╝ckzufinden, nach essbaren Pflanzen und Pilzen. Viele Kriegsgefangene fanden in Sibirien den Tod.

├ťberfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion und die Aufstellung der Anders-Armee

Am 22. Juni 1941 ├╝berfielen die Deutschen die Sowjetunion. Das Blatt wendete sich: Die Sowjets verb├╝ndeten sich nun mit den Polen, so dass die Fl├╝chtlinge im sibirischen Arbeitslager freigelassen wurden. Viele von ihnen, so auch j├╝dische Kinder, entschlossen sich, in Taschkent (Usbekistan) der Anders-Armee beizutreten. Diese sollte in Afrika gegen Feldmarschall Erwin Rommel k├Ąmpfen. Von Taschkent aus wurden die Fl├╝chtlinge aus humanit├Ąren Gr├╝nden zun├Ąchst nach Teheran evakuiert.

Ankunft in Teheran und anschlie├čende Rettungsaktion

Nur rund 1.000 j├╝dische Vertriebene, darunter viele Waisenkinder, schafften es bis zur persischen Hauptstadt, wo Reza Schah Pahlevi ihnen Zuflucht gew├Ąhrte. Dort wurde die j├╝dische Untergrundbewegung Hagana auf die "Teheran-Kinder" aufmerksam. Es folgte eine dramatische Rettungsaktion: Mit einem Fl├╝chtlingsschiff schaffte es die zionistische Organisation, ihre Sch├╝tzlinge von Indien aus mit einer Zwischenstation im Jemen bis nach ├ägypten zu bringen. Von dort aus ging die abenteuerliche Reise weiter, bis endlich am 18. Februar 1943 die insgesamt 861 j├╝dischen Fl├╝chtlinge im "Gelobten Land" eintrafen.

Josef Rosenbaum: Ein "Teheran-Kind" erlebt die H├Âlle auf Erden

Josef ist eines der Kinder, die es bis nach Pal├Ąstina geschafft haben. Er war gerade einmal sieben Jahre alt, als er mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester Nelly aus K├Âln vor den Nazis fliehen musste. Sein Vater hielt sich zu der Zeit in New York auf, um die ├ťbersiedlung seiner Familie nach Amerika vorzubereiten. Josef musste erleben, wie er mit seiner Mutter und Schwester in Viehwaggons, zusammengedr├Ąngt mit anderen Fl├╝chtlingen, in das sibirische Arbeitslager geschafft wurde. Dort versetzte seine Mutter selbst ihren Ehering f├╝r eine winzige Zusatzration an Nahrung. Dennoch starb sie in den Armen ihres Sohnes an Unterern├Ąhrung. In Taschkent musste Josef betteln, stehlen und im M├╝ll w├╝hlen, um sich und seine Schwester vor dem Hungertod zu bewahren. Doch auch Nelly verhungerte. Der unter Schock stehende Junge wurde sp├Ąter in ein Hospital gebracht. Dort h├Ârte er von einem Waisenhaus, dessen Kinder nach Persien gebracht werden sollten, einem Land, so dachte der Junge damals, dass nah bei Amerika liegt, wo sein Vater sich aufhielt. Mit List schaffte es Josef sich dort einzuschmuggeln...

Zur Autorin: Jutta Vogel, geboren 1952, ist Journalistin, freie Autorin und arbeitet f├╝r eine Produktionsfirma in Berlin. Sie f├╝hrte zahlreiche wissenschaftlich-historische Recherchen f├╝r Fernsehfilme durch und wirkte an Drehb├╝chern f├╝r Dokumentationen mit. F├╝r ihr Sachbuch "Die Odyssee der Kinder" und die gleichnamige ZDF-Dokumentation sprach sie mit zahlreichen ├ťberlebenden in Israel. Jutta Vogel lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Ediths Versteck. Die Geschichte des j├╝dischen M├Ądchens Edith Schwalb" von Kathy Kacer und "Malka Mai" von Mirjam Pressler

AVIVA-Tipp: "Die Odyssee der Kinder" ist ein aufw├╝hlendes Buch ├╝ber j├╝dische Kinder, denen nur f├╝r kurze Zeit eine normale Kindheit innerhalb einer wohlbeh├╝teten Familie verg├Ânnt war. Durch die Nationalsozialisten wurden sie j├Ąh aus ihrem Alltag herausgerissen und mussten traumatische Erfahrungen durchleben, wie die lebensgef├Ąhrliche Flucht vor den Nazis, schrecklichen Hunger, eisige K├Ąlte und die Trennung von nahestehenden Personen. Selbst mit dem Tod von Verwandten, Eltern, Geschwistern oder anderen Fl├╝chtlingen wurden die "Teheran-Kinder" konfrontiert. Die authentische Geschichte ist herzergreifend, zeigt jedoch auch, wie Josef, Avraham, Felix, Rachel und Lydia dank ihres starken ├ťberlebenswillens es letztendlich bis nach Pal├Ąstina geschafft haben.


AVIVA-Berlin verlost 3 Exemplare der "Odysee der Kinder". Bitte schreiben Sie uns, mit welchem Vertrag das Schicksal Polens zu Beginn des zweiten Weltkriegs besiegelt wurde und senden Sie bis zum 10.01.2009 eine eMail an folgende Adresse: gewinnspiele@aviva-berlin.de



Jutta Vogel
Die Odyssee der Kinder: Auf der Flucht aus dem Dritten Reich ins Gelobte Land

Eichborn Verlag, 1. Auflage erschienen Oktober 2008
Gebundene Ausgabe: 217 Seiten
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 978-3-8218-7314-5




Gewinnspiele Beitrag vom 11.12.2008 AVIVA-Redaktion 





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