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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.02.2010

Karoline Hille - Spiele der Frauen. K├╝nstlerinnen im Surrealismus. Verlosung
Claudia Amsler

"Wie bei den ber├╝hmten Lilien auf dem Felde bestand ihr Daseinsrecht allein darin, die Fantasie ihrer Gebieter zu befl├╝geln." Die Frau im.... AVIVA verlost 5 B├╝cher



... Surrealismus war ausschliesslich eine Projektion, ein m├Ąnnliches Gedankenkonstrukt, entweder ein verg├Âttertes Blumenwesen oder ein gef├Ąhrliches b├Âses Raubtier. Sie selbst, als Frau, ja sogar als K├╝nstlerin, gab es in den Augen der Surrealisten nicht.

Die Muse, Geliebte, Ehefrau, Freundin von Andr├ę Breton, Yves Tanguy, Max Ernst, Picasso et cetera. So trifft frau meistens ihresgleichen in der Geschichte an, als Attribut, als Inspirationsquelle oder Unterhaltungsspielzeug des Mannes. Nicht, dass man nicht am "weiblichen Gesch├Âpf" interessiert war, er verg├Âtterte sie auf eine gewisse Art und Weise, doch nicht als reale Frau - der Fokus war nur auf sein eigenes konstruiertes weibliches Phantasma gerichtet.

Die Kunsthistorikerin Karoline Hille zeigt mit "Spiele der Frauen. K├╝nstlerinnen im Surrealismus" diese erschreckenden Gegebenheiten im facettenreichen und faszinierenden Surrealismus auf und stellt der Leserin zehn K├╝nstlerinnen vor, die dieser m├Ąnnlichen Kategorisierung zu trotzen versuchten und veranschaulicht ihre k├╝nstlerische "Spielereien" durch differenzierte Bilder, Malereien und Fotografien.

Durch das einf├╝hrende Essay "Der sch├Ąumende Rubin des Champagners" wird der Surrealismus aufgekl├Ąrt, frau wird an die Hand genommen und die Reise in die tiefen Gew├Ąsser der Kunstbewegung beginnt - es ist ein Treiben in den sch├Ânen, aber auch kritischen Aussagen von Karoline Hille. Frau wird in die "Chants de Maldoror" von Lautr├ęamont eingef├╝hrt und gleichzeitig schl├Ągt die Autorin gekonnt den Link zu der kongenialen ├ťbersetzerin der Ges├Ąnge, R├ę Soupault, die sich zu einer der bedeutendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts etablierte.

Karoline Hille gibt mit ihrem Essay nicht nur einen Einblick, sondern einen Rundblick in die Str├Âmung des Surrealismus, in dessen Innenleben und frau erh├Ąlt das Gef├╝hl, genau zu wissen, was so faszinierend an dieser Kunstrichtung ist - f├╝hlt sich selbst als Surrealistin. Der Mann wird nicht als eine Schreckensfigur dargestellt, sondern er und seine Kunst, seine Vorstellungen werden beschrieben und dies nicht abwertend. Die Kunsthistorikerin hinterfragt diese doch ergreifenden Vorstellungen und zeigt so die Schattenseiten des Surrealismus auf.

Im Schatten stehen die Surrealistinnen - die Frauen. Doch Karoline Hille gelingt es durch ihre Zusammenstellung, die K├╝nstlerinnen ins Licht zu r├╝cken. Gleichwertig werden verschiedenen Portraits von Frauen vorgestellt, nicht nur ihr k├╝nstlerisches Schaffen, sondern sie als Personen, als Liebende, Leidende und eigenst├Ąndige, unabh├Ąngige und emanzipierte K├╝nstlerinnen.

Obwohl die zehn Surrealistinnen Gemeinsamkeiten vorweisen wie beispielsweise die Thematisierung ihres Geschlechts, das Teilen der Idee des "androgynen Geistes", die Selbstinszenierung, das Experimentieren mit sich selbst, Formen und Techniken, k├Ânnten sie auch gleichzeitig unterschiedlicher nicht sein: Die Fotografin, die Malerin, die Zeichnerin, die Dichterin und die Autorin ist in diesem Bildband anzutreffen. Von der Pionierin Toyen, der mutigen Claude Cahun, der abenteuerlichen Lee Miller zu der r├Ątselhaften Dora Maar, der Rebellin Meret Oppenheim hin zu der Selbstdarstellerin Leonor Fini, der abgr├╝ndigen Leonora Carringtion und der Konstrukteurin Kay Sage bis hin zu der K├Ąmpferin Dorethea Tanning und der Grenzg├Ąngerin Unica Z├╝rn.

Es sind Frauen, die nicht kategorisiert werden wollen - keine Lesbierin, keine Feministin, kein Model und schon gar nicht eine Muse sein wollen, sondern Menschen, die Kunst schaffen.

Frau ist von dieser Vielf├Ąltigkeit und Pr├Ąchtigkeit fasziniert, simultan ist es aber auch erschreckend, dass dennoch mehr als die H├Ąlfte der K├╝nstlerinnen das Schicksal teilen mussten, auf ihre Liebesbeziehungen mit einem "gro├čen" K├╝nstler reduziert zu werden. Und so ist es wiederum nur lobenswert, dass ein Buch die K├╝nstlerinnen aus dieser Verdammnis befreit und sie in den Vordergrund stellt, ├╝berhaupt zeigt, dass es sie - die K├╝nstlerin - gibt.

AVIVA-Tipp: Karoline Hille gelingt es mit ihrem reich illustrierten Band, zehn K├╝nstlerinnen, die sich ab den 1930er Jahren der Pariser Avantgarde-Bewegung anschlossen, authentisch zu portr├Ątieren. Frau lebt, f├╝hlt und malt mit. Es ist ein regelrechtes Wissenswerk, denn es lehrt nicht nur die Tiefen des Surrealismus, sondern, dass Kunst kein Geschlecht hat.

Zur Autorin: Karoline Hille, Kunsthistorikerin, ist Autorin zahlreicher B├╝cher und Aufs├Ątze zu Kunst, Kultur und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts mit den Arbeitsschwerpunkten Rezeptionsgeschichte sowie Frauen- und Geschlechterforschung. Sie lebt als freie Publizistin in Ludwigshafen am Rhein. (Quelle Verlagsinformation)
Mehr Infos finden Sie unter: www.belser-verlag.de

AVIVA-Berlin verlost 5 B├╝cher. Bitte nennen Sie uns den Namen der Surrealistin, welche die Pelztasse entworfen hat und senden Sie bis zum 28.03.2010 eine Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Karoline Hille
Spiele der Frauen. K├╝nstlerinnen im Surrealismus

BelserVerlag, erschienen 2009
Gebunden, 192 Seiten
ISBN-13: 978-3-7630-2534-3
22,95 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Laure Adler, Elisa L├ęcosse - Endlose Liebe - Leidenschaftliche Frauen in der Kunst von Tizian bis Warhol

Die Fotografin der magischen Sekunde und Frauenportraits, R├ę Soupault

Lee Miller, 1907-1977, die Freundin des Surrealen

Madame Man Ray von Unda H├Ârner






Gewinnspiele Beitrag vom 12.02.2010 Claudia Amsler 





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