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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 27.03.2009

Dancer in the Dark - Verlosungsexemplare
Claire Horst

Wer den Film kennt, hat vor allem Björk vor Augen. Ohne sie wäre es eine völlig andere Produktion geworden, da sind sich ... AVIVA-Berlin verlost 3 DVDs



... Regisseur Lars von Trier und das Publikum einig. Erneut ist nun das Meisterwerk auf DVD erschienen, ergänzt durch Interviews mit einigen Mitwirkenden.

Die Geschichte ist schnell erz√§hlt: Eine junge Frau, Migrantin aus der Tschechoslowakei, lebt mit ihrem Sohn in den USA der Sechzigerjahre. Ihr Leben besteht nur aus zwei Dingen, Arbeit und der F√ľrsorge f√ľr ihr Kind. Selma, die von Bj√∂rk nicht gespielt, sondern in jeder Minute buchst√§blich verk√∂rpert wird, hat ein Geheimnis: Sie erblindet langsam. Um ihren Job in einer Metallfabrik nicht zu verlieren, erz√§hlt sie niemandem davon. Das Drama besteht darin, dass auch ihr Sohn Gene an der Erbkrankheit leidet. Um seine Operation bezahlen zu k√∂nnen, ist Selma nach Amerika gekommen, darum verpackt sie am Feierabend noch Haarnadeln in Heimarbeit, darum spart sie jeden Cent. Den FreundInnen erz√§hlt sie ein M√§rchen vom armen Vater in der Tschechoslowakei, den sie unterst√ľtzen m√ľsse.

Als Selmas Vermieter, der sich tags√ľber mit seiner Frau um Gene k√ľmmert, pleite geht, bef√ľrchtet er, seine Frau werde ihn verlassen. In seiner Verzweiflung stiehlt er Selmas Ersparnisse. Als Selma seine Tat entdeckt, fordert sie ihr Geld zur√ľck. Eine der dichtesten und ber√ľhrendsten Szenen des Films ist die, die jetzt folgt: In seiner Tragik und Unausweichlichkeit ist das Geschehen kaum zu ertragen. √Ąhnlich wie in seinem √§lteren Film "Breaking the Waves" erz√§hlt Lars von Trier auch hier eine Trag√∂die im antiken Sinne: Die Heldin ger√§t unverschuldet in eine unl√∂sbare Situation. Die ZuschauerInnen wissen schnell, dass es keinen positiven Ausweg f√ľr sie geben wird.

Anders als "Breaking the Waves" ist "Dancer in the Dark" jedoch ein Musical. Selma, deren gro√üe Leidenschaft dieser Theaterform gilt, spielt - neben ihren vielen Jobs - auch noch in dem Musical der Musicals mit: The Sound of Music. Mit ihren Tr√§umereien, bei denen sich die Welt um sie herum in eine einzige Tanzeinlage verwandelt, √ľbersteht sie zwar den grauen Alltag, gef√§hrdet aber ihre Gesundheit und ihren Arbeitsplatz an der Maschine.

In diesen Szenen weicht Regisseur Lars von Trier von den Dogma-Regeln ab, die er gemeinsam mit drei weiteren dänischen Filmregisseuren im Jahr 1995 aufgestellt hatte. Nach diesen Regeln waren nur Handkameras erlaubt, nur Originalschauplätze sollten genutzt und keine Musik nachträglich eingespielt werden. Zudem waren Genrefilme nicht geduldet.

Wie Kameramann Robby M√ľller im Interview erl√§utert, wurden in den Musicalszenen unz√§hlige Kameras fest installiert, so dass das Geschehen aus mehreren Perspektiven aufgenommen werden konnte. Hier ist es wohl Bj√∂rk zu verdanken, dass der Film nicht in den Kitsch abrutscht. Sie spielt ihre "Visionen" mit einer derartigen Intensit√§t, dass die Zuschauerin mit ihr in die Tanzszenen rutscht und den Hintergrund, den tristen Fabrikalltag, beinahe vergisst. Wie Selma wird die Zuschauerin unsanft in die Realit√§t zur√ľckgeholt, wenn der Werksleiter ihren Traum unterbricht.

Neben Bj√∂rk, die auch die Musik geschrieben hat ‚Äď zuerst war sie nur daf√ľr eingeplant -, ragt auch Catherine Deneuve heraus, die mit Kathy, Selmas Freundin und Kollegin, eine eigentlich undankbare Nebenrolle eigenommen hat. Kathy, und auch der von Peter Stormare hervorragend gespielte Jeff, der Selma liebt, verk√∂rpern keine realen Menschen, sondern das "Ideal der reinen Liebe", wie Stormare im Interview erl√§utert.

Man kann dem Film einiges vorwerfen. Zuweilen nervt Bj√∂rk mit ihrer sehr niedlichen Darstellung der bemitleidenswerten Selma, und auch das Bild der armen Migrantin, die sich f√ľr ihr Kind aufopfert, k√∂nnte zu einem reinen Klischee gerinnen. Im Interview erkl√§rt der Regisseur, worum es ihm dabei ging: "Zuerst einmal leben wir in einer Kultur, hier, in diesem Teil der Erde, wo es ein Mann ist, der am Kreuz h√§ngt, der sich opfert. Aber ist es nicht toll, dass es auch Frauen gibt? Sind es denn wirklich nur M√§nner, die sich opfern?"

Dennoch begeistert der Film in seiner konsequenten Darstellung der Ausweglosigkeit, in die Selma sich gebracht hat. Sie wird zerbrochen zwischen ihrem Anspruch, das f√ľr sie Wichtigste zu erreichen ‚Äď die Rettung ihres Sohnes, f√ľr dessen Krankheit sie sich verantwortlich f√ľhlt, und den Moralvorstellungen der Gesellschaft, die ihre Beweggr√ľnde nicht nachvollziehen will. Wer sich darauf einlassen kann, dass hier keine realistische Geschichte erz√§hlt, sondern eine Parabel entworfen wird, wird zutiefst ersch√ľttert.

"Dancer in the Dark" erhielt insgesamt 19 Auszeichnungen sowie 32 Nominierungen. Unter anderem gewann er bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2000 die Goldene Palme. Björk erhielt eine Auszeichnung als Beste Darstellerin.

Weiterh√∂ren: Bj√∂rk - Drawing Restraint 9 und Joni Mitchell ‚Äď A tribute to

Björk im Netz: www.bjork.com und auf MySpace

AVIVA-Tipp: "Dancer in the Dark" ist ein au√üergew√∂hnlicher Film mit hinrei√üenden DarstellerInnen, auf die die Handlung ma√ügeschneidert zu sein scheint. Der Soundtrack ist als "Selma Songs" erh√§ltlich. Nicht nur f√ľr Bj√∂rk-Fans!


AVIVA-Berlin verlost 3 DVDs. Bitte nennen Sie uns einen weiteren Film von Lars von Trier und senden bis zum 10.04.2009 eine Mail an folgende Adresse: gewinnspiele@aviva-berlin.de



Dancer in the Dark
DK, D, NL, USA u.a. 2000
Regie und Drehbuch: Lars von Trier
DarstellerInnen: Björk, Catherine Deneuve, David Morse, Peter Stormare, Jean-Marc Barr, Vladica Kostic u.a.
Bildformat: 16:9
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1
FSK: ab 12 Jahren
Länge: ca. 134 Min.
Extras: Interviews (ca. 16 Min.), B-Roll (ca. 4 Min.), DarstellerInnen-Infos
DVD-Verkaufsstart: 05. Februar 2009
Verleih: Constantin Film
Preis: 15,95 Euro

Gewinnspiele Beitrag vom 27.03.2009 Claire Horst 





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