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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 13.04.2009

Interview mit Ruth Kl├╝ger
Pommerenke, Horst

Ruth Kl├╝ger: J├╝din, Feministin, Mutter, Holocaust-├ťberlebende, emigrierte Wienerin, Wahl-Amerikanerin, Autorin und Literaturwissenschaftlerin hat in Deutschland und den USA ...



... als Germanistik Professorin gearbeitet. Im M├Ąrz dieses Jahres brachte sie die Aufsatzsammlung "Katastrophen. ├ťber deutsche Literatur" erneut heraus, wodurch den LeserInnen eine neue Lesart klassischer Texte erm├Âglicht wird. AVIVA-Berlin f├╝hrte mit der in Kalifornien lebenden Germanistin ein E-Mail Interview.


AVIVA-Berlin: Deutsch ist die Sprache der T├ĄterInnen und viele Holocaust-├ťberlebende haben die Sprache nach 1945 nicht mehr verwendet. Sie hingegen haben sich entschieden, deutsche Literatur zu studieren. War das f├╝r Sie eine M├Âglichkeit, sich zu behaupten und die Literatur zur├╝ckzuerobern?
Ruth Kl├╝ger: Meine Muttersprache ist kein Problem f├╝r mich. Niemand hat sie mir weggenommen (weil das niemand kann), und die Nazis sind die letzten, denen ich sie geschenkt h├Ątte. Die Germanistik bot mir einen Beruf, den ich jahrzehntelang mit gro├čer Befriedigung ausge├╝bt habe.

AVIVA-Berlin: Kleist wurde immer wieder als Nationaldichter reklamiert. Es ist sehr schwierig, ihn losgel├Âst von seiner Rezeption zu lesen. Was fasziniert Sie so an seinen Texten?
Ruth Kl├╝ger: Kleist ist meiner Ansicht nach der gr├Â├čte Dramatiker und einer der gr├Â├čten Erz├Ąhler, die je deutsch geschrieben haben. Dass Nationalisten und Fanatiker nicht lesen k├Ânnen und das Gelesene verdrehen, ist keine Neuigkeit. ├ťbrigens war er kein Antisemit, das ist reine Verleumdung.

AVIVA-Berlin: Sie weisen immer wieder darauf hin, dass antisemitisches Denken weiter herrscht. Was glauben Sie, warum selbst Intellektuelle wie Martin Walser dagegen nicht gefeit sind?
Ruth Kl├╝ger: Da bin ich ├╝berfragt. Der ganze zweitausendj├Ąhrige Antisemitismus ist mir ein R├Ątsel.

AVIVA-Berlin: Mit welchem Gef├╝hl gehen Sie nach Israel bzw. wie sch├Ątzen Sie die Ergebnisse der Regierungsbildung nach den Wahlen in 2009 ein? Glauben Sie, dass die aktuelle Regierung f├╝r einen Frieden eher hinderlich oder f├Ârderlich ist?
Ruth Kl├╝ger: Daf├╝r bin ich nicht zust├Ąndig. Ich kenne mich in der israelischen Politik nur sehr schlecht aus. Ich bin Amerikanerin, kann eher Fragen ├╝ber die amerikanische Politik, mit der ich im Moment ganz zufrieden bin, beantworten.

AVIVA-Berlin: Welches Werk der gegenw├Ąrtigen Literatur in Israel hat Sie aktuell beeindruckt?
Ruth Kl├╝ger: Sehr empfehlenswert ist Abraham B. Yehoshuas letzter Roman, der auf Englisch "Friendly Fire" hei├čt und auf Deutsch wohl ebenso, ein Buch, in dem das ├Âffentliche und das Privatleben in Israel in seinen weitl├Ąufigen Verkn├╝pfungen mit gro├čer Sympathie und Intelligenz dargestellt wird. Ein Autor, der den Nobelpreis verdient.

AVIVA-Berlin: Haben Sie einen Lieblingsort in Israel?
Ruth Kl├╝ger: Ich kenne mich dort ├╝berhaupt nicht aus, war nur ein paarmal und immer als Touristin und ganz kurz in dem Land. Meine Kinder waren noch nie dort und scheinen kein Interesse an einer solchen Reise an den Tag zu legen. Ich bin in erster und zweiter Linie Amerikanerin und Europ├Ąerin. Israel hat nur einen sentimentalen Stellenwert in meinem Leben und Denken.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f├╝r das Interview! Wir w├╝nschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren zuk├╝nftigen Projekten.

Lesen Sie auch die Rezension zu Ruth Kl├╝ger - unterwegs verloren auf AVIVA-Berlin.

Interviews Beitrag vom 13.04.2009 AVIVA-Redaktion 





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