Verleihung des Ossip-K.-Flechtheim-Preises am 30. Oktober 2011 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Juedisches Leben



AVIVA-BERLIN.de 1/25/5782 - Beitrag vom 04.11.2011


Verleihung des Ossip-K.-Flechtheim-Preises am 30. Oktober 2011
Sharon Adler

Die Stiftung ZURÜCKGEBEN - Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft - erfuhr Anerkennung durch die Humanismus Stiftung Berlin und den Humanistischen Verband Berlin.




In einem feierlichen Festakt wurde die Stiftung ZURÜCKGEBEN für ihre langjährige Arbeit und ihr Engagement gewürdigt. Der Humanistische Verband Berlin und die Humanismus Stiftung Berlin vergaben diesen Preis zum fünften Mal. Mit ihm werden Persönlichkeiten oder Projekte ausgezeichnet, die zur Förderung von Aufklärung, Toleranz und Selbstbestimmung sowie der Erhaltung der Menschenrechte in der Gesellschaft beitragen. Die Jury beschloss einstimmig, ZURÜCKGEBEN diesen Preis zu verleihen, da die Arbeit der Stiftung beispielhaft zeige, "wie man mit der Vergangenheit verantwortungsvoll umgehen kann und wie sich die Frage von Schuld und Verantwortung positiv und produktiv in die Zukunft wenden lässt." Stiftungsidee von ZURÜCKGEBEN war und ist es, eine Brücke zwischen der Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen, um so jüdisches Leben in Deutschland heute in seiner ganzen Vielfalt zu fördern.

= zurückkehren, nach Hause kommen
Das hebräische Wort Shiva bedeutet sowohl "zurückgeben" als auch "Heimkehr", "nachhause kommen"

Die Stiftung ZURÜCKGEBEN wurde im Jahr 1994 in Berlin ins Leben gerufen. Angeregt wurde sie durch eine Initiativgruppe aus der Frauenbewegung kommender jüdischer und nicht jüdischer Frauen, darunter Irene Anhalt und Hilde Schramm. Beide sind Töchter hoher NS-Funktionäre. Als Hilde Schramm, Tochter von Albert Speer, Einsicht in den Nachlass ihres Vaters erhielt, wurde ihr klar, dass ein Großteil aus jüdischem Besitz stammen musste. Nach dem gescheiterten Versuch, die früheren Eigentümer ausfindig zu machen, verkaufte Hilde Schramm die Erbschaft und gründete mit dem Erlös die "Stiftung ZURÜCKGEBEN". Damit handelten die Initiatorinnen im Wissen um die Zerstörung von Arbeits- und Existenzmöglichkeiten jüdischer Menschen und aus der Erkenntnis heraus, dass alle in der NS-Zeit zur "Volksgemeinschaft" zählenden Deutschen von der Entrechtung, Ausplünderung und Deportation ihrer jüdischen NachbarInnen, FreundInnen oder KollegInnen profitiert haben.

Im Fokus: Jüdische Frauen in Kunst und Wissenschaft

ZURÜCKGEBEN fördert seit seiner Gründung jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, die in Deutschland leben. Unterschiedlichste Projekte konnten in den vergangenen 17 Jahren durch die Zuwendung der Stiftung realisiert werden, darunter Filme, Buchprojekte, moderne Kunst, Medieninstallationen, Musik-CD-Produktionen, Doktorinnenarbeiten, und auch ein mobiles jüdisches Puppentheater wurde gefördert.

Zwischen 1994 und 2011 erhielten an die neunzig jüdische Frauen für ihre künstlerischen oder wissenschaftlichen Projekte eine Förderung der Stiftung ZURÜCKGEBEN in Höhe von jeweils zwischen 700 und 11.000 Euro. Unter ihnen sind Malerinnen und Fotografinnen, Schriftstellerinnen und Illustratorinnen, Sängerinnen und Musikerinnen, Tänzerinnen sowie Schauspielerinnen. Unter den Wissenschaften vertreten sind: Literatur, Musik, Geschichte, Soziologie und Anthropologie, Philosophie und Religion.

Neben der finanziellen Unterstützung war es aber auch die Anerkennung und Aufmerksamkeit, die den Frauen dabei half und sie ermutigte, ihre Projekte voranzutreiben und nicht aufzugeben. Entstanden ist durch die Stiftungsarbeit ein Netzwerk, in dem die Frauen sich treffen, sich unterstützen und austauschen.

Ossip-K.-Flechtheim-Preis



Erstmalig wurde die Stiftung ZURÜCKGEBEN nun selbst ausgezeichnet, ihre Arbeit für jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen gewürdigt. Die Laudatio hielt Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises e.V. Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Mitglied der Jury des Ossip-K.-Flechtheim-Preises.
Das musikalische Begleitprogramm gestalteten drei von der Stiftung ZURÜCKGEBEN geförderte Musikerinnen: Jalda Rebling, Miriam Kaul und Galina Jarkova.
In ihrer Dankesrede brachte Alina Gromova, Mitglied des Vorstand der Stiftung ZURÜCKGEBEN, etwas zum Ausdruck, das uns alle betrifft - Juden, die seit Generationen in Deutschland leben und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, die in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben: "Wir hoffen, dass sich in Deutschland wieder eine jüdische Öffentlichkeit entwickelt und dass das jüdische Leben nicht nur in Form von Ausstellungen und Denkmälern – so sehr diese auch notwendig sind – repräsentiert bleibt, sondern zu einer selbstverständlichen Normalität und Realität wird."



Für ihre Arbeit, und um noch mehr jüdische Frauen und ihre Vorhaben zu fördern, ist die Stiftung ZURÜCKGEBEN auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Für weitere Informationen:

ZURÜCKGEBEN – Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft
Im Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Straße 4
D-10405 Berlin
Tel.: +49 30 - 42 02 26 45
Fax: +49 30 - 42 02 33 30
E-Mail: E-mail: info@stiftung-zurueckgeben.de
www.stiftung-zurueckgeben.de


Ossip K. Flechtheim (1909-1989) Jurist, Begründer der Futurologie und Politikwissenschaftler, emigrierte 1939 in die USA, wo er u.a. am Horkheimer-Institut für Sozialforschung der Columbia University arbeitete. Ab 1952 war er als Wissenschaftler und Hochschullehrer in West-Berlin und bis zu seiner Emeritierung 1974 am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität tätig.
Flechtheim war u.a. langjähriges Mitglied des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD). Der HVD hat zu seinen Ehren den Ossip-K.-Flechtheim-Preis ins Leben gerufen, der alle zwei Jahre vergeben wird. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert.
Humanistischer Verband Deutschlands: www.hvd-berlin.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Preisträgerinnen 2008
Preisträgerinnen 2009
Die Stiftung ZURÜCKGEBEN fördert auch 2010 jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen – Infos zu den geförderten Frauen


Copyright Fotos: Sharon Adler


Jüdisches Leben

Beitrag vom 04.11.2011

Sharon Adler 






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