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AVIVA-BERLIN.de 11/25/5778 - Beitrag vom 20.04.2010

2010: Neue Stolpersteine im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Nadja Grintzewitsch

Die Klasse 6a der Ernst-Habermann-Grundschule leistete mit der Finanzierung von drei Stolpersteinen einen vorbildlichen Beitrag gegen das Vergessen und legte dabei erstaunliches Engagement an denÔÇŽ



...Tag. Zuvor hatten sich die Sch├╝lerInnen im Rahmen eines Unterrichtsprojektes intensiv mit Nationalsozialismus und Judenverfolgung auseinandergesetzt und auch Zeitzeugin Inge Deutschkron im Blindenmuseum Otto Weidt getroffen. Am 15. April 2010 wurden in Anwesenheit der Schriftstellerin nun die Stolpersteine gesetzt.

P├╝nktlich um neun Uhr morgens begann, nach einer kleinen Ansprache der Schulleiterin, die Verlegung der insgesamt sechs Stolpersteine auf einem B├╝rgersteig unweit der Grundschule. Drei waren von den Sch├╝lerInnen selbst finanziert worden, f├╝r weitere drei hatten sich private SponsorInnen gefunden. Zwei Wochen lang verkauften die Kinder f├╝r "ihre" Steine in den Hofpausen selbstgebackenen Kuchen und nahmen im Laufe der Aktion sogar weitaus mehr ein als geplant. Mit dem ├ťberschuss soll nun zus├Ątzlich eine Mini-Dokumentation der gemeinsamen Arbeit f├╝r den Schulgebrauch finanziert werden.

Von einem leichten Nieselregen begleitet, begannen Handwerker, die Pflastersteine vor dem Haus in der Babelsberger Stra├če 11 aufzuklopfen. Links und rechts vom Eingangsportal wurden anschlie├čend je drei goldene Steine in den Boden versenkt. And├Ąchtig standen die Sch├╝lerInnen beieinander und verstreuten gelbe Bl├╝tenbl├Ątter - nicht nur auf "ihre" Stolpersteine, sondern auch auf die restlichen drei. Die Steine der Klasse 6a erinnern an Herbert, Alice und Liselotte Kabaker, eine j├╝dische Familie, die zun├Ąchst enteignet, dann an unterschiedliche Orte deportiert und anschlie├čend ermordet wurde (AVIVA-Berlin berichtete).

┬ę Karl-Reinhold Fiebak


Initiatorin des Schulprojektes war Britta Fellbaum, selbst erst seit kurzem als Referendarin an der Schule t├Ątig. Ihr Ziel war es, die Kinder m├Âglichst fr├╝h f├╝r dieses Thema zu sensibilisieren und Empathie zu wecken Dabei arbeitete sie mit den Sch├╝lerInnen in unterschiedlichen Etappen und f├╝hrte sie behutsam St├╝ck f├╝r St├╝ck an den Stoff heran.

Im Unterricht lasen die Kinder "Papa Weidt" von Inge Deutschkron und "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl", welches eigentlich erst f├╝r Jugendliche ab 12 Jahren vorgesehen ist. Daher musste zur Lekt├╝re das Einverst├Ąndnis der Eltern eingeholt werden. Bei einem Besuch im Blindenmuseum Otto Weidt bekamen die Sch├╝lerInnen die M├Âglichkeit, mit einer der letzten lebenden Zeitzeuginnen pers├Ânlich zu sprechen. Beeindruckt zeigte sich die Klasse vor allem von dem kleinen Hinterraum, den Otto Weidt von Februar bis Oktober 1943 der j├╝dischen Familie Horn zur Verf├╝gung stellte - bis das Versteck verraten und die vierk├Âpfige Familie nach Auschwitz deportiert wurde.

Aufbauend auf diese Erfahrungen wurde versuchsweise ein Bereich des Klassenzimmers mit Kreppband abgesteckt, in dem die Sch├╝lerInnen einige Minuten schweigend verbringen mussten - ohne zu husten, ohne zu niesen. "Es war total eng", beschreibt Sch├╝lerin Luana die Situation. "F├╝r einige Minuten ging es ja noch, aber mehrere Stunden oder Wochen, das h├Ątte ich mir nicht vorstellen k├Ânnen." Des Weiteren wurden Szenen aus "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" theaterp├Ądagogisch aufbereitet. In einer Art Rollenspiel versuchten die Kinder beispielsweise, einen Bleistift in einer fremden Sprache zu kaufen - und bekamen so ein Gef├╝hl f├╝r die Alltagsprobleme deutscher EmigrantInnen nach 1933.

┬ę Karl-Reinhold Fiebak


Den Sch├╝lerInnen selbst gefiel besonders gut, dass sie zu jeder Zeit offen reden konnten, wenn sie etwas "auf dem Herzen" hatten. Es wurden regelm├Ą├čig Sitzkreise gebildet, in denen sie ihre Gef├╝hle frei ├Ąu├čern durften. "Es war insgesamt eine tolle Erfahrung", so Sch├╝lerin Juliana, "aber auch sehr emotional. Viele von uns haben geweint." Vor allem vor dem Gruppenfoto der Belegschaft in der ehemaligen B├╝rstenfabrik Otto Weidt. Denn nur wenige der abgebildeten Personen h├Ątten ├╝berlebt.

"Wir h├Ątten das Projekt jederzeit abbrechen k├Ânnen", erkl├Ąrt Marlies Hantke, Schulleiterin der Ernst-Habermann-Grundschule. "Aber sie wollten das Projekt weitertragen, waren sehr wissbegierig. Es ist ein gro├čer Erfahrungsschatz, den die Klasse da mitnehmen wird." Auch Frau Kollehn, Klassenlehrerin der 6a, lobte das Engagement ihrer Sch├╝lerInnen und betonte, wie wichtig es sei, sich m├Âglichst fr├╝h mit den falschen Idealen der Nationalsozialisten und den schrecklichen Folgen auseinanderzusetzen. "Dieses Projekt hat 27 junge Menschen ber├╝hrt und ergriffen. Wenn jeder von ihnen ein St├╝ckchen weitertr├Ągt, jeder auch nur die H├Ąlfte weitergeben kann, ist schon viel erreicht."

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

2010 - Berliner Sch├╝lerInnen finanzieren drei neue Stolpersteine

Stolperstein - Dokumentarfilm ├╝ber G├╝nter Demnigs Kunstprojekt

Zwei neue Stolpersteine in Neuk├Âlln (2007)

Jüdisches Leben Beitrag vom 20.04.2010 AVIVA-Redaktion 





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