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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.11.2008

Stolperstein
AVIVA-Redaktion

Der unter der Regie von D├Ârte Franke entstandene Dokumentarfilm "Stolperstein" portraitiert Gunter Demnigs Kunstprojekt, das an die Opfer des deutschen Nationalsozialismus erinnert.



Mit dem Ziel, den Opfern des deutschen Nationalsozialismus ein Gesicht zu geben, startete der K├╝nstler Gunter Demnig im Jahr 2000 sein Projekt "Stolpersteine". Pflastersteingro├če Messingplatten erinnern auf dem Gehweg vor den ehemaligen Wohngeb├Ąuden der Ermordeten an die Gr├Ąueltaten der Nationalsozialisten. Demnig will den in der NS-T├Âtungsmaschinerie Verschwundenen "Namen statt Nummern" geben und macht mit den in m├╝hevoller Handarbeit gefertigten Gedenksteinen auf ihr Schicksal aufmerksam.

Der Dokumentarfilm "Stolperstein" widmet sich der Geschichte, den Schwierigkeiten und insbesondere dem Alltag eines ungew├Âhnlichen Projektes und seinem Initiator Gunter Demnig. Doch die Stolpersteine sind im Laufe der vergangenen acht Jahre zu weit mehr als symbolischen Kunstwerken geworden. Das dezentrale Kunstprojekt ist f├╝r viele zum Grundstein der pers├Ânlichen Auseinandersetzung mit einer nationalsozialistischen Vergangenheit geworden. Der Dokumentarfilm zeigt T├Âchter von SS-Offizieren, die voller Hingabe die Gedenksteine von Opfern blank scheuern und andere, die Patenschaften f├╝r die Pflege einzelner Mahnmale ├╝bernehmen. Nicht zu sprechen von den zahllosen AntragstellerInnen, die deutschlandweit auf "ihren" Stolperstein, der an ermordete Familienmitglieder oder verschwundene VormieterInnen erinnern soll, warten. Die Projektkoordinatorin Ute Frank hat mit der Planung der Verlegungen alle H├Ąnde voll zu tun, denn die Zahl der AntragstellerInnen nimmt stetig zu. Das ehrgeizige Ziel, Stolpersteine auch in anderen EU-L├Ąndern zu verlegen, hat dazu beigetragen, dass "Stolpersteine" ein f├╝r die InitiatorInnen v├Âllig unerwartetes Ausma├č annahmen. Mittlerweile musste Gunter Demnig die zeitintensive Fertigung der Messingplatten an einen befreundeten Kollegen abgeben, lediglich die Verlegung der Steine kann er noch selbst ├╝bernehmen.

Doch das Projekt ruft nicht nur Bef├╝rworterInnen und Unterst├╝tzerInnen, sondern auch zahlreiche GegnerInnen und KritikerInnen auf den Plan. Die feierliche Verlegung der Gedenksteine muss insbesondere in den neuen Bundesl├Ąndern oft unter Polizeischutz stattfinden. Leider sind weder die Besch├Ądigungen noch das Verschwinden der Mahnmale eine Seltenheit. Auch im Zentralrat der Juden ist Demnigs Projekt heftig umstritten. Dar├╝ber hinaus unterbindet eine der gr├Â├čten deutschen St├Ądte, M├╝nchen, die Verlegung der Steine. Der Dokumentarfilm verdeutlicht, dass die Leidtragenden eines solchen Verbotes zumeist die Hinterbliebenen der NS-Opfer sind. Der interviewte 85-j├Ąhrige Peter Jordan k├Ąmpft seit Jahren f├╝r die Verlegung von Stolpersteinen vor dem M├╝nchner Wohnhaus seiner ermordeten Eltern. Die dort bereits verlegten Stolpersteine lie├č die Stadtverwaltung entfernen und auf den j├╝dischen Friedhof ausquartieren. Dass der Sohn diese Aktion als zweite Deportation seiner Eltern empfindet, k├╝mmert wenig. L├Ąngst sind die Stolpersteine zum Politikum geworden.

Mittlerweile gibt es in der ganzen Bundesrepublik ungef├Ąhr 15.000 Stolpersteine. Auch wenn sie noch immer Reaktionen wie Gleichg├╝ltigkeit, Unverst├Ąndnis und H├Ąme, hervorrufen, gelingt ihnen Eines stets: die ├Âffentliche Diskussion ├╝ber die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands aufrecht zu erhalten und anzuregen.

AVIVA-Tipp: Der feinf├╝hlige Dokumentarfilm ├╝ber das gr├Â├čte dezentrale Denkmal der Welt f├╝hrt den ZuschauerInnen vor Augen, wie der Alltag eines au├čergew├Âhnlichen, k├╝nstlerisch-b├╝rgerschaftlichen Engagements gegen den Nationalsozialismus aussieht. Der Film tr├Ągt entschieden dazu bei, den heutigen Generationen die unbequeme Frage vor Augen zu f├╝hren, wie das eigene Verhalten damals ausgesehen h├Ątte und wie es heute angesichts von Ungerechtigkeit und Unterdr├╝ckung aussehen sollte.


Stolperstein
Deutschland 2008
Regie und Drehbuch: D├Ârte Franke
Verleih: Film Kino Text
Laufzeit: 73 Minuten
Kinostart: 06.11.2008

Mehr Informationen zum Projekt "Stolpersteine" finden Sie unter: www.stolpersteine.com


Zur Regisseurin: D├Ârte Franke wurde 1974 in Leipzig geboren und reiste 1982 bereits in die BRD aus. Sie studierte Politik, Germanistik und Geschichte in K├Âln und von 2001 bis 2005 Dramaturgie an der HFF Potsdam-Babelsberg. Sie ver├Âffentlichte bisher zwei Romane im Jahr 2000 "die einen wetten, die anderen warten" und 2002 "denkmalimkopf". Seit 2000 f├╝hrte sie in zahlreichen Kurz- und Dokumentarfilmen Regie und schrieb Drehb├╝cher.


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Stolpersteine - ein unbequemes Projekt".

"Streit um Stolpersteine".

"Zwei neue Stolpersteine in Neuk├Âlln" von Erica Fischer.

Kultur Beitrag vom 12.11.2008 AVIVA-Redaktion 





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