Israelischer Film auf der 60. Berlinale vom 11.02. bis zum 21.02.2010 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Juedisches Leben



AVIVA-BERLIN.de 11/16/5781 - Beitrag vom 04.02.2010


Israelischer Film auf der 60. Berlinale vom 11.02. bis zum 21.02.2010
Tatjana Zilg

Der Spielfilm "Phobidilia" von Doron Paz und Yoav Paz und einige Dokumentarfilme über das gegenwärtige Leben in Israel als auch die Shoah sowie ein Rückblick auf die Entstehung der ...




... schwul-lesbischen Bewegung in Israel können während der Festivalzeit in den Originalfassungen (mit Untertiteln) auf den Kinoleinwänden rund um den pulsierenden Potsdamer Platz angesehen werden.

Panorama

Phobidilia
Regie: Doron Paz, Yoav Paz
Israel, 86 Minuten, Hebräisch, englische Untertitel
DarstellerInnen: Ofer Shechter, Efrat Baumwald, Shlomo Bar Shavit, Efrat Dor
Dem Regie-Doppel gelang ein fesselndes Langfilm-Debut über die Außenwelt-Flucht eines jungen Programmierers, der seit Jahren in seiner Wohnung in Tel Aviv lebt, ohne sie je zu verlassen. Er hat sich den perfekten Rückzugsort geschaffen und spürt keinen Mangel, da er seine Bedürfnisse durch Internet, Fernseher, Telefon und Playstation komplett abdecken kann. Als der Hausverwalter, ein KZ-Überlebender, von ihm fordert, auszuziehen, da die Wohnung verkauft werden soll, bricht seine Innenwelt zusammen. Die Begegnung mit Daniella, einer Umfragen-Interviewerin, wirbelt seine Gefühle zusätzlich auf, bis es ihm gelingt, eine klare Entscheidung zu treffen.
Ein inhaltlich vielschichtiger Film, zentriert auf einen stark begrenzten Raum. Durch das raffinierte Drehbuch gestalten sich in diesem Raum kontrastreiche Szenarien, in denen sich ein psychologisches Kaleidoskop aus Ängsten, Frühtraumata, Generationskonflikten, Sehnsüchten, Begierden und Hoffnungen spiegelt und für Thriller-Momente ebenso wie für tiefgründige Metaphern sorgt.

Panorama Dokumente

A Film Unfinished (Shtikat Haarchion)
Regie: Yael Hersonski
Israel, 89 Minuten, Hebräisch, Deutsch, Polnisch, Jiddisch, Englisch mit englischen Untertiteln
1942 wurden im Warschauer Ghetto unter dem Auftrag des NS-Regimes umfangreiche, (scheinbar) dokumentarische Aufnahmen gedreht, die zu Propagandazwecken verwendet werden sollten. Drei Monate später begann die Deportation der Ghetto-BewohnerInnen in die Konzentrationslager. Die Aufnahmen verblieben in einem Archiv der Nationalsozialisten. Nach Kriegsende fanden sie teilweise Eingang in die Aufarbeitung und Offenlegung der Nazi-Vergangenheit durch Museen und Filmproduktionen, aber ohne die Entstehung der Filmszenen selbst zu thematisieren. "Shtikat Haarchion" stellt den Zusammenhang zwischen dem historischen Material und dessen Eingebundenheit in das NS-System her. Die Regisseurin reflektiert die Ausschnitte zusammen mit einigen ZeitzeugInnen, die sich präzise an die Filmarbeiten im Ghetto erinnern. Stück für Stück wird enthüllt, welche Gedankenbilder mit den (teils gestellten) Szenen hervorgerufen werden sollten. Einbezogen werden auch das Tagebuch des Judenrats-Vorsitzenden, der sich vor der Deportation umbrachte, und das Gerichtsprotokoll von einem Prozess nach 1945 gegen einen beteiligten Kameramann.

Gay Days (Hazman Havarod)
Regie: Yair Qedar
Israel, 71 Minuten, Hebräisch, englische Untertitel
Der Dokumentarfilm blendet zurück bis ins Jahr 1985 und erkundet von dort die Schwulen- und Lesbenbewegung in Israel. Zu Beginn stießen die AktivistInnen rasch an die Grenzen der Toleranz und waren oft Anfeindungen ausgesetzt. Der Regisseur konstruiert anhand von zahlreichem Film- und Bildmaterial aus Presse und TV sowie persönlichen Archiven diese Pionierzeit nach. Viele ProtagonistInnen hat er für ausführliche Interviews vor die Kamera geholt, so dass sich ein detailreiches Mosaik über den gewaltlosen Kampf zur Anerkennung der Rechte von homosexuellen Menschen in Israel ergibt. Erste Erfolge stellten sich nach und nach ein. Als im Jahr 1998 die transsexuelle Dana den Eurovision Song Contest für Israel gewann, gab es ein riesiges, spontanes Straßenfest in Tel Aviv, durch das sich zeigte, dass das Eis zwischen Schwulen und Lesben und der heterosexuellen Öffentlichkeit gebrochen und der Weg zu einem selbstverständlicheren Umgang miteinander geebnet war.

I Shot My Love
Regie: Tomer Heymann, Israel, Deutschland
Israel, Deutschland, 2010, 70 Minuten, Hebräisch, Englisch mit englischen Untertiteln
70 Jahre nachdem sein Großvater aus Nazi-Deutschland nach Israel fliehen musste, kehrte der Dokumentarfilmer Tomer Heymann 2006 als Gast des Panoramas nach Berlin zurück, um seinen Film "Bubot Niyar (Paper Dolls)" vorzustellen. Hier lernte Heymann in einem Club Andreas Merk kennen und verliebte sich in den deutschen Tänzer. In "I Shot My Love" erzählt Tomer Heymann jetzt die Geschichte dieser Liebe. Heymanns Mutter Noa kann nicht darüber hinwegkommen, dass ihr Sohn das einzige Kind ist, das nach der Trennung der Eltern noch in ihrer Nähe lebt. Als Andreas Tomer das erste Mal in Tel Aviv besucht, muss er sich nicht nur an das Zusammenleben in der neuen Beziehung gewöhnen, er muss auch lernen, den manchmal komplizierten Alltag in Israel zu verstehen und mit der Familiengeschichte seines Geliebten umzugehen.

Forum

Black Bus (Soreret)
Regie: Anat Yuta Zuria
Israel, 76 Minuten, Hebräisch, mit englischen Untertiteln
In einem Linienbus in Jerusalem wird der strikte Verhaltenskodex der ultraorthodoxen Haredi sichtbar. Frauen müssen hinten einsteigen und in einem von den Männern abgeteilten Bereich sitzen. Die Regisseurin begleitet zwei junge Frauen, die sich aus ihren Haredi-Familien losgelöst haben, bei der Wiederbegegnung mit den Zwangsstrukturen, zu denen arrangierte Heiraten, Kleidervorschriften, separate Schulen und kontrollierter Umgang gehören. Es entstanden aufrüttelnde Aufnahmen über die dogmatische Härte, mit denen die Haredi ihre Regeln verteidigen. Die Jurastudentin/Fotografin und die junge Mutter, die über ihr Leben als Tochter einer Haredi-Familie in einem vielgelesenen Online-Blog berichtet, treffen zudem auf andere Betroffene und kommen mit einigen Rabbinern ins Gespräch, die eine kritische Haltung gegenüber den Haredi-Forderungen einnehmen. Beiden Frauen wird bis heute von ihren Familien der Kontakt verweigert.
Anat Yuta Zuria wurde für ihre Filme, in denen sie sich couragiert mit Geschlechterfragen in Israel auseinandersetzt, bereits mehrfach ausgezeichnet.

Berlinale Shorts

Hayerida
Regie: Shai Miedzinsi
Israel, 20 Minuten, Hebräisch, Englisch mit englischen Untertiteln
Eine Familie sucht einen Stein. Einen Grabstein für das Grab des verlorenen Sohnes. Die Suche wird zur Reise, und der Verlust bringt zurück, was unterdrückt war.

Darüber hinaus werden einige von anderen Ländern produzierte Dokumentationen über die Nazi-Strafverfolgung im Nachkriegsdeutschland sowie über den Nahostkonflikt gezeigt:

Panorama Dokumente

Fritz Bauer - Tod auf Raten (Death By Instalments)
Regie: Ilona Ziok
Deutschland, 110 Minuten, Deutsch mit englischen Untertiteln
Fritz Bauer war wohl der profilierteste Staatsanwalt, den die Bundesrepublik je hatte. Er sah sich als Jurist aus Freiheitssinn und war überzeugt, dass der Bürger ein Widerstandsrecht gegen Willkürakte des Staates hat. Hierfür stritt er als niedersächsischer Generalstaatsanwalt 1952/53 in einem aufsehenerregenden Prozess, in dem es um die Legitimität des 20. Juli 1944 ging und in dessen Verlauf Bauer die Rehabilitierung der hingerichteten Verschwörer erreichte. Damit war er ein Pionier modernen zivilgesellschaftlichen Denkens. Mit derselben Zielgerichtetheit hat er die Aufhellung und Ahndung der NS-Verbrechen in Gang gesetzt. Als hessischer Generalstaatsanwalt (1956–1968) war er der maßgebliche Initiator der Frankfurter Auschwitzprozesse. Eine wichtige Rolle spielte Bauer auch bei der Ergreifung Adolf Eichmanns, indem er den Aufenthaltsort des Buchhalters der Endlösung an den israelischen Mossad verriet, damit Eichmann in Jerusalem vor Gericht gestellt werden konnte.

Budrus
Regie: Julia Bacha
USA, 78 Minuten, Arabisch, Hebräisch, Englisch mit englischen Untertiteln
Nahe des Dorfes Budrus im Westjordanland sollte die Grenzmauer Israels errichtet werden, obwohl dafür Olivienhaine zerstört werden müssten und die offizielle "Green Line" weit entfernt liegt. Der Film berichtet anhand von enthüllenden Aufnahmen vor Ort über einen längeren Zeitraum von den zumeist gewaltfreien Protesten der palästinensischen Bevölkerung, die von israelischen und internationalen FriedensaktivistInnen unterstützt wurde.

Forum

Aisheen (Still Alive in Gaza)
Regie: Nicolas Wadimoff
Schweiz, Katar, 2010, 86 Minuten, Arabisch mit englischen Untertiteln
Beim täglichen Versuch Normalität zu leben, stoßen die Menschen in Gaza immer wieder an die Grenzen. Ungeschminkt und ohne Agitation dokumentiert Nicolas Wadimoff den Alltag an einem abgeriegelten Ort und findet dabei überraschende und bewegende Bilder.

Lesen Sie auch unsere weiteren Artikel zur 60. Berlinale:

60. Berlinale vom 11. - 21. Februar 2010

Weitere Film-Tipps für alle Sektionen

Ausführliche Informationen zum Gesamtprogramm finden Sie unter: www.berlinale.de/



Jüdisches Leben

Beitrag vom 04.02.2010

AVIVA-Redaktion 






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