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AVIVA-BERLIN.de 11/19/5778 - Beitrag vom 28.05.2008

Israels Vorreiterrolle bei Rechten von Schwulen und Lesben
AVIVA-Redaktion

Anl√§sslich des 60. Staatsjubil√§ums informiert das gemeinn√ľtzige internationale "The Israel Project" √ľber die Rechte von Schwulen und Lesben in Israel. Beeindruckend vorbildlich!



Mit nur 60 Jahren ist Israel eines der j√ľngsten und zugleich fortschrittlichsten L√§nder der Welt. In Bezug auf die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben ist Israel mit Abstand der toleranteste Staat im Nahen und Mittleren Osten. Es gibt verschiedene Erkl√§rungen f√ľr die breite Akzeptanz von Schwulen und Lesben in der israelischen Gesellschaft. Zum einen bildet die Familie einen integralen Bestandteil der j√ľdischen Gesellschaft in Israel. Daher neigen Eltern eher dazu, ihre schwulen, lesbischen, bisexuellen oder transsexuellen (LGBT) Kinder so zu akzeptieren wie sie sind, als den Familienzusammenhalt zu gef√§hrden. Weil Israel ein kleines Land ist, leben Familienmitglieder nicht weit von einander entfernt, ein starkes soziales Netz macht das Leben in der Anonymit√§t fast unm√∂glich. Zum anderen blicken Juden auf Jahrhunderte lange Erfahrungen des Verfolgtseins zur√ľck und sind daher eher aufgeschlossen gegen√ľber dem Schicksal von Homosexuellen, die w√§hrend des Holocaust gleichfalls verfolgt und ermordet wurden.

Dazu kommt, dass die innere Geschlossenheit in Israel angesichts der Bedrohungslage von Au√üen erste Priorit√§t genie√üt, w√§hrend gesellschaftliche Debatten wie etwa √ľber Homosexualit√§t in der Regel in den Hintergrund treten. Die israelische Gesellschaft ist dar√ľber hinaus √ľberwiegend westlich orientiert und in vielen Fragen liberaler als seine Nachbarn im Mittleren Osten eingestellt. Als demokratischer Staat f√∂rdert Israel die Rechte aller seiner B√ľrgerInnen, ungeachtet des Geschlechtes, der Religion oder der ethnischen Zugeh√∂rigkeit.

Die Rechte von Homosexuellen sind gesetzlich gesch√ľtzt. Eine au√üerhalb Israels geschlossene homosexuelle Ehe wird vom Staat anerkannt, und Paare gleichen Geschlechts d√ľrfen Kinder adoptieren. Schwule und Lesben dienen in der Armee. Geschlechtsumwandlungen sind erlaubt und werden durchgef√ľhrt. Die LGBT-Gemeinde wird von weiten Bev√∂lkerungsteilen akzeptiert. Lesben und Schwule sind in der Politik (Beispiele unter: www.theisraelproject.org), im Wirtschaftsleben, im Rechtswesen, in den Streitkr√§ften und in der Kulturszene vertreten. In der Tat kann man in Tel Aviv eine der lebendigsten schwullesbischen Szenen der Welt antreffen.

Wegen der hier gew√§hrten Freiheit einerseits und der Intoleranz gegen√ľber Homosexuellen in muslimischen Staaten sowie in den pal√§stinensischen Autonomiegebieten andererseits, ist Israel zu einem Zufluchtsort f√ľr homosexuelle Pal√§stinenserInnen geworden, die vor Repressalien im Westjordanland und im Gazastreifen fl√ľchten. In diesen Gebieten fallen Homosexuelle schweren Anfeindungen durch die eigenen Familien, ihre Gemeinden, die radikalislamische Hamas und die pal√§stinensische Autonomiebeh√∂rde zum Opfer. Weitere Infos zur Rechtslage von Schwulen und Lesben in Israels Nachbarl√§ndern finden Sie unter: www.theisraelproject.org)

Dennoch gibt es auch GegnerInnen der schwul-lesbischen Gemeinde in Israel, vor allem seitens der ultra-orthodoxen j√ľdischen Bev√∂lkerungsgruppen sowie den ultra-orthodoxen Parteien, die in der Knesset, dem israelischen Parlament, vertreten sind. Als 2006 j√ľdische VertreterInnen der Ultra-Orthodoxen, der christliche Klerus und muslimische GlaubensvertreterInnen Jerusalems Proteste gegen die geplante Gay-Parade anmeldeten, musste die Parade in das Sportstadion der Hebr√§ischen Universit√§t verlegt werden. Dazu wurden auch diskriminierende √Ąu√üerungen √ľber Homosexuelle seitens ultra-orthodoxer Knesset-Abgeordneten laut. In Reaktion auf den heftigen Widerstand haben einige orthodoxe Juden, die sich selbst zu ihrer Homosexualit√§t bekennen, im Februar 2008 eine Kampagne gestartet, deren Ziel es ist, religi√∂sen Homosexuellen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Einer der Gr√ľnderInnen dieser Web-Initiative (HOD - eine hebr√§ische Abk√ľrzung f√ľr religi√∂se Homosexuelle), ist der bisher einzige Rabbiner in Israel, der sich offen zu seiner Homosexualit√§t bekennt.

Rechtslage: J√ľngste Entwicklungen

Während der vergangenen zwei Jahrzehnte wurden große Fortschritte in der Gesetzgebung gemacht. Einige nennenswerte Beispiele:
12. Februar 2008: Die Regierung Israels beschlie√üt, dass homosexuellen Paaren die gleichen Adoptionsrechte geb√ľhren wie Paaren beiderlei Geschlechts.
März 2007: Das Kultur- und Bildungsministerium erkennt die Jugendorganisation der Schwulen und Lesben (IGY) an, was dem Verband in den Genuss staatlicher Fördergelder bringt.
Januar 2007: In einem Zivilamt in Jerusalem wird die erste gleichgeschlechtliche Ehe, von Avi und Binyamin Rose, eingetragen.
November 2006: 5 in Kanada verpartnerte homosexuelle Paare werden in Israel eingetragen und gelten hier als gleichberechtigte LebenspartnerInnen. (Ein Präzedenzfall).
Juli 2003: Die Stadtverwaltung von Tel-Aviv bewilligt homosexuellen Lebensgemeinschaften die gleichen Ermäßigungen beim Zutritt zu Sportanlagen und anderen Einrichtungen, die heterosexuellen Ehepaaren gewährt werden.
1998: Die Civil Service Commission gesteht gleichgeschlechtlichen LebenspartnerInnen Pensionsrechte zu.
1997: Der oberste Gerichtshof st√ľrzt den Beschluss des damaligen Bildungsministers Zevulun Hammer, eines Mitglieds der National-Religi√∂sen Partei ("Mafdal"), eine Fernsehsendung √ľber homosexuelle TeenagerInnen zu verbieten.
November 1994: Der Oberste Gerichtshof spricht dem gleichgeschlechtlichen Partner eines El-Al-Flugbegleiters die vollen Ehegatten-Rechte zu wie MitarbeiterInnen mit Partnern anderen Geschlechts. Damit bahnt die Gesellschaft den Weg f√ľr die Gleichstellung weiterer homosexueller PartnerInnen.
1993: Die ehemalige Knesset-Abgeordnete Yael Dayan bildet einen Unterausschuss f√ľr die Auseinandersetzung mit dem Thema Homosexualit√§t. Im gleichen Jahr wird in den israelischen Verteidigungskr√§ften eine Anti-Diskriminierungs-Klausel eingef√ľhrt.
1992: Die Knesset verbietet Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund von sexueller Orientierung.
22. März 1988: Die Knesset hebt ein Gesetz auf, wonach Homosexualität strafbar ist.
1975: Die erste israelische Organisation f√ľr Homosexuelle, die Gesellschaft f√ľr den Schutz pers√∂nlicher Rechte (SPPR) wird gegr√ľndet. Heute ist diese Organisation (Aguda) als der Verband israelischer LGBT bekannt.

Homosexualität und Militärdienst

Die Armee spielt in Israel eine zentrale Rolle, f√ľr die Gesellschaft ist der Milit√§rdienst ein integraler Bestandteil der B√ľrgerInnenpflichten. Der Dienst in der Armee ist Pflicht f√ľr fast alle Israelis. (Arabische Staatsb√ľrger und orthodoxe Juden sind vom Milit√§rdienst befreit.). Offen lebende Schwule und Lesben k√∂nnen in der Armee dienen. Im Gegensatz zur U.S.-Armee wird in Israel nicht nach der Devise "Keine Frage, keine Antwort" gehandelt. Es gibt keine Einschr√§nkungen, weder bei der Rekrutierung noch bei der Bef√∂rderung von Lesben und Schwulen. Die israelische Armee ist eine von 24 in der Welt, in der Schwule und Lesben dienen und sich dabei offen zu ihrer Homosexualit√§t bekennen d√ľrfen. Bereits 1993 wurde die Diskriminierung von Homosexuellen in der Armee verboten.

Gay-Kultur

Es gibt keinen besseren Platz auf der ganzen Welt Gay zu sein ... Die Gay-Kultur in Israel ist nicht ¬īunderground¬ī oder ¬īalternativ¬ī, wie etwa in New-York. Hier in Israel, wo wir integriert sind, sind wir voll integrierte und vollwertige Mitglieder der israelischen Gesellschaft. - Gal Uchovsky, Regisseur von "The Bubble".

Lesben und Schwule sind ein fester Bestandteil des israelischen Kulturlebens. Themen, die sich mit Homosexualit√§t befassen, bilden in Film, Theater, in der Musik und in der Literatur keine Ausnahme. Der israelische S√§nger Ivri Lider und der Regisseur Eytan Fox wurden von der amerikanischen Zeitschrift Out zu 2 von insgesamt 100 wichtigsten homosexuellen Pers√∂nlichkeiten in der Welt gew√§hlt. 1999 hat die transsexuelle israelische S√§ngerin Dana International Israel beim Eurovision-Wettbewerb vertreten und wurde auf den ersten Platz gew√§hlt. In einer Umfrage haben 80 Prozent der befragten Israelis Dana als "eine w√ľrdige Repr√§sentantin Israels" bezeichnet. Einige der popul√§rsten israelischen Filme besch√§ftigen sich mit homosexuellen Themen: "Walk on Water", "Yossi und Jagger"und "The Bubble".

Tel-Aviv ist die Kultur- und Finanz-Metropole des Landes. Die Zeitschrift Out nannte Tel-Aviv die "Gay-Metropole des Nahen Ostens", aber die Stadtverwaltung und die Verantwortlichen im Touristikministerium wollen die Stadt zur "Gay-Metropole der Welt" machen. In Tel-Aviv ist auch Bet-Dror beheimatet, Notzufluchtstelle in Israel f√ľr LGBT-Jugendliche, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung aus ihren Familien ausgesto√üen wurden. Das schwullesbische Nachtleben in Tel-Aviv kann sich leicht mit dem in New York oder London messen.

Seit 1990 ist die Stadt Tel Aviv Gastgeberin des größten Gay Pride im Nahen Osten. 2007 nahmen daran 20.000 Menschen teil, um zu zeigen, dass sie selbstbewusst zu ihrer sexuellen Identität stehen. 2008 sind in folgenden Städten Gay Pride-Veranstaltungen geplant: Tel Aviv (6. Juni), Haifa (19. Juni) und Jerusalem (voraussichtlich 26. Juni).

Adressen von LGBT-Verb√§nden und ‚ÄďNGOs in Israel
sowie die Quellenangaben zu diesem Text von The Israel Project finden Sie unter: www.theisraelproject.org

Weitere Infos zum rechtlichen Status von LGBT im internationalen Vergleich unter: www.amnestyusa.org/LGBT_Human_Rights

Weiterlesen auf AVIVA Berlin:

Adoptionsrecht f√ľr gleichgeschlechtliche Paare in Israel

Rechte und Schutz von Frauen in Israel

Jüdisches Leben > Israel live Beitrag vom 28.05.2008 AVIVA-Redaktion 





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