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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 11.03.2014

Die B├╝cherdiebin. Kinostart: 13.03.2014
Philippa Schindler

Die Verfilmung des Jugendbuchs von Markus Zusak zeigt die Geschichte eines M├Ądchens, das intuitiv die richtigen Fragen stellt. Das Potential des Romans verliert sich jedoch im Geflimmer der Leinwand



Februar 1939: Die neunj├Ąhrige Liesel Meminger (Sophie N├ęlisse) wird gemeinsam mit ihrem Bruder zu Pflegeeltern in die N├Ąhe von M├╝nchen gebracht. Die beiden Kinder sollen dort f├╝r eine Weile Unterschlupf finden, denn ihre Mutter (Heike Makatsch) wird als Regimegegnerin von den Nazis verfolgt. Auf der Reise stirbt der bereits geschw├Ąchte Junge und Liesel kommt allein bei Hans (Geoffrey Rush) und Rosa Hubermann (Emily Watson) in der Himmelstra├če an. Dort kann ihr erst der aufgeweckte Nachbarjunge Rudi Steiner (Nico Liersch) ├╝ber Heimweh und Trauer hinweg helfen. Und mit der Unterst├╝tzung von ihrem "Papa" Hans beginnt die Analphabetin Liesel nun auch das Lesen zu lernen.

Als wenig sp├Ąter der Jude Max Vandenburg (Ben Schnetzer) vor der T├╝r der Familie steht, z├Âgern die Hubermanns nicht lange. Sie nehmen den jungen Mann, trotz der gro├čen Gefahr, bei sich auf und verstecken ihn im Keller des Hauses. Die Freundschaft, die sich bald zwischen Liesel und Max entwickelt, weckt in dem M├Ądchen die Liebe f├╝r das Wort. Von nun an versorgt sie sich mit immer neuem Lesestoff aus der Bibliothek des B├╝rgermeisters. So beginnt Liesel Memingers Karriere als "B├╝cherdiebin".

Markus Zusaks Roman erschien 2005 unter dem englischsprachigen Originaltitel "The Book Thief". Drei Jahre sp├Ąter wurde er auch hierzulande ver├Âffentlicht und begeisterte die KritikerInnen mit seiner einfachen, aber ergreifenden Geschichte: Als ein "einmaliges Buch" wurde es in einem Beitrag des Deutschlandradio bezeichnet, die Zeitung Die Zeit sprach von ihm sogar als "Ph├Ąnomen". Markus Zusak, Sohn von deutsch-├Âsterreichischen Eltern und aufgewachsen in Australien, kam schon fr├╝h mit Erz├Ąhlungen ├╝ber den Holocaust in Ber├╝hrung. Diese Berichte verarbeitete er in der Geschichte der B├╝cherdiebin Liesel Meminger, eine Geschichte ├╝ber herzzerrei├čendes Leid und Hoffnung, die in der W├╝rde seiner ProtagonistInnen immer wieder aufzuflackern vermag.

In der Filmadaption lehnen sich der australische Drehbuchautor Michael Petroni und der britische TV-Regisseur Brian Percial inhaltlich stark an die Buchvorlage an. So bleibt der Tod die ironische, ja sarkastische Erz├Ąhlstimme der Geschichte, er begleitet die Hauptfigur Liesel auf Schritt und Tritt. Konzeptuell folgen die beiden Filmemacher jedoch ganz anderen Ma├čst├Ąben. Denn wenn die Rolle des Todes im Buch noch als kluge und narrative Feinheit daherkommt, erh├Ąlt sie durch seinen effekthascherischen Einsatz im Film einen allzu bitteren Beigeschmack.

Ganz ├Ąhnlich ergeht es auch vielen Filmszenen in der "B├╝cherdiebin", die unter dem Vorwand einer historisch getreuen Nachbildung in einer absurden ├ťbertreibung m├╝nden. Dieses Urteil trifft nicht nur auf die Tatsache zu, dass die Filmkulisse oft ├╝ber und ├╝ber mit Nazi-Fahnen behangen ist. Sie best├Ątigt sich auch bei der Darstellung der ├Âffentlichen B├╝cherverbrennung, bei der die ganze Ortschaft voller Inbrunst das "Deutschland-Lied" singt. Als die Protagonistin Liesel Meminger im Anschluss ein verkohltes Buch aus dem gl├╝henden Haufen rettet, erscheint dieser Akt nicht mehr als mutiges Aufbegehren ÔÇô sondern ist auf der Leinwand zu r├╝hrseliger ├ťberh├Âhung verkommen.

Dazu tr├Ągt auch die musikalische Begleitung der Szenen bei, die mit klavierlastigen Melodien und anschwellendem Trommelwirbel ganz klar Emotionen hervorrufen soll. Der Komponist John Williams wurde f├╝r diesen Beitrag sogar mit dem diesj├Ąhrigen Oscar nominiert ÔÇô eine Aussicht, die im Hinblick auf sein K├Ânnen m├Âglicherweise berechtigt gewesen sein mag. Doch im Film tr├Ągt er mit seinen ├╝ppigen Orchestrierungen mehr als einmal zu dick auf. So wie unter anderem in der Szene, in der sich Max bei einem Kontrollgang der Nazis unter einer Hakenkreuzfahne verstecken muss und um sein Leben f├╝rchtet.

Der Film "Die B├╝cherdiebin" bleibt am Ende als hollywoodeske, wie unpassende Inszenierung zur├╝ck. Das Potential des Buches bleibt ungenutzt. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Historie ger├Ąt als blo├če Filmkulisse in den Hintergrund des Geschehens.

AVIVA-Fazit: Schnell wird klar: Mit der Romanverfilmung "Die B├╝cherdiebin" soll emotionalisiert, nicht aufgekl├Ąrt, es soll vermarktet, nicht erinnert werden. Sie kann so in eine Reihe ger├╝ckt werden mit Filmen wie "Der Vorleser" und "Der Untergang".

Die B├╝cherdiebin
Originaltitel: "The Book Thief"
USA, Deutschland, 2013
Regie: Brian Percial
Drehbuch: Markus Zusak (Autor), Michael Petroni (Drehbuchadaption)
DarstellerInnen: Sophie N├ęlisse, Geoffrey Rush, Emily Watson, Ben Schnetzer, Nico Liersch u.a.
Laufl├Ąnge: 131 Minuten
Kinostart: 13.03.2014
Verleih: 20th Century Fox
www.diebuecherdiebin-derfilm.de

Weitere Informationen:

Unter www.randomhouse.de wird Markus Zusek, Autor des gleichnamigen Romans, vorgestellt.

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