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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.11.2014

MIND THE GAP - Arbeiten der Schweizer-J├╝dischen K├╝nstlerin Elianna Renner in der alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura vom 22.11.2014-30.1.2015
AVIVA-Redaktion

Erstmals gezeigt wird auch das interdisziplin├Ąre Projekt "Tracking the Traffic". Thema sind die biographischen Spuren von j├╝dischen Frauen, die Ende des 19. Jahrhunderts als Prostituierte...



... von Menschenh├Ąndlerbanden in die ganze Welt verschleppt wurden.

Die Pr├Ąsentation des interdisziplin├Ąren Projekts "Tracking the Traffic" findet am 30.1.2015 um 19:00 Uhr statt.
Im Rahmen der Ausstellung MIND THE GAP stellt die K├╝nstlerin ihr j├╝ngstes interdisziplin├Ąres Projekt "Tracking the Traffic" vor, welches in Zusammenarbeit mit Dr. Tamar Lewinsky (Zentrum f├╝r j├╝dische Studien, Universit├Ąt Basel) entsteht. Thema sind die biographischen Spuren von j├╝dischen Frauen aus Osteuropa, die Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts von einem Ring von Menschenh├Ąndlern als Prostituierte in die ganze Welt verschleppt wurden. Renners Recherche begann im November 2012 in New York und f├╝hrte sie anschlie├čend nach Buenos Aires, Montevideo, S├úo Paulo, Rio de Janeiro, Mumbai, Schanghai, Kapstadt und Johannesburg. Dabei sammelte sie eine F├╝lle an Material in Form von Videos, Audioaufzeichnungen, Fotografien, Texten und archivarischen Papieren.
In der alpha nova & galerie futura wird Elianna Renner ├╝ber das Projekt und seine Entwicklung sprechen, Recherchematerial pr├Ąsentieren sowie den Film Aquelas Mulheres (Those Women, 20 Min., Brasilien 2010, port. mit engl. UT) von Matilde Teles und Verena Kael zeigen, der den j├╝dischen M├Ądchenhandel nach Brasilien beleuchtet.

K├Ąfer fressen sich durch alte Kolumnen jiddischer Zeitungen.
Oma bekommt Gr├╝├če aus der "Heimat" und vergisst den Text ihres Lieblingsliedes.
Ein Warteraum er├Âffnet eine fiktiv-reale Erz├Ąhlung.
Videoschnipsel erz├Ąhlen Realit├Ąten, mit denen man nicht gerechnet hat.
Ein Aktenvernichter frisst Geschichte(n) auf. Gras dr├╝ber.

Erinnerungsl├Âcher. Ged├Ąchtnisl├╝cken. Leerstellen. Gestopft, verschoben auf Nebenschaupl├Ątze. Parallel geschaltet, in Verbindung gebracht, kontextualisiert.

Die Ausstellung MIND THE GAP der Schweizer K├╝nstlerin Elianna Renner zeigt neue, noch nicht ├Âffentlich pr├Ąsentierte Arbeiten sowie ausgew├Ąhlte Werke aus den letzten Jahren. Ein Schwerpunkt von Renners k├╝nstlerischem Schaffen ist das (auto-)biografische Arbeiten. Im Mittelpunkt stehen dabei immer wieder Geschichten von Frauen, oft solche, die in den offiziellen Geschichtsschreibungen gar nicht oder nur am Rande auftauchen. Einen besonderen Aspekt bildet die Auseinandersetzung Renners mit der eigenen Familiengeschichte. Als w├Ąhrend der NS-Zeit verfolgte Juden, ├╝berlebten viele Familienmitglieder den Holocaust nicht. Einige wenige, u. a. Renners Gro├čmutter, konnten sich mit Hilfe des Roten Kreuzes in die Schweiz retten. Der Umgang mit Erinnerung, Gedenken und dem Erz├Ąhlen dar├╝ber zieht sich als ein roter Faden durch die Arbeiten der K├╝nstlerin.

In der audiovisuellen Installation "Ein Eintausendsechshundertf├╝nfundachtzigstel" (2010) nimmt sie das Wissen ├╝ber die Deportation ihrer Gro├čmutter von Budapest ins KZ Bergen-Belsen und ihre Rettung in die Schweiz als Ausgangspunkt, um die Geschichte, die sie nur sehr fragmentarisch aus Erz├Ąhlungen kennt, ihrerseits weiterzuerz├Ąhlen. Die K├╝nstlerin ├╝berbringt ihrer Gro├čmutter Gespr├Ąche, die sie mit ehemaligen NachbarInnen und BewohnerInnen des Budapester Stadtteils gef├╝hrt hat, in dem die Gro├čmutter einst lebte.

In einer f├╝r die Ausstellung neu entstehenden Arbeit, verhandelt die K├╝nstlerin die Leerstelle, die der k├╝rzliche Tod der Gro├čmutter hinterlassen hat. Auch hier geht es um den Umgang mit Erinnerung und dem Versuch, eine k├╝nstlerische Erz├Ąhlform f├╝r die L├╝cken, Leerstellen und Br├╝che einer Biographie zu finden.
("Ein Eintausendsechshundertf├╝nfundachtzigstel: Leerstellen" (2014))

In der Audioinstallation "Wartezeit" (2009) geht es ebenfalls um das fragmentierte, nicht-lineare Erz├Ąhlen und Wiedergeben von Lebens- und Familiengeschichten. Fiktive Elemente werden mit autobiographischen verkn├╝pft, womit die K├╝nstlerin auf das Subjektive jeder Biographie(re-)konstruktion verweist.

"Astrolabium" (2012) empf├Ąngt den/die BesucherIn mit leuchtenden K├Ąsten, die an Modelle von Galaxien erinnern. Beim n├Ąheren Hinsehen lassen sich in den K├Ąsten die ├ťberreste eines Archivs Zeitungskolumnen auf jiddisch ausmachen, die eine Unzahl von Fressspuren aufweisen, welche von Holzw├╝rmern ├╝ber Jahre hinweg in das Archiv eingefr├Ąst wurden. Die Installation fokussiert die L├Âcher, die auf die Zerst├Ârung in den Archiven der Geschichte verweisen. In Archiven werden Daten und Fakten gespeichert. Vielfach fehlen jedoch Erz├Ąhlungen, Erinnerungen und Lebensgeschichten. Diese L├Âcher in den Archiven gilt es zu stopfen.

Die Arbeit "Realities" (2012-2014), ist eine Sammlung von Video-Portraits mit Frauen unterschiedlicher Generationen, denen die K├╝nstlerin auf ihren Reisen begegnet ist. Sie geben bruchst├╝ckhafte Einblicke in die Lebenswelten der Protagonistinnen. Die K├╝nstlerin fragt nach der Authentizit├Ąt beim Erz├Ąhlen der eigenen Geschichte durch die interviewten Personen. Diese wird unmittelbar gebrochen durch die ├Ąsthetische und inhaltliche Bearbeitung des Filmmaterials und legt erneut die Konstruktion der dokumentarischen Erz├Ąhlung offen.

Aus dem Schlitz eines Aktenvernichters w├Ąchst Gras, dazu h├Ârt frau/man leise, beruhigende Wellenger├Ąusche. "o.T." (2014) verweist darauf, wie manche Geschichte(n) und Ereignisse aus dem kulturellen Ged├Ąchtnis gel├Âscht werden ÔÇô gewollt oder auch unbewusst.

Als bildende K├╝nstlerin schafft Renner einen ├Ąsthetisch-visuellen Zugang zur Auseinandersetzung mit oral history und Geschichte. Dabei geht es ihr darum, Geschichte(n) als Konstruktionen wahrnehmbar werden zu lassen, die sich je nach Erz├ĄhlerIn neu darstellen.

Die k├╝nstlerische Perspektive und Umsetzung erlaubt ihr, eine assoziative Ann├Ąherung an das, was sie selber als "Erinnerungsl├Âcher" bezeichnet. WissenschaftlerInnen sehen sich permanent mit der Frage konfrontiert, wie sie mit dem nie zu erf├╝llenden Wahrheitsanspruch von Geschichte umgehen k├Ânnen. Diesen Wahrheitsanspruch sucht die K├╝nstlerin als illusorisch zu entlarven. In ihren Arbeiten imaginiert sie, verkn├╝pft Fiktives mit "Realem" und nutzt dazu k├╝nstlerische Medien wie Film, Fotografie, Audio, Text, Skizzen und Installation.

Mit ihren Werken erinnert sie uns daran, dass nicht nur pers├Ânliche Erinnerungsprozesse zwangsl├Ąufig l├╝ckenhaft ablaufen, sondern dass auch das kulturelle Ged├Ąchtnis und die offizielle Geschichtsschreibung (un)vermeidliche L├╝cken produzieren, welche auf die Konstruktion von Geschichte(n) im Allgemeinen verweisen. Individuelles und kollektives Erinnern gehen ineinander ├╝ber, und durch die Leerstellen der Geschichte(n) scheinen die Lichter des Vergessenen. Durch diese L├Âcher hei├čt es zu blicken: MIND THE GAP.

Mehr Infos unter:

www.alpha-nova-kulturwerkstatt.de/galerie

www.facebook.com/events

www.trackingthetraffic.org

eliannarenner.com

AVIVA-Berlin ist Medienpartnerin dieser Ausstellung.

Kontakt:
K├╝nstlerische Leitung: Anne Kohl, Katharina Koch
mail@alpha-nova-kulturwerkstatt.de
Tel: 030 ÔÇô 37 00 55 47

alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura ist ein Ausstellungs- und Veranstaltungsort, der unter einer genderkritischen Perspektive an den Schnittstellen von Kunst, Wissenschaft und politischer Praxis arbeitet.

alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura
Am Flutgraben 3, 12435 Berlin
U1 Schlesisches Tor, S-Bahn Treptower Park
Tel: 030 - 956 160 52

├ľffnungszeiten: Mi.-Sa., 16:00-19:00 Uhr

www.alpha-nova-kulturwerkstatt.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Elianna Renner erh├Ąlt den Dr.-Theobald-Simon-Preis 2012



Bildcredit: Aus der Serie "Ein Eintausendsechshundertf├╝nfundachtzigstel" (2010)
Photo: Elianna Renner

Kultur Beitrag vom 14.11.2014 AVIVA-Redaktion 





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