Ulrike Ottinger - Weltreise. Ausstellung vom 2. Dezember 2015 bis 27. Februar 2016 mit begleitender Fotoausstellung und Filmreihe - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kultur



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2021 - Beitrag vom 03.12.2015


Ulrike Ottinger - Weltreise. Ausstellung vom 2. Dezember 2015 bis 27. Februar 2016 mit begleitender Fotoausstellung und Filmreihe
Helga Egetenmeier

Die Berliner Künstlerin, Fotografin, Kuratorin und Filmemacherin entwickelte aus ihrer Reise an die Küsten rund um die Beringsee im Sommer 2014 mehrere Großprojekte, die in der Staatsbibliothek..




... zu Berlin und in der Galerie Johanna Breede Photokunst zu erleben sind, ergänzt durch eine Filmreihe im Arsenal und dem nachfolgenden Start ihres neuesten, dazugehörigen Films im März 2016.

Die Beringstraße ist eine nur 82 Kilometer breite Meerenge, die den äußersten Norden der USA und Russland voneinander trennt. Die Künstlerin, Fotografin und Filmemacherin Ulrike Ottinger reiste im Sommer 2014 auf den Spuren des Autors und Naturforschers Adelbert von Chamisso zur Inselkette der Aleuten (Alaska/U.S.A.) sowie in die am weitesten östlich gelegenen Regionen Russlands, nach Kamtschatka und Tschukota. Aus dem gesammelten Material entstanden zwei Ausstellungen, die nun in Berlin zu sehen sind, samt einer begleitenden Filmreihe einiger ihrer früheren Filme im Kino Arsenal. Der Film "Chamissos Schatten" wird im März 2016 in die Kinos kommen.

Ulrike Ottinger verbindet Ethnologie und gesellschaftspolitisches Interesse schon immer mit ihrer Kunst. Im Berlin der 70er Jahre waren die Schauplätze für ihre Filme Industriebrachen und sie beschäftigt sich vor allem mit dem Leben von Außenseiter_innen. Später dreht sie auch in der Mongolei, der Taiga Chinas und in einer nord-japanischen Schneelandschaft.

1942 als Ulrike Weinberg in Konstanz geboren und am Bodensee aufgewachsen, lebt seit 1973 in Berlin. Sie kommt unehelich zur Welt – ihre Mutter ist Jüdin und die Nürnberger Rassengesetze verbieten Mischehen. Ihr Vater eröffnet nach dem Krieg ein Dekorationsgeschäft und Ulrike begleitet ihn, wenn er die Decken oder Wände von Kinos bemalt. Mitte der 60er Jahre lebt sie als freie Künstlerin in Paris. Dort wird sie Meisterschülerin bei dem renommierten Radierer Johnny Friedländer, besucht Vorlesungen bei Claude Lévi-Strauss, Louis Althusser und Pierre Bourdieu. Ihren ersten Film "Laokoon und Söhne" realisiert sie 1972-1973 zusammen mit der Multi-Künstlerin Tabea Blumenschein. Für ihre Filme ist Ottinger vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Preis der Publikumsjury Montreal und dem Bundesfilmpreis für "Johanna d´Arc of Mongolia" und dem Preis der deutschen Filmkritik für "China. Die Künste – der Alltag" und "Prater" (2008), sowie 2011 den Hannah-Höch-Preis der Stadt Berlin. Mehrfach wurden bereits Retrospektiven ihres Werkes gezeigt.

Neben ihrer Arbeit als Filmregisseurin inszeniert Ottinger auch am Theater und an der Oper. So hat sie 2000 am Berliner Ensemble bei der Uraufführung von Elfride Jelineks "Das Lebewohl" Regie geführt. Als bildende Künstlerin war sie unter anderem an der Biennale di Venezia, der Documenta und der Berlin Biennale beteiligt.
Während ihrer gesamten künstlerischen Laufbahn widmet sie sich auch der Fotografie.

Ausstellung "Weltreise. Forster - Humboldt - Chamisso - Ottinger"

Vom 2. Dezember 2015 bis zum 27. Februar 2016 ist in der Staatsbibliothek zu Berlin, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, die von Ulrike Ottinger zusammengestellte Ausstellung zu erleben.

Aus ihrer großen Reise im Sommer 2014 brachte sie neben Filmen, Fotografien auch das Konzept für die Ausstellung mit. Dafür wurde ein in dunklem Blau gehaltenes Zelt errichtet, dessen Dach die Weite und Tiefe des Sternenhimmels und dessen Boden die Meeresoberfläche imaginieren lassen. Auf vier Großleinwänden werden 960 Minuten Film gezeigt, die mit weiteren Objekten, u.a. von James Cook, Adelbert von Chamisso und Charles Darwin, sowie Ulrike Ottinger im Dialog stehen.

Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
Montags - Mittwochs, Freitags, Samstags 11 - 19 Uhr
Donnerstags 13 - 21 Uhr
an Sonn- und Feiertagen geschlossen
Eintritt frei
blog.sbb.berlin

Fotoausstellung "Chamissos Schatten"

Vom 5. Dezember 2015 bis zum 27. Februar 2016 zeigt die Galerie Johanna Breede Photokunst die während der Drehreise in und um die Beringsee zu dem gleichnamigen Film entstandenen Fotografien von Ulrike Ottinger.

Galerie Johanna Breede Photokunst , Fasanenstraße 69, 10719 Berlin
Dienstag bis Freitag 11 - 18 Uhr
Samstag 11 - 16 Uhr
www.photography-now.com

Das Arsenal präsentiert zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 ausstellungsbegleitend fünf Werke von Ulrike Ottinger.

Im Dezember:
Dienstag, 8. Dezember 2015, 19 Uhr: "Johanna D´Arc of Mongolia", BRD 1989, in Anwesenheit von Ulrike Ottinger
Dienstag, 22. Dezember 2015, 19.30 Uhr: "Unter Schnee", D 2011
www.arsenal-berlin.de


Weitere Informationen zum künstlerischen Schaffen von Ulrike Ottinger unter:
www.ulrikeottinger.de und www.facebook.com/ulrikeottinger

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Unter Schnee, ein poetischer Dokumentarfilm von Ulrike Ottinger über das japanische Etchigo, das die Hälfte des Jahres "Unter Schnee" liegt. (2011)

"Die koreanische Hochzeitstruhe" (2009). Ursprünglich wollte Ulrike Ottinger nur einen Kurzfilm drehen, einen Beitrag für das Internationale Frauenfilmfestival in Seoul. Auf ihrer Koreareise sammelte sie aber so viel Material, dass ein abendfüllender Dokumentarfilm entstanden ist.

"Südostpassagen" ein Dokumentarfilm von Ulrike Ottinger In ihrem dreiteiligen essayistischen Dokumentarfilm erzählt die Regisseurin von kulturellen Begegnungen - auf einer Reise von Berlin durch Osteuropa, mit zwei Stadtexpeditionen: Odessa und Istanbul (2005)

"Zwölf Stühle" ein Spielfilm von Ulrike Ottinger (2005)

Bundesverdienstkreuz für Ulrike Ottinger im Januar 2009 - AVIVA-Berlin reflektiert ihre Arbeiten


Copyright Plakat der Ausstellung Weltreise: Gestaltung: zentrale


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Beitrag vom 03.12.2015

Helga Egetenmeier