Die Frau mit der Kamera – PortrĂ€t der Fotografin Abisag TĂŒllmann. Kinostart am 23. Juni 2016. Berlin-Premiere am 30. Juni im Kino am Bundesplatz - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 01.06.2016

Die Frau mit der Kamera – PortrĂ€t der Fotografin Abisag TĂŒllmann. Kinostart am 23. Juni 2016
Laura Seibert

Eine gelungene Hommage an die Fotografin, die mit der Regisseurin Claudia von Alemann eine mehr als 30-jĂ€hrige Freundschaft verband. In ĂŒber 500 Aufnahmen erzĂ€hlt das dokumentarische Filmessay Leben und Zeitgeschehen und lĂ€dt zur Kontemplation der Werke ein.



Abisag TĂŒllmann, geboren als Ursula Eva TĂŒllmann 1935 in Hagen, starb 1996 in Frankfurt am Main. Zwanzig Jahre spĂ€ter kommt nun ein Dokumentarfilm ĂŒber sie in die Kinos. Das besondere dieses Films ist der freundschaftliche und kĂŒnstlerische Blickwinkel der Regisseurin, die Abisag TĂŒllmann 1965 an der Hochschule fĂŒr Gestaltung in Ulm kennenlernte.

Spurensuche

Die Regisseurin begibt sich auf eine Spurensuche, die in Abisag TĂŒllmanns Kindheit beginnt, ĂŒber die sie nicht sonderlich viel zu erzĂ€hlen pflegte. Der tastenden Recherche bleibt die Antwort auf einige Fragen verwehrt. In ihrer Kindheit musste Abisag TĂŒllmann gemeinsam mit ihrer Mutter fliehen, denn diese wurde von den Nazis als "HalbjĂŒdin" verfolgt. Was genau mit Abisag TĂŒllmann und ihrer Mutter in der Zeit zwischen 1943-1945 geschah, lĂ€sst sich nicht mehr eindeutig rekonstruieren. Diese mangelnden Informationen sind keine SchwĂ€che des Films, vielmehr zeigt die Offenlegung des Rechercheprozesses die Intention der Filmemacherin: Ein möglichst wahrhaftiges PortrĂ€t der Freundin. Aus diesem Anliegen ist ein bewegender Film entstanden, der das Werk der Wahlfrankfurterin in seiner ganzen Bandbreite prĂ€sentiert.
Die Dokumentation zeigt deshalb grĂ¶ĂŸtenteils Fotografien von Abisag TĂŒllmann, um sie anhand ihres eigenen Werkes zu portrĂ€tieren, eingebettet in Aufnahmen von Zeitgenoss_Innen und der Regisseurin. Briefe, TagebucheintrĂ€ge und Interviews vervollstĂ€ndigen diesen Blick. Das zeitpolitische Geschehen der 60er bis 90er Jahre wird gegenwĂ€rtig, mit dem Abisag TĂŒllmanns Werk eng verbunden ist.

Die politische Fotografin

Ihre ersten Aufnahmen machte sie mit einer Fotobox in Avignon, zu diesem Zeitpunkt noch Studentin der Innenarchtiektur, wo sie Roma- und Sinti-Kinder traf und fotografierte. Das Studium der Innenarchitektur gab sie auf, und widmete sich gÀnzlich der Fotografie.
Ihr vielseitiges Werk reicht von Theaterfotografie ĂŒber PortrĂ€ts hin zu Reportagen, jedoch schrĂ€nkt sie den Gegenstand ihrer Arbeit nicht ein. Im Vordergrund stehen fĂŒr sie die Menschen, und die Bedingungen, mit denen sie umgehen mĂŒssen.
Mit der prĂ€zisen und bedachten Art, die charakteristisch fĂŒr die Fotografin ist, spricht sie ĂŒber die Wirkung ihrer Bilder:

"Wenn ich Leute dazu bringen kann, nachzudenken, halte ich das schon fĂŒr sehr viel."

Dass ihre Fotografien nicht nur nachdenklich stimmen, sondern auch zum Hinterfragen anregen, liegt zum einen an der Perspektive. Ihre Bilder sind nicht inszeniert, durch ihre eigene zurĂŒckhaltende Art und ihren unglaublichen Blick hĂ€lt sie Momente fest, in denen sogar "KĂŒnftiges" zu sehen ist, wie ihre Freundin Helma Schleif es ausdrĂŒckt.
Zum anderen liegt es an den Menschen und Situationen, die sie fĂŒr ihre Bilder wĂ€hlt. Sie fotografiert bei dem Auschwitz-Prozess in Frankfurt 1964, bei den Studierendenprotesten 67/68 ebenda, beschĂ€ftigt sich mit den postkolonialen Entwicklungen u.a. in Algerien und im ehemaligen Rhodesien (heutiges Simbabwe) oder erschafft eine PortrĂ€treihe von Obdachlosen. Nicht ohne Grund legte sie viel Wert darauf, nicht nur als Bildjournalistin zu gelten, sondern auch als Berichterstatterin.

Zwei ErzÀhlstrÀnge, vielfÀltige Perspektiven

Die unterschiedlichen Etappen von Abisag TĂŒllmanns Arbeiten werden in der Doku gezeigt und die Fotografien stets in ihrer Perspektive belassen. Zoomen kam dabei fĂŒr die Regisseurin nicht in Frage, denn die unverfĂ€lschte Perspektive der Freundin soll zum Tragen kommen. Die Bildsequenzen werden begleitet von einem Kommentar der Regisseurin, unterbrochen von bewegten Aufnahmen der Orte, zu denen sie fĂŒr ihre Recherche aufbrach.
Die Fotografien von Abisag TĂŒllmann sind ausschließlich Schwarz/Weiß, die Aufnahmen der Regisseurin hingegen in Farbe, wodurch ein lebhafter Kontrast entsteht, der sehr deutlich die zwei ErzĂ€hlstrĂ€nge unterscheidet. In einem kommt die Fotografin selbst durch ihre Aufnahmen zu Wort, der andere zeigt die bewegten Aufnahmen, die die Entstehung der Doku nachvollziehen und die Spurensuche der Regisseurin begleiten, meist in Panaromaeinstellung.

ErgĂ€nzend werden Interviews eingespielt, auch in Farbe gedreht, mit Barbara Klemm, einer Kollegin und Freundin, Helma Schleif und vielen anderen. In den 60er Jahren waren Barbara Klemm und Abisag TĂŒllmann in Frankfurt hĂ€ufig an den gleichen Orten des politischen Geschehens, fotografierten und warteten gespannt darauf, wessen Bilder am Tag darauf in den Frankfurter Zeitungen publiziert wurden. RĂŒckblickend erzĂ€hlt die Kollegin, dass sie noch wenige Tage vor Abisag TĂŒllmanns Tod zusammen im Labor standen, da sie alleine nicht mehr arbeiten konnte, aber auch nicht aufs Entwickeln verzichten wollte.

AVIVA-Tipp: Der Regisseurin Claudia von Alemann ist es zu verdanken, Abisag TĂŒllmann und ihr Werk mit dieser sehr sehenswerten Doku wieder- oder neu entdecken zu können. Das Talent und Engagement ihrer Freundin zu wĂŒrdigen, ist ihr in dem sensiblen PortrĂ€t mehr als gelungen.
Durch die sorgfĂ€ltige und aufwendige Recherche sowie die FĂŒlle der zusammengetragenen Informationen entsteht ein komplexes Mosaik, das in der Biographie fragmentarisch bleiben muss – gerade dadurch gewinnt der Film seine AuthentizitĂ€t. Die Aufnahmen der Fotografin lassen bei der Zuschauerin das GefĂŒhl entstehen, statt im Kinosessel zu sitzen, in die vielfĂ€ltigen RĂ€ume einer Ausstellung einzutauchen.

Mit Claudia von Alemann wird AVIVA-Berlin in KĂŒrze ein Interview fĂŒhren und veröffentlichen.

Die Frau mit der Kamera – PortrĂ€t der Fotografin Abisag TĂŒllmann
Deutschland 2015
Buch, Regie, Produktion: Claudia von Alemann
Kamera: Rolf Coulanges, Verena Vargas Koch, Peter Zach
Musik: José Luis de Delås, Bernd Keul
Verleih: Film Kino Text
LauflÀnge: 92 Minuten
Kinostart: 23. Juni 2016
Mehr Infos zum Film unter: www.diefraumitderkamera.de und filmkinotext.de

Zur Regisseurin: Claudia von Alemann ist 1943 in Seebach/ThĂŒringen geboren und in Köln aufgewachsen. Anfang der 60er Jahre studierte sie an der Freien UniversitĂ€t Berlin Kunstgeschichte und Soziologie, 1964 begann sie an der Hochschule fĂŒr Gestaltung in Ulm Film zu studieren. Mehrere Spielfilme entstanden unter ihrer Regie, unter anderem "Nebelland" (1981/82) und "Das Frauenzimmer" (1981). FĂŒr "Die Reise nach Lyon" (1978-80), ein Spielfilm, der von der französischen Frauenrechtlerin Flora Tristan handelt, realisierte Abisag TĂŒllmann die Fotografien. Das Buch "Das nĂ€chste Jahrhundert wird uns gehören. Frauen und Utopie 1830-1840" gab sie 1981 gemeinsam mit Dominique Jallamion und Bettina SchĂ€fer heraus. Von 1982 bis 2006 arbeitete sie als Professorin an der FH Dortmund im Fachbereich Design. Sie ist Mitglied der European Filmacademy Berlin und lebt mit ihrem Mann, dem kubanischen Filmregisseur Fernando Pérez in Havanna, Köln und Berlin.
Ihr Film Die Frau mit der Kamera – PortrĂ€t der Fotografin Abisag TĂŒllmann wurde nominiert fĂŒr den Hessischen Filmpreis 2015 in der Kategorie Dokumentarfilm.
Mehr Informationen zu Claudia von Alemann:
www.agdok.de
www.regisseurinnenguide.de

Die Fotografin Abisag TĂŒllmann: Ihr KĂŒnstlerinnenname "Abisag" kommt aus dem HebrĂ€ischen, sie wĂ€hlte ihn in der Zeit als sie anfing, zu fotografieren. Ende der 50er Jahre volontierte sie in Frankfurt am Main bei dem Werbefotografen Dieter Jörs, wĂ€hrendessen bekam sie erste AuftrĂ€ge, unter anderem von der Frankfurter Allgmeinen Zeitung und der Frankfurter Rundschau. In dieser Zeit wurde Frankfurt zu ihrer neuen Wahlheimat. Seit Anfang der 60er arbeitete Abisag TĂŒllmann als freiberufliche Bildjournalistin und publiziert Reportagen im Spiegel, in der Zeit, Magnum und Publik. 1964 begann sie mit der Theaterfotografie und dokumentierte Inszenierungen an SchauspielhĂ€usern in Berlin, BrĂŒssel und Wien und vielen anderen Orten. In den 70er Jahren ĂŒbernahm die Fotografin vielfĂ€ltige LehrauftrĂ€ge als Dozentin fĂŒr Reportagefotografie. Es entstanden Kontakte zu den Filmemacherinnen Jutta BrĂŒckner und Helke Sander, an deren Filmen "Tue recht und scheue niemand" (1975) und "Die allseitig reduzierte Persönlichkeit – Redupers" (1977) sie mit ihren Fotografien beteiligt war. 1993 erhielt sie den Reinhold-Kurth-Kunstpreis der Frankfurter Sparkasse, 1994 den Sibylla-Merian-Förderpreis des Hessischen Ministeriums fĂŒr Wissenschaft und Kunst. Am 24. September 1996 starb Abisag TĂŒllmann in Frankfurt am Main. Mit dem Erlös aus dem Archiv wurde 2008 die gemeinnĂŒtzige Abisag TĂŒllmann Stiftung gegrĂŒndet. Ihre Aufgaben sind die Förderung des kĂŒnstlerischen BildjournalimusÂŽ durch die Auslobung des Abisag TĂŒllmann Preises sowie die Publikation und Ausstellung des Werkes der Fotografin.
Mehr Informationen zu Abisag TĂŒllmann:
www.abisag-tuellmann-stiftung.de
www.deutschefotothek.de
Bildarchiv der deutschen Fotothek
Literatur von und ĂŒber Abisag TĂŒllmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Abisag TĂŒllmann im Online-Archiv des MMK Frankfurt

© Filmplakat: bpk (bpk Bildagentur fĂŒr Kunst, Kultur und Geschichte - Stiftung Preußischer Kulturbesitz)/Abisag TĂŒllmann


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Kultur Beitrag vom 01.06.2016 AVIVA-Redaktion 





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