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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 06.09.2016

Gr├╝sse aus Fukushima - Drehbuch und Regie Doris D├Ârrie. DVD, Blu-Ray und VoD ab 8. September 2016, Filmmusik von Ulrike Haage auf CD
Helga Egetenmeier

F├╝nf Jahre nach der Dreifachkatastrophe von Fukushima n├Ąhert sich Doris D├Ârrie mit ihrem Spielfilm den dort noch heute in Notunterk├╝nften lebenden Menschen. Zwei willensstarke Frauen, die...



...unterschiedlicher nicht sein k├Ânnten, treffen in diesem zerst├Ârten Gebiet mit ihrer Einsamkeit, Trauer und Schuld aufeinander und n├Ąhern sich, trotz aller kulturellen Unterschiede, einander an.

Mit dem Geigerz├Ąhler in der Hand und dem Schutzfilter vor dem Mund f├Ąhrt die junge Clownin Marie (Rosalie Thomass) durch die zerst├Ârte Landschaft der Pr├Ąfektur Fukushima. In Schwarz-Wei├č gedreht, verst├Ąrkt der farblose Kamerablick ihre Wahrnehmung der gespenstischen Umgebung. Sie hat sich von Deutschland nach Japan aufgemacht, um dort mit der Hilfsorganisation "Clowns4Help" f├╝r die Katastrophenopfer zu spielen.

Dabei trifft Marie auf Satomi (Kaori Momoi), die letzte Geisha Fukushimas, die nicht besonders erfreut ist ├╝ber die befremdliche Bespa├čung. Beide verbindet ihre Flucht vor der Vergangenheit und so ziehen sie zu zweit in Satomis verw├╝stetes Haus in der Sperrzone. Langsam kommen ihre traumatisierenden Erlebnisse, die ihnen den Boden unter ihren F├╝├čen wegzogen, an die Oberfl├Ąche.

Doris D├Ârrie, die ihre Faszination f├╝r Japan bereits in ihren Filmen "Erleuchtung garantiert" (2000) und "Kirschbl├╝ten - Hanamie" (2008) ausdr├╝ckte, reiste im November 2011, ein halbes Jahr nach den Katastrophen, ins japanische Fukushima. Dort erlebte sie Menschen, die noch immer nicht wirklich fassen konnten, was ihnen passiert war.

Nachdem D├Ârrie so den Ansto├č zu ihrem Film bekam, nutzte sie zur dessen Umsetzung auch die Kenntnisse von Moshe Cohen, der 1985 in den USA die Organisation "Clowns Without Borders" gegr├╝ndet hatte. Der seit 35 Jahren als Clown auftretende K├╝nstler, hier in seiner ersten Filmrolle, reist weltweit in Krisengebiete, um den Menschen dort das Schwere leichter zu machen.

Das Bonusmaterial der DVD bietet die M├Âglichkeit, mehr ├╝ber die Bedingungen der Dreharbeiten im Katastrophengebiet zu erfahren. D├Ârrie drehte dort mit einem kleinen Team und integrierte die in einer Temporary Housing Community lebenden Japanerinnen in die Handlung. Haupts├Ąchlich ├Ąltere Frauen, die ihre Vergangenheit verloren haben und f├╝r sich keine Zukunft sehen, leben weiterhin in diesen Wohncontainern au├čerhalb der Sperrzone.

Die Filmmusik kreierte Ulrike Haage mit einf├╝hlsamen und zur├╝ckgenommenem Arrangements, die sich nahezu unmerklich beif├╝gen. Sie nimmt dabei sowohl die Atmosph├Ąre der Schwarz-Wei├č-Bilder auf, wie auch die vielf├Ąltigen Gef├╝hle der ProtagonistInnen. Naturgewalten mit Rauschen und Donnern finden genauso in den St├╝cken Platz, wie der Song "Radiation Vacation", der die beiden ungleichen Frauen zu einem gemeinsamen Kurzurlaub aus der verbotenen Zone begleitet.

AVIVA-Tipp: Anhand einer ungew├Âhnlichen Frauenfreundschaft, verk├Ârpert von zwei beeindruckenden Schauspielerinnen, die sowohl Trauer wie auch Humor und St├Ąrke in ihrer K├Ârpersprache zeigen, erz├Ąhlt Doris D├Ârrie von den Katastrophen von Fukushima. Trotz aller Schwere, ist es auch ein leichter und anmutiger Film, der zeigt, dass es Wege gibt, den Willen f├╝r einen Neuanfang zu finden.

Auszeichnungen
Heiner-Carow-Preis 2016 der DEFA-Stiftung
CICAE Art Cinema Award 2016
Bayerischer Filmpreis 2016 f├╝r Rosalie Thomass als beste Darstellerin

Zur Regisseurin und Drehbuchautorin: Doris D├Ârrie lebt in M├╝nchen und z├Ąhlt seit mehr als 30 Jahren zu den wichtigsten Filmk├╝nstlerinnen Deutschlands und hat KritikerInnen- und auch Publikumserfolge wie die Kom├Âdien "M├Ąnner" (1985) und "Keiner liebt mich" (1994) sowie das ebenfalls in Japan spielende Roadmovie "Kirschbl├╝ten - Hanami" (2008) inszeniert. Zu ihren j├╝ngsten Kinoarbeiten z├Ąhlen der Dokumentarfilm "Dieses sch├Âne Scheissleben" (2014) ├╝ber weibliche Mariachi in Mexiko, der mit dem Bayerischen Filmpreis 2012 ausgezeichnete Liebesfilm "Gl├╝ck" (2012) und die Kom├Âdie "Die Friseuse" (2010). Zus├Ątzlich zu ihrer Filmarbeit ver├Âffentlicht Doris D├Ârrie Kurzgeschichten, Romane und Kinderb├╝cher und arbeitet als Professorin an der Hochschule f├╝r Fernsehen und Film M├╝nchen.
www.imdb.com

Zur Hauptdarstellerin: Rosalie Thomass, geboren 1987, gab ihr Kinodeb├╝t 2003 in dem Film "Emily will sterben" und wirkte seitdem in vielen weiteren Kinoproduktionen mit, darunter "Taxi" (2015), "Beste Chance" (2014) und "Kohlhaas oder die Verh├Ąltnism├Ą├čigkeit der Mittel" (2013), f├╝r den das gesamte Ensemble mit dem Deutschen SchauspielerInnenpreis geehrt wurde. F├╝r ihre Rolle in "Gr├╝sse aus Fukushima" wurde sie mit dem Bayerischen Filmpreis als Beste Darstellerin ausgezeichnet.
www.facebook.com/rosaliethomass

Zur Hauptdarstellerin: Kaori Momoi wuchs in Tokio auf und zog mit 12 Jahren nach London, um drei Jahre an der britischen Royal Academy of Dance zu studieren. Sie stand 1971 erstmals in "To Love Again" vor der Kamera, wurde in den folgenden Jahren eine der f├╝hrenden, mehrfach ausgezeichneten Schauspielerinnen Japans und spielte bis heute in mehr als 60 Filmen mit. Daneben verfolgt sie verschiedene Filmprojekte als Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautorin und ver├Âffentlichte als S├Ąngerin bereits 15 Alben.
www.imdb.com

Filmmusik: Ulrike Haage im Ruhrgebiet aufgewachsen, an der Hamburger Musikschule ausgebildet, lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist Komponistin und spielte in verschiedenen Bands, wie "Reichlich weiblich", "Goto" und den "Rainbirds". 2003 erhielt sie als erste Frau den Deutschen Jazzpreis f├╝r ihr bisheriges musikalisches Lebenswerk. Sie zeichnet auch f├╝r zahlreiche preisgekr├Ânte H├Ârspielproduktionen und Filmmusikkompositionen verantwortlich, 2014 wurde sie mit dem Deutschen Dokumentarfilm Musikpreis f├╝r "Meret Oppenheim - eine Surrealistin auf eigenen Wegen" ausgezeichnet.
www.ulrikehaage.com

Gr├╝sse aus Fukushima
Deutschland 2016
Drehbuch und Regie: Doris D├Ârrie
DarstellerInnen: Rosalie Thomass, Kaori Momoi, Nami Kamata, Moshe Cohen, u.a.
Bonusmaterial: Making-of, Verleihung des Bayerischen Filmpreises an Rosalie Thomass, Pressekonferenz Berlinale, Interviews mit Doris D├Ârrie, Rosalie Thomass, Kaori Momoi, Deleted Scenes, Trailer, TV-Spot, Fotogalerie
Inkl. H├Ârfilm f├╝r Sehbeeintr├Ąchtigte und Untertitel f├╝r H├Ârgesch├Ądigte, englische und deutsche Untertitel
Allgemeine Angaben DVD
Laufzeit DVD: ca. 104 Minuten + ca. 56 Minuten Bonus
Laufzeit BD: ca. 104 Minuten + ca. 97 Minuten Bonus
Verleih: Majestic Film
FSK: ab 12 Jahre
Release DVD / Blu-ray / Video on Demand: 08. September 2016

Mehr Infos zu "Gr├╝sse aus Fukushima" unter:
www.gruesseausfukushima.de




Ulrike Haage
Gr├╝sse aus Fukushima

Filmmusik, Audio-CD
Blue Pearls (Indigo)
V├ľ: 11.03.2016


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Die Friseuse - Ein Film von Doris D├Ârrie. Hauptdarstellerin Gabriela Maria Schmeide ist mit sofortiger Wirkung voll da, wirbelt resolut und wortgewaltig eine etwas hilflose, sp├Ąter dankbare Kundin herum, zelebriert ihr Metier und erz├Ąhlt derweil ihr extrem bewegtes Leben, beim F├Ąrben hat sie ja genug Zeit. (2010)

Doris D├Ârrie im Interview mit AVIVA-Berlin im Rahmen der Berlinale-Filmreihe "Eat, Drink, See Movies" zu ihrem Dokumentarfilm How To Cook Your Life ├╝ber einen Zen-Priester, der mit Kochkursen buddhistische Philosophie vermittelt. (2007)

Beste Gegend. "Auf Fahrtwind und Freiheit" ist das Motto der bayerischen Madels Jo und Kati. Getreu dieser Maxime wollen sie nach dem Abitur auf gro├če Weltreise gehen. Der Start gl├╝ckt, doch dann kommt alles anders als erwartet. (2007)

Die Geisha. Die Geschichte spielt in einer geheimnisvollen und exotischen Welt, die auch heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. (2006)

Ulrike Haage - In:Finitum. Exquisite Tonexperimente pr├Ąsentiert die allseits bekannte Pianistin auf ihrem dritten Soloalbum. Zwischen Wortlosigkeit und Klangkomfort, zwischen ausbalancierten und chaotischen Arrangements bewegt sich Ulrike Haage - ein Klanggenuss der Extraklasse. (2001)

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.clownswithoutborders.org

www.juedische-allgemeine.de: "Die Leichtigkeit des Schweren", ein Artikel ├╝ber Moshe Cohen und seine Arbeit als Clown in Krisengebieten (2016)


Kultur Beitrag vom 06.09.2016 Helga Egetenmeier 





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