Playing God - Dokumentarfilm. Regie Karin Jurschick. Kinostart 8. Februar 2018 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 01.02.2018

Playing God - Dokumentarfilm. Regie Karin Jurschick. Kinostart 8. Februar 2018
Helga Egetenmeier

Detailgenau porträtiert und recherchiert die Professorin für "Dokumentarfilm in den Bereichen Kino, Fernsehen, Kunst und digitale Medien" an der Hochschule für Fernsehen und Film München, Dokumentarfilmerin, Kulturredakteurin und Mitbegründerin des Internationalen Frauenfilmfestivals "Feminale", Karin Jurschick, das Arbeitsfeld des charismatischen Anwalts und Mediators Ken Feinberg. Als Entschädigungsspezialist verteilt dieser seit Jahrzehnten Milliarden an Geldern. So...



...arbeitete er nach dem Terroranschlag vom 11.09.2001 für den staatlichen Victim Compensation Fund. Bereits 1984 begann seine Karriere als Vermittler, als er im Fall Agent Orange zwischen Chemie-Firmen und Vietnam-Veteranen eine Einigung erzielte. Auch heute steht seine Kanzlei hinter spektakulären Entschädigungsklagen, wie dem sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche und dem VW-Abgasskandal.

Im Alltag begegnen uns die Fragen nach Entschädigungen am ehesten in den Medien. Nach der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg und dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz sind sie somit auch im heutigen Deutschland aktuell. Wer entscheidet, ob jemand eine finanzielle Entschädigung erhält? Wer rechnet aus, welchen Betrag die Opfer oder Hinterbliebenen erhalten? Welchen Wert hat ein Menschenleben?

Die renommierte Dokumentarfilmerin Karin Jurschick begleitet entlang dieser Fragen den langjährigen Entschädigungsspezialisten Ken Feinberg durch seinen Arbeitsalltag. Zwischen seinem Büro, den Gesprächen mit Betroffenen und ein paar Details aus seinem Privatleben, zeigt sie einen Menschen, der in seiner Arbeit aufgeht, sich aber auch deren beschränkter Möglichkeiten bewusst ist. So bezeichnet er seine Arbeit auch als "cruel justice".

So wie Ken Feinberg die Kamera in seinen Alltag eindringen lässt, scheint es ihm von großer Bedeutung zu sein, seine Entscheidungen transparent zu machen. Jurschick ergänzt seine Sicht mit einer ausführlichen Recherche seiner Arbeitsgebiete und zahlreichen Interviews. Dazu sprach sie auch mit Menschen, die Feinbergs Methodik im Ganzen oder im konkreten Einzelfall harsch kritisieren.

Wie viel Geld ein Menschenleben wert ist, so tragisch dessen Tod auch ist, bleibt für die Trauernden eine existenzielle Frage. Feinberg entscheidet und berechnet dies, und kann deshalb darlegen, warum das Leben eines Feuerwehrmanns, der am 11. September als Held in den Twin Towers ums Leben kam, etwa eine Million Euro weniger wert ist, als das eines Börsenmaklers.

Seine Auftraggeber sind neben dem Staat auch Wirtschaftskonzerne, wie der Ölmulti PB nach der Ölkatastrophe 2010 im Golf von Mexiko. Dieser schloss aufgrund der Arbeit von Feinberg mit mehr als 100.000 Zivilkläger*innen einen Vergleich, in dem Entschädigungszahlungen von 7,8 Milliarden US-Dollar vereinbart wurden. In der Autobranche war er bereits für General Motors tätig und ist nun von VW engagiert, um die drohenden Schadensersatz-Ansprüche durch klagende VW-Kund*innen außerhalb eines langwierigen Gerichtsverfahrens abzuwickeln.

Jurschick kombiniert in ihrem Dokumentarfilm vorhandenes Filmmaterial von Feinbergs bekanntesten Fällen mit Interviews der Menschen, die von seinen Entscheidungen direkt betroffen sind. Als einzige Mitarbeiter*in bezieht sie seine Geschäftsführerin Camille S. Biros mit ein, die sowohl über ihn als Mensch, wie auch über die gemeinsame Arbeit spricht. Es scheint, als ob für ihn kaum eine Trennung zwischen beruflichem und privatem Leben besteht, denn der Film zögert, ihn auch als Privatmenschen zu zeigen, der durch lautstarkes Opernhören von seiner Arbeit abschaltet.

AVIVA-Tipp: Mit ihrem Dokumentarfilmer weißt Karin Jurschick bemerkenswert deutlich auf einige zentrale Fragen der Gesellschaft hin. Ihr Protagonist symbolisiert diese als Mensch, bei dem persönliche Schicksale und Wirtschaftsinteressen aufeinander treffen, zwischen denen er mit Geld Gerechtigkeit herzustellen versucht. Es ist kaum auszuhalten, ihm bei dieser Arbeit zuzusehen und doch zeigt der Film, dass wir in einem Wirtschaftssystem leben, in der wir um die Frage nach dem unterschiedlichen Wert des Menschen nicht herum kommen.

Zur Regisseurin : Karin Jurschick, geboren 1959 in Essen, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Germanistik und Geschichte an der Universität Köln. 1984 gründete sie mit anderen das Internationale Frauenfilmfestival "Feminale" und engagierte sich dort 14 Jahre. Ab 1990 Kulturredakteurin der Stadtrevue Köln, ab 1995 freie Hörfunk- und Fernsehautorin, schrieb sie auch Artikel in Filmzeitschriften, hielt Vorträge und Lehrveranstaltungen. Ab dem Jahr 2000 führte sie Regie und produzierte lange Dokumentarfilme, für die sie verschiedene Auszeichnungen erhielt, darunter den Grimme-Preis 2004. Dazu gehören "Krieg und Spiele" (2016), "Die Wolke. Tschernobyl und die Folgen" (2011), "Zertifikat Deutsch" (2009) und "Die Helfer und die Frauen" (2003). Seit Oktober 2017 ist sie Professorin für "Dokumentarfilm in den Bereichen Kino, Fernsehen, Kunst und digitale Medien" an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Karin Jurschick ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm e.V. / AG DOK. Sie lebt und arbeitet in Köln, Berlin und München.
Mehr Infos unter: member.agdok.de

Zur Produzentin: Birgit Schulz absolvierte von 1978 - 1986 ein Lehramtsstudium in den Fächern Germanistik, Biologie und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn und arbeitete von 1987 - 1993 als Redakteurin und daneben als freie Fernsehautorin und Regisseurin. 1993 gründete sie ihre Dokumentarfilmproduktionsfirma "Bildersturm" in Köln. Seitdem arbeitet sie als Produzentin und Filmemacherin für die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten Deutschlands und ARTE. Der Fokus ihrer Produktionen liegt auf gesellschaftspsychologischen Stoffen und Portraits. Sie engagiert sich bei "Pro Quote Regie", dem Zusammenschluss von Regisseurinnen in Deutschland.
Mehr Infos unter: www.bildersturm-film.de und www.proquote-regie.de

Playing God
Deutschland 2017
Regie: Karin Jurschick
Buch: Karin Jurschick und Birgit Schulz
Kamera: Timm Lange
Schnitt: Anika Simon
Produktion: Birgit Schulz
Verleih: Real Fiction
Lauflänge: 90 Minuten
Kinostart: 08.02.2018

Weitere Informationen zu "Playing God" finden Sie unter: www.realfictionfilme.de

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Kultur Beitrag vom 01.02.2018 Helga Egetenmeier 





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