Waltz with Bashir - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kultur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Frauensommer 2018 - Mythos 68 WOHNE LIEBER UNGEW├ľHNLICH
AVIVA-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 15.10.2008

Waltz with Bashir
Margret M├╝ller

Ein emotional aufr├╝ttelnder, animierter Dokumentarfilm Ari Folmans, der die Erinnerung an seine Erlebnisse als Soldat im 1. Libanonkrieg sucht und ├╝ber die Erz├Ąhlungen seiner Kameraden wiederfindet.



Der Regisseur Ari Folman kann sich nicht erinnern, wie er den Libanon-Krieg 1982 durchlebt hat. Er war als Soldat der israelischen Armee in Beirut stationiert, nicht weit entfernt von dem Massaker von Sabra und Shatila. Auch das hat er vergessen. Wo war er? Was hat er gesehen und was getan? Er kann sich nicht erinnern, denkt nicht daran. Erst als ein Freund nach 20 Jahren von seinen Albtr├Ąumen berichtet, macht sich Ari Folman verwirrt auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit w├Ąhrend des Krieges. Er besucht alte Kameraden und erlangt durch deren Erinnerungen auch langsam seine eigene zur├╝ck. In surrealen Bildern erscheinen ihm die verdr├Ąngten Erlebnisse.

Entstanden ist keine gew├Âhnliche Dokumentation einer Person auf der Suche nach irgendeiner Vergangenheit, sondern ein die Genre-Grenzen der Filmkunst sprengender animierter Dokumentarfilm.
Die Entscheidung, alle Charaktere und Ereignisse des Filmes zu animieren, war ein brillanter Streich, der den Film vor vielen Gefahren wie unbewusster Kriegsglorifizierung oder der Fokussierung auf die m├Âglichst exakte Darstellung des Kriegsgemetzels fernhielt. Realisiert wurde die Animation von David Polonski, Art Director, und Yoni Goodman, Animation Director, die "Waltz with Bashir" zu einem packenden, hoch├Ąsthetischen Kunstwerk werden lie├čen.

Die realen Interviews sowie die Kriegserlebnisse konnten durch die Animation einschr├Ąnkungsfrei visualisiert werden, ohne zum Actionkino zu verkommen. Beeindruckende, k├╝nstlerisch anspruchsvolle und teilweise harte Bilder wahren die n├Âtige Distanz zwischen ZuschauerIn und Ereignis, eben genug, um dessen Schwere ertragen zu k├Ânnen - ohne Sch├Ânzumalen.
Besonders ergreifend ist die Erinnerung Folmans┬┤ Kameraden Ronny Dayags, des Anti-Helden, der als einziger Panzersoldat seiner Gruppe einen schweren Angriff ├╝berlebte und in der folgenden Nacht im Mittelmeer bis zu seiner Kompanie im S├╝den zur├╝ckschwamm. Trotz dieser Todeserfahrung ist er heute ein beunruhigend normaler, erfolgreicher Mann.
Die Nutzung der Animation erm├Âglicht vor allem die Konzentration auf die Essenz der Erinnerung. Ari Folman verarbeitet in diesem Film die Folgen des (Nicht-) Erinnerns, die posttraumatischen Erfahrungen werden von den Treffen mit Professorin Zahava Solomon - Expertin f├╝r posttraumatisches Stress-Syndrom - begleitet.



Insgesamt vier Jahre dauerte die Arbeit an "Waltz with Bashir", w├Ąhrend dieser Zeit brach der zweite Libanonkrieg aus, welcher zwar nicht explizit erw├Ąhnt wird, seine Schatten aber auf das Ergebnis des Films wirft.
Auch dies ist ein Grund f├╝r die hohe Aktualit├Ąt des Themas, eine neue Generation israelischer Soldaten zog in den Krieg und muss die Bilder, Erfahrungen und Taten nun verarbeiten.
Nicht unproblematisch ist die Darstellung des Massakers von Sabra und Shatila, hier ist Folman auf der einen Seite scharf in der Darstellung, dennoch ausweichend im Umgang mit der Schuld. Un├╝bersehbar sind in der Empfindung des Protagonisten, an dem die auf Lastwagen gepferchten Menschengruppen vorbeifahren, die Parallelen des Massakers mit dem Holocaust und im Speziellen mit Auschwitz.

50 endlose, halszuschn├╝rende Sekunden lang zeigen zu Ende des Films Kameraaufnahmen der Leichen des Massakers. So wollte Folman zeigen, dass es trotz der schonenden Animation um ein wahres, brutales geschichtliches Ereignis geht.
"Waltz with Bashir" befreit den Krieg von allen mystischen Heldenklischees, vom sexy Heros und der m├Ąnnlichen Potenz, die Feldsoldaten in Israel immer noch hinterhergesagt wird: Was ├╝brig bleibt, sind junge M├Ąnner in Todesangst, Schuld und Scham, schreckliche, ├╝berfordernde Situationen, die zu hart und gro├č sind, als dass man sie im Ged├Ąchtnis behalten und damit weiterleben k├Ânnte. Der Film ist der individuelle Weg Ari Folmans zur Verarbeitung der eigenen brutalen und traumatischen Kriegserlebnisse mit einer zutiefst ern├╝chternden Schlussfolgerung: "Krieg ist so unglaublich unn├╝tz. Und er hat nichts damit zu tun, was man in amerikanischen Filmen sieht. Kein Glamour, keine Glorie. Nur junge M├Ąnner, die ins Nirgendwo gehen, die auf Menschen schie├čen, die sie nicht kennen, und die dann nach Hause gehen und zu vergessen versuchen. Manchmal gelingt es ihnen. Meist gelingt es ihnen nicht."

Auf dem Film Festival Cannes 2008 hat "Waltz with Bashir" breite, begeisterte Resonanz gefunden, in Israel ist er der meistdiskutierte Film des Jahres. "Waltz with Bashir" wirft wichtige Diskussionen und Gedanken zur Sinnlosigkeit des Krieges, zur Verarbeitung der Kriegstraumata einer ganzen Nation auf. Ab dem 6. November 2008 wird "Waltz with Bashir" auch in Deutschland zu sehen und diskutieren sein.
Von der Filmbewertungsstelle wurde "Waltz with Bashir" mit dem "Pr├Ądikat besonders wertvoll" ausgezeichnet und gewann im September 2008 den Best Film Award der Israeli Film Academy Awards OPHIR 2008 und au├čerdem Preise in den Kategorien Artistic Design, Editing, Soundtrack Design, Direction und Script. Damit ist "Waltz with Bashir" Israels Wettbewerbsbeitrag f├╝r die Oscars 2009.

AVIVA-Tipp: Dies ist einer der wichtigen Filme des Jahres, nicht nur f├╝r die israelische Gesellschaft, sondern f├╝r die Deutsche, die in den bequemen Sesseln vor dem Fernseher die wahre H├Ąrte eines Krieges verkennt und entspannt die Tagesnachrichten entgegennimmt. Der Film w├╝hlt auf, f├╝hrt die ├ťberfl├╝ssigkeit von Kriegen eindr├╝cklichst vor Augen und ist dabei auch stilistisch ein Meisterwerk. "Waltz with Bashir" ist innovativ, von Soundtrack zu Bildkomposition bis zu Szenenaufbau.

Weitere Infos:
www.waltz-with-bashir.pandorafilm.de
waltzwithbashir.com

Waltz with Bashir
Israel, Deutschland, Frankreich 2008
Animierter Dokumentarfilm, 35mm, Farbe
Regie + Drehbuch + Produktion: Ari Folman
Animation: Bridgit Folman Film Gang
Art Director + Illustrator: David Polonsky
Chef-Animator: Yoni Goodmann
Verleih: Pandora Film
FSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 6. November 2008

Lesen Sie auch die Rezension zum Soundtrack "Waltz with Bashir" auf AVIVA-Berlin.

Kultur Beitrag vom 15.10.2008 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken