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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 19.02.2009

Born in Flames. Ein Film von Lizzie Borden
Stefanie Denkert

Der nun endlich am 2. März 2009 auf DVD erscheinende lesbisch-feministische Klassiker aus dem Jahre 1983 zelebriert den Kampfgeist und autonomen Aktionismus, wie wir ihn von den mutigen Frauen ...



... kennen, die ihren Protest in den späten 1960ern auf die Straße trugen.

"Born in Flames" entwirft ein utopisches Amerika, das zehn Jahre nach einer Revolution nun in einer sozialistischen Demokratie lebt. Auch in dieser angeblich gerechteren Gesellschaft sind Sexismus und Rassismus weiterhin im alltäglichen Leben fest verankert.

Eine Krise auf dem Arbeitsmarkt macht das besonders deutlich: die ersten, die entlassen werden sind Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten. Eine militante Gruppe von Frauen, die sich als die "Army" bezeichnet, hat sich bereits formiert, um für den Schutz von anderen Frauen zu sorgen. Sie patrollieren in den Städten auf Fahrrädern und stellen sich den Tätern sexueller Übergriffe in den Weg. Fotos von Vergewaltigern veröffentlichen sie auf Plakaten in der ganzen Stadt, Gebäudemauern besprühen sie mit Wahrheiten über die Unterdrückung von Frauen.

Zu dem zehnten Jahrestag der sozialistisch-demokratischen Revolution soll jedoch der Anschein einer glücklichen Bevölkerung öffentlich demonstriert werden. Der Regierung ist die selbstjustizübende Gruppe somit ein Dorn im Auge, schließlich zeigen die deshalb als "Terroristinnen" denunzierten Frauen die Fehler im System auf. Als deren Anführerin jedoch unter dem Druck der Regierung zusammenbricht und sich im Gefängnis das Leben nimmt, begreifen viele erst, wie ernst die Lage wirklich ist.

Eine stetig wachsende Anzahl von Frauen will nicht mehr nur darauf hoffen, dass eines Tages Gleichberechtigung in allen Köpfen verankert sein wird, sondern aktiv werden. Immer mehr Frauen schließen sich daher den Aktionen von der "Army" an und beginnen, mit ihnen zu demonstrieren. Die Regierung versucht derweil, gegen die wachsende Unruhe mit einem neuen Programm anzugehen und schlägt als Lösung für die Massenarbeitslosigkeit von Frauen die Entlohnung von Hausarbeit vor. Die Frauen wollen sich jedoch nicht an den ´Herd´ zurückdrängen lassen.

Mittlerweile sind Radiomoderatorin Honey und ihre Anhängerinnen auch davon überzeugt, den Kampf gegen die Machtinhaber aufnehmen zu müssen. Für Honey als lesbische Afroamerikanerin aus armen Verhältnissen steht dabei fest: im Kampf gegen Unterdrückung müssen Frauen aller Hautfarben, sozialer Schichten und sexueller Orientierungen sich solidarisch vereinen. Die Revolution beginnt ...

Lizzie Borden ist es gelungen, einen feministischen Science-Fiction-Film zu drehen, der sämtliche Kritikpunkte innerhalb und außerhalb der Neuen Frauenbewegung behandelt. Es ist bemerkenswert, wie mit pointierten Dialogen und aussagekräftigen Bildern Rassismus, Klassismus, Sexismus und Heterosexismus thematisiert werden, ohne dass dabei nur an der Oberfläche gekratzt wird. Die Low-Budget-Produktion gibt "Born in Flames" den authentisch anmutenden Look eines Zeitdokuments, der durch seinen dokumentarischen Stil weiter unterstrichen wird. Das utopische Setting des Films ermutigt die ZuschauerInnen, mit einem frischen Blick den Stand der Gleichberechtigung in der Gesellschaft, in der sie leben, neu zu betrachten und zu überdenken.

Es überrascht also nicht, dass "Born in Flames" großen Einfluss auch auf spätere Filmemacherinnen hatte. Beispielsweise beschäftigte sich der amerikanische Independentfilm "A Gun for Jennifer" (1996), von und mit Deborah Twiss, ebenfalls mit feministischer Selbstjustiz. Darin schließt sich die Protagonistin Jennifer einer Frauen-Gang an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Vergewaltigungsopfer zu rächen. Und zuletzt hat sich Jamie Babbit mit ihrem Politmärchen "Itty Bitty Titty Committee", das 2008 in die deutschen Kinos kam, direkt auf "Born in Flames" bezogen. Babbit erklärte der L-Mag: "Ich liebe diesen Film. Und sie (Lizzie Borden) ist jemand, die lange vor mir kam und mich total inspiriert hat."

Den revolutionären Gedanken aus Bordens Klassiker hat Jamie Babbit in "Itty Bitty Titty Committee" aufgegriffen und dabei feministischen Aktivismus äußerst unterhaltsam in Szene gesetzt. Im Zentrum des Films steht die radikalfeministische Frauengrupe C.I.A. (Clits in Action), deren post-adoleszente Mitglieder mit jugendlichem Eifer den Kampf gegen das Patriachat aufnehmen, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Wie auch Babbits Film zeigt, kann man leider nur zu dem Schluss kommen, dass die Thematik von "Born in Flames" immer noch hoch aktuell ist und auch heute noch zum Aktivismus inspirieren kann.

Infos zu Lizzie Borden: 1958 als Linda Elizabeth Borden geboren, machte ihren Abschluss am Wellesley College in Massachusetts bevor sie nach New York zog, um als Künstlerin und Kritikerin zu arbeiten. 1976 entstand "Regrouping", das erste Werk der Autodidaktin, doch erst mit "Born in Flames" (1983) gelang ihr ein Publikumshit. Drei Jahre später erschien "Working Girls", ein Film über die lesbische Fotografin Molly, die als Prostituierte arbeitet, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nach einigen Arbeiten für die Horrorfernsehserie "Monsters" ging Borden nach Hollywood und filmte mit Sean Young "Love Crimes" (1991), der sich mit erotischen Fantasien befasst. Die weibliche Sexualität erkundetet sie ebenfalls in der Serie "Inside Out", einer Playboy Produktion, sowie in dem Filmsegment "Let´s Talk About Sex" über eine Angestellte einer Telefonsex-Hotline.

Born in Flames
USA 1983, 80 Min.
Regie: Lizzie Borden
DarstellerInnen: Honey, Adele Bertei, Jean Satterfield, Florynce Kennedy, Kathryn Bigelow u.a.
Englische Originalfassung
Verleih: Salzgeber
DVD-Erscheinungstermin: 02. März 2009

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Rezension zu "A Gun for Jennifer"
Rezension zu "Itty Bitty Titty Committee"

Dieser Text ist zuerst erschienen in der ersten Ausgabe der "Sissy", Homosexual´s Film Quarterly (www.sissymag.de)

Kultur Beitrag vom 19.02.2009 AVIVA-Redaktion 





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