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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 13.09.2010

Mammuth - Ein Film von Beno├«t Del├ępine und Gustave Kervern
Miriam Hutter

Nach "Aaltra" und "Luise hires a contract killer" kommt nun der neue Film des Regisseurduos ins Kino. Gro├čartige DarstellerInnen wie Yolande Moreau und Miss Ming sowie ein brillanter D├ępardieu,...



... der einen sympathischen Anti-Helden verk├Ârpert.

Wie schon in "Aaltra", dem ersten Publikumshit des Erfolgsgespanns Del├ępine und Kervern, wo eine Traktormarke titelgebend war, zeichnet sich auch in ihrem neuesten Film eine Motorradmarke f├╝r die Namensgebung verantwortlich. Und nat├╝rlich wurde das lustige Wortspiel, auf das sich die Presse einlassen w├╝rde, von den Regisseuren schon mitgedacht. Mammuth ist der Spitzname f├╝r Serge Pilardosse, der ein Motorrad der Marke M├╝nch Mammut f├Ąhrt. Und an Mammut, das ausgestorbene Elefantentier, erinnert G├ęrard Depardieu in der Rolle des Pilardosse: durch seine Art, sich durch eine Welt zu bewegen, die nicht die richtige f├╝r ihn zu sein scheint

In "Mammuth" wird nicht, wie im Vorg├Ąngerfilm der Regisseure "Louise hires a contract killer", die gesamte Belegschaft entlassen, sondern es ist nur der gutm├╝tige "Mammuth" Pilardosse, der nun in Rente gehen soll. Zu seinem Abschied liest ihm der Chef der Fleischfabrik f├╝r die er gearbeitet hat die Abschiedsrede vor, begleitet von den Kauger├Ąuschen der demoralisierten Mitarbeiter, die zur Feier des Tages Kartoffelchips bekommen haben.

Doch was l├Ąsst sich nun als frischgebackener Rentner mit der neu gewonnenen freien Zeit anfangen?
Die Regisseure zeigen das auf gewohnt komische Weise: Pilardosse versucht es mit puzzeln (das Spiel war das sch├Âne Abschiedsgeschenk seiner Fabrik), mit dem Z├Ąhlen von Autos, und mit der ├ťbernahme neuer Aufgaben im Haushalt, der sonst wohl eher Sache seiner Frau Catherine (wie immer gro├čartig: Yolande Moreau) war. J├Ąmmerlich scheitert Pilardosse bei dem Reparieren der Toilettent├╝r, das Einkaufen im Supermarkt artet in einen Austausch von Beleidigungen mit dem Metzgerangestellten Monsieur Jambon aus. Dabei hatte Pilardosse doch nur versucht ein fachm├Ąnnisches Gespr├Ąch ├╝ber Fleisch zu f├╝hren.

Genau das aber ist sein Problem: seine Umwelt bringt Pilardosse wenig Verst├Ąndnis entgegen. Einzig seine Frau scheint wirkliche Zuneigung f├╝r ihn zu empfinden, wenn sie ihn auch immer antreiben muss, die Dinge richtig anzupacken.
So ist es auch Catherine, die ihn auf eine Reise schickt, auf der er Arbeitszeugnisse, die er zur Aufbesserung der Rente ben├Âtigt, einsammeln soll.

Diese Reise, zu der die schon angestaubte "Mammuth" aus der Garage geholt wird, f├╝hrt Pilardosse zu seinen ehemaligen Arbeitgebern, die ihm durchweg ausgesprochen wenig Respekt entgegen bringen, um schlie├člich bei seiner Nichte Miss Ming anzukommen. Auf seinem Weg trifft Pilardosse immer wieder auf seine erste Liebe, dargestellt von Isabelle Adjani.

Die Regisseure f├╝hlen sich keinesfalls einem bestimmten Genre verpflichtet: anders als in den Vorg├Ąngerfilmen halten in ihrem neuen Film auch zarte-poetische Momente Einzug, die vor allem in den Szenen mit Miss Ming zu finden sind. Sie hat sich selbst in eine Welt getr├Ąumt in der man sich mit Nasenkniffen begr├╝├čt und seinem ureigenen Arbeitsrhythmus nachgehen kann, weshalb sie auch keine Arbeit au├čerhalb ihres K├╝nstlerinnendaseins findet.

So ├╝bt der Film einerseits Kritik an den Absurdit├Ąten des Arbeitslebens (wobei wie immer bei Del├ępine und Kervern die kleinen ArbeiterInnen im Mittelpunkt stehen), auf der anderen Seite sehen die ZuschauerInnen die Entwicklungsgeschichte eines Rentners und die tragisch-komische Reise eines Mannes zu sich selbst.

AVIVA-Tipp: "Mammuth" ist Satire, Tragikkom├Âdie und leiser Liebesfilm in einem. Manchmal lustig, manchmal schon zu albern, finden sich aber auch melancholische Momente in diesem Film. G├ęrard Depardieu ist einfach gro├čartig als sympathischer Anti-Held Pilardosse! Und Yolande Moreau, die seine schrullige Ehefrau spielt, wie auch Miss Ming als Miss Ming sind es ebenfalls.

Zu den Regisseuren: Beno├«t Del├ępine & Gustave Kervern haben ihr Handwerk w├Ąhrend ihrer 15-j├Ąhrigen T├Ątigkeit als Autoren und Interpreten von Sketches f├╝r das Fernsehen erlernt. Beno├«t, 1958 geboren, war Mitarbeiter der ersten Stunde bei der Sendung "Guignols de l`Info". Gustave, 1962 geboren, deb├╝tierte bei "Plein de Super" (eine Rockshow). Sie haben sich vor neun Jahren getroffen, als sie f├╝r Groland arbeiteten - eine liberale Sendung, die es ihnen erm├Âglichte, neue Erz├Ąhltechniken zu testen und kleinere, komplexere Geschichten zu produzieren. Bei "Toc Toc Toc", einer Komikserie, haben sie sich wieder gefunden, wo sie auf Maurice Pialat trafen, der sie aufforderte, sich im Kino zu versuchen. Ihr erster gemeinsamer Film "Aaltra", eine Kom├Âdie mit viel schwarzem Humor, wurde auf zahlreichen internationalen Festivals gezeigt. Der zweite Film "Avida" ist eine metaphysische und surrealistische Kom├Âdie. Zu seinem vorletzten Film "Louise hires a contract killer" lie├č sich das Humor-Duo von seiner eigenen Serie "Don Quichotte de la r├ęvolution" inspirieren. (Quelle: Presseinformation)


Mammuth
Frankreich 2010
89 Minuten
Regie und Drehbuch: Beno├«t Del├ępine & Gustave Kervern
Produzenten: Jean-Pierre Guerin, No Money Productions und Christophe Valette
DarstellerInnen: G├ęrard Depardieu, Yolande Moreau, Isabelle Adjani, Beno├«t Poelvoorde, Miss Ming, Albert Delpy, Gustave Kevern, Bernard Geoffrey
Verleih: X Verleih
Kinostart: 16. September 2010

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Louise hires a contract killer"

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Kultur Beitrag vom 13.09.2010 AVIVA-Redaktion 





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