Retrospektive zu Gertrude Sandmann vom 11. Februar bis 1. Mai 2011 im HAUS am KLEISTPARK - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kultur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Frauensommer 2018 - Mythos 68 WOHNE LIEBER UNGEW├ľHNLICH
AVIVA-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.01.2011

Retrospektive zu Gertrude Sandmann vom 11. Februar bis 1. Mai 2011 im HAUS am KLEISTPARK
AVIVA-Redaktion

K├╝nstlerin, J├╝din, Lesbe, Mitstreiterin der Alten und Neuen Frauenbewegung - pr├Ąsentiert werden mehr als 80 Werke der 1981 verstorbenen Malerin. Sie geh├Ârte zu den von den Nationalsozialisten...



...offiziell als "entartet" verfemten K├╝nstlerInnen und hatte als J├╝din schon ab 1935 offizielles Malverbot. Nach dem 2. Weltkrieg war sie lange Jahre vergessen. Nun ist Sandmann gleich an zwei Orten wieder in Sch├Âneberg pr├Ąsent ÔÇô eine sp├Ąte, aber verdiente Ehrung:

Mit einer Kunstausstellung im HAUS am KLEISTPARK von ├╝ber 100 Grafiken und Pastellen, in der dar├╝ber hinaus auch Dokumente ihres Lebens (darunter Fotos, Tageb├╝cher und Publikationen) zu sehen sind und mit einem Biografischen Album in der Kulturhistorischen Ausstellung "Wir waren Nachbarn ÔÇô 136 Biografien j├╝discher Zeitzeugen" im Rathaus Sch├Âneberg.

┬ę HAUS am KLEISTPARK. Gertrude Sandmann 1972 in ihrem Atelier in der Eisenacherstra├če 89. Fotografin: Eva R├╝lf-Kollwitz, Nachlass von Gertrude Sandmann.


Vor drei Jahren wurden viele Werke von Gertrude Sandmann durch die Kunsthistorikerin Dr. Anna Havemann in einem privaten Nachlass wiederentdeckt. Dabei ist auch bekannt geworden, dass Gertrude Sandmann eine besondere Beziehung zum HAUS am KLEISTPARK hatte: ├ťber 70 Zeichnungen wurden hier 1968 zusammen mit Arbeiten der Bildhauerin Annemarie Haage ausgestellt. Dokumente dar├╝ber waren im HAUS am KLEISTPARK verschollen. Auch bei den Recherchen ├╝ber ehemalige j├╝dische B├╝rgerinnen und B├╝rger im Bezirk f├╝r die Ausstellung "Wir waren Nachbarn" im Rathaus Sch├Âneberg war bisher niemand auf ihre Geschichte gesto├čen.

Dabei geh├Ârt Gertrude Sandmann zu den etwa 1.700 Juden in Berlin, die versteckt ├╝berlebt haben. Nach einem fingierten Selbstmord wurde sie von ihrer damaligen Lebensgef├Ąhrtin Hedwig Koslowski in der Eisenacher Str.103 in Sch├Âneberg versteckt. Sp├Ąter bekam sie als "Verfolgte des Naziregimes" ganz in der N├Ąhe vom Senat eine Wohnung zur Verf├╝gung gestellt. Hier lebte Gertrude Sandmann gemeinsam mit ihrer Partnerin Tamara Streck bis zu ihrem Tod in einfachen Verh├Ąltnissen von Wiedergutmachungsgeldern und Strecks geringem Lohn als Kraftfahrerin, finanziell unterst├╝tzt von der Familie Kollwitz.

Es besteht eine starke inhaltliche N├Ąhe der Person Sandmanns zu den explizit frauenthematischen Schwerpunkten des HAUS am KLEISTPARK, in dessen R├Ąumen in den letzten 28 Jahren insbesondere K├╝nstlerinnen und deren Vereinigungen gef├Ârdert wurden. Da Gertrude Sandmann Anfang des vorigen Jahrhunderts als Frau noch nicht an einer Kunst-Akademie studieren durfte, besuchte sie die Schule des Vereins Berliner K├╝nstlerinnen und wurde 1926, nachdem sie unter anderem auch privaten Unterricht bei K├Ąthe Kollwitz hatte, zum Gr├╝ndungs-Mitglied der GEDOK (Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer K├╝nstlerinnenvereine aller Kunstgattungen), der ersten ├╝berregionalen K├╝nstlerinnen-Vereinigung.
Sie, die als J├╝din die GEDOK in der NS-Zeit verlassen musste, war dennoch bei der Nachkriegs-Neugr├╝ndung 1960 wieder dabei. Zum 50. Jahrestag der GEDOK war sie im September 2010 in der gro├čen Ausstellung im HAUS am KLEISTPARK mit einigen Arbeiten vertreten.

Gertrude Sandmann war engagiert in der Alten und Neuen Frauen- und der Lesbenbewegung. Zeit ihres Lebens k├Ąmpfte sie um ihr Recht auf Selbstbestimmung und bekannte sich ├Âffentlich zu ihrer Homosexualit├Ąt. In den 1970er Jahren unterst├╝tzte Sandmann viele diesbez├╝gliche Projekte. Sie war unter anderem Gr├╝ndungsmitglied des Coming Out Verlages und der Gruppe L 74 ÔÇô der ersten Gruppe ├Ąlterer lesbischer Frauen. Auch war sie als Illustratorin an der Zeitschrift "UkZ ÔÇô Unsere Kleine Zeitung" beteiligt und ver├Âffentlichte dort auch Artikel.

┬ę HAUS am KLEISTPARK. Gertrude Sandmann und ihre Lebensgef├Ąhrtin Hedwig Koslowski, mit deren Hilfe sie die Shoah ├╝berlebt hat, ca. 1950, Foto: Privatbesitz.


Mit 86 Jahren starb Gertrude Sandmann am 06. Januar 1981 in Berlin, nachdem sie bis zum Ende ihres Lebens k├╝nstlerisch und frauenpolitisch aktiv war.

Die Ausstellungsgestaltung:

┬ę AVIVA-Berlin. Die Ausstellungsr├Ąume im HAUS am KLEISTPARK.


Die Ausstellung wurde so konzipiert, dass die Trennung der Biographie Sandmanns und ihrer Kunst auch r├Ąumlich nachvollzogen werden kann. Bewusst beengend wurde der Bereich gestaltet, der ihre Jahre im Untergrund thematisiert. Stellw├Ąnde und Achsen separieren dar├╝ber hinaus die verschiedenen Themenbereiche ihrer Arbeiten, wobei ein Schwerpunkt auf den Frauendarstellungen der K├╝nstlerin liegt.
In Vitrinen werden Tagebuchausz├╝ge und Zeichenutensilien ausgestellt, sowie Ausz├╝ge von Wortbeitr├Ągen in der lesbischen Frauenpresse.

Was als vorherrschender Eindruck der bemerkenswerten Ausstellung zur├╝ckbleibt, ist das Erstaunen ├╝ber eine K├╝nstlerin, deren Faszination f├╝r Details und die Sch├Ânheit des Alltags, deren unbezwingbarer innerer Antrieb zum Malen und Zeichnen alles Leid und alle ├Ąu├čeren Zw├Ąnge und zeitgeschichtlichen Fesseln ├╝berdauerte. Wie konnte eine solche Pers├Ânlichkeit f├╝r so lange Zeit in Vergessenheit geraten?
Das Kunstamt hofft nun, dass einige Werke in die "Berlinische Galerie" kommen, so dass die K├╝nstlerin nicht mehr ganz vergessen wird!

┬ę AVIVA-Berlin. v.l.n.r.: Katharina Kaiser, Leiterin des HAUS am KLEISTPARK, Dr. Anna Havemann, Ausstellungskuratorin und Autorin, Felix Nolze und Paul Beaury, Designer und Gestalter der Ausstellung, Dr. Nora Pester, Hentrich&Hentrich-Verlag.


Literatur zu Gertrude Sandmann:




Im Februar 2011 erschien im Verlag Hentrich&Hentrich in der Reihe J├╝dische Miniaturen die Biographie Gertrude Sandmann. K├╝nstlerin und Frauenrechtlerin von Dr. Anna Havemann.
Lesen Sie die Rezension auf AVIVA-Berlin: "AnnaHavemann - Gertrude Sandmann. K├╝nstlerin und Frauenrechtlerin"
Weitere Infos finden Sie auf den Verlagsseiten:
www.hentrichhentrich.de

Veranstaltungsorte:

HAUS am KLEISTPARK, Grunewaldstr. 6-7, 10829 Berlin (U-Bhf Kleistpark (U7), Bus M48)
├ľffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10-19 Uhr, Eintritt frei
www.hausamkleistpark-berlin.de

Rathaus Berlin-Sch├Âneberg, John-F.-Kennedy-Platz, 10825 Berlin (U-Bhf Rathaus Sch├Âneberg (U4), U-Bhf Bayerischer Platz (U7), Bus M46, 104)
├ľffnungszeiten: ganzj├Ąhrig samstags bis donnerstags 10-18 Uhr, Eintritt frei
www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Wir waren Nachbarn. Biografien j├╝discher Zeitzeugen"

"Keine Tochter aus gutem Hause ÔÇô Johanna Elberskirchen, 1864-1943"



(Quellen: HAUS am KLEISTPARK, Eintrag in: "Out! 800 ber├╝hmte Lesben, Schwule und Bisexuelle" von Axel Schock und Karen-Susan Fessel. Querverlag 2004. S. 245.)

Kultur Beitrag vom 12.01.2011 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken