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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 14.01.2011

Black Swan - ein Film mit Natalie Portman
Ute Vetter

Nina qualifiziert sich f├╝r die Hauptrolle des wei├čen Schwans im ber├╝hmten Ballett von Tschaikowsky. Auf der unausweichlichen Suche nach dem kraftvoll-erotisch schwarzen Schwan begegnet die ...



... angespannte Primaballerina sich selbst. Die Welt in ihr wird massiv ersch├╝ttert und beginnt sich zu verschieben. Erschreckende Phantasien und zerst├Ârerische Prozesse des Ichs werden auf der Leinwand sichtbar.

Boxen oder Ballett?

Nach diesem Film wird sich kein M├Ądchen mehr freiwillig zum Ballett anmelden oder eine Mutter wollen, dass ihre Tochter ihr Herz an Tutus verliert. Unsichtbare, physische und psychische Verletzungen, die die Kunst in sich birgt, erhalten hier den Status des Grauens. Boxen wird durch Frauen und M├Ądchen nach dem Kinobesuch garantiert regen Zulauf bekommen, denn es f├Ârdert im Gegensatz zum Ballett Selbstbewusstsein, Zielstrebigkeit, Attraktivit├Ąt und Kreativit├Ąt.

Der Film Black Swan zeichnet ein durch und durch anstrengend verformtes ├╝berstrapaziertes Weiblichkeitsbild in einer zwanghaft-konventionellen Ballettwelt.

M├Ąnnliche Phantasien tropfen wie hochkonzentrierte L├Âsungen aus Pipetten auf die Leinwand, und langweilige Klischees ├╝ber Frauen und ihre K├Ârper reihen sich in dichter Folge aneinander: Eine ehrgeizig strenge Mutter, die ihre ambitionierte Karriere als T├Ąnzerin aufgab und zum ├╝berwachenden Monster der Tochter mutiert, eine abdankende Primaballerina, die selbstzerst├Ârerisch durch ein Autounfall verungl├╝ckt und ein neuer Ballettstern, der durch sexuell ├╝bergriffiges Gebaren des charismatischen Regisseur gel├Ąutert werden sollÔÇŽ Last but not least eine Zweitbesetzung der Schwanenrolle, die zu einer umwerfend anziehenden Konkurrentin stilisiert wird.

Wenn frau die leise aufkommende Wehmut ├╝ber diese b├Âsen Bilder unterdr├╝cken oder humorvoll dar├╝ber hinwegsehen kann, wird der Kinobesuch dennoch vielversprechend, atemberaubend und unterhaltsam.

Das New York City Ballett wird seine Saison mit Tschaikowskis "Schwanensee" er├Âffnen. Der Ballettdirektor und Regisseur Thomas Leroy (Vincent Cassel) w├Ąhlt aus der Company des Hauses f├╝r die klassische Doppelrolle des schwarzen/wei├čen Schwans Nina (Natalie Portman) aus. F├╝r die erkorene Primaballerina k├Ânnte es endlich zum ertr├Ąumten Durchbruch kommen, doch der Direktor beginnt an ihr zu zweifeln, weil Nina die verf├╝hrerisch-dunklen Seite des schwarzen Schwans nicht ├╝berzeugend darstellt. Der Druck auf Nina w├Ąchst.

Die Rolle ist nicht nur durch die Erwartungen des Regisseurs und der ehrgeizigen Mutter Ninas gef├Ąhrdet, sondern vor allem durch die entspannte, mit Sexappeal und dunkler Lust gesegnete Konkurrentin Lily (Mila Kunis). Die Hoffnung auf die ganz gro├če Karriere und der Versuch, ihre Blockaden zu ├╝berwinden, werden f├╝r Nina zu einem sich ausweitenden unertr├Ąglichen Alptraum. Die Psyche einer aufstrebenden Ballerina wird langsam entbl├Ąttert.

Changieren zwischen Psychothriller und Drama

Den Film pr├Ągen die gro├čen Motive des ber├╝hmten Balletts "Schwanensee". Es dominieren die unbunten Farben Schwarz und Wei├č in besonders dramatischen Momenten. Die Musik Tschaikowskys variiert und ist wieder und wieder bestimmend: als Klingelton eines Handys, als Melodie einer Spieluhr oder aber bei den Proben zur Auff├╝hrung des Balletts. Die Opposition aus unschuldig-jungfr├Ąulichem, wei├čem Schwan und b├Âsem, intrigantem schwarzen spiegelt sich in den Rollen der Nina und ihrer Konkurrentin wider. Federn, Fl├╝gel und ein Schwan-Tattoo sind mit Horror, Schrecken und Eleganz verkn├╝pft.

Die Kameraeinstellungen zeigen intensiv die ungesch├Ânte Seite des Balletts, in der Knochen knacken und schmerzvolle Blessuren kaschiert werden. Blutig gequetschte Zehen zw├Ąngen sich dabei gro├čformatig in Tanzschuhe. Atmosph├Ąrisch stark zieht der Film sein Publikum in die gnadenlos ehrgeizige Ballettwelt - Schmerzvolle Lust am klassischen Balletttanz, immerw├Ąhrende Hoffnung auf anspruchsvolle Rollen und die Angst nicht gut genug zu sein.

Die seri├Âse Aura des Balletts mit seinen Spiegels├Ąlen, Fluren und Garderoben wird aus der Perspektive Ninas gezeigt. Sie steht der privaten pl├╝schig-pink-wei├čen Welt ihres zu Hauses brutal gegen├╝ber. ├ťbergangslos und pl├Âtzlich schieben sich surreal-d├╝stere Bilder ├╝ber die Wahrnehmung der Primaballerina. Die Grenze zwischen real und irreal verwischt kunstvoll. Der dramatischer Effekt, der sich mit der Verschmelzung der inneren Welt wie von selbst einstellt, ist lautlos und enorm wirksam.

Die Verbindung von Psychothriller und Ballett entf├╝hrt also in die psychisch verst├Ârte innere Welt einer Ballerina, die auf der glamour├Âsen B├╝hne des Balletts brillieren m├Âchte. Der Film bedient, wie schon gesagt, endlos Klischees, die dann kinematisch anspruchsvoll unterhaltend umgesetzt sind. Kameraf├╝hrung, Lichteffekte und Einstellungen passen zum Genre des Thrillers und die ZuschauerInnen werden trotz des dramatisch pomp├Âsen Endes wunderbar leicht entlassen. Eine erotisch-lesbische Episode, die Frau nicht verpassen sollte, leuchtet kurz aber grell auf. Sie blitzt lasziv in den ZuschauerInnenraum und l├Ąsst das weibliche Herz h├Âher schlagen, denn insgesamt kommen die Frauen in keiner anderen Szene so gut weg.

Zum Regisseur: Darren Aronofsky gab sein Spielfilmdeb├╝t mit dem vielgepriesenen Independent-Film Pi, bei dem er auch am Drehbuch beteiligt war. F├╝r diesen Film erhielt Aronofsky zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1998 den Regiepreis beim Sundance Film Festival und einen Independent Spirit Award f├╝r das Beste Erstlingsdrehbuch. Er studierte Anthropologie, Film und Animation an der Harvard University. Gro├če Aufmerksamkeit bekam der Regisseur 2000 f├╝r seinen eindringlichen und d├╝steren Film Requiem of a Dream. In seinem n├Ąchsten Projekt 2006 The Fountain arbeitete er mit Hugh Jackman und Rachel Weisz zusammen. The Wrestler kam 2008 in die Kinos.

Zur Hauptdarstellerin: Natalie Portman gab mit gerade mal 14 Jahren ihr Debut in Luc Bessons Film "Leon ÔÇô Der Profi" (1994) 1998 spielte sie am Broadway die Titelrolle in dem B├╝hnenst├╝ck "Das Tagebuch der Anne Frank". Bis heute wirkte sie in ├╝ber 25 Spielfilmen mit. Die am 09. Juni 1981 in Jerusalem geborene Natalie Hershlag legte sich 1994 den M├Ądchennamen ihrer Gro├čmutter, "Portman", zu, nachdem sie mit ihren Eltern in die USA auswanderte. 2011 erwartet sie ihr erstes Kind. Sie lernte den franz├Âsischen Choreographen und Ballettt├Ąnzer Benjamin Millepied (33) bei den Dreharbeiten zum Film "Black Swan" kennen. Sie lie├č verlauten, dass sie ihr Kind j├╝disch aufzuziehen will. Weitere Infos unter: www.natalieportman.com


AVIVA-Tipp: Ein Psychothriller der besonderen Art. Ein Aronofsky. Nicht zu blutig, nicht zu dramatisch, effektvoll, m├Ąchtig, gewaltig und gro├č. Die Besetzung mit Natalie Portman, die monatelang hart f├╝r diese t├Ąnzerische Rolle trainierte, Vincent Cassel, Winona Ryder oder Mila Kunis versprechen nicht nur gutes Kino, sondern l├Âsen es auch ein. Klassisches Ballett, herrliche dramatische Szenen in d├╝sterer Atmosph├Ąre wurden effektvoll mit dem Genre des Schreckens kombiniert. Sie sollten Aronofskys neuen Film einfach nicht verpassen!


Awards

BLACK SWAN wurde f├╝r die Golden Globes, die am 16. Januar 2011 in Los Angeles stattfinden, gleich in vier Kategorien nominiert: Bester Film (Drama), Beste Regie, Natalie Portman f├╝r die Beste weibliche Hauptdarstellerin und Mila Kunis f├╝r die Beste weibliche Nebendarstellerin.

Natalie Portman ├╝ber ihre Nominierung: "Die Nominierung der HFPA ehrt mich sehr, v.a. in Anbetracht der anderen nominierten Darstellerinnen, die ich so sehr bewundere. Die Erfahrung, die ich beim Dreh von Black Swan mit Darren Aronofsky und unserem unglaublichen Team machen dufte, ist bereits die wertvollste Erfahrung meiner Karriere. Die Wertsch├Ątzung des Publikums best├Ąrkt nur meine Dankbarkeit und meinen Stolz, Teil dieses Films zu sein."

Auch bei den Independent Spirit Awards, dem wichtigsten Independent Film Preis, wurde BLACK SWAN von der Jury bedacht. Vier Preise konnte der Psychothriller f├╝r sich entscheiden: f├╝r das Beste Feature, die Beste Regie, die Beste Kamera und Natalie Portman als Beste Hauptdarstellerin.
Zuvor hatten die New York Film Critics Black Swan in den Kategorien Beste Schauspielerin, Beste Kamera und Beste Filmmusik/Soundtrack ausgezeichnet. Damit nimmt nach Meinung der New Yorker Filmkritiker BLACK SWAN einen Platz unter den Top 10 Filmen des Jahres 2010 ein.
Und auch von den LA Film Critics erhielt BLACK SWAN bereits einen Preis ÔÇô f├╝r die Beste Kamera.


Black Swan
USA 2010
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Mark Heyman, Andr├ęs Heinz, John McLaughlin
DarstellerInnen: Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis, Barbara Hershey, Winona Ryder, Ksenia Solo u.a.
Genre: Drama
Verleih: Twentieth Century Fox
Laufl├Ąnge: 110 Minuten
FSK: 16
Kinostart: 20. Januar 2011

Weitere Infos finden Sie unter: www.blackswan-derfilm.de und www.kino.de/kinofilm/black-swan

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Kultur Beitrag vom 14.01.2011 AVIVA-Redaktion 





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