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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.02.2011

Food Inc.. Was essen wir wirklich. Jetzt auf DVD und Blu-ray
Britta Leudolph

Gr├╝nes Farmland, gl├╝ckliche B├ĄuerInnen, Tiere auf gr├╝nen Wiesen, all das suggerieren die wenigen Nahrungsmittelkonzerne, die den Markt in den USA zu gro├čen Teilen beherrschen...



... Eine allzu sch├Âne Illusion, das beweisen die ProduzentInnen von Food Inc..

Vor ├╝ber einhundert Jahren, 1906, erschien in den USA das Buch "Der Dschungel" von Upton Sinclair. Der junge Schriftsteller beschrieb darin die Geschichte einer litauischen EinwandererInnen-Familie, die mit nichts als dem frommen Wunsch nach einem besseren Leben in Chicago ankommt. Alle finden sie eine Arbeit in den Schlachth├Âfen der Metropole und fast alle gehen aufgrund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen an dieser Arbeit zugrunde. Damals ging ein Aufschrei durch die amerikanische Gesellschaft, Gewerkschaften engagierten sich, die Arbeitsbedingungen verbesserten sich Schritt f├╝r Schritt. Doch diese positive Ver├Ąnderung hielt nicht an. Sie war nicht profitabel. Heute, 2011, sind es vorwiegend illegale mexikanische EinwandererInnen, die den unmenschlichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind. Die Tiere, die in den riesigen Schlachth├Âfen verarbeitet werden, werden nicht mehr von Farmen geliefert, sondern stammen aus Massentierhaltung. Sie werden nicht mehr als Tiere betrachtet, sondern nur noch als Produkt. Was ist also von Firmen zu halten, die ihre MitarbeiterInnen ├Ąhnlich wie ihre Schweine behandeln?

Viele gro├če Schlachtbetriebe werben inzwischen ihre Angestellten in Mexico an, mitunter wird sogar ein Busshuttle eingerichtet. Diese ArbeiterInnen haben einen illegalen Status ÔÇô und somit auch keine Rechte. Bei Razzien der Einwanderungsbeh├Ârde werden in der Regel nicht allzu viele ArbeiterInnen verhaftet, damit der Betriebsablauf nicht gest├Ârt wird. Gegen die Konzerne selbst geht der Staat nicht vor.

Der Film "Food Inc. ÔÇô Was essen wir wirklich?" besch├Ąftigt sich umfassend mit den Auswirkungen der industrialisierten Lebensmittelproduktion. Die AutorInnen begeben sich auf Spurensuche in den USA, immer wieder enden ihre Recherchen vor Z├Ąunen oder Mauern, die Lebensmittelkonzerne sind sehr darauf bedacht, dass niemand ihre riesigen Tierfarmen von innen sieht. Selbst wenn sich die FarmerInnen dazu bereit erkl├Ąren, bekommen sie massiven Druck von VertreterInnen der Konzerne, dem sie sich nicht entziehen k├Ânnen. Immer sitzen sie am k├╝rzeren Hebel.

"Food Inc." ist ein Rundumschlag gegen die wenigen gro├čen Lebensmittelkonzerne der USA, die mehr als 80 Prozent des Marktes kontrollieren. Diese sind mit so einer umfangreichen Machtf├╝lle ausgestattet, verf├╝gen ├╝ber so viel Kapital, dass sie es auf jeden Gerichtsprozess ankommen lassen k├Ânnen. Die DomentarfilmerInnen sprechen mit einer Mutter, die ihr Kind verlor, weil es ein mit e.coli infiziertes Fleisch gegessen hatte. Ihr wurde gerichtlich untersagt, das Essen der betreffenden Firma zu verunglimpfen. Sie sprechen mit einem Farmer, der es gewagt hatte, eigenes Saatgut zu verwenden, auf welches die Firma Monsanto ein Patent angemeldet hatte. Auch er konnte das Gerichtsverfahren nicht durchhalten, ihm fehlten schlicht die finanziellen Mittel. Es kommt also nicht darauf an, wer im Recht ist, sondern darauf, wer die finanziellen Mittel hat, den Gerichtsprozess durchzuhalten. Bisher ist das keiner FarmerIn gelungen. Es steht die Vermutung um Raum, dass sich Monsanto besonders erfolgreiche FarmerInnen heraussucht, an denen ein Exempel zur Abschreckung statuiert wird.

Der Film zeigt aber auch die andere Seite: FarmerInnen, die sich auf eine ├Âkologogische Erzeugung spezialisiert haben. Und die sind ein Hoffnungsschimmer. Denn es ist zu sp├╝ren, dass immer mehr Menschen nicht mehr irgendetwas essen m├Âchten. Immer mehr Menschen greifen auf Bio-Produkte zur├╝ck, wenn sie es sich denn leisten k├Ânnen. "Food Inc." war f├╝r den Oscar als bester Dokumentarfilm 2010 nominiert.

Zu den ProduzentInnen:

Robert Kenner
ist ein amerikanischer Drehbuchautor, Filmdirektor und ÔÇôproduzent.
Weitere Infos unter: robertkennerfilms.com/

Elise Pearlstein ist Produzentin und Drehbuchautorin. Vor Food Inc., produzierte sie Jessica Yu┬┤s Dokumentation "Protagonist" und "The Million Dollar Recipe".

AVIVA-Tipp: "Food Inc. ÔÇô Was essen wir wirklich?" rei├čt den gro├čen Nahrungsmittelkonzernen ihre wohlbeh├╝tete Maske vom h├Ąsslichen Gesicht. Die AutorInnen scheuen sich nicht, Namen zu nennen, allerdings m├╝ssen sie auch keine Angst haben, dass ihnen die Existenz genommen wird, wie viele ErzeugerInnen, die durch Knebelvertr├Ąge abh├Ąngig gemacht worden sind. Der Dokumentarfilm ist ├╝ber weite Strecken ersch├╝tternd und manchmal so bedr├╝ckend, dass das Hinschauen schwer f├Ąllt. Nichtsdestotrotz enth├Ąlt er viele wichtige Informationen f├╝r VerbraucherInnen, die verantwortungsbewusst handeln m├Âchten. Ein Hinweis fehlt aber: Es reicht nicht, von nun an nur Bio-Produkte zu kaufen. Wichtig ist ein Wandel auf politischer Ebene, denn f├╝r einen gro├čen Teil der Bev├Âlkerung sind Bio-Produkte schier unerschwinglich, in den USA ist ein komplettes Burger-Menu nach wie vor wesentlich billiger als ein halbes Kilo Bio-├äpfel.

Food Inc. ÔÇô Was essen wir wirklich?
USA, 2008, erschienen November 2010
Laufl├Ąnge: 93 Minuten
Sprachen: Deutsch, Englisch
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Bildformat 90 Minuten
ProduzentInnen: Robert Kenner, Elise Pearlstein
Co-ProduzentInnen: Eric Schlosser, Richard Pearce, Melissa Robledo
Ausf├╝hrende ProduzentInnen: William Pohlad, Robin Schorr, Jeff Skoll,
Diane Weyermann
Schnitt: Kim Roberts
Musik: Mark Adler
Verleih: Sunfilm Entertainment
www.foodincmovie.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Good Food. Bad Food. Anleitung f├╝r eine bessere Landwirtschaft

The Age of Stupid

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We feed the world

Annie Leonard - The Story of Stuff. Wie wir unsere Erde zum├╝llen

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Kultur Beitrag vom 10.02.2011 Britta Leudolph 





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