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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 02.03.2011

Eine Familie - Ein Film von Pernille Fischer Christensen
Kristina Auer

"Was tun, wenn Krankheit und Tod die eigene Familie ereilen?", ist die zentrale Frage, die dieses realistische Beziehungsdrama aufwirft. Mit ihrem dritten Langfilm gelingt der d├Ąnischen...



...Regisseurin Pernille Fischer Christensen ein lebensnahes und ergreifendes, jedoch an keiner Stelle sentimentales, Familiendrama.

Die erfolgreiche Kunst-Galeristin Ditte (Lene Marie Christensen) bekommt einen Job in New York angeboten. F├╝r sie und ihren Freund Peter (Pilou Asb├Žk) ist das Angebot verlockend, denn ein Leben in New York bedeutet f├╝r beide die Erf├╝llung eines gro├čen Traums. Als Ditte erf├Ąhrt, dass sie schwanger ist, entscheidet sie sich konsequent, wenn auch schweren Herzens, f├╝r eine Abtreibung, denn der zeitintensive Job in New York lie├če sich nicht mit einem Kind vereinen.

Nur kurze Zeit sp├Ąter wird bei Dittes Vater Rikard (Jesper Christensen), der erst k├╝rzlich von einer Krebserkrankung geheilt wurde, ein inoperabler Hirntumor festgestellt. Ihm bleiben nur noch wenige Monate zu leben. Ditte muss nun eine f├╝r sie unm├Âgliche Wahl treffen: Ergreift sie die vielleicht einzige M├Âglichkeit, ihren Lebenstraum zu verwirklichen, oder steht sie ihrem Vater in der ihm noch verbleibenden Zeit zur Seite? Hinzu kommt Rikards Erwartungshaltung, nach der die Tochter nach seinem Tod das Familienunternehmen ├╝bernehmen soll. Die renommierte B├Ąckerei Rheinwald genie├čt als Hoflieferant des d├Ąnischen K├Ânigshauses im ganzen Land gro├čes Ansehen. Doch f├╝r Ditte ist es vollkommen unvorstellbar, ihre eigenen Ziele aufzugeben. Und so wird das innige Verh├Ąltnis zwischen Vater und Tochter auf eine harte Probe gestellt.

Frauen

"Eine Familie" ist mit seinen vielf├Ąltigen Frauenrollen in erster Linie ein Film ├╝ber beeindruckende Frauen. Da gibt es nicht nur Ditte, die mutig Entscheidungen trifft, weil sie wei├č, dass diese getroffen werden m├╝ssen, auch wenn sie selbst oft unter ihnen leidet. Die Abtreibung beispielsweise ist f├╝r sie im Nachhinein keineswegs leicht zu verkraften, besonders, da auch Peter, der das Kind gerne bekommen h├Ątte, ihr Vorw├╝rfe macht.
Da ist aber auch Sanne (Anne Louise Hassing), Rikards zweite Ehefrau, die ihrem sterbenden Mann bei aller F├╝rsorge die Stirn bietet, wenn dieser in Verbitterung und Wut ├╝ber sein hartes Schicksal die Fassung verliert. Sie zeigt ihre Grenzen auf, wenn die Situation f├╝r sie unertr├Ąglich wird und verliert dennoch nie ihre beiden noch jungen Kinder Line (Coco Hjardemaal) und Vimmer (Gustav Fischer Kj├Žrulff) aus dem Blick.
Auch Dittes j├╝ngere Schwester Chrisser (Line Kruse) zeigt Tapferkeit, setzt sie sich doch ohne Bitterkeit und Vorw├╝rfe mit der sp├╝rbar schmerzlichen Erfahrung auseinander, vom eigenen Vater nie so sehr geliebt worden zu sein wie die Lieblingstochter Ditte. Und schlie├člich ist da noch Rikards j├╝ngste Tochter, die erst 12-j├Ąhrige Line, die letztlich, obwohl sie selbst fast an der unertr├Ąglichen Situation zerbricht, ihrem j├╝ngeren Bruder Vimmer Unterst├╝tzung und Zuwendung bietet. Indem sie die Frauen einer Familie auf verschiedenen Stationen ihres Lebens darstellt, gelingt Pernille Fischer Christensen ein Querschnitt eines Lebenslaufs, der den Umgang mit dem Sterben in unterschiedlichen Lebensphasen zeigt.

Familie

Der Film bringt ein ambivalentes Verst├Ąndnis von Familie zum Ausdruck: Einerseits stellt die Familie f├╝r die meisten Menschen einen Ort der N├Ąhe, Liebe und Heimat dar. Familienmitglieder sind oft die Menschen, die uns am besten kennen und mit denen wir selbst den offensten Umgang pflegen.
Auf der anderen Seite ist Familie aber auch etwas, das man/frau sich nicht aussuchen kann, in das man/frau hineingeboren wird. Von Geburt an wird jeder Mensch so mit bestimmten Normen, Vorstellungen und Erwartungen konfrontiert und meist lebenslang von ihnen gepr├Ągt. Diese Ambivalenz zeigt sicht deutlich im Generationenkonflikt zwischen Rikard und Ditte. F├╝r den Vater ist die Tradition und das Fortbestehen des Familienbetriebs als Existenz- und Identit├Ątsgrundlage das Wichtigste im Leben. Die moderne Tochter Ditte hingegen hat sich ihre eigenen Ziele gesetzt und verfolgt eine unabh├Ąngige Lebensplanung. Auch wenn sie ihre Familie ├╝ber alles liebt, kann sie nicht die Freiheit, ein eigenes Leben zu f├╝hren, den Erwartungen des traditionsbewussten Vaters opfern.

Bildsprache

Zu Beginn ist alles bunt und von Licht durchflutet. Die Bilder zeigen die w├Ąrmende Sommersonne, den sch├Ânen Garten der Familie, Erdbeerkuchen und die farbenfrohen Kunstwerke in Dittes Galerie - Metaphern f├╝r Dittes bislang so sorglos verlaufenes Leben.
Mit Beginn von Rikards Krankheit verdunkelt sich die Stimmung zunehmend, die Farben und die W├Ąrme verschwinden, bis es schlie├člich fast immer Nacht ist. Auf drastische und unmissverst├Ąndliche Weise zeigt Pernille Fischer Christensen so, wie sich das durch die Krankheit hervorgerufene Leid wie ein dunkler Vorhang ├╝ber die Familie legt. Als der Vater stirbt, erhellt ein Sonnenstrahl das Gesicht von Chrisser. In fast schon biblischem Ausma├č wird so verdeutlicht - es ist vorbei, ├╝berstanden, es kann einen Neuanfang geben.

Erz├Ąhlweise

Pernille Fischer Christensen erz├Ąhlt ihren Film auf leise, zur├╝ckhaltende Art und Weise. Dabei wird oft mehr mit Blicken gesprochen als mit Worten, in diesen zeigt sich die Wut des Vaters, die Liebe der Ehefrau, die Verzweiflung der Tochter und die Entt├Ąuschung des Freundes. Die gro├čartige Musik der d├Ąnischen Country-Band Cody tr├Ągt ihren Teil bei und macht die Gedanken und Emotionen der ProtagonistInnen auch ohne Worte greifbar.

Die Regisseurin hat sich mit ihrer Erz├Ąhlweise in erster Linie dem Realismus verschrieben. Ohne zu besch├Ânigen, vor allem aber ohne zu romantisieren, zeigt sie den langsamen Tod des Vaters in all seinem Grauen f├╝r alle Beteiligten. Ihr Film macht auf wohltuende Weise sichtbar, dass eine weniger radikale Darstellung des Todes schlichtweg keinen Sinn macht, weil sie nicht der Realit├Ąt entspricht. Dass Pernille Fischer Christensen auf so unsentimentale, realit├Ątsgetreue Weise vom Leben und Sterben in einer Gemeinschaft erz├Ąhlt, macht "Eine Familie" zu einem tief ergreifenden Film der viel Wahrheit in sich tr├Ągt.

AVIVA-Tipp: "Eine Familie" ist eine tragische und doch hoffnungsvolle Geschichte ├╝ber das Leben in Gemeinschaft. Das Drehbuch gl├Ąnzt durch genau ausgearbeitete, facettenreiche Charaktere und Handlungsstr├Ąnge. Pernille Fischer Christensens ber├╝hrende Erz├Ąhlweise, die ohne jegliche R├╝hrseligkeit und Klischees auskommt, ist ihr von allen Leistungen, die sie mit diesem gro├čartigen Film erbracht hat, am h├Âchsten anzurechnen.

Eine Familie
D├Ąnemark 2010
Regie: Pernille Fischer Christensen
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson, Pernille Fischer Christensen
Produktion: Vinca Wiedemann, Sisse Graum J├Şrgensen
DarstellerInnen: Jesper Christensen, Lene Maria Christensen, Pilou Asb├Žk, Anne Louise Hassing, Coco Hjardemaal, Gustav Fischer Kj├Žrulff, Line Kruse
Verleih: TOBIS Film
Laufl├Ąnge: 102 Minuten
Kinostart: 3. M├Ąrz 2011
FSK: ab 12 Jahren

Weitere Infos zum Film finden Sie unter:

www.einefamilie-derfilm.de

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Kultur Beitrag vom 02.03.2011 Kristina Auer 





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