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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 21.10.2008

Interview mit Anjorka Strechel
S. Pommerenke / M. M├╝ller

Anl├Ąsslich des Kinofilms "Mein Freund aus Faro", der am 30. Oktober 2008 anl├Ąuft, f├╝hrte AVIVA-Berlin mit der Hauptdarstellerin Anjorka Strechel ein Interview, die darin ihre erste gro├če...



...Rolle auf Leinwand pr├Ąsentiert. Im Film geht es um das Hinterfragen von Geschlechtergrenzen, das aber immer mit einem Augenzwinkern geschieht und dennoch die vermeintlich normierte Gesellschaft in Frage stellt.

Lesen Sie auch die Besprechung zum Film und das Interview mit der Regisseurin Nana Neul auf AVIVA-Berlin.


AVIVA-Berlin: Sie mussten sich f├╝r die Rolle von Melanie/Miguel die Haare radikal kurz schneiden lassen. Fiel Ihnen das schwer, oder sehen Sie das vielmehr als "Berufsrisiko" einer Schauspielerin?
Anjorka Strechel: Das ist tats├Ąchlich ein Berufsrisiko. Au├čerdem f├Ąllt es leichter, eine Figur zu spielen, wenn man sich daf├╝r auch ├Ąu├čerlich ver├Ąndert. So habe ich mir die Haare nicht nur schneiden lassen, sie wurden auch schwarz gef├Ąrbt und ich bekam braune Kontaktlinsen.

AVIVA-Berlin: Die Liste Ihrer sportlichen F├Ąhigkeiten ist sehr lang: von Slackline ├╝ber Golf bis zum Silbernen Reiterabzeichen, und Sie haben einen sehr durchtrainierten K├Ârper. Wie konnten Sie ihre Leidenschaft f├╝r den Sport mit dem exorbitanten Nikotinkonsum vereinbaren, dem sich Melanie/ Miguel hingibt, oder fiel das f├╝r Sie ebenfalls unter "Berufsrisiko"?
Anjorka Strechel: Den Gro├čteil meiner Sportkarriere erlebte ich in meiner Schulzeit. Seit ich am Theater bin, kann ich wegen des Verletzungsrisikos keinen Sport mehr leistungsm├Ą├čig betreiben.
W├Ąhrend der Dreharbeiten ist mir gar nicht aufgefallen, dass Mel so viel raucht. Nach ihrer Verwandlung in Miguel war die Zigarette sicher auch eine Hilfe f├╝r sie, vor Jenny den Jungen glaubhaft darzustellen.

AVIVA-Berlin: Sie spielten bisher ├╝berwiegend am Theater und hatten mit "Mein Freund aus Faro" ihr Leinwanddebut als Hauptdarstellerin. Nun stehen Sie in Russland f├╝r eine Produktion von Alexey Uchitel erneut vor der Kamera. Sehen Sie ihre Zukunft eher am Theater oder beim Film, und was reizt Sie daran?
Anjorka Strechel: Das ist schwierig zu beantworten. Mich reizen beide Bereiche. Ich habe gro├če Lust zu drehen, aber ich kann mir nicht vorstellen, das Theater komplett aufzugeben.

AVIVA-Berlin: Wie bereiteten Sie sich mental auf die Rolle als Melanie/ Miguel vor? Haben Sie sich mit der Lesben- und Transgender-Szene auseinandergesetzt, oder haben Sie vieles aus dem Bauch heraus gespielt?
Anjorka Strechel: Ich habe Jungs auf der Stra├če beobachtet, mir ihre Bewegungen und Verhaltensweisen gemerkt und dann probiert, das als Miguel umzusetzen. Aber ich bin nicht in Szene-Kneipen gegangen, um dort mit Leuten zu sprechen.

AVIVA-Berlin: Es gibt eine Szene in "Mein Freund aus Faro", bei der Sie nackt auf dem Waldboden liegen. Fiel es Ihnen schwer, sich so v├Âllig schutzlos vor der Kamera und dem ganzen Team zu pr├Ąsentieren?
Anjorka Strechel: Es gibt bei solchen Szenen ein closed set, d.h., nicht das ganze Team nur die notwendigsten Personen sind beim Drehen anwesend. Nat├╝rlich fiel es mir nicht gerade leicht. Aber ich hatte Vertrauen zu meiner Regisseurin und verstand, warum es f├╝r die Geschichte notwendig war. Wenn es dem Film dient, muss man seine Angst ├╝berwinden k├Ânnen.

AVIVA-Berlin: Gerade die Verfolgungsszene im Kornfeld von Melanie/Miguel erinnert stark an den amerikanischen Film "Boys Don`t Cry" aus dem Jahr 1999. Dieser basiert auf der wahren Geschichte ├╝ber den Transboy Brandon Teena, der sp├Ąter umgebracht wurde. "Mein Freund aus Faro" hat hingegen ein positives Ende und Melanie/Miguel emanzipiert sich von ihrer/seiner Umwelt. Wie wichtig war f├╝r Sie die Emanzipation der Figur?
Anjorka Strechel: F├╝r mich erz├Ąhlt die Geschichte das Erwachsenwerden der Figur Mel. Sie bekommt durch dieses Erlebnis die Kraft, aus ihren Verh├Ąltnissen auszubrechen und den Mut, ihren eigenen Weg im Leben zu gehen.

AVIVA-Berlin: Von Greven im M├╝nsterland, wo der Film spielt, bis nach Norddeich, wo sich die beiden Protagonistinnen f├╝r einige Stunden am Strand treffen, sind es 365 km. W├╝rden Sie sich ebenso spontan wie Melanie/Miguel in ihr/sein Auto setzen und f├╝r ein paar Stunden Abenteuer diese weite Strecke auf sich nehmen?
Anjorka Strechel: Wer w├╝rde das nicht?

AVIVA-Berlin: Sie haben direkt nach dem Abitur ein Schauspielstudium an der Hochschule f├╝r Musik und Theater in Hamburg angefangen. Wann stand f├╝r Sie fest, dass Sie Schauspielerin werden wollten?
Anjorka Strechel: Mit neun Jahren habe ich im Theater L├╝neburg beim Weihnachtsm├Ąrchen "Pippi Langstrumpf" den Affen gespielt. Anschlie├čend war ich die Gretl in "The Sound of Music" und da entdeckte ich meine Leidenschaft f├╝r Musicals. Seitdem wollte ich Schauspielerin werden.

AVIVA-Berlin: Was w├╝rden Sie tun, wenn Sie einen Tag lang in die Rolle eines Mannes schl├╝pfen k├Ânnten?
Anjorka Strechel: Das wei├č ich nicht. Das k├Ânnte ich nur spontan entscheiden. Vielleicht w├╝rde ich das, was ich mir jetzt vorstelle, gar nicht wollen, wenn ich ein Mann w├Ąre.

AVIVA-Berlin: Worum geht es in Ihrem neuen Film, der in St. Petersburg gedreht wird und den Arbeitstitel "Gustav" tr├Ągt?
Anjorka Strechel: Er spielt 1945 in Sibirien bei russischen Waldarbeitern, ehemaligen deutschen Gefangenen. Ich spiele eine Deutsche, die vier Jahre versteckt in der Taiga gelebt hat. Mein Kollege ist Vladimir Mashkov und Regie f├╝hrt Alexey Uchitel. Mehr darf ich leider noch nicht verraten ÔÇŽ

Die Hauptdarstellerin Anjorka Strechel, geboren 1982, hat ein Schauspielstudium an der Hochschule f├╝r Musik und Theater Hamburg absolviert. Bislang arbeitete sie vor allem f├╝r das Osnabr├╝cker Theater und steht zur Zeit in Russland mit Vladimir Mashkov vor der Kamera f├╝r einen Film von Alexey Uchitel mit dem Arbeitstitel "Gustav". Strechel wurde brillant f├╝r die Rolle der Melanie bzw. des Miguels ausgew├Ąhlt und beweist, dass sie auch vor der Kamera ├╝berzeugend in einen anderen Charakter schl├╝pfen kann.

Kultur > Film Beitrag vom 21.10.2008 AVIVA-Redaktion 





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