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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.06.2016

Miss Hokusai. Nach dem Manga Sarusuberi von Hinako Sugiura. Ab 28. Oktober 2016 auf DVD und Blu-ray. Ab 9. Dezember 2016 als Collector┬┤s Edition
Laura Seibert

Ein Anime-Film ├╝ber die K├╝nstlerin O-Ei, Tochter des ber├╝hmten japanischen Malers Hokusai, die ihre Werke mit seinem Namen signierte. Anders als er ist sie heute kaum bekannt. Das ├Ąndert sich jetzt.



"Sarusuberi" bedeutet aus dem Japanischen ├╝bersetzt "K├Âniginblume", die durch ihre besonders lange Bl├╝tezeit hervorsticht, welche die Manga-Zeichnerin als Metapher f├╝r Hokusais umfangreiches Werk w├Ąhlte. 1983 bis 1987 erschien der Manga als Serie von Kurzgeschichten im Magazin "Manga Sunday", und wurde danach als Kompilation in mehreren B├Ąnden ver├Âffentlicht.

Die Drehbuchautorin Miho Maruo und der Regisseur Keiichi Hara schrieben die Kompilation zu einer zusammenh├Ąngenden Story um, die 23-j├Ąhrige O-Ei wurde zur Protagonistin. Wie der Manga bleibt die Erz├Ąhlung gr├Â├čtenteils fiktiv, da ├╝ber die Tochter kaum Informationen bekannt sind. Lediglich ein zeitgen├Âssisches Bild zeigt sie, wie sie ihrem Vater (1760ÔÇÉ1849) bei der Arbeit zusieht. Im Film, wie zweifelsohne auch in der Wirklichkeit, verbindet Tochter und Vater die Leidenschaft f├╝rs Malen. Die Beziehung zwischen ihnen ist eine von Sch├╝lerin und Lehrer, dabei gilt sie als eine seiner besten Sch├╝lerInnen und ist auch in einigen Disziplinen begabter als ihr Vater.

Die K├╝nstlerin O-Ei

Sie raucht Pfeife, hat Augenbrauen wie Frida Kahlo und lebt im Jahr 1814 in Japans politisch-gesellschaftlichem Zentrum Edo (heutiges Tokio) selbstbestimmt als K├╝nstlerin mit ihrem Vater zusammen. Aufr├Ąumen und Kochen sind f├╝r die beiden ├╝berfl├╝ssige Zeitverschwendungen. Sobald das Chaos ├╝berhandnimmt, ziehen sie um. 93 Mal soll der Maler Hokusai in seinem 90-j├Ąhrigen Leben umgezogen sein.

O-Ei malt vor allem Portr├Ąts von Kurtisanen und erotische Akte. Ihr bekanntestes Werk "Eine Nacht in Yoshiwara" zeigt ein Bordell in Edo. Besonders ist an ihren Werken, die ebenso wie diese ihres Vaters meist als Farbholzschnitte vervielf├Ąltigt wurden, das Spiel mit Licht und Schatten.
H├Ąufig springt sie f├╝r den Vater ein und stellt eine Tuschezeichnung f├╝r ihn fertig. Die K├Ąufer, meist wohlhabende M├Ąnner, sind sich der Urheberschaft der Bilder nicht unbedingt bewusst ÔÇô das Talent von Vater und Tochter scheint sich auf Augenh├Âhe zu begegnen.

Offiziell werden O-Ei heute nur zehn Werke eindeutig zugerechnet, doch ist die Frage, welche Arbeiten aus ihrer Hand stammen, nicht abschlie├čend gekl├Ąrt. Daran zeigen KunstsammlerInnen bisher auch wenig Interesse. Die Bef├╝rchtung, die akquirierten Werke k├Ânnten an Wert verlieren, ist gr├Â├čer als das Interesse, O-Eis k├╝nstlerisches Schaffen zu w├╝rdigen.

Schwesterlicher Zusammenhalt

Die Tochter unterst├╝tzt ihren Vater zwar in der Arbeit, geht dabei aber konsequent ihren Weg und folgt ihrem eigenen Urteil. Das zeigt sich vor allem in der Beziehung zu ihrer (fiktiven) Schwester O-Nao, die von Geburt an blind ist. Der Vater meidet seine j├╝ngste Tochter: Auf den visuellen Reiz verzichten zu m├╝ssen stellt f├╝r ihn die schlimmste Strafe ├╝berhaupt dar, er f├╝rchtet sich vor ihr.
O-Ei hingegen besucht ihre Schwester so oft wie m├Âglich und nimmt sie mit auf ihre Streifz├╝ge zum Malen. Oder auch um ihr neue Erfahrungen zu erm├Âglichen, ihr die Welt zu erschlie├čen, von der sie im Kloster lebend die meiste Zeit abgeschottet ist. Gemeinsam stehen sie auf der gro├čen Br├╝cke, die den Fluss ├╝berquert und genie├čen das Treiben, sp├╝ren Ger├╝che und Ger├Ąusche auf. O-Ei, von O-Nao liebevoll "Schwesterchen" genannt, erkennt im Gegensatz zu ihrem Vater, dass das Erleben der kleinen Schwester durch die anderen Sinnesorgane ebenso reich an Eindr├╝cken ist, wie das der Sehenden.

Mythen und Bilderpracht

Der Spielfilm "Miss Hokusai" besticht durch wundersch├Âne, farbenreiche handgemalte Animationen, eine Seltenheit in der aktuellen Anime-Produktion, da sehr kostspielig, abgel├Âst durch computeranimierte Sequenzen und Hintergr├╝nde, wie die unvorstellbar belebten Stra├čen Edos. Auch eine Vielzahl Zeichnungen und Farbholzschnitte der Hokusais finden Eingang in die Geschichte, wie "Die gro├če Welle von Kanagawa".
Die Bilder von ├╝bernat├╝rlichen Kreaturen, Geistern und Monstern (y┼Źkai), die Tochter und Vater zeichnen, begleiten h├Ąufig eine Erz├Ąhlung ihrer mythologischen Bedeutung. In sich enthalten sie eine symbolische St├Ąrke und geheimnisvolle Kr├Ąfte, die auf die BetrachterInnen wirken und verh├Ąngnisvolle Folgen mit sich bringen. Das Wechselspiel zwischen Wirklichkeit und ├ťbernat├╝rlichem macht einen besonderen Reiz des Anime aus.

F├╝r mehr Frauen in der Anime-Filmindustrie

"Miss Hokusai" setzt nicht nur eine Frau als Protagonistin in Szene, auch in der Produktion des Films wurden viele wichtige Posten von Frauen ├╝bernommen. Unter ihnen die Drehbuchautorin Miho Maruo, die Komponistin Harumi Fuuki, sowie die Regieassistentin Masako Sato. Auf diese Weise wollen die ProduzentInnen dem Missstand in der Anime-Produktion entgegenwirken, in der zwar viele Frauen besch├Ąftigt sind, die verantwortungsvollen und besser bezahlten Posten jedoch ├╝berwiegend M├Ąnner innehaben. Insgesamt wirkten mehr als 350 Menschen drei Jahre an der Produktion des Films.

K├╝nstlerinnen in den Fokus

Dass Frauen hinter dem Ruhm der M├Ąnner zur├╝ckstehen, ist in der Kunst-Szene keine Seltenheit. Die lahme Rechtfertigung daf├╝r lautet h├Ąufig, dass der kommerzielle Erfolg bei ihnen ausbleiben w├╝rde. So ist es bei O-Ei, und so ist es auch bei Margaret Keane, ├╝ber die im Jahr 2015 der Film "Big Eyes" von Tim Burton in die Kinos kam. Zu dieser Reihe der begabten K├╝nstlerinnen, denen die Anerkennung gr├Â├čtenteils verwehrt blieb und bleibt, geh├Ârt auch die franz├Âsische Malerin Francoise Gilot, die jahrelang Pablo Picasso assistierte ÔÇô und dar├╝ber ihre eigene Arbeit hintenanstellte. "Miss Hokusai" tritt dieser Schieflage entgegen und schafft Bewusstsein und Sichtbarkeit f├╝r eine ├╝ber aus talentierte Frau.

AVIVA-Tipp: Die l├Ąngst f├Ąllige W├╝rdigung O-Eis als K├╝nstlerin brachte dieser sch├Âne Anime-Film in die Kinos. Nun erscheint er auf DVD, Blu-ray und als Collector┬┤s Edition. In diesem Sinne erz├Ąhlt der Film die au├čergew├Âhnliche Geschichte einer eigenst├Ąndigen Frau in Japan zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die ihr Leben entgegen aller Konventionen dem Malen widmet. Daf├╝r begibt sie sich unerm├╝dlich auf die Suche nach neuen Eindr├╝cken, die es lohnt aufs Papier zu bannen. Diese fantasievollen Bildwelten gehen in den Film durch die aufwendigen handgemalten Animationen ein.

Zum Regisseur: Keiichi Hara wurde 1959 in der japanischen Stadt Tatebayashi geboren. Nach dem Studium auf dem Tokyo Designer Gakuin College begann er als Filmemacher bei der Produktionsfirma ShinÔÇÉEi Animation. Dort wirkte er an Animationsserien f├╝r Familien und Kinder mit, darunter "Doraemon und Shin Chan". Der Kinofilm "Crayon ShinÔÇÉchan: Impetuous! The Adult Empire Strikes Back" (2001) machte ihn international bekannt. Danach wandte er sich IndependentÔÇÉFilmen zu, wobei "Summer Days with Coo" (2007) und "Colorful" (2010) entstanden. Sein erster Realfilm "Dawn of a Filmmaker: The Keisuke Kinoshita Story" kam 2013 ins Kino.
"Miss Hokusai" erhielt international vielz├Ąhlige Auszeichnungen, darunter den "Preis der Jury" beim 39th Annecy Animation Film Festival (2015), den "Excellence Prize" bei den 39th Japan Academy Prizes (2016). Das 48th Sitges Fantastic Film Festival (2015) w├Ąhlte ihn als "Bester animierter Spielfilm" aus.

Miss Hokusai
Japan 2015
Regie: Keiichi Hara Drehbuch: Miho Maruo nach dem Manga "Sarusuberi" von Hinako Sugiura
Character Designer und Key Animation Supervisor: Yoshimi Itazu
Art Director: Hiroshi Ono
Colour Designer: Satoshi Hashimoto
3DCG Director: Takumi Endo / Dandelion Animation Studio
Kamera: Koji Tanaka
Regieassistenz: Masako Sato
Schnitt: Shigeru Nishiyama Musik: Harumi Fuuki, Yo Tsuji Animation: Production I.G.
Laufl├Ąnge 93 Min.
Verleih: AV-Visionen

Ab 28. Oktober 2016 auf DVD und Blu-ray. Ab 9. Dezember 2016 als Collector┬┤s Edition
AV Visionen pr├Ąsentiert MISS HOKUSAI auf DVD, Blu-ray und als Collector┬┤s Edition.
Die Collector┬┤s Edition enth├Ąlt ein sechs-seitiges Digipak mit DVD, Blu-ray und einer Bonus-DVD mit:
Making of (120 Minuten)
Hokusai X Manga ÔÇô Ausstellung im Hamburger Museum f├╝r Kunst und Gewerbe (20 Minuten)
Interviews
Mit dabei sind auch ein Postkarten-Set und ein 84-Seiten Booklet.
Das Ganze wird in einer hochwertigen, limitierten Holzbox geliefert.

Weitere Infos auf der Filmwebsite: www.misshokusai-derfilm.de

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Kultur > Kino Beitrag vom 08.06.2016 AVIVA-Redaktion 





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