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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2018 - Beitrag vom 03.06.2018

Auf der Suche nach Oum Kulthum - Der neue Film von Shirin Neshat. Kinostart: 07. Juni 2018. Verlosung
Tina Schreck

Mit ihrem zweiten Spielfilm nähert sich die iranisch-amerikanische Künstlerin, Filmemacherin ("Women without Men", 2009) und Fotografin einer der legendärsten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts in der arabischen Welt an: Oum Kulthum. Wegen ihrer besonderen Stimme und unvergesslichen Bühnenauftritte wurde "the voice and face of Egypt" auch als die "Maria Callas des Orients" bezeichnet. Selbst 40 Jahre nach ihrem Tod werden ihre Stücke noch millionenfach gehört. AVIVA verlost 3x2 Kino-Freikarten



Oum Kulthum gilt wohl auch heute noch als die schillerndste Künstlerin im muslimischen Raum und darüber hinaus, denn ihre Stimme erlangte eine politische Dimension, die sogar im Westen gehört wurde. Sie kollaborierte neben ihrem durchschlagenden musikalischen Erfolg vermehrt mit politischen Regimen, darunter dem des Präsidenten Gamal Abdel Nassers - wofür sie vielfach kritisiert wurde. Dennoch wurde sie zu einer heroischen Figur - "the voice and face of Egypt". Nach der Niederlage Ägyptens im Sechstagekrieg zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien tourte sie durch die arabische Welt, um Spenden für das geschwächte Militär zu sammeln. Diese Auftritte waren sehr publik und glichen eher Staatsbesuchen als bloßen Konzerten. Am Ende ihres Lebens wurde die Gesangs-Ikone sogar als Nationalheldin gefeiert. Ihre Trauerfeier war die zweitgrößte des Landes, übertroffen einzig von der des Präsidenten Gamal Abdel Nasser.

Dieser herausragenden Künstlerin widmet sich nun Shirin Neshat in ihrem Film, der seine Weltpremiere auf dem Filmfestival von Venedig in der Reihe Venice Days feierte. Allerdings steht die Sängerin nicht primär im Fokus der feinsinnig umgesetzten Geschichte, die vielmehr als Spiegel aller Frauen im Nahen Osten und dieser Zeit fungiert, die sich künstlerisch betätigen wollen. Oum Kulthum, die sich wie keine andere ihrer Zeit in einer von Männern dominierten Welt behauptete, schaffte es zu überwältigendem Ruhm der weit über Gender- und Klassenzugehörigkeit hinausging. Anstelle eines Biopics legt die Regisseurin ihren Film als eine faszinierende Reise durch eine paternalistische Welt an. Sie begleitet drei Frauen, die es wagen, von beruflichem Erfolg zu träumen: Mitra (Neda Rahmanian), eine talentierte, selbstbewusste Regisseurin, Oum Kulthum (Najia Skalli), deren legendärer Erfolg verfilmt werden soll, und die schüchterne Ghada, die den Star im Film spielt und mit ihrer Rolle über sich selbst hinauswächst.

Sie alle verkörpern starke Frauenbilder, die sich in einer von Männern beherrschten Gesellschaft trotz aller Widerstände durchzusetzen wissen. In einem Interview mit der Huffington Post verrät Shirin Neshat, dass Mitras Geschichte stark von ihren eigenen Erfahrungen geprägt ist: "The story of Mitra is more or less inspired by my own experience as a woman artist, filmmaker, someone who has to really balance being a mother and wanted to have a private life, personal separation from work." Denn während Männer sich nie oder nur selten in der Situation sehen, zwischen privatem Glück und Job zu wählen, stehen Frauen vielfach auch heute noch der Herausforderung gegenüber, Familie und Beruf miteinander zu vereinen.

Karriere oder Familienglück

Für Mitra, eine ehrgeizige und ambitionierte Regisseurin, Mutter und Ehefrau aus dem Iran, geht ein Traum in Erfüllung: sie kann endlich den lange geplanten Film über ihre Heldin Oum Kulthum drehen. Im Zentrum steht aber nicht deren Privatleben, sondern vielmehr die Frage, welchen Preis sie für ihren Erfolg in einer konservativ-geprägten, muslimischen Gesellschaft zahlen musste. Denn ihr Vater wollte ihr das Singen anfangs verbieten, da es sich "für eine Frau nicht schickte", vor Männern aufzutreten. Geschickt stellen Shirin Neshat und auch ihre Filmfigur Mitra den Star Oum Kulthum der Frau dahinter gegenüber. Derjenigen, die sich dazu entschloss, für ihre Karriere mit den Traditionen ihres Landes zu brechen, erst sehr spät zu heiraten und kinderlos zu bleiben. Allen Hindernissen zum Trotz kämpfte die Sängerin für ihren Traum, auch wenn das bedeutete, sich gegen ihre eigene Familie zu stellen. Auch Mitra sieht sich mit dem Spott und der Missgunst einiger männlicher Kollegen konfrontiert: "Sowas passiert eben, wenn man einen wichtigen Film an einen weiblichen Regisseur gibt", mokiert sich beispielsweise einer der Nebendarsteller über die unkonventionelle Herangehensweise der Regisseurin. Und auch sie bringt Opfer. Um ihre Vision verwirklichen zu können, muss sie ihren jugendlichen Sohn im Iran zurücklassen. Als dieser während der Dreharbeiten plötzlich verschwindet, führt die Sorge um ihn und die zunehmende Schwierigkeit, den Mythos Oum Kulthum sowie den Menschen dahinter zu ergründen, letztlich zu ihrem emotionalen und künstlerischen Zusammenbruch. Die Suche nach Oum Kulthum wird zur Suche nach dem vermissten Sohn und schließlich nach sich selbst.

Drei weibliche Hauptrollen

Die deutsch-iranische Schauspielerin Neda Rahmanian glänzt in der Rolle der selbstbewussten, nachdenklichen Mitra. Ihre ausdrucksstarke Mimik und ihr einfühlsames Spiel verleihen ihrer Figur Tiefe und Authentizität. Najia Skalli stellt die erwachsene Oum Kulthum und deren Geist dar, welcher Mitra in surrealen Traumsequenzen immer wieder begegnet. Neben ihrer verblüffenden Ähnlichkeit zur Sängerin beeindruckt die Schauspielerin mit ihrer majestätischen Erhabenheit, die von den ruhigen Kameraeinstellungen noch verstärkt wird. Sie verkörpert eine Art allegorische Lebensweisheit, die von Mitra in Momenten der Unsicherheit zu Rate gezogen wird. Besonderes Augenmerk gilt auch der ägyptisch-palästinensischen Schauspielerin Yasmin Raeis. Sie beeindruckt sowohl durch ihre glaubhafte Darstellung als auch mit ihrem atemberaubenden Gesang und ihre mit viel Feingefühl umgesetzte Entwicklung der schüchternen Ghada zu dem schillernden Star.

AVIVA-Tipp: Das Drama "Auf der Suche nach Oum Kulthum" erzählt in stimmungsvollen Bildern die Geschichte dreier Frauen, die sich auf ihrem individuellen Weg in einer männerdominierten Welt behaupten. Mit viel Stärke und Willenskraft gelingt es ihnen, sich nicht von Hindernissen beirren zu lassen und ihre Ziele konsequent zu verfolgen, wodurch sie auch als Vorbildfunktion unterdrückter Frauen des Nahen Ostens fungieren. Nicht zuletzt setzt die Ausnahme-Regisseurin Shirin Neshat der Ausnahme-Künstlerin Oum Kulthum ein großartiges filmisches Denkmal.

Auf der Suche nach Oum Kulthum
Deutschland/Österreich/Italien/Marokko 2017
Regie: Shirin Neshat in Zusammenarbeit mit Shoja Azari
Drehbuch: Shirin Neshat und Shoja Azari
Darsteller_innen: Neda Rahmanian, Yasmin Raeis, Mehdi Moinzadeh, Kais Nashif u.a.
Verleih: NFP marketing & distribution*
Lauflänge: 90 Minuten
Kinostart: 07.06.2018
Filmwebsite und Trailer: oumkulthum-derfilm.de

Zur Regisseurin: Shirin Neshat, die international vor allem als Videokünstlerin bekannt ist, wurde 1957 in Qazvin, Iran geboren und lebt in New York. Sie begann ihre Karriere als Fotografin und erregte mit ihren Fotoserien "Unveiling" (1993) und "Women of Allah" (1993-97) große Aufmerksamkeit. Für ihre Video-Installationen "Turbulent" und "Rapture" wurde sie 1999 mit dem Internationalen Preis der Biennale von Venedig ausgezeichnet und im Jahr 2009 erhielt sie auf dem Filmfestival in Venedig für ihren ersten Spielfilm "Women Without Men" den Silbernen Löwen. Ihre künstlerischen Arbeiten wurden weltweit in den bedeutendsten Museen ausgestellt und 2010 kürte sie die Huffington Post zur Künstlerin des Jahres. 2013 war Shirin Neshat Jury-Mitglied auf der Berlinale und realisierte im selben Jahr den Kurzfilm "Illusions & Mirrors" für Dior, in dem Natalie Portman die Hauptrolle spielte. Zwei Jahre später wurde sie von der großartigen Annie Leibovitz fotografiert und in die Porträt-Serie der inspirierendsten Frauen der Welt aufgenommen, die für den Pirelli-Kalender entstand. Im Sommer 2017 inszenierte die Videokünstlerin und Regisseurin für das Salzburger Festival die Oper "Aida".
Weitere Infos zu Shirin Neshat unter: www.imdb.com und www.artnet.de

Zur Hauptdarstellerin: Neda Rahmanian kam 1978 in Teheran, Iran, zur Welt und lebt seit ihrem fünften Lebensjahr in Deutschland. 2003 schloss sie ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock ab. Für ihre erste Profi-Rolle in "Romeo und Julia" wurde sie mit dem Karl-Heinz-Walther-Preis ausgezeichnet. Es folgten zahlreiche Bühnenengagements, unter anderem am Osnabrücker Theater (2003-2005), am Staatstheater Wiesbaden (2006-2008), am Schauspielhaus Bochum (2009-2010) und an den Hamburger Kammerspielen (2016). Seit 2016 spielt sie die Hauptrolle in der ARD-Serie "Der Kroatien Krimi".
Weitere Infos zu Neda Rahmanian unter: www.imdb.com

Zur Hauptdarstellerin: Najia Skalli gibt es leider keine weiteren Infos.
Najia Skalli bei IMDb unter: www.imdb.com

Zur Hauptdarstellerin: Yasmin Raeis wurde 1985 in Ägypten geboren. Ihre berufliche Karriere begann sie mit einer Rolle in der ägyptischen Drama-Serie "Ardh Khass". Es folgten etliche Spielfilme wie X-Large (2011) oder "El-Maslaha" (2012). Besondere Aufmerksamkeit erregte die Schauspielerin mit ihrer Hauptrolle in Mohamed Khans "Fatat el masnaa" (2013), die ihr in Kairo und Dubai etliche Preise als Beste Darstellerin einbrachte.
Weitere Infos zu Yasmin Raeis unter: www.yasminraeisofficial.com und www.imdb.com

Zu Oum Kulthum: Die Sängerin wurde 1898 oder 1904 in Tamay e-Zahayra, im Nildelta geboren. Das Singen lernte sie, indem sie ihren Vater al-Shaykh Ibrahim al-Sayyid al-Baltaji heimlich belauschte, während er ihren Brüdern Gesangsunterricht gab. Sie lernte die Lieder auswendig und schon bald wurde er auf ihre beeindruckende Stimme aufmerksam und nahm sie ins Familien-Ensemble auf. Als Junge verkleidet stand sie fortan mit ihm und den Brüdern auf die Bühne. Mit ihrem Umzug nach Kairo im Jahr 1923 knüpfte sie wichtige Bekanntschaften, die ihr später zum Erfolg verhelfen sollten. Der Poet Ahmed Ramy schrieb 137 Songs für sie und führte sie in die französische Literatur ein. Nach ihrer bedeutenden Tour durch den Nahen Osten und Nordafrika stieg der Verkauf ihrer Platten und somit auch ihr Bekanntheitsgrad rasant an. Schnell wuchs ihr Einfluss über den der Kunstszene hinaus und sie wurde von der damals regierenden Königsfamilie für Privatkonzerte angefragt. 1944 verlieh ihr der ägyptische König King Farouk I den Kemal-Damenorden, der für außerordentliche Dienste, meist jedoch nur an Ehegattinnen wichtiger Staatsmänner übergeben wird. Oum Kulthum starb am 3. Februar 1975 an einem Nierenversagen. Zu ihrer Beerdigung kamen über vier Millionen Trauergäste.

Auf der Nilinsel Roda im Herzen Kairos rief das Kulturministerium 1998 das Umm Kulthum Museum ins Leben, welches die musikalische Arbeit sowie einige persönliche Gegenstände der Sängerin ausstellt.


AVIVA-Berlin verlost 3x2 Kino-Freikarten. Bitte beschreiben Sie dazu die letzten Bilder aus dem Trailer und senden uns Ihre Antwort mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 15.06.2018 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


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Women without Men - Ein Film von Shirin Neshat
Videokünstlerin und Regisseurin Shirin Neshat hat mit ihrem ersten Langspielfilm ein bereits ausgezeichnetes Gesamtkunstwerk geschaffen. Der Film basiert auf der Vorlage des gleichnamigen Romans der iranischen Autorin Shahrnush Parsipur. Trotz der Zensur ist ihr Roman auch im Iran sehr bekannt. Die Autorin war von der Idee einer Verfilmung so begeistert, dass sie gleich selbst eine Rolle übernommen hat - und zwar als Puffmutti. (2010)

Kultur > Kino Beitrag vom 03.06.2018 Tina Schreck 





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