Women without Men - Ein Film von Shirin Neshat - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Frauensommer 2018 - Mythos 68 WOHNE LIEBER UNGEW├ľHNLICH
AVIVA-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.06.2010

Women without Men - Ein Film von Shirin Neshat
Undine Zimmer

Videok├╝nstlerin und Regisseurin Shirin Neshat hat mit ihrem ersten Langspielfilm ein bereits ausgezeichnetes Gesamtkunstwerk geschaffen. Der Film basiert auf der Vorlage des gleichnamigen Romans...



... der iranischen Autorin Shahrnush Parsipur. Trotz der Zensur ist ihr Roman auch im Iran sehr bekannt. Die Autorin war von der Idee einer Verfilmung so begeistert, dass sie gleich selbst eine Rolle ├╝bernommen hat - und zwar als Puffmutti.

Eines haben Shirin Neshat und Shahrnush Parsipur gemeinsam: eine Vorliebe f├╝r das Surrealistische. Was die Romanautorin in Prosa umsetzt, verarbeitet die Regisseurin in ihren Bildern. So gro├č der Tumult auf den Stra├čen des Schauplatzes von "Women without Men" im Iran 1953 ist, so langsam und ruhig werden die magischen Bilder um die Geschichte gewebt. Sekundenlang verweilt das Bild in einer Einstellung, in Zeitlupe wehen Haare oder hebt sich ein K├Ârper langsam von dem Gras, auf dem er liegt. Die Farben sind satt, die Bilder werden mit pr├Ągnanten Ger├Ąuschen verkn├╝pft oder kontrastiert: Das Geschrei der Stra├čen unterlegt die Bilder von hohen kalkwei├čen Hauskuben, die sich m├Ąchtig gegen einen blauen Himmel abheben. Als schwarzer Punkt steht Munis, die Protagonistin des ersten Erz├Ąhlstrangs, auf dem Dach ihres Hauses und schaut hinab in das Gedr├Ąnge, das die ZuschauerIn nur h├Âren kann.

Der Film, an dem Neshat seit 2003 arbeitete, ist aus einer urspr├╝nglich mehrr├Ąumigen Installation entstanden, f├╝r die nacheinander jeweils eine Geschichte der f├╝nf weiblichen Hauptcharaktere des Romans "Women without Men" produziert wurde: "Mahdokht" (2004), "Zarin" (2005), "Munis" (2008), "Faezeh" (2008) und "Farokh Legha" (2008).
Vier dieser Schicksale wurden in den Film eingebettet und verbinden sich schlie├člich in einem verlassenen Garten, wo sich die unterschiedlichen Frauen und Lebenskonzepte begegnen.

Der Garten spielt die Hauptrolle des Films. Er ist ein Zufluchtsort und ein idealer Platz, der Sicherheit bietet und unber├╝hrt ist von der Revolution und den gesellschaftlichen Begrenzungen der Frauen. Die Magie dieses Ortes wird durch die Verbindung von Bild und Ton noch unterstrichen. In dem flie├čenden Sonnenlicht, das kaum durch die hohen tropischen Baumkronen dringt, zwischen lautem Zirpen, Pl├Ątschern und Zwitschern, finden die Protagonistinnen wie Zarin endlich Ruhe, oder werden wie Faezeh mit ihrem Selbst konfrontiert. Der Garten ver├Ąndert sich je nach dem inneren Zustand der Frauen, mal bekommt er etwas Bedrohliches und wird zu einem Irrgarten, mal gleicht er einem Paradies. Der Garten hat schon in der orientalischen Dichtung eine lange Tradition und ist als Ort bereits von Anfang an symbolisch aufgeladen.

Die Charaktere der Frauen wirken zu Beginn sehr statisch, die Dialoge sind klischeehaft und sehr sp├Ąrlich, die Gesichtsz├╝ge bleiben h├Âlzern in einer entr├╝ckten Fassungslosigkeit. Einzige Ausnahme ist die Rolle der reichen und kunstliebenden Fakhri, die Neshat mit einer Freundin, der K├╝nstlerin Arita Shahrzad besetzt hat. Auch in ihren Installationen benutzt Neshat Figuren wie Ikonen ohne Eigenschaft und Identit├Ąt. Die scheinbar d├╝nne Substanz der Rollen irritiert zwar zun├Ąchst auf der Leinwand, davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen. Die Luftigkeit der Charaktere bietet einen Projektionsraum, in dem viele Frauenschicksale und Geschichten gefunden werden k├Ânnen, deren unterschiedliche Ausgangspositionen im Verlangen nach Freiheit durch Neshats Art der Darstellung flexibel und zeitlos bleiben. F├╝r das Casting hat die Regisseurin viel Zeit damit verbracht Iranerinnen zu finden, die in Europa leben und akzentfrei Farsi sprechen. Da es unm├Âglich war im Iran zu filmen, wurde Marokko als Drehort ausgew├Ąhlt.


Hintergrund der Erz├Ąhlung von "Women without Men" ist der Milit├Ąrputsch im Sommer 1953, als der erste demokratisch gew├Ąhlte Premierminister des Irans, Mohammed Mossadegh, mit Hilfe der Briten und der USA gest├╝rzt und der Schah wieder an die Macht gesetzt wurde. Die Beweggr├╝nde der Westm├Ąchte waren vor allem, ihr Bestreben einen kosteng├╝nstiger ├ľl-Zugang zu wahren und die Angst vor dem Kommunismus. Man bef├╝rchtete, der Iran w├╝rde sich noch mit der Sowjetunion verb├╝nden und die ├ľllieferungen an den Westen (60%) w├Ąren nicht mehr gew├Ąhrleistet. Neshat sieht als direkte Folge des Putsches die blutige Revolution von 1979 und in weiterer Folge davon die Situation des Irans bis heute.

Die Regisseurin Shirin Neshat, 1957 geboren im Iran, ist international bekannt als Videok├╝nstlerin. F├╝r ihren ersten Langspielfilm "Women without Men" wurde sie 2009 auf den 66. Internationalen Filmfestspielen in Venedig mit dem silbernen L├Âwen f├╝r die beste Regie ausgezeichnet. Sie besch├Ąftigt sich in ihren Werken mit dem Verh├Ąltnis von Islam und Gender und den Beziehungen zwischen dem Westen und dem Nahen Osten. Weitere Infos zu Neshat unter: www.artnet.de.

AVIVA-Tipp: Dieser Film folgt mit seiner sehr poetischen Bildsprache der Tradition des magischen Realismus. Die Regisseurin verwebt virtuos ausdrucksstarke Bilder mit politischen Ereignissen und vier Frauenschicksalen. Jede dieser Frauen ist durch ihren Status aus der normalen Gesellschaft ausgegrenzt: als Geschiedene, als Prostituierte, als Vergewaltigte und als politische Aktivistin finden sie in einem Garten zusammen, der den Traum von einem Ort des Friedens und pers├Ânlicher Freiheit symbolisiert. Der Garten thematisiert auch den Traum von einem Land, das der Iran vielleicht h├Ątte werden k├Ânnen. "Women without Men" ist ein k├╝nstlerischer und anspruchsvoller Film. Dass der Regisseurin jedoch die Verbindung dieser vielen Ebenen, Str├Ąnge und Darstellungsweisen gelungen ist, beweist die positive Resonanz auf dem Filmfestival in Venedig 2009. Wer sich der Herausforderung dieses Films stellt, wird nicht entt├Ąuscht werden.

Women without Men
Zanan-e Bedun-e Mardan
Originalsprache: Farsi
Deutschland, ├ľsterreich, Frankreich 2010
Buch und Regie: Shirin Neshat, Shoja Azari
DarstellerInnen: Pegah Ferydoni, Arita Shahrzad, Shabnam Tolouei, Orsi T├│th
Verleih: NFP marketing & distribution
Laufl├Ąnge: 99 Minuten
Kinostart: 01. Juli 2010
www.womenwithoutmenfilm.com


Lesen Sie auch unser Interview mit Shirin Neshat auf AVIVA-Berlin.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Shirin Neshat - Recent and Earlier Works, eine Ausstellung der K├╝nstlerin im Hamburger Bahnhof, Berlin, 2005.

Regimekritikerin Parastou Forouhar fordert Aufkl├Ąrung der politischen Morde im Iran

Sticheleien von Marjane Satrapi

Persepolis von Marjane Satrapi

"Bitterer Fr├╝hling - Meine Jugend im Iran der Revolutionszeit" von Roya Hakakian

"Die Lichter l├Âsche ich" von Zoya Pirzad

"Mein Iran" von Shirin Ebadi

"Die Stellung der Frau im Gottesstaat Iran" von Nasrin Amirsedghi

Kultur Beitrag vom 01.06.2010 Undine Zimmer 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken