Die Berufung. Ihr Kampf für Gerechtigkeit. Kinostart: 7. März 2019 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AYKA DER FLOHMARKT VON MADAME CLAIRE
AVIVA-Berlin > Kultur > Kino AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   Gewinnspiele
   Frauennetze
   E-cards
   About us
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2019







 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2019 - Beitrag vom 07.03.2019


Die Berufung. Ihr Kampf für Gerechtigkeit. Kinostart: 7. März 2019
Helga Egetenmeier

Sie war einige der wenigen Frauen während ihres Jura-Studiums in den 1950er Jahren in Harvard. Seit 1993 ist Richterin Ruth Bader Ginsburg, die am 15. März 2019 ihren 86. Geburtstag feiert, Beisitzende Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. Der biografisch angelegte Spielfilm von Mimi Leder zeigt...



... zwei wichtige Stationen ihres Lebens, die dabei auch eine Entwicklung der feministischen Bewegung nachzeichnen. Das Drehbuch verfasste Ginsburgs Neffe Daniel Stiepleman, den sie inhaltlich beim Schreiben unterstützte.

Das Leben der in einer jüdisch-amerikanischen Familie in einem Brooklyner Arbeiter*innenviertel aufgewachsenen Ruth (Felicity Jones) ist geprägt durch eine liebevolle Atmosphäre. Ihre Eltern legen Wert auf eine gute Ausbildung und fördern ihr Selbstbewusstsein. Während ihres Jura-Studiums an der Cornell University lernt sie den ebenfalls Jura studierenden und aus einer jüdischen Familie stammenden Martin Ginsburg (Armie Hammer) kennen. Im Juni 1954 heiraten sie und führen bis zum Tod von Martin (2010) eine Ehe, die von gegenseitiger Unterstützung und Gleichberechtigung im privaten, wie im beruflichen Leben geprägt ist. Auf ihre außergewöhnlich liebevolle Ehe verweist Ruth Bader Ginsburg mehrfach in dem ihr gewidmeten Dokumentarfilm "RBG" (2018).

1956 als Jurastudentin an der Elite-Universität Harvard

Als sie 1956, 14 Monate nach der Geburt ihrer Tochter Jane, an der Harvard University das Studium der Rechtswissenschaften aufnimmt, ist sie eine von neun Studentinnen unter 500 Studenten. Im ersten Teil fokussiert der Spielfilm auf diese Zeit, als die vielfachen Vorbehalte gegenüber Frauen in diesen akademischen Kreisen deutlich zu spüren waren. Doch ihre unerschütterliche Selbstsicherheit, die sie aus dem Vertrauen und der Unterstützung durch ihre Familie zieht, helfen ihr, ihren Weg zu finden.

Für den ebenfalls an der Harvard University Steuerrecht studierenden Martin ist die gemeinsame Kindererziehung ebenso selbstverständlich, wie die alltägliche Küchenarbeit. Als er im gleichen Jahr an Hodenkrebs erkrankt, nimmt Ruth eine große Mehrfachbelastung auf sich. Mit großer Disziplin und guter Laune schafft sie es, sowohl die Vorlesungen ihres Mannes - die sie ihm transkribiert - wie auch ihre eigenen zu besuchen und sich gleichzeitig um Tochter Jane zu kümmern.

In the Case of Sex - ein bedeutender Gerichtsfall für die Gleichberechtigung

Anfang der siebziger Jahre, Sohn James ist bereits ein Kleinkind und Tochter Jane (Cailee Spaeny) eine am Feminismus interessierte junge Rebellin, setzt der zweite Teil des Films ein. An den heftigen Diskussionen zwischen Mutter und Tochter zeigt sich der Bruch der Generationen in der Frauenbewegung. Die bürgerliche Juristin strebt auf rechtlichem Weg die Gleichberechtigung an, Jane kritisiert diese Werte, geht zu feministischen Demonstrationen und unterstützt öffentliche Proteste, die weitreichende politische Veränderungen einfordern.

Zu dieser Zeit arbeitet Ruth, die trotz ihres hervorragenden Abschlusses keinen Job als Anwältin bekommt, als Professorin an der Columbia-Universität zum Thema Geschlechterdiskriminierung. Als Martin auf den Steuer-Fall von Charles Moritz stößt, macht er sie auf dessen Ausgrenzung aufgrund des Geschlechts aufmerksam: ihm wird der übliche Steuernachlass für die Pflege seiner kranken Mutter verwehrt, weil er ein unverheirateter Mann ist.

Mimi Leder konzentriert sich auch im zweiten Teil des Films auf das Leben von Ruth und ihrer Familie. Statt den ausführlichen Gerichtsprozess "Moritz vs. Commissioner", der am 22. November 1972 seinen Abschluss findet, detailreich nachzuzeichnen, zeigt sie nur einige prägnante Stellen. Auf das lange und präzise Abschlussplädoyer von Ruth Bader Ginsburg sei hier besonders hingewiesen, da ihre faszinierende Ruhe und Genauigkeit ein Bild ihrer beruflichen Leidenschaft zeigt, das auch der Dokumentarfilm präsentiert.

Eine wichtige Nebenrolle spielt - neben der American Civil Liberties Union (ACLU), die seit 1920 in den USA für die bürgerlichen Grundrechte eintritt - die New Yorker Rechtsanwältin, Richterin, Feministin und politische Aktivistin Dorothy Kenyon. Über sie bekommt Ruth die dringend benötigte Unterstützung der ACLU für ihren Moritz-Fall. Damit schließt der Film an die feministische Kontinuität der juristischen Kämpfe von Frauen für Gleichberechtigung an und würdigt gleichzeitig Dorothy Kenyon (1888 - 1972), die bereits 1917 ihre juristische Ausbildung an der School of Law der New York University abschloss. Auch Jane Ginsburg ist Juristin und promovierte an der Harvard Law School.

Mimi Leder: "Die Geschichte von Richterin Ginsburg ist heute relevanter denn je. Ihr Vermächtnis, ihre Errungenschaften bereiteten den Boden für die #MeToo-Bewegung, das #TimesUp-Movement und all die aktuellen Debatten über Geschlechtergleichheit, Genderparität und gleiche Rechte für alle. Wir sind noch lange nicht fertig. Es fängt gerade erst an. Und alles begann mit Ruth Bader."

AVIVA-Tipp: Mimi Leder gelingt es, unterschiedliche Schichten gesellschaftlicher und feministischer Entwicklungen anhand der Familie Bader Ginsburg miteinander zu verbinden. Mit dem Fokus auf zwei weichenstellende Entscheidungen der jungen Ruth verweist sie über die bürgerlichen 1950er und die rebellischen 1970er Jahre bis ins feministische Heute. Dem etwas bürgerlich bleibenden Film gelingt damit ein Plädoyer für ein respektvolles Miteinander, das ein Denken in Geschlechtergrenzen befremdlich erscheinen lässt.

Eine kurze Biografie von Ruth Bader Ginsburg

Geboren wurde Joan Ruth Bader am 15. März 1933 in Brooklyn, New York City, als zweites Kind der jüdischen Familie Nathan Bader und Celia Amster. Ihr Vater kam im Alter von 13 Jahren aus Russland in die USA, die Familie ihrer Mutter stammte aus einem Stetl in der Nähe von Krakau, Polen. Ihre ältere Schwester Marilyn starb mit acht Jahren, Ruth war da gerade zwei Jahre alt. Am Tag vor ihrem College-Abschluss ereilte sie ein weiterer Schicksalsschlag: ihre Mutter, die ihr, wie sie sagt, dass Lernen und Denken beigebracht hat, starb an Krebs. Ihr wegweisender Rat wurde der jungen Ruth zum Lebensmotto für ihre Karriere: Wut ist nur Zeitverschwendung.

Ruth Bader heiratete 1954 mit Martin Ginsburg, der ebenfalls Rechtswissenschaften an der Harvard University studierte, einen Mann, von dem sie sagt, er war "the only boy I had ever met who cared that I had a brain." Obwohl sie als Beste ihrer Klasse die juristische Fakultät abschloss, wurde sie von keiner der zwölf Anwaltsfirmen eingestellt bei denen sie sich bewarb. Und bei ihrer ersten Professur (1963-1972) an der Rutgers Law School wurde ihr mitgeteilt, dass sie als Frau ein geringeres Gehalt erhalte, da ihr Mann ja gut verdiene.

Während dieser Zeit war Ruth Bader Ginsburg eine von weniger als zwanzig Juraprofessorinnen in den USA und wurde 1970 Mitbegründerin von "Women´s Rights Law Reporter", dem ersten Rechtsjournal in den USA, das sich auf Frauenrechte fokussierte. 1972 war sie Mitbegründerin des "Women´s Rights Project" der "American Civil Liberties Union" (ACLU), einer unabhängigen NGO, die sich auch heute weiterhin für Menschenrechte einsetzt und gegen Geschlechterdiskriminierung vor Gericht zieht.

Präsident Carter ernannte sie 1980 zur Richterin am Bundesappellationsgericht für Washington, DC. Dort arbeitete sie, bis Präsident Bill Clinton (1993-2001) sie 1993 als zweite Frau und als erste jüdische Richter*in auf Lebenszeit in den Obersten Gerichtshof der USA berief. 2016 erschien ihr Buch "My Own Words" bei Simon & Schuster.

Zur Regisseurin: Mimi Leder hat bereits mehrere Emmy Awards für ihre Arbeit als Regisseurin und Produzentin gewonnen und wurde als erste Frau in das Conservatory Cinematography Programm des AFI aufgenommen. Ihre Regiekarriere begann mit der Gerichtsserie "L.A. Law", für ihre Arbeit an "E.R." wurde sie mit mehrfach für den Emmy-nominiert. Ihren ersten Emmy gewann sie für die Inszenierung und einen zweiten Emmy für die Beste Serie. Ebenfalls eine Emmy-Nominierung erhielt sie für ihre Regiearbeit bei der Serie "The West Wing". Ihr erster Kinofilm war "The Peacemaker" (1998), danach folgte "Deep Impact" (1999), der zum Zeitpunkt seines Kinostarts der erfolgreichste von einer Frau inszenierte Film der Geschichte war. Im Jahr 2000 erhielt sie den Dorothy Arzner Directors Award von Women in Film.

Zur Hauptdarstellerin: Felicity Jones begann bereits mit zwölf Jahren ihre Karriere als Schauspielerin, beendete trotzdem ihre Schule und erlangte einen Abschluss in Oxford. Bekannt ist die britische Schauspielerin vor allem für ihre Rolle in "Die Entdeckung der Unendlichkeit" (2014), für die sie sowohl für den Oscar als auch den Golden Globe Award vorgeschlagen wurde. Für die Hauptrolle in "Like Crazy" (2011) erhielt sie auf dem Sundance Film Festival den Special Jury Award als Beste Schauspielerin. Neben weiteren Filmen spielte sie 2016 auch in "Rogue One: A Star Wars Story" die Hauptrolle.

Zum Hauptdarsteller: Armie Hammer begann seine Karriere in TV-Serien wie "Gossip Girl" und "Desperate Housewives". Bekannt wurde er für seine Doppelrolle der Winklevoss-Zwillinge in "The Social Network" (2010), wie dem titelgebenden Charakter im Western "The Lone Ranger" (2013) und einer der zwei Hauptrollen in dem romantischen Drama "Call Me by Your Name" (2017). Dieser Film über zwei jüdische Homosexuelle in den 1980er Jahren lief 2017 auf der Berlinale, gewann 2018 den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch und rund 70 weitere Filmpreise.

Zur Nebendarstellerin: Cailee Spaeny, Schauspielerin und Sängerin, begann als Theaterschauspielerin im Springfield Little Theatre und debütierte 2016 in dem Kurzfilm "Counting to 1000". Danach folgten 2018, neben "Die Berufung", noch drei weitere Kinofilme, wie der Science Fiction "Pacific Rim Uprising", für 2019 hat sie bereits zwei weitere Filmrollen abgedreht.

Die Berufung
Ihr Kampf für Gerechtigkeit

Originaltitel: On the Basis of Sex
USA 2018
Regie: Mimi Leder
Drehbuch: Daniel Stiepleman
Darsteller*innen: Felicity Jones, Armie Hammer, Kathy Bates, Justin Theroux, Cailee Spaeny, u.a.
Verleih: Entertainment One
Lauflänge: 121 Minuten
FSK:
ab 0 Jahren
Kinostart: 7. März 2019

Mehr zum Film unter: www.deinkinoticket.de/die-berufung

Mehr Infos:

Auf der Webseite des Jewish Women´s Archive findet sich eine große Anzahl an Links zu Informationen über Ruth Bader Ginsburg: jwa.org

United States Holocaust Memorial Museum - Ein Gespräch mit Ruth Bader Ginsburg, in dem sie ihre jüdische Identität und die Redefreiheit reflektiert, sowie den aktuellen Antisemitismus.
www.ushmm.org

Ruth Bader Ginsburg auf FemBio, mit einer ausführlichen Linkliste.
www.fembio.org

Webseite der American Civil Liberties Union (ACLU), einer US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation mit Sitz in New York City, die seit 1920 besteht und sich für Bürger*innenrechte und generell für Anliegen des Liberalismus einsetzt.
www.aclu.org

Die Blogging-Plattform Tumblr mit Informationen zu Ruth Bader Ginsburg. Tumblr, in den USA bei Menschen zwischen 13 und 22 Jahren beliebt, und hat mit "notoriousbrg.tumblr" zum Interesse am Leben und Arbeiten von Ruth Bader Ginsburg beigetragen - mit Link zu T-Shirts und Merchandise des "The Official Notorious RBG Store".
www.notoriousrbg.tumblr.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin

RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit Ein Dokumentarfilm von Betsy West und Julie Cohen über Ruth Bader Ginsburg.
Die 85-jährige Frauenrechts-Ikone, die Richterin am Supreme Court Ruth Bader Ginsburg, bei ihren jungen Fans auch als Notorius RBG bekannt, kämpft seit den 1970er Jahren für Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte. Der Dokumentarfilm zeigt den Lebensweg der brillant argumentierenden Juristin und jüdischen Feministin, die 1993 als zweite Frau auf Lebenszeit an den Obersten Gerichtshof der USA berufen wurde. (2018)

Gerda Lerner - Es gibt keinen Abschied
Gerda Lerner, 1920 in Wien geboren und in die USA geflüchtet, Pionierin der feministischen Geschichtswissenschaften und Verfasserin der Standard-Werke "Die Entstehung des Patriarchats" und "Die Entstehung des feministischen Bewusstseins", war auch eine beeindruckend gute Literatin. (2017)

Gloria Steinem - My Life on the Road
Die Ikone des amerikanischen Feminismus ist Mutmacherin und Rebellin. Sie ist aber auch himmlische Barkeeperin und reisende Feministin. Ihr Kick ist es, "on the Road" zu sein und Fragen zu stellen. Die Biographie ist eine Rückschau auf ein bewegtes Leben. (2016)

Jutta Limbach - Wahre Hyänen. Pauline Staegemann und ihr Kampf um die politische Macht der Frauen
Oft wurde die am 10. September 2016 verstorbene ehemalige Berliner Justizsenatorin und erste Frau an der Spitze des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach in ihrem Berufsleben nach Vorbildern gefragt. Eines war ihre Urgroßmutter, das ehemalige Dienstmädchen Pauline Staegemann. Deren Devise lautete: "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt." (2016)

Pamela Pabst und Shirley Michaela Seul - Ich sehe das, was ihr nicht seht. Eine blinde Strafverteidigerin geht ihren Weg
Sie hat einen Traum: Sie will Strafrichterin werden. Das Jura-Studium, Referendariat und die beiden Staatsexamina sind für die blinde junge Frau eine Herkulesaufgabe. Wie sich Pamela Pabst ihrem Traum zäh, optimistisch und nicht ohne Selbstironie nähert, davon handelt ihre Biographie. (2014)

Betty Anne Waters
Eine Frau aus dem amerikanischen Arbeiterinnenmilieu hat sich ein klares Ziel gesetzt: Sie studiert Jura, nicht der Karriere wegen, sondern um die Unschuld ihres wegen Mordes inhaftierten Bruders zu beweisen. (2011)

Bella Savitzky Abzug - Die New Yorkerin, Feministin, Antikriegs-Aktivistin, Politikerin und Rechtsanwältin wäre am 24. Juli 2010 neunzig Jahre alt geworden
Ein Portrait auf FemBio und AVIVA. "Jeder, der meint, er brauchte mich nicht ernst zu nehmen, sollte sich in Acht nehmen", warnte die "Very Serious Woman" einst ihre GegnerInnen. Sie starb im Alter von 77 Jahren, doch ihre Arbeit für Frauen und die Schwächeren der Gesellschaft wirkt fort. (2010)

"Simone Veil - Und dennoch leben. Die Autobiographie der großen Europäerin"
Die französische Politikerin, Frauenrechtlerin und Auschwitz-Überlebende gewährt Einblicke in ihr berührendes privates und bewundernswertes politisches Leben. Versöhnung, Hoffnung, Integrität und Mut zeichnen bis heute diese Ausnahmepolitikerin aus, die stets gegen alle Widerstände unbeirrbar ihren Weg gegangen ist. (2009)

.



Kultur > Kino Beitrag vom 07.03.2019 Helga Egetenmeier 





  © AVIVA-Berlin 2019 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken