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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2021 - Beitrag vom 01.11.2010


Miral - Ein Film von Julian Schnabel
Judith Kessler

Julian Schnabel (Schmetterling und Taucherglocke) hat mit prominenter Besetzung – Hiam Abbass (Die syrische Braut), Alexander Siddig (Star Trek), Vanessa Redgrave, Willem Dafoe – die...




...Jerusalemer Kindheit der Palästinenserin Rura Jebreal verfilmt. Dass Jebreal seine Lebensgefährtin ist und dass er deren Rolle im Film mit der keimfreien indischen Bollywood-Schönheit Freida Pinto besetzt hat, sind nur zwei von vielen Details, die dem Film nicht bekommen sind. "Ein Land. Drei Frauen. Ein gemeinsamer Traum… Palästina… wobei es nur eine Botschaft gibt: endlich Frieden" – so steht es in der Kurzbeschreibung des Films. Klingt gut. Nur ist "Miral" davon leider nichts anzumerken.

Eigentlich geht es um Hind Husseini, die 1948 in Jerusalem das Dar-al-Tifl-Institut für arabische Waisenkinder aufgebaut hat, wo auch Miral nach dem Selbstmord ihrer Mutter aufwächst. 1987 schickt Hind sie und andere 17-Jährige dann als junge Lehrerinnen in die besetzten Gebiete. Miral landet in Ramallah, mitten in der Intifada, trifft den PLO-Mann Hani und soll sich entscheiden zwischen den friedlichen Idealen ihrer Schule und ihrer Lehrerin und dem gewaltsamen Kampf.

Schnabel mixt wild und langatmig Zeiten, Episoden, Spielfilm- und Dokumentarsequenzen (Staatsgründung, Sechs-Tage-Krieg, Intifada) und bedeutungsschwangere Töne von arabischer Volksmusik bis Tom Waits. Doch der Film verschwendet keine Mühe auf Ursachen und Wirkungen, er versucht nichts zu erklären oder zu hinterfragen.

Die pathetisch gestelzten Dialoge klingen wie aus dem Konversationslehrbuch "Politische Reden für Anfänger". Auch die pure Aneinanderreihung suggestiver Bilder machen den Film nicht besser, selbst wenn er sicher gut gemeint ist. Hübsche arabische Mädchen in weißen Blusen oder weinender arabischer alter Mann hier – aggressive israelische Panzer, Bagger und Siedler da; der Patriot und der Widerstandskämpfer hier – der fiese stiernackige Verhörer und die fette folternde Soldatin, Marke KZ-Aufseherin da.

AVIVA-Fazit: Gutaussehender, liebevoller Palästinenser-Papa versus ekliger israelischer Papa, natürlich Offizier, ganz edel gegen ganz böse. Das ist für einen reflektionsfähigen Künstler wie Julian Schnabel erstaunlich einseitig und naiv. Selbst der palästinensischen Sache dürfte eine solche billige Propaganda nicht dienlich sein. Wer aber grob holzschnittartige Figuren aus dem Modemagazin (Palästinenser/innen) oder aus dem Horrorcomic (Israelis) sehen will, ist hier richtig.

Dieser Artikel von Judith Kessler ist unter dem Titel "Miral" in der Zeitschrift Jüdisches Berlin Nr.128/2010 im November 2010 erschienen und wurde AVIVA-Berlin von der Autorin freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Miral
Frankreich/Deutschland/Israel/Indien 2010
Regie: Julian Schnabel
Buch: Rula Jebreal
DarstellerInnen: Hiam Abbass, Freida Pinto, Yasmine Al Masri, Ruba Blal, Alexander Siddig, Omar Metwally, Willem Dafoe, Vanessa Redgrave, Stella Schnabel, Makram J. Khoury u.a.
Verleih: Prokino
Lauflänge: 112 Minuten
Kinostart: 18. November 2010
Weitere Informationen zum Film finden Sie unter:
www.miral-derfilm.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Taucherglocke und Schmetterling", ein Film von Julian Schnabel

"Die syrische Braut", ein Film von Eran Riklis mit Hiam Abbass

"A Serious Man", eine weitere Kinorezension von Judith Kessler




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Beitrag vom 01.11.2010

AVIVA-Redaktion 






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