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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 04.01.2008

Mythos Jungfrau - Die Kulturgeschichte weiblicher Unschuld
Stefanie Denkert

Anke Bernau untersucht das Konzept der Jungfräulichkeit im kulturellen, religiösen und historischen Kontext. Anhand zahlreicher Beispiele, u.a. aus Literatur, Film, Medizin und Politik, liefert sie



...erstaunliche Erkenntnisse!

Eine Jungfrau, was ist das eigentlich? Eine Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte? Eine Frau, deren Jungfernh√§utchen intakt ist? Was, wenn sie aber ohne Hymen geboren wurde? Verliert frau ihre Unschuld, wenn das Hymen beim Sport rei√üt? Ist eine vergewaltigte Frau noch Jungfrau? Man k√∂nnte diesen Fragenkatalog noch lange weiterf√ľhren, deutlich wird aber bereits jetzt, dass die Definition von Jungfr√§ulichkeit nicht so einfach ist, wie man zun√§chst denken mag.

Das Konzept von Jungfr√§ulichkeit bezieht sich nicht ausschlie√ülich auf einen k√∂rperlichen Zustand und ist beeinflusst von Religion, Kulturkreis und Gesellschaft, zudem √§ndert es sich im Laufe der Zeit. War es unter Jugendlichen nach der sexuellen Revolution in den 1970ern und 80ern meist uncool, Jungfrau zu sein, gibt es seit den 1990er nicht nur in den USA Jugendbewegungen von meist christlichen M√§dchen und Jungen, die mit Sex bis zur Ehe warten wollen. (Dass in vielen F√§llen nur der vaginale Verkehr vermieden wird, w√§hrend frau alles andere praktiziert, steht auf einem anderen Blatt). Vor ein paar Jahrhunderten sah das noch ganz anders aus: da f√ľrchteten n√§mlich (m√§nnliche) Mediziner, dass Jungfr√§ulichkeit Frauen krank macht. Durch das intakte Hymen k√∂nnte das Menstruationsblut schlie√ülich nicht richtig abflie√üen und Jungfrauen drohten irgendwann zu platzen, dachte man(n).

Welche Relevanz hat das Konzept der Jungfr√§ulichkeit heutzutage √ľberhaupt noch? Von islamistischen Terroristen, denen ein prunkvolles Leben mit einem Harem von Jungfrauen nach dem M√§rtyrertod versprochen wird, √ľber Familien, die ihre T√∂chter steinigen, wenn sie ihre Jungfr√§ulichkeit nicht bis zur Ehe bewahrt, √ľber "Wahre Liebe wartet" - Bewegungen bis zu Hymen-Rekonstruktionen und der noch vielerorts bestehenden "Jungfrau oder Hure"-Dichotomie - es gibt Gr√ľnde genug, warum Anke Bernau sich mit dem Thema der sexuellen Unber√ľhrtheit auseinandergesetzt hat. Mit Hilfe von medizinischen Schriften, Gedichten aus dem Mittelalter, Hollywoodfilmen u.v.m. hat die Literaturwissenschaftlerin eine Kulturgeschichte weiblicher Unschuld nachgezeichnet, die die Konstruiertheit - deshalb Mythos - von Jungfr√§ulichkeit aufzeigt.

Zur Autorin: Anke Bernau ist Dozentin f√ľr Mittelalterliche Literatur und Kultur an der University of Manchester. Promoviert hat sie zum Thema "Jungfr√§ulichkeit in mittelalterlichen religi√∂sen Schriften". Sie wurde in Deutschland geboren und lebt in Gro√übritannien. (Verlagsinfo)

AVIVA-Tipp: Die Kehrseite der Idealisierung von Jungfrauen ist nat√ľrlich die Verabscheuung der sexuell aktiven und selbst bestimmten Frau (sprich: ¬īHure¬ī). Anke Bernau zeigt die frauenfeindlichen Strategien auf, die hinter dem Konzept der Jungfr√§ulichkeit stecken - aber sie findet auch Frauen in der Geschichte, die sich f√ľr ewige Jungfr√§ulichkeit als Strategie entscheiden f√ľr ein selbst bestimmtes Leben. Gute Aufkl√§rung! Teilweise auch besonders f√ľr Geschichts- und MittelalterliteraturliebhaberInnen geeignet!

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Wa(h)re Lust - Zuhälter, Prostituierte und Freier erzählen


Anke Bernau
Mythos Jungfrau - die Kulturgeschichte weiblicher Unschuld

OT: Virgins - A Cultural History
Aus dem Englischen von Ulrike Seith
Parthas Verlag, erschienen Oktober 2007
200 Seiten
ISBN-10: 3866010621
ISBN-13: 978-3866010628
19,80 Euro

Literatur Beitrag vom 04.01.2008 AVIVA-Redaktion 





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